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Twitter’esk und ohne #, No.02

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass ich für Twitter einfach zu wenig konkretes zu sagen habe.

Oder mir fehlt der Wiener Schmäh und die Leichtigkeit immer die passenden Antworten zu finden, an welche Likes, Retweets und Aufmerksamkeit geknüpft ist. Ich hingegen doktere an einem Satz Minutenlang herum, bis er sich nicht mehr flüssig lesen lässt und irgendeine seltsame Konstruktion ist, deren Inhalt dabei auch verloren ging.

Gut.

Ich schreibe gern. Das wissen wir. Vermutlich auch zuviel. Auch das wissen wir. Ich hasse Füllworte, und trotzdem sind meine Texte voll damit. Ich nehme mir immer vor, mich zu bessern, aber dann wirds doch nichts. Der Inhalt variiert zwischen „Oh! Schreib mehr darüber!“ und „Okay… was, nochmal drei Mal scrollen?“ Aber das ist okay.

Vor einiger Zeit debattierte ich mit einer ZDF-Mitarbeiterin darüber (nein, ich finde den Thread nicht mehr), dass es die langweiligen Blogger, die sie „die Straßenmusikanten des Internets“ nannte, auch geben muss. Die, die sich nicht zwangsläufig nach Aufmerksamkeit sehnen, nicht sonderlich gut sind in dem was sie tun, aber trotzdem etwas mitteilen möchten. Sie fand das sinnlos – ich war/bin gegenteiliger Ansicht.

Twitter =/= Bloggen

Twitter besitzt eine Form der Kommunikation, die sich vom Blogpost deutlich unterscheidet – denn erstens wird oft instant veröffentlicht (wir wissen ja, zig mal Überarbeiten und so, mindestens 100x), zweitens sind die Hemmungen geringer, weil weniger Zeichen – was aber nicht heißt, dass es in die Öffentlichkeit sollte, und drittens sind längere Beiträge nur in Form eines Threads möglich, der dann etwas mühsam zu lesen ist – und dessen Inhalt mit Leichtigkeit aus dem Kontext gerissen, retweetet und verbreitet werden kann, ohne dass sich jemand die Mühe macht, den gesamten Thread zu verfolgen, oder die einzelnen Tweets im Zusammenhang zu bedenken. Und das kann gefährlich werden. Ich meine, wir sind hier im Internet. Everything is dangerous! Everything wants to kill you! Nicht mal Australien ist so gefährlich wie das Internet. Und besonders Social Media ist ein Haifisch Becken.

#Follower

Die Follower Situation liegt aktuell bei 109 Menschen, Bots und irgendwelchen Accounts, die vielleicht annehmen, ich würde irgendwann zurück folgen, wie Hotel XY oder so. Tue ich aber nicht, aus Prinzip nicht. Außer sie haben guten Content, dann ja.

Ich selbst folge ca. 400 Menschen, Accounts und Bots, von denen ich nicht erwarte, dass sie mir zurück folgen, weil ich eigentlich nur das retweete, was sie tweeten oder was diese ebenfalls geliked/retweetet haben. Daher passte meine ehemalige Profilbeschreibung bei Twitter ganz gut: „Eigene Meinung oder Konglomerat aus Social Media und [bitte einfügen]?“ Mittlerweile habe ich sie zu einem Zitat von GLaDOS abgeändert: „We do what we must because we can.“

An dieser Stelle möchte ich kurz festhalten, dass sich mir der Unterschied zwischen Favs und Retweets noch nicht ganz erschlossen hat – da beides in der Timeline erscheint und dafür sorgt, dass häufig die gleichen Tweets dazwischen rutschen, was durchaus lästig sein kann. Aber egal. Wird sicher irgendeinen nachvollziehbaren Grund haben.

Meinung? Ja? Nein?

Da wären wir wieder beim Thema: Bringe ich zu wenig eigene Meinung mit, und wenn doch, klingt mein Tonfall zu wenig aggressiv um gehört zu werden? Habe ich vielleicht einfach zu wenig Ahnung, von dem was, die User bewegt: Wie beispielsweise Politik. Oder Twitterneusprech: wie Zahlen, die als Nummern geschrieben werden „1 Hund war da und trank meinen Kaffee“ und ohne Beistriche auskommen, der Inhalt über Hundert Fragen aufwirft und vermutlich Teil eines einzigen, großen Insiderjokes sind.

Wobei, so kommt mir beinahe vor, mich Twitter adäquater über das politische Weltgeschehen informiert/belehrt, als wie zum Beispiel das Standard-Forum. Zumindest serviert mir Twitter aktuelle politische Klogriffe in angenehmen kleinen Dosen.

Meinung und Fakten

Wenn ich blogge, recherchiere ich, überprüfe ein paar Fakten und poste nur das, hinter dem ich auch tatsächlich stehe – und/oder Bescheid weiß. Oder erkundige mich im ärgsten Fall bei klugen Menschen. Aber vermutlich und meistens gehe ich sowieso mit irgendeiner Meinung konform, deren Anhänger, sollte ich wo anecken, auch ohne mich zu kennen aus Solidarität verteidigen. Und die Gegensprecher, Kritiker und Hater werden wohl Anhänger eines politischen Lagers sein, die sich bereits durch ihre zitierten Quellen disqualifiziert haben und mich somit nicht interessieren.

Bei Twitter hingegen ist das schwerer. Man hat, erneut, nur begrenzt Platz zur Verfügung – und eine ausgiebige Recherche und Erklärung bleibt oft aus. Der User ist selbst dazu angehalten, die einzelnen Tweets zu hinterfragen. Aber tun das andere auch? Und wenn ich meine Meinung, dann so verpacke, wie ich es meine, wer sagt mir, dass sie so ankommt, wie intendiert wurde? Sender, Empfänger und so. Gut, das lässt sich auch auf Blogbeiträge übertragen, dennoch: Mehr Platz für Erklärungen.

Habe ich mir zu Beginn des Eintrages noch überlegt, ob meine Meinung zu wenig ausgeprägt ist – und für twitterliche Verhältnisse und dem gefüllten Pool an Experten auf ihrem Gebiet, ist sie das wohl auch – bemerke ich jetzt, dass mein Verstand mich davon abhält social media Suizid zu begehen – und dafür eben in Kauf nehme, weder gelesen noch gehört zu werden, weil sie einfach so weich verpackt wird, dass anecken quasi unmöglich wird.

Also doch, für Twitter mag meine Meinung zu wenig präsent sein, als dass sie irgendwie auffällt, sei es, jemanden sauer ins Gesicht spuckt oder herzlich bejubelt wird. Auch gehöre ich, außer meinem Geschlecht, keiner anderen Minderheit an – und ich schaue auch kein Free-TV – was gefühlte 90% der Twittergemeinde tut.

Man muss also entweder Journalist (es heißt, wenn man mehr als 5000 Tweets hat, darf man sich Journalist nennen, ich habe.. ca. 1500), Aktivist, Politiker oder Troll sein, um auf Twitter etwas zu erreichen beziehungsweise um aufzufallen oder etwas zu bewirken zu können. Kein Ruhm für mich auf Twitter. Keine ewigen Freundschaften, die sich über einen Hashtag gefunden und geschworen haben, sich nie im Leben zu treffen. Niemals. Und wenn sie sich im Zug begegnen, dann ignorieren sie sich.

Und wenn wir grad dabei sind, genau so:

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