Eltern und deren Kinder im Jahre 2019

Auf Elterntwitter gibt es immer wieder die Diskussion bezüglich begrenzter Tablet-Zeit und welche Serien Kinder anschauen dürfen und dass die Inhalte hinter her mit den Kindern diskutiert werden. Und dann hört man diese schauerlichen Geschichten, dass 2. und 3. Klässler nicht Harry Potter sehen dürfen, weil es zu brutal ist.

Und ich denke mir regelmäßig: wtf.

Gefolgt von: Wie zum Teufel kommt Elterntwitter in meine Timeline?

Dann gibt es Haufenweise Kritik, die Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen, weil es viel zu gefährlich ist. Es besteht ja sowieso Helmpflicht. Ich musste sogar alleine zum Kindergarten gehen! Meine Güte, wenn das so weiter geht, haben wir 2040 lauter fragile Psychopathen. Studiert Psychologie! Ich wittere gutes Geschäft! 70% der Einnahmen gehen an mich.

Seriously, what the actual fuck?

1. Wärs mir als Kind viel zu peinlich gewesen alles Geschaute mit meiner Mutter zu besprechen. Ja, ich war traumatisiert vom roten Stier und wollte einen gelben Stier. Ich bekam dann einen gelben Plüsch-Elefanten; der hatte die gleiche Wirkung: keine Albträume mehr. Man muss nicht alles Xmal besprechen und analysieren. Lasst eure Kinder in Ruhe!

2. Was hätte ich bitte bei der Sterbeszene von Artax viel besprechen sollen? Dass Die unendliche Geschichte ein Kinderfilm sein soll, finde ich immer noch sehr verstörend. Ich meine da stirbt ein Pferd in den Sümpfen der Traurigkeit! Da hilft Besprechen auch nix mehr. Da stirbt ein fucking Pferd! Ich meine, wtf? Ja, der Tod gehört zum Leben dazu, bla bla bla – aber nicht, wenn man 6 ist! Und nicht, wenn es ein Pferd ist!

3. Wenn sich Terence Hill und Bud Spencer verdroschen haben, fand ich das ziemlich cool (Zitat 4-jähriges Me: „Yeah! Schlägerei!“). Genau so, wenn die Bösen vom A-Team taumelig geprügelt wurden.

Zeigt man das heute Kindern noch oder ist das zu brutal?

Natürlich wusste ich, dass man in der Realität sich nicht prügelt. Trotzdem hab ich grapschenden Buben eine runter gehauen. Ich meine, dafuck Dude?

3a. Zugegeben, einmal hab ich bei Nachbarskindern das Zusammenhauen der Köpfe ausprobiert. Sie waren nicht sehr erfreut. Ich fands lustig und musste dann Betroffenheit vortäuschen. Es war mir wirklich egal; ich glaube sogar, ich belächelte deren Wehleidigkeit.

4. Irgendwann liefen zur Mittagszeit auch Serien mit Schießereien und Drogen und so aber das kapiert man mit 6 ja nicht. Oder Akte X. Oder Gremlins. Das dort der Reihe nach Leute sterben, ist mir erst viel später aufgefallen. Als Kind sind die halt plötzlich weg. Who cares?

5. Ich frage mich also, was das für (ausgewählte(!), denn das wird oft dazu gesagt; ich fürchte, die Elternbubble ist eine der Schlimmsten) Inhalte sind, die Kinder heute (unter strengster Beobachtung) konsumieren (dürfen) und bei welchen die Eltern dann das Bedürfnis verspüren, mit dem Kind drüber reden zu müssen. Was sind das für Serien? Und viel wichtiger: Was sind das für Eltern?

6. Ich würde mir ja eher Sorgen machen, dass das Kind in der Schule mit Porn in Kontakt kommt, weil Kevin, der Mann von Chantalle, es nicht als notwendig erachtet einen Filter zu setzen und Cristofer-West-Berlin-Snow Deep Throat und Anal Bleaching herum zeigt – was, wie man weiß, Kinder und junge Teens durchaus negativ beeinflusst, creepy Vorstellungen und Erwartungen erzeugt. Nochmal, mit Porn meine ich jenen, der 98% im Internet kursiert, welche Sexualität lediglich als sexistisches Verhalten propagieren und darstellen und die Frau zum gierigen, allzeitig zur Verfügung stehenden Fickstück werden lassen. Da is nix mit, die Frau darf auch mal. Aber gut, diesbezüglich fände ich hier das Gespräch durchaus angebracht. Aber erneut: Welches Kind/welcher Teen redet mit seinen Eltern über seine Sexualität?

7. Sowas finde ich eher bzw. höchst bedenklich, und nicht ob K1 (Kind Eins) jetzt 5 Stunden vor dem Tablet verbringt oder K3 (Kind Drei) eine, von Elterntwitter „mit zweifelhaften Inhalten“ bewertete Serie schaut. Wie Harry Potter zum Beispiel. Was sind das für Leute, die Harry Potter als zweifelhaft einstufen? Stuft Die unendliche Geschichte als zweifelhaft ein! Oder Das letzte Einhorn, aber Harry Potter? What the fuck is wrong with you people!?

8. Und im übrigen belasteten mich als Kind die dünnen, hungernden Kinder in Afrika eher, als irgendwelche Geschehnisse in Filmen. Ausser wenn Tiere dabei waren. Aber das belastet mich auch heute noch und ich schaue mir solche Inhalte, wo Tiere sterben könnten oder gequält werden, nicht an, sei es fiktional und schon gar nicht real.

Anyway, darüber redete ich von mir aus mit meiner Mutter, und ich erinnere mich noch gut an das Gespräch.

9. Ich war ca. 6 und zweifelte die Existenz Gottes an, denn der „liebe Gott“ würde sowas nicht zulassen. Warum sollte er? Er war ja lieb. Ergo konnte es keinen Gott geben. Macht Sinn, oder?

10. Was lernen wir daraus? Die unendliche Geschichte ist kein Kinderfilm, Gott gibt es nicht und die Elternbubble ist die schlimmste von allen. Aber der Kater schläft.

Ich frage mich was schlimmer ist: Heute ein Elternteil sein zu müssen und dieser ganzen toxischen „Wir wissen es besser“-Bubble ausgesetzt sein, oder das Kind dieser Eltern, welches vermutlich kaum mehr irgendwelche Freiheiten hat.

Apropos Kater: Ich bin übrigens die letzte, die sich über Helikopter-Eltern beschweren darf, denn sobald mein Kater auch nur ein Kratzerchen am Öhrchen hat, würde ich am liebsten zum Tierarzt rennen und ihn ganz fest halten! Ja, ich bin eine Helikopter-Katzenmutter. So what? Es ist mein Kater! Mein Bebi!

6 Kommentare

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien

6 Antworten zu “Eltern und deren Kinder im Jahre 2019

  1. Hei, ich bin jetzt doch mal neugierig geworden. Was ist denn Elternbubble bzw. Elterntwitter? Sind das die neue Generation von Elternbloggern? Oder die Steigerung der Mütter und Väter, die auf Klassentreffen kein anderes Thema als ihren Nachwuchs haben und allen an ihren Erlebnissen und ihrem Alltag teilhaben lassen möchten?

    • Das sind Eltern, die ganz viel über ihre Kinder twittern und Elterntage und Schule und was die Kinder tun und was sie dürfen, dabei sind dann so pseudolustige Beiträge, und ja, für die Leute gibt es nur ein Thema: Ihre Kinder. Und das Zeug wird mir regelmäßig in die Timeline gespült und ich denk mir: Oida.. wie hab ich mit meiner Rabenmutter die mich bis 7 oder auch 8 oder 9 draussen spielen lassen hat nur überlebt?

  2. Das kollektive Artax-Trauma ! Ich war auch betroffen und muss dir zustimmen: Meine Eltern hätten auch nichts daran ändern können, dass ich monatelang kein weißes Pony mehr ansehen konnte ohne zu heulen.

    Jetzt, als Erwachsene, erinnere ich mich daran und bin froh, dass ich als Kind nicht immer und überall in einer Heile-Welt-Blase gelebt habe.

    Danke für diesen amüsanten und ehrlichen Beitrag !

  3. Mensch, du hast heute ja Content raus. Wahnsinn. Wie soll ich da mit dem Lesen nachkommen? 😳

    Übrigens schränken wir auch die Tablet-Zeit unserer Kinder ein. Aber nur weil sie sonst 24/7 davorsitzen würden. Gab es ja damals auch schon mit Videospielen, TV und Co. Finde ich nach wie vor sinnvoll.

    Was „schlimme Inhalte“ in Kinderfilmen („Harry Potter“?!?) angeht, so ist es doch einfach nur wichtig, dass die Kids nicht alles Mögliche sehen und dann damit alleine gelassen werden. Wir schauen z.B. momentan alle möglichen Spencer/Hill-Filme zusammen an und reden auch drüber. Und das meiste andere auch.

    Aber mei, letztendlich muss das ja jeder selbst wissen – und vielleicht nur weniger darüber twittern… ;)

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