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Mensch 2.0. – Mind-Uploading & die Gier nach der Unsterblichkeit

In Westworld versuchen Menschen ihre Vergänglichkeit mittels Mind-Uploading zu überwinden. Dass Mind-Uploading dabei immer nur eine Kopie der jeweiligen Persönlichkeit erstellt, wird gerne übersehen. Black Mirror greift das Thema in der 4. Season jedoch sehr interessant und korrekt auf. So lassen sich digitale Klone verwenden, um Geständnisse zu entlocken, indem eine künstliche Umgebung sie zum Wahnsinn treibt oder auch als persönlicher Sklave, der die Eigenschaften des Hauses regelt.

Transhumanismus und Unsterblichkeit

Transhumanismus beschäftigt sich mit den Grenzen menschlicher Möglichkeiten, die sich, sei es intellektuell, physisch oder psychisch durch technologische Verfahren und Mittel, erweitern lassen können.

Der Gedanke und Wunsch nach Unsterblichkeit findet sich bereits 2000 v. Chr. Das Gilgamesch-Epos thematisiert die Suche nach der Unsterblichkeit folgendermaßen: Gilgamesch, zu einem Drittel Mensch und zwei Dritteln göttlich, bemerkt gegen Ende, dass er sich nur durch große Werke als guter König Unsterblichkeit in Form eines Rufes erwerben kann. Daran knüpfen die homerischen Epen an: Unsterblichkeit kann nur via Nachruhm und nicht tatsächlich, als bewusste oder physische Unsterblichkeit erlangt werden.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ca. 4000 Jahre später, kristallisieren sich die ersten Projekte: das Startup Nectome plant das Gehirn in eine Cloud laden und nähme dafür den Tod in Kauf. Die Firma, die bereits Investoren gefunden hat, konzentriert sich aktuell auf todkranke Patienten, welche mittels ärztlicher Unterstützung aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen. Elon Musk unterstützt ein ähnliches Unterfangen mit seiner Firma Neuralink, wo versucht werden will, das Gehirn mit Computern zu verbinden um dem Menschen im Wettbewerb mit der künstlichen Intelligenz kompatibel zu machen. Wait, what?

Nehmen wir an, der Upload funktioniere tatsächlich, müsste man aber auch die biologischen Gegebenheiten bereit stellen, beziehungsweise diese simuliert werden. Im Idealfall wäre die Simulation so gut, dass der Geist sie nicht als solche bemerkt und sogar Naturgesetze verändern könnte, ohne dass uns etwas seltsam vorkäme. Vielleicht haben auch all jene, die Wahnsinnig sind, den Umstand bereits erkannt.

Sicherlich unwahrscheinlich, aber was, wenn der Programmierer, der uns alle in einer Simulation gefangen hält und auswertet, uns die Möglichkeit gibt, Grenzen des Unfassbaren auszutesten. Uns so zusagen für unsere Gedankengänge und Ideen belohnt oder auch bestraft, in dem er uns, wieder mal, ins Leere laufen lässt. Oder, meine Lieblingstheorie: Die Menschheit ist ein gescheitertes Schulprojekt eines Alienkindes in der 3. Klasse Grundschule, die nun im Keller vor sich hin staubt und sich allmählich, ohne kindliche und neugierige Führung, nach und nach selbst zerstört.

Auch stellt sich die Frage nach der Haltbarkeit, da digitale Speichermedien nicht gerade für ihre Langlebigkeit bekannt sind. Sprich, man lädt sein Bewusstsein (beziehungsweise eine Kopie davon) in die unendlichen Weiten der digitalen Welt und sieht sich in 30 Jahren doch wieder mit der Auslöschung konfrontiert, wenn der Server, auf dem man ruht, eingestampft – oder von einem wütenden Kind zerstört wird, da Papa ihm nicht erlaubt hatte, mit den anderen Kindern nach Sieben zu spielen. Vielleicht ist also doch der Nachruhm, dem homerische Helden entgegen eifern, die beste Möglichkeit Unsterblichkeit zu erlangen.

Die verlockende Idee nach Unsterblichkeit bringt auch Überlegungen mit sich, wie „Wenn ich und mein Körper unsterblich sind (durch Adaption in maschineller Form oder metaphysisch), was passiert, wenn die Erde in 7 Millionen Jahren von der Sonne verschluckt wird? Fliege ich dann im Weltraum herum? Für immer? Billionen von Jahren, bis es zu einem neuen Big Bang kommt, und dann?“

Unsterblichkeit ist, wenn man es genau nimmt, für die Ewigkeit und wer danach dürstet, die Zerstörung oder Entwicklung der nächsten 300 Jahre zu beobachten, muss sich auch darauf einstellen, dass er mitunter auch 300 Jahre erlebt, am eigenen Leib erfährt – sofern seine Unsterblichkeit nicht nur metaphysisch, sondern auch physisch passiert. Er muss sich auch darauf einstellen, dass er nicht nur 300 Jahre erlebt, sondern 3000 oder auch 30 000 und 300 000. Und will man das wirklich? Will man das?

Filme und Serien, die Mind-Uploading thematisieren

Neben Westworld und Black Mirror wären da noch:

Avatar (2009) dient als Beispiel für „Romantisierung der Natur“ und Naturalisierung der transhumanistischen Idee des Uploading durch neuronale Schnittstellen. Die Naturalisierung des Technologischen umfasst in Avatar auch die Idee des Uploadings, die Idee den menschlichen Geist vom Körper zu trennen und auf eine andere Hardware zu transferieren.

Surrogates (2009) nähert sich der Thematik kritisch und stellt die Abhängigkeit von Technologien in Frage. Die Einwohner liegen in ihren Betten, während der „Surry“ mit dem sie mental verknüpft sind, ein Roboter, für sie agiert.

Transcendence (2014) stellt die Darstellung des (falsch) verstandenen Mind-Uploadings am bildlichsten dar: Ein Todkranker und größenwahnsinniger Johnny Depp lädt sich selbst in eine Maschine und droht mit Zerstörung.

Zusammenfassung

Die Idee, als unsterbliches Bewusstsein durch die Weiten des Interwebs zu streifen und instant an jedem Ort sein zu können, jede Information binnen Sekunden abzurufen, via Kameras der Vernichtung der Welt beizuwohnen, mit zu erleben, wie sie sich verändert (und sich mit zig anderen im Clinch zu stehen, wie die Welt der noch physischen Menschen weiter manipuliert werden könnte..) und für immer zu leben, lässt eine, wenn auch, skurrile Romantik entstehen. Ein Geist, verbunden mit der gesamten Welt, immer und überall zugleich, befreit von den Lastern des physischen und – auch des emotionalen.

Trotzdem muss das menschliche Bewusstsein eine Stufe unter diesem Traum verharren, denn diese Entwicklung bleibt aktuell nur künstlich Erschaffenem vorbehalten – die das menschliche Bewusstsein zwar im Stande ist zu kreieren, aber sich für sie selbst die Möglichkeiten nicht in Anspruch nehmen kann.

Es ist und bleibt eine griechische Tragödie.

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„Black Mirror“, S03E05

„Men against fire“ ist der feuchte Traum eines jeden Nazi. Gattaca meet’s Military. Vom Urlaub in „San Junipero“ zurück in die Dystopie. So kennen wir Black Mirror.

Die Zukunft zeigt sich in Black Mirror anhand einfacher Details: Seien es selbst fahrende Autos, Universal-Übersetzer oder eben die Sicht erweiternde Implantate, die immer wieder ein willkommener Aufhänger für das eine oder andere Szenario sind (wie auch in „White Christmas“, und besonders in „The Entire History of You“ (S01E03) und so auch hier). Mit Leichtigkeit kann man zwischen den unterschiedlichen Kameras hin und her zu switchen, was die Überwachung via Drohnen recht einfach gestaltet: es ist möglich Objekte heran zu zoomen und während der Übung am Platz, wird man von einer virtuellen Ausstattung begleitet. Klingt doch gut, oder?

Worum geht es?

Das Setting liegt im dystopen Dänemark, ein erbitterter Krieg zwischen Mensch und „Roaches“ beherrscht die Szenerie, genauer gesagt, zwischen minderwertigen Zombiehaften Wesen deren Blut krank ist und den (mittlerweile) „erweiterten“ Menschen. Es ist Soldat Stripes‘ (Malachi Kirby) erster Einsatz. Er agiert und tötet, wenn auch extrem. Kurz bevor er einer entstellten Kreatur mehrfach in den Hals sticht, blendet ihn diese mit einer Art Taschenlampe (es erinnert etwas an einen Sonic-Screwdriver made by MacGyver). Nach und nach fühlt er sich anders. Die Geschichte beginnt.

Spoiler!

Die Träume der hübschen Frau, die er seit Anbeginn hat, weisen mehr und mehr Störungen auf (quasi „laggen“) und er entdeckt, dass all seine Kameraden dieselben Zuckungen in den Fingern haben. Nach und nach fühlt er sich anders. Er kann Gras riechen. Der Psychiater beschert ihm gute Träume (aus der naiv-romantischen Phantasie wird eine Orgie) – und dieser Akt deutet bereits die Auflösung des Twists an.

Wenn Militär und Technologie zusammen arbeiten kommt selten etwas sinnvolles dabei heraus. In diesem Falle wurde vor 10 Jahren, unmittelbar nach einem Krieg, ein DNA-Screening bei jedem Menschen vorgenommen und seine Daten registriert, so wie schwacher IQ, Veranlagung zu Krebs oder anderen vererbbaren Krankheiten. Die Soldaten sind dazu da, die Menschen „rein“ zu halten und alle anderen auszulöschen. Eine alte und bekannte Idee. Und was eignet sich besser, als dass einem Soldaten ein „tatsächlicher“ Feind vorgesetzt wird? Nach und nach bemerkt Stripes, dass die Roaches eigentlich ganz normale Menschen sind – die nicht registriert werden wollten, und das nichts von dem wahr ist, was ihm erzählt wurde.

Zurück auf der Station indoktriniert ihm der Psychiater, dass es notwendig sei, sie auszulöschen und die Zukunft davon abhänge. Wolle er zurück in eine Welt in der Krebs und Krankheit weiter getragen werden? Stichwort: Gattaca – Zwei Klassengesellschaft. Und aus diesem Grund müssen alle, die nicht dem Standard entsprechen, vernichtet werden. Interessant ist auch die Tatsache, dass Stripes dieses Leben offenbar selbst wollte und eine Erklärung unterschrieb, dass er sich nicht mehr an das Gespräch erinnern werde. Das Video wird ihm kurz daraufhin vorgespielt.

Wenn die Medien von implantierten Chips sprechen, die von Arbeitgebern ihren Arbeitnehmern eingesetzt werden, um beispielsweise Türen zu öffnen oder sich einzuchippen oder damit am Kaffeeautomat bezahlen, muss ich unweigerlich an die negativen Konsequenzen denken, die zwar jetzt, im Säuglingsstadium, noch nicht abschätzbar sind, uns aber durch Science Fiction über Jahrzehnte nahe gebracht wurden und werden. Thank you, but no thank you.

Stripes erinnert sich tatsächlich nicht und er hat zwei Möglichkeiten: Reset, inklusive das aktuelle Gespräch, oder er wird sich bis auf den Rest seines Lebens an die schrecklichen Qualen (er sieht nun deutlich vor Augen, dass es ein Mensch war) in Endlosschleife erinnert werden.

Fazit: Dystopie vom feinsten.

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