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„The greatest Showman“

Ich hatte keine Ahnung was auf mich zukommt. Das Plakat sprach von „Zirkus“ und „Wolverine“ und „Indie-Queen“. Als ich dann im Sessel saß und die Musik erklang, war es klar: Ein Film-Musical!

Man kann das Genre entweder hassen oder lieben. Ein dazwischen gibt es selten, und meist haben Liebhaber dieses Genres bereits einen Favoriten, an dem alle anderen gemessen (und vermutlich) verlieren werden. Across the Universe ist mein Favorit und vermutlich wird in den nächsten Jahrzehnten nichts produziert werden (können), dass dem auch nur irgendwie nahe kommen kann und wird.

Drum herum

„Wie fandest du ihn?“ fragte meine Begleitung und ich musste überlegen. Die Musik hatte mich gut unterhalten, der Inhalt war Pastellfarben. Es wunderte mich, dass Taylor Swift nicht maßgeblich an der Produktion beteiligt war, denn der Sound klang, als hätte man Taylor Swift, irgendwo zwischen „Red“ und „Reputation“ mal kurz einer Disney genormten Gehirnwäsche unterzogen und sie fröhliche, pastellfarbene Songs schreiben lassen. Sie sind simpel, sing- und tanzbar – was aber vermutlich daran liegt, dass die Ohren hinter La La Land dahinter stecken, Benj Pasek und Justin Paul. Und als jemand, der selbst gerne zuhause tanzt und post mortem die Hauseigens aufgenommene Scheibe „Life is a Musical“ veröffentlichen wird (Hauptsächlich ich und mein Telefon auf Aufnahme meist auf der Suche nach etwas) mit Songs wie „Where are my socks, socks, socks“ oder „I need something to eat, there is nothing in the fridge“, habe ich meine gewisse Freude mit Musicals oder auch Film-Musicals. Und manchmal wäre es auch angenehm, könnte man Konflikte mit Tanz und Gesang lösen.

Aber.

So sehr die Musik in die Ohren kriecht und der große Banner „Wir sind alle gleich, wir sind eine Familie! Ganz gleich wie anders artig! Yay! Happy World!“ über der Story leuchtet, desto mehr bleibt der bittere Schlag, nicht Geschmack, Schlag, der Realität hängen, der weder durch Miniaturaufnahmen eines gerade entstehenden und sauberen New Yorks im 19. Jahrhundert, noch Weichzeichner und einem ständig grinsenden und singenden Wolverine gemildert werden kann.

Worum ging es?

Der Träumer Finn möchte mehr als das Leben eines Schneidersohnes und verliebt sich in die hübsche und wohl geborene Charity (Indie Queen Michelle Williams). Es ist ein Musical. Sie heiraten, tanzen bekommen Kinder, und Finn erfüllt sich seinen Traum: Ein Zirkus! Während seine Frau ihn unterstützt. Zunächst mit „Freaks“ (einzigartigen Menschen, wie eine bärtige Frau, den größten Mann der Welt, dem schwersten Mann der Welt, dem kleinsten Mann der Welt, …) und später mit farbigen Artisten. Um noch mal eines drauf zu setzen, bandelt er mit Zac Efron an, der zu diesem Zeitpunkt bekannt, berühmt und beliebt ist. Die Einnahmen boomen, das Volk liebt den schrägen Zirkus, der Kritiker weniger und der Pöbel hasst ihn. Sie werden zur Queen geladen, und Finn lernt die schwedische Opernsängerin Jenny Lind (Rebecca Ferguson) kennen (die allerdings keine einzige Arie schmettert, sondern die Sängerin Loren Allred ihr die Stimme leiht). Der Rest läuft in vorhersehbaren Bahnen.

Kritik (dezente Spoiler)

Als ob das Zirkus-Leben schön und sauber gewesen wäre, toll und glamourös wie der Film es vermitteln mag. Als ob das Leben als Freak, damals als auch heute, so einfach gewesen und durch einen Mann mit einer Vision zur Besserung geführt, und als ob auf das aufstrebende New York allen Bürgern eine Chance auf Besserung versprochen hätte! Als ob!

Also ja. Es störte mich, dass die Realität so durchgewaschen und mit hellen Farben beklascht und zum verträumten Sozialromantischen Märchen umgekrempelt wurde.  Sicherlich, The Greatest Showman ein Musical-Film und in Musicals hat die Realität nichts verloren, aber selbst Moulin Rouge wirkte authentischer. Natürlich gab es Kuriositäten-Shows mit entstellten und besonderen Menschen. Immerhin, soviel Realität bleibt, nützt er sie aus,  versucht Gewinn aus ihrer Andersartigkeit zu schlagen, was auch funktioniert und lässt sie, als der Traum ihn weiter lockt, links liegen.

Dass Tiere, wenn auch CGI, zur Schau gestellt werden, wenn auch nur am Rande, lässt allerdings dem etwas reflektierten Menschen erahnen, dass durch Zirkus und Theater der Tierquälerei im Zirkus erst Tür und Tor geöffnet wurde.

Und warum gab sich Michelle Williams für die Story her, die anfänglich von einem weißen Jungen, dann plötzlich zwei handelt, und sie nicht mehr als die artig, unterstützende Ehefrau ist?

Der Hintergrund

Interessant und vor allem um einiges perfider wird es, recherchiert man kurz, wer denn dieser Barnum überhaupt war, der gegen Ende auch zitiert wird. Geboren um 1810 als Sohn eines Schneiders und in Armut aufgewachsen, hatte er im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Industrialisierung, die Unterhaltungsbranche quasi mechanisiert. Als Erfinder des Zirkus aus dem Geist einer Freakshow. So wurde der schwarze Mitbürger im Käfig als Link zwischen Affe und Mensch dargestellt oder Kinder aus einem Heim für geistig behinderte als „Aztekenkinder“ ausgegeben. Barnum war kein Showmann, sondern ein Blender (was aber auch im Film spielerisch, locker und amüsant thematisiert wird): Als Präparat einer angeblichen Meerjungfrau hatte er einem Affentorso einen Fischschwanz montiert. Ein klarer Fall für Tim Burton.

Auch interessant, danke Wikipedia: „Der Barnum-Effekt ist ein Begriff aus der Psychologie. Er bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung empfunden werden. Dieses psychologische Phänomen wird auch als Forer-Effekt oder Täuschung durch persönliche Validierung (englisch personal validation fallacy) bezeichnet.“

Fazit: Ein pastellfarbenes Märchen mit einem singenden Wolverine.

Fazit 2: Versucht es nicht. Versucht es einfach nicht. Es gibt keinen Musical-Film der an Across the Universe herankommt, nicht einmal La La Land.

Quellen

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„X-Men: Apocalypse“

In der Annahme, der Film liefe nicht mehr in OV – zumindest wurde nichts dergleichen angezeigt – buchte ich die Vorstellung auf deutsch. Wenige Tage später sah ich.. es hätte doch noch Vorstellungen in OV gegeben. Karma? Übereile? Immerhin war es eine „neue“ Erfahrung. Und es ist so: Einmal OV gewohnt.. kann man sich mit Synchronisationen nicht mehr anfreunden – bis natürlich auf die Stimmen, die man aus der Kindheit kannte. Filme der 80er und 90er werden fast nur synchronisiert gesehen. Außerdem besitzt die Art der Synchronisation der 1980er einen besonderen Charme.

Ich musste übrigens mehrfach überlegen, ob es nun einen oder zwei Vorgänger dieser Zeitlinie gegeben hatte. Ich erinnere mich allerdings mittlerweile daran, dass der erste derart schlecht war, dass ich mich genötigt sah, nach 20 Minuten abzuschalten.

Abgesehen also davon, dass die Syncro grottig und die Stimmen schrecklich gewählt waren, Jennifer Lawrence nach wie vor übertrieben gehyped wird und ich den Grund noch immer nicht verstehe, Ocsar Isaac nach wie vor, trotz Make Up, kein guter Schauspieler ist, außer in Inside Llewyn Davis als verlierender Folk-Sänger – fand ich den Film unterhaltsam. Ja, ich fieberte gegen Ende sogar mit. Aber warum?

Dass die Geschichte in den 1980ern spielen soll, wurde nur dezent angehaucht. Interessant, denn wenn ich einen Film mache, der in einer bestimmten Epoche spielen soll, so versuche ich den Zuseher dies spüren zu lassen. Dass die 1980er lediglich musikalisch und filmisch etwas zu bieten hatten und weder von Mode noch Stil profitierten, hätte man sich vorher überlegen müssen. Einzig allein der Engel hätte aus The Lost Boys sein können, zumindest bis er diese seltsame Frisur bekam. Aber ich wage mich zu erinnern, dass dieses Detail auch schon beim letzten, Days of Future Past, nicht sonderlich beachtet wurde. Aber darum geht es ja hier nicht. Es geht ja um die Geschichte, die eben in vergangenen Epochen spielt. Kein Grund also, sich dieser Merkmale vermehrt anzunehmen. X-Men: Teenverse solle ja ein „cooler“ Mutanten-Film sein und kein unfreiwillig komisches Kostümdrama.

Dass Cyclops erneut als läppische Figur dargestellt wird, freute mich. Der Schmollmund mag fast Satire sein, und man ertappt sich wieder dabei, dass man dem interessanten Typ (nämlich Wolverine) das Mädel gönnt. Wtf. Wolverine? Warum? Wie? Wtf? War der nicht in der alternativen Zeitlinie? Informationen! Nightcrawler, den ich in den Comics trotz des Namens „Kurt“ und der Religiosität doch sehr mochte, war etwas .. mühsam, ebenso die 00er Emo-Frisur. Quicksilver, ein Tick zu „cool“ inszeniert. Die Fähigkeit atmet sicherlich von locker lässigem Gehabe, was auch soweit okay wäre – aber der Text. Vermutlich war es die Synchronisation: „Ich bin halt ’n Loser.“ Wtf?

Übrigens empfand ich die Grund-Motivation von Apocalypse, absolut nachvollziehbar – sämtliche Waffen von der Erde zu verbannen. Warum auch nicht?

Psylocke hatte weitaus zu wenig Screen-Time. Wie verarscht muss man sich fühlen, wenn man die Rolle des „Damsel in Distress“ in Deadpool ablehnt, weil man kämpfen möchte, dann aber lediglich 2 Sekunden Fight-Screentime bekommt, sich aber Monate darauf vorbereitete? Storm war gut, ebenfalls zu wenig Screen-Time. Halle Berry war mir damals etwas zu ruhig, Storm ist wilder und strahlt viel mehr Kraft aus, aber Halle Berry kann nichts dafür wenn man ihr nicht die Möglichkeit lässt.

Captain Picard war und ist der wahre Professor X. James McAvoy ist sympathisch – aber kein Professor X. Fassbender hingegen empfinde ich als solide gespielten Magneto, er setzt das Maß an Emotion adäquat ein, ohne die Figur zu überrollen – auch wenn seine tragische Geschichte ausreichend Grund dazu gegeben hätte. James McAvoy hingegen wirkte wie ein verliebter Teen. Gut, es war ja auch X-Men: Teenverse .. aber dennoch.

Moment, warum gefiel mir der Film? Vielleicht des Auftakts wegen, der sehr ästhetisch das Klischee einer Anfangsszene einleitete? Vielleicht aber auch nur weil es warm wirkte, im alten Ägypten am Nil. Vermutlich mochte ich den Film also nur der assoziierten Wärme der ersten 5 Minuten wegen. Vielleicht aber auch, weil es einfache Unterhaltung mit sich brachte, und mein Telefon zuvor gestorben war? Ist es eine Art Guilty Pleasure und ich erkenne es nicht? War es lediglich erstklassig in Szene gesetzte Unterhaltung und die Sympathie für gewisse Charaktere aufgrund diverser Gründe trug wohl dazu bei?

Dass Sansa Stark sich zu einer guten Patronin für Jean Grey mauserte, hatte mich überrascht. Besonders die Szene, die auf die Dreiecks-Beziehung mit Wolverine anspielt war köstlich. Als ob sie alles gesehen hätte, als ob sie alles schon jetzt gefühlt hätte. Der Blick war eindeutig, zweideutig und großartig. Go Girl! Ihre Endszene wirkte natürlich wie aus einem Taylor-Swift-Musik Video, wie sie den Weg entlang schreitet, perfekt ins Szene gesetzt, und dann – der Druck muss groß gewesen sein – die zerstörerische Energie frei zulassen um Apocalypse zu vernichten. Übrigens, war Taylor Swift nicht als Dazzle gehandelt worden? Es fehlten Szenen, die ich von Fotos her kannte. Ich war neugierig: Hier die Antwort.

Ein Kommentator auf IMDB meinte, JLaw spiele Raven Everdeen anstatt Mystique. I lol’ed.

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