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„Sydney White – Campus Queen“

Es war einmal 2007.

Die College Queen, sie heißt Witchburn und ist still the fairest of them all, auf der College hot or not-MySpace Seite (dafuck MySpace!?) führt ein gemächliches Leben. Bis Sidney White auftaucht, Tochter eines Klempners und einer Verbindungs-College Legende. Sie, die als einzige Dunkelhaarig ist, wurde von Bauarbeitern aufgeklärt und aufgezogen, kann Dinge reparieren und schleppt ihre Comic-Sammlung im Koffer auf die Uni.

Was sich a bissl trashig und dumm anhört, ist bis zur Hälfte durchaus ganz amüsant und gelungen. Danach verfällt es leider dem Reiz des Klischees.

Once upon a time

Im abgefuckten Haus, genannt The Vortex, leben die sieben Freaks und Außenseiter, die Geeks und Nerds, Austausch- wie Langzeitstudenten. Die halt, die niemand haben will. Die Tür knarrt, hier und da bricht ein Feuer aus und Queen Bitchy will es abreißen; sie ist generell nicht ganz so happy mit ihrem Leben, denn Tyler Prince, der Prinz, hat sie verlassen und jetzt flirtet er auch noch mit dieser neuen! Das Leben ist wirklich kein Zuckerschlecken. Damn.

Sidney, die dank ihrer Mutter ein Quasi-Anrecht auf einen Platz im Verbindungshaus hat, besteht die Prüfungen nicht, die übrigens recht creepy sind und einen Klischee-Nerd ins Lächerliche ziehen. Tja. Wie es denn so kommt, hat sie nirgendwo hin zu gehen, es regnet und sie klopft an deren Tür. Natürlich wird sie aufgenommen, in eine WG voller Jungs, die noch nie engeren Kontakt zu einer Frau hatten. Lustigerweise, ja natürlich kommt es zum Date mit dem Prinzen, beraten die Geeks sie dann im Bezug auf die Kleiderwahl.

Ich weiß, man sollte die Nerd-Szenen nicht nett finden, weil auch TBBT eigentlich an der Ablehnung und sich über Nerds lustig machen, trotz Repräsentation, nichts geändert hat, vor allem die Misogynie dahinter, oh boy, trotzdem – die Szenen sind nett. Wenn ich die Charaktereigenschaften der Zwerge und das Märchen besser kennen würde, könnte ich jetzt sicherlich die Charaktere zuordnen. So sind sie halt alle irgendwie eigen.

Sidney will die Nerds mobilisieren, dass sie sich Queen Bitchy stellen – im Studentenrat (der aktuell von eben dieser kommandiert wird). Oh, und es gibt eine Avengers-Anspielung, noch bevor die Avengers überhaupt den Massen bekannt waren!

Und natürlich, was wäre ein Teenie-College-Drama ohne toxische Maskulinität? Der Prinz versucht sie mit inszeniertem Gesang und Rosen in der Bibliothek zu einem Date zu überreden. Sie sagt nein. Und siehe da, er hört erst auf, wenn sie ja sagt und mit ihm ausgeht. It’s always the same.

Nebenbei hat Bitchy das Haus der Geeks gekapert nachdem auch der Prinz meinte, der einen Abend dort abhängt und zockt (nein die Alphaboys vögeln nicht nur die ganze Zeit, sie zocken auch), dass das Haus sehr herunter gekommen sei. Sidney entschließt sich, die Jungs in den Rat zu katapultieren und nach dem der Langzeitstudent nicht antreten darf, weil er nicht mehr studiert und vor 6 Jahren fertig geworden ist, tritt sie an.

Bald ist Sidney auch Number 1 bei Hot or Not auf MySpace im Jahre 2007 (sind wir damals wirklich so rumgelaufen?) und muss jetzt einen „social death“ sterben. Und das bedeutet, dass Bitchy Queeny zu einem Hacker geht. Und der Hacker wohnt im Keller, im Dunklen, wie Hacker das tun und überall sind Screens mit… was exakt? Soll das Code sein? Egal, Hauptsache er schickt ihr einen Virus und es ist, ja, tatsächlich, man glaubt es nicht, ein vergifteter Apfel! Der löscht dann ihre Rede. Oh mein Gott.

Achja, der Prinz hatte die Geeks dann auch noch auf eine Party eingeladen, ihr wisst ja wie das endet. Sie belegen übrigens fast alle Politikwissenschaft. Und in der Politikwissenschafts-LV diskutiert man über Modern Campaigning und warum wählen gehen so wichtig ist! Eine Message! Der Film hat eine Message!

Gegen Ende debattieren sie und nachdem die Junges sich angestrengt haben, stehen jetzt auch die Campus Army, die Amish People, Grufits Musiker und sonstige Leut hinter Sidney. Wait, what? Und am Ende steht jeder auf und sagt, warum er ein „Dork“ (=Trottel, Idiot, usw.) ist. Und niemand mag mehr Queen Bitchy.

Muss man den Film gesehen haben? Hm. Man kann.

Btw. Hab ich das jetzt richtig verstanden, einer der Nerds hat was entwickelt, dass ALLES vorher sagen kann, wirklich alles, das Verhalten von Atomen und Spielergebnissen und er verkauft es für nur 10 Mio. an eine Wettseite? 10 Mio.? Ernsthaft jetzt? War das viel Geld um 2007? Nicht oder?

PS:

„The friends you meet in college, will be the friends for life“ sagt die verstorbene Mutter. So true. Miss you, Madame (8)

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Eingeordnet unter Filme!, Kritik und Rezension, Loveable Trash

„400 Days – The Last Mission“

Achievement unlocked: SF-Trash. Offenbar schaffe ich es mit jeder Auswahl, nur mehr SF-Trash zu erwischen (weitere Beiträge folgen). Als ich am Wochenende das Mutterschiff besuchte, schauten wir uns zusammen einen sehr, sehr trashigen Film an, mit einem nicht zufriedenstellenden Ende.

Worum gehts?

Eine 400 Tage lange Simulation soll Aufschluss darüber geben, wie sich die Situation auf Psyche und Sozialverhalten der Teilnehmer auswirkt. Eigentlich eine kluge Idee, denn im All sind wenige Menschen auf engstem Raume beisammen. Nach einiger Zeit bricht der Kontakt zur Kommandozentrale ab, und es wird seltsam. Brechen sie die Simulation ab, dürfen sie auch nicht bei der tatsächlichen Mission dabei sein. Es gilt also durchzuhalten. Ganz gleich, was passiert.

Wtf? (Spoiler)

Spätestens, als die Mitglieder anfangen zu halluzinieren, beginnt man sich zu fragen, was für eine Art Experiment es tatsächlich ist. Einer erhält Nachrichten, dass die anderen ihn hassen, ein anderer sieht fremde Menschen. Man nimmt zwischendurch an, dass die Welt einem Krieg zum Opfer gefallen ist und sie die letzten Überlebenden sind; und die Annahme wird dahin gehend bestärkt, als sie eines Nachts, nach ca. 399 Tagen aus dem „Raumschiff“, dass sich unter der Erde befindet, heraus steigen (nachdem eine seltsame Kreatur hinein geklettert war) und alles verstaubt ist, und sie Metalle finden, die es nicht auf der Erde geben sollte. Als sie in finsterer Dunkelheit umherirren und ein Dorf mit seltsamen Bewohnern finden, wirds noch skurriler.

Diese wollen sie nämlich essen. Die letzten zwei Überlebenden eilen zurück zum Raumschiff, werden verfolgt, töten ein-zwei Eindringlinge und werden kurz darauf, am 400. Tag, mit eingespieltem Jubel gebeten, das Schiff zu verlassen, denn die ganze Welt wolle sie kennenlernen.

Und hier endet der Film.

Jawoll. Genau hier.

Aber warum sollten die Kannibalen über ein Jahr warten, bis sie die Menschen verspeisen können? Warum nicht nach 2-3 Tagen? Oder gilt es, sie 400 Tage zu beobachten und sich auf das Mahl zu freuen? Wird während dieser Zeit ihr Fleisch dementsprechend präpariert und/oder ist das ganze einfach nur ein krankes Spiel?

Interessant vielleicht:

Der Film wurde binnen 19 Tagen gedreht. So sieht er leider auch aus.

„Where Is Everybody?“ und „And When the Sky Was Opened“ – so lauten die Titel der ersten und elften Folge der ersten Staffel der amerikanischen Mystery-TV-Serie „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten“ (1959). Von diesen Episoden ließ sich Drehbuchautor und Regisseur Matt Osterman für seinen zweiten Langfilm nach „Phasma Ex Machina“ (2010) ganz offenkundig inspirieren – was nicht heißt, dass er deren Auflösung komplett übernahm.“ (dienachtderlebendentexte.wordpress.com)

Der Regisseur meinte im Interview mit flixchatter.net:

„I also love movies that has those *refrigerator moments.* It’s when you watch a movie and you enjoyed it but something sticks with you. Then you find yourself a couple of nights later at 2 am, you can’t sleep, then you’re staring at your refrigerator looking for a snack and go ‘oh that’s what that meant’ or ‘ oh I get that now’ I love movies that live beyond the time you watch it and I find that it’s frustrating for people. Now that the film’s out internationally, and of course some are illegally downloading it, I’m getting angry tweets from people. Some said ‘how could you forget to write an ending?’ and I said, ‘well that wasn’t quite THAT, but there’s been a history of movies that didn’t get wrapped up in a pretty neat bow.“

Fazit: Zugegeben, unter all diesen persönlichen Informationen, müsste man den Film, den SyFy produzierte, fast liebevoll als Indie-SF oder so bezeichnen – andererseits bezieht sich SF-Trash nicht auf „Abfall“, sondern eben auf liebevoll inszenierte BMovies, die dank Produktionskosten nicht an die Standards der üblichen Blockbuster heran reichen können und daher auch nicht glänzend rein geschossen werden konnten und somit ihre „flaws“ haben. In diesem Falle ist aber leider auch die Umsetzung der durchaus interessanten Idee etwas misslungen.

Ein letztes Wort vom Schöpfer:

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Eingeordnet unter Filme!, Kritik und Rezension, Science-Fiction

[#WritingFriday] Week 15

Woche 15 ist schon lange vorbei, am Freitag dem 13. im April wäre sie gewesen – ich werde es wohl nie auf die Liste schaffen, aber sei’s drum. Immerhin schaffe ich es, dem Zufall sei Dank, zumindest an einem Freitag wieder mal zu veröffentlichen.

Die verbleibenden Themen für den April sind:

Es wird nicht einfacher.

Und mich überkommt die Lust, alles unter einer speziellen Kategorie zu schreiben und die Themen in eine Art unabhängiger Geschichtenkomplex zusammen laufen zu lassen: einer alternativen Realität, in der seltsame Kreaturen Menschen infizieren, die sogleich dem Wahnsinn verfallen – oder sterben. Also ja, eine Zombie-Geschichte – was, zugegeben, nicht sonderlich originell ist, aber was solls. Immerhin hatten wir im Krankenhaus die drei Verwachsenen. Die Chefärztin musste sich schlussendlich gar nicht mehr entscheiden, da die äußeren beiden angefangen hatten, den in der Mitte aufzufressen. Sie starben alle. Die Infektion zog nach Norden weiter und konnte nach einiger Zeit, durch ein mysteriöses Mittel eingedämmt werden. Denn was gegen Karies hilft, kann auch gegen andere Infektionen behilflich sein.

Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.

„Sehr geehrter Herr Ottomar von Mayenburg,

Ich schreibe diesen Brief lange nach Ihrem Tod, denn die Vereinten Nationen sind Ihnen zu größtem Dank verpflichtet. Durch Ihre Erfindung der Zahnpasta, war es uns möglich die weitere Ausbreitung der Infektion zu lähmen und sie schlussendlich zu besiegen – auch wenn für Millionen die Hilfe zu spät kam.

Wie das, hätten Sie sich vielleicht gefragt. Es trug sich an einem gewöhnlichen Abend im Quarantäne-Quartier A-VII zu. Ein kleines Mädchen wollte ihrem Stoffbären vor dem zu Bett gehen die Zähne putzen und hatte den aufgenähten Mund, auf welchem sich offenbar Keime der Infektion befunden hatten, reichlich mit Zahnpasta eingeschmiert.

Sie selbst hatte das Glück von Natur aus immun zu sein, wie nur ganz wenige andere – weswegen sie ohne Probleme durch den Analysator gehen konnte – dieser übrigens nur eine bestehende Infektion erkennen kann, weswegen TeddyLeddy, so der Name des Bären, ebenfalls keine Reaktion zeigte – und auch die Keime auf Kleidung und Gegenständen nicht erkannt wurden, und es immer wieder zu Ausbrüchen innerhalb der, wie man annahm, sauberen Zonen kam.

Alsbald sie die Zahnpasta auftrug, fing der Stoffbär Feuer und verbrannte. Dieser seltsame Vorfall nötigte die Wissenschaftler dem Phänomen erneut und noch intensiver nachzugehen; Sie müssen wissen, es hatte nach und nach eine Art Apathie eingesetzt, da sich keine eindeutigen Lösungen fanden und die Priester, deren Predigten unsere Sünden (so auch die Wissenschaft) zur Verantwortung zogen, konnten viele renommierte Köpfe für ihre Seite gewinnen, welche daraufhin ihre Forschung einstellten und den Fakt als Gottes Gegebenes Geschenk akzeptierten.

Wie dem auch sei. Das Mädchen, welches sich leichte Verbrennungen zuzog, weinte bitterlich, dass TeddyLeddy gestorben war und wollte keinen Ersatz. Beide wurden aus Marmor gefertigt und triumphieren am Heldenplatz der Vereinten Nationen in London.

Die Mischung aus Bimssteinpulver, Calciumcarbonat, Seife, Glycerin, Kaliumchlorat und Pfefferminz-Aroma war exakt jene, die notwendig war, um die Infektion zu stoppen. Zwar konnten die meisten der Infizierten nicht mehr gerettet werden – aber wir alle, die wir am Leben sind, einarmig oder nicht, mit weniger Gliedmaßen als gedacht oder noch allen dran – sind dankbar für diesen glücklichen Zufall, der mittlerweile auch erklärt, warum sich so viele Menschen auf seltsame Weise selbst entzündet hatten. Niemand hatte Antworten darauf oder Zeit, eine Antwort zu finden.

Ein Flammenmeer, das können Sie sich denken, überflutete die Welt für kurze Zeit, Wälder mussten in Verbindung mit der chemischen Substanz der Zahnpasta niedergebrannt werden, viele Tiere und Menschen verloren ihr Leben im Zuge der „Reinigung“, wie die Priester, die mittlerweile wieder an Ansehen gewonnen hatten, es nannten. Trotzdem, war es eine lange, lange Diskussion – aber das Überleben der menschlichen Rasse und auch der anderen Geschöpfe erforderten Opfer. Mittlerweile kämpfen wir nicht mehr gegen die Infektion, sondern die Rebellion und den Glauben an, die beide übrigens nichts miteinander zu tun haben, die Medien uns drei Parteien aber immer irgendwie in Verbindung bringen wollen. Ich sage es Ihnen, wirre Zeiten sind es.

Wie dem auch sei, verehrter Herr Mayenburg – dank Ihnen hat der Planet Erde eine zweite Chance bekommen – und so auch die Menschheit.

Mit freundlichen Grüßen,

die Vereinten Nationen des Planeten Erde.“

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Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten

[#WritingFriday] Week 14

Zwei Wochen hab ichs durchgehalten Beiträge pünktlich zu verfassen und am selben Tag noch online zu stellen. Immerhin etwas. Einmal gab ich auf. Mitmachen werde ich trotzdem weiterhin, aber ohne Zeitdruck. Aktuell sind wir bei Woche 14, am 16.4, Montag.

Die Themen für den April sind:

  • Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.
  • Bei einem großen Familienfest erfährst du, dass deine Großeltern bereits seit vielen Jahren in einer offenen Beziehung leben. Schreib die Szene auf, die sich nach diesem Geständnis ergibt.
  • Verfasse einen Dankesbrief an den Erfinder von Zahnpasta.
  • Eine Frau verwählt sich und landet bei einem fremden Mann. Unerwartet beenden sie das Gespräch aber mit einer Verabredung. Schreibe das Telefonat dazu auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: „Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie…“ beginnt.

Achtung: Kann Teile von Splatter und Gore beinhalten – ja, es geht um Zombies. Achtung, die Meinung und Humor der Protagonisten muss nicht zwangsläufig dem Humor der Verfasserin entsprechen.

Du hast gerade deinen ersten Arbeitstag als Assistenzarzt im Krankenhaus. Beschreibe einer Freundin ein besonders verstörendes Erlebnis.

Du wirst es nicht glauben, liebste Freundin, aber die Lage ist schlimmer als erwartet. Sie sind überall. Wir haben keine Möglichkeit mehr das Gebäude zu verlassen. Wir sind eingekesselt. Weißt du noch, wie ich mich gestern gefreut habe, am Puls des Lebens sein zu können und nun tanzt er Tango mit mir! Tango in der Profiliga, mit mir, die selbst beim Gehen über ihre Füße stolpert. Zack, zack. Alles muss geordnet sein, alles nach Plan verlaufen, ein Schritt nach dem anderen. Alles dokumentiert werden. Aber in Blockschrift.

Da war eine Frau, der haben sie die Leber heraus gefressen, einfach so. Ein Stück des Darms hing heraus und sie hat ihn in ihren Händen gehalten, wie ein kleines Kind, und gestreichelt. Sie war wohl vor Schock ganz apathisch und wusste nicht, was passierte. Wenig später ist sie gestorben. Ein älterer Herr wurde danach geliefert, seine Weichteile waren in drei Teile gespalten. Und Drehung! Ein hübscher Arbeitskollege witzelte noch, der Alte könne sich doch nun einer Transgender-Operation unterziehen, viel sei eh nicht mehr zu retten. Ich musste unfreiwillig lachen, wie ein Schulmädchen, aber hatte er doch recht, viel war nicht mehr zu sehen, außer etwas Blut und Hackfleisch. Auch er hat es nicht überlebt. Die Infektion hatte sich bereits im Körper ausgebreitet. Takt halten! Zeitpunkt des Todes, 14.45. Kurz darauf wurde ein Mädchen eingeliefert, die nur mehr einen Arm hatte, und ein Bein. Die Infizierten hatten sie erwischt, wir mussten, eine ganze Menge wegschneiden um ihr Leben zu retten. Aber sie wird es schaffen. Welche Musik wird beim Tango gespielt? Kann man Tango zu Kapellen-Musik tanzten? Teller zittern, Geschirr klappert. Ich habe Instrumente fallen lassen, die Chefärztin war verärgert.

Der Takt ist unnatürlich und macht mir zu schaffen. Vielleicht ist es kein Tango, sondern eine Abart davon, etwas künstlerisches, dass, was sie im Theater tanzen, um aus der Vielzahl an individuellen Produktionen heraus zu stechen. Gerade noch, dass ich Schritt halten kann. Und der nächste Patient wird geliefert, eigentlich sind es drei. Sie wurden im Keller eines Wissenschaftlers gefunden, der an ihnen herum experimentierte, bis er an den Folgen der Infektion gestorben ist. Er hat sie aufgeschnitten und danach eng zusammen geschnürt und ihre Wunden zusammen genäht, anders kann ich es mir nicht erklären. Aber warum? Es ergibt keinen Sinn. Manche verfallen dem Wahnsinn, andere sterben nur. Es ist ein erstaunliches, wenn auch erschreckendes Gebilde. Ich habe sowas noch nie gesehen. Es blutet nicht mehr. Sie sind nur mehr vage infiziert, der Wissenschaftler hatte gute Arbeit geleistet und offenbar spezielle Mittel zur Verfügung. Wir sollten diese Mittel haben. Warum hat er es nicht selbst verwendet? Mein Arbeitskollege meinte, die Polizei habe alles durchsucht, aber nichts gefunden. Die Chefärztin sagte, sie können einen retten. Wer hat ein Recht auf Leben? Der rechts außen, der linke oder der in der Mitte?

Wem ist es vergönnt, weg geschnitten und gerettet zu werden? Ich weiß es nicht, ich muss es auch nicht entscheiden. Ich muss nur dastehen und die Werkzeuge hinhalten. Dokumentieren was gemacht wird und wann wer stirbt. Und zusehen. Gelegentlich vielleicht auch etwas Blut absaugen oder infiziertes Gewebe wegschneiden, und darauf achten, dass es mich nicht berührt. Grauslig, ich sags dir. Verbringe deine letzten Tage wohl in deinem Haus, und verlasse es erst wieder wenn die Seuche weiter gezogen ist. Ich hörte, die Infizierten ziehen nach Norden, weg von hier.

Die drei sehen mich mit qualvollen Augen an. Sie reden die ganze Zeit miteinander, ihre Köpfe sind nah beinander, an Brust und Rücken zusammen gewachsen. Der in der Mitte hat es am schwersten. Ständig reden die anderen auf ihn ein, sie finden er solle sterben, schließlich könnten sie vielleicht beide überleben, wenn sie ihn in der Mitte töten. Eine Niere für dich, eine für mich. Das Herz, da wird sich schon ein zweites finden. Die Chefärztin wird entscheiden müssen was getan wird. Gut, dass ich das nicht muss.

Und was ich eben gefunden habe:

Damit wird künftig etwas gearbeitet werden. Wer weitere Vorschläge hat, bitte gerne – aber via Kontaktformular.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Kreatives, Kurzgeschichten