Archiv der Kategorie: Alles außer US-Produktionen

„Into the Night“, Mini-Serie

Ich hatte bereits vergessen, wie gut nicht-amerikanische Produktionen eigentlich sind (bis auf The Rain). Diesmal handelt es sich um eine belgisch-französische Produktion die 2020 auf Netflix Premiere feierte und während das französische synchronisiert wurde (übrigens so, dass es tatsächlich noch etwas französisch klingt), erhielt der Rest Untertitel.

Der Inhalt ist schnell, ohne Spoiler erzählt:

Die Sonne tötet.Also, nein, Sonnenlicht tötet. Es ist wichtig, sich bei Nacht und Dunkelheit aufzuhalten und so flüchtet ein Flieger vor der Dämmerung. Hier und da sterben Menschen, hier und da gehts natürlich ärger zur Sache und hier und da gibts auch eine zweite Season.

Ich fand sie gut. Fand sie interessant. Gut gespielt. Auch ein wenig durchdacht, sofern ich mich korrekt erinnere und die 6 Folgen lassen sich gemütlich an einem verregneten Nachmittag anschauen.

Fazit: Sehenswert.

 

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„Der Schacht“

Hunger? Dann bitte zu Tisch. Sie befinden sich auf Ebene 43. Und wenn Sie Glück haben, bleibt noch was übrig. Nach einer gewissen Zeit wird gewechselt. Sie wachen auf Ebene 108 auf. Oh Boy.. besser Sie schnappen sich das Messer und warten, bis ihr Zellengenosse schläft, um sich Scheibchenweise über die nächsten Wochen hinweg von ihm zu ernähren. Dann wachen Sie auf Ebene 5 auf und speisen wie die Götter.

El Hoyo, eine spanische Dystopie aus dem Jahre 2019, aktuell auf Netflix verfügbar.

Und mehr möchte ich zu diesem grandiosen Film auch nicht sagen. Seht ihn euch an. Er ist sehr gut. Er ist wirklich verdammt gut – und er würde auch hervorragend auf Theaterbühnen funktionieren.

Fazit: Sehr, sehr sehenswert.

 

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„The Rain“, Season 1-3

Als The Rain Premiere feierte, so erinnere ich mich (oder glaube ich mich zu erinnern), wurde die Serie hochgelobt. Eine dänische Serie und Netflix-Produktion, post-apokalyptisch und der Inhalt liest sich auch super. Was kann also schief gehen?

Kurzum: Alles.

Achtung Spoiler.

Die Idee

Die Idee ist großartig: Ein Regen, der tödlich ist; das Virus im Wasser. Kein Entkommen. Wie ist es dann mit feuchtem Boden, Nebel und dergleichen? Ach, nevermind.. es geht ja um die Idee.

Die Serie hätte wirklich Potential haben können – aber dann beginnt das Desaster auch schon: Die Kinder, ein Geschwisterpaar, verbringen 6 Jahre im Bunker. Daddys Bunker, weil der Teil einer großen Verschwörung ist, die die Welt mit dem Virus – ja, was wollten sie eigentlich? Waffen? War es das? All der Terror für eine biologische Waffe? Da wird ein Bub infiziert und der gilt als Heilmittel und Waffe zugleich und wie dumm und unfähig sind Wissenschaftler in Serien und Filmen bitte? Alle Welt ist auf der Suche und als die Schwester, und die Ärztin ihm ein Gegenmittel spritzen wollen – machen sie das nicht, während er bewusstlos ist, nein sie warten, bis er aufwacht und sich wehren kann, sodass Zahnspangen-Girl sich opfern darf und ihr absolut bescheuerter Freund sich wie ein Kindergarten Kind aufführen und alle in weitere Gefahr bringen muss. Also, ja nein. Also bitte, warum?

Der unsympathische Bub wird leider zum Hauptdarsteller, er ist ab und an ansteckend durch Berührung und manchmal nicht, manchmal zieht das Virus erst nach vollendetem Koitus zur Ruhe und manchmal tötet es sofort. Ja, die Serie hat mehr als einen Logikfehler – und das ist Schade! Aber hey, welche Serie hat das nicht.

Aber gleichzeitig ist es auch egal, da die schauspielerische Leistung aller Darsteller an Laiendarsteller aus diversen deutschen Trash-TV erinnert. Fanden sich zu wenig Sponsoren und zwangen diese an, das Team, deren Kinder mit in die Serie zu nehmen? Nein, die darstellerische Leistung ist leider wirklich schlecht, die deutsche Syncro ist der in der Tat noch schlechter.

Man weiß auch nicht, ob das ganze nicht doch auf eine Love-Story rauslaufen soll oder nicht, also ein wenig Telenovela darf nicht fehlen. Es gibt sie, der Bub hat seine erste Liebe vergessen und zombifiziert die zweite.  Na eh, junge Liebe und so. Keine inniges bis der Tod uns scheidet-Romeo und Julia Konzept, wobei doch, denn gegen Ende…

Das Ende

Seriously? Das war das Ende? Wirklich? Eine Pflanze, die explodiert und alle Infizierten sterben? Das Liebespaar nackt und umschlungen inmitten der explodierenden, tödliche Dinge schießenden Pflanze, die dann auch kaputt war? Das war das Ende? Na eh.. der Regen ist übrigens gegen Ende nicht mehr böse. Es sind dann die Menschen. Soll uns das etwas sagen? Hat es eine tiefere Bedeutung, die wir einfach nicht verstehen und die Serie ist eigentlich ein Meisterwerk? Wir werden es nie erfahren..

Ein Kommentar

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„Black Mirror“, S05E03

Nein, die Folge ist nicht repräsentativ für das Genre Black Mirror, welches uns realistische und nahe Zukunftsdystopien zeigen soll. Auch die Themen wiederholen sich: Es gibt Mind-Uploading in Form einer Kopie, Roboter und ein Happy End. Nein, das ist nicht mehr das britische Black Mirror auf welches man bei technologischen Fortschritten, so wie einer Liebesg’schicht auf Taylor Swift-Songs, verweisen kann

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was man bei dieser Folge großartig besprechen können, da schon das Setting einfach unrealistisch ist. Sicherlich waren all die anderen Folgen auch nicht gerade im Pool von Realismus und „so isses“ verankert, hatten aber zumindest Hand und Fuß und eine in sich geschlossene Logik: Sprich, jemand hat sich tatsächlich Gedanken gemacht.

Miley Cyrus, großer Popstar, verkauft eine Puppe, die mit deren Hirn-Kopie ausgestattet ist (Stichwort Mind Uploading), aber nur 4% sind für die Kinders, die diese Puppe haben wollen, zugänglich. Die Puppe spricht und macht Make-Overs und singt und tanzt und all das. Und das ergibt schon keinen Sinn, wozu ich dann Mind Uploading brauche, wenns ein simpler Algorithmus auch täte. Ich meine, das ist doch grob fahrlässig?

Lasst mich das nochmal verdeutlichen: Ich besitze die technologischen Möglichkeiten und statte die Puppe mit dem Charakter meines mittlerweile depressiven Stars aus, beschränke aber den Handlungsspielraum auf 4% und verkaufe das kleinen Kindern?

Wenn das ein zynischer Hinweis auf Alexa-Konsumenten sein soll, deren Intelligenz nicht sonderlich über jener von Kindern liegt, dann lass ich mir das Setting einreden. Und dass der Verkauf, wenn Staat und Parteien sich dieses abgehörte Wissen zu nutze machen wollen, grob fahrlässig von mächtigen Firmen, die gehypte Spionage-Sympathie auf den Markt bringen, wait, oh, never mind..

Es gibt zwei durchaus realistische Szenen, die haben aber nichts mit technologischem Fortschritt und dessen Gefahren und Möglichkeiten zu tun, sondern mit der Gesellschaft: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele junge Künstler Managern wie jener gezeigten ausgeliefert sind und im Handumdrehen abgesetzt werden können, folgen die nicht dem extremen Marketing-Konzept. Das zweite ist die Sexualisierung von jungen Mädchen: Rachel, das Mädchen das Miley-Fan ist, nimmt an diesem Schulwettbewerb mit und tanzt zu einem Song. Die Jungs fangen an zu reden. Die Schwester verdreht die Augen.

Soll das ein Hinweis darauf sein, dass aktuelle Technologien junge Mädchen zu „fuckable“-Verhalten führt? Ich versuche wirklich einen Sinn in dieser Folge zu sehen. Oh, Instagram verbietet übrigens einen Face-Lifting Filter, weil er Jugendliche negativ beeinflussen könnte. Welcome, Humans of Late Captalism!

Zusammenfassung und Fazit

Wer auf einen Twist wartet, wartet vergebens. Es gibt keinen. Aber dafür ein Happy End. Miley darf depressive Rockmusik machen. Ja, dystoptische Weltphantasien sind eben auf ein gewisses Pensum reduziert. Vielleicht sollte man stattdessen anfangen Klima-Horrorfilme und Klima-Katastrophen-Filme zu produzieren. Oh wait, die hatten wir in den 90ern bereits. Damn..

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„Reign“, Season 2

Es wird zur Vorsicht geboten, denn so trashig und schrecklich und schlimm und peinlich die Serie teilweise ist, genau so schnell findet man sich Abends vor dem Monitor wieder, um die Serie zu bingen. Und wenn man nicht aufpasst, beginnt man sich in die Serie zu verlieben! Oh, too late.

Heavy Spoiler Alert!

Weiter gehts

Der Blonde, Francis, hat also seinen Vater, den Mad King getötet, und ist jetzt König. Die Pest ist nah und er reitet zur Frau, die seinen Bastard gebärt (Marys Freundin Lola btw.); und Nostradamus verliert in der zweiten Season massivst an Attraktivität ohne seinen Bart – aber das macht nichts, er verschwindet bald aus der Serie, wäre er auch fast gevierteilt worden. Oh, und Mary tendiert Richtung Cersei. Und Catherine di Medici wird immer besser – richtig gut sogar: Don’t beg! Queens don’t beg! It makes you look weak! So sehr sie um das Leben ihres Sohnes fürchtet, steht sie Mary, wenns hart auf hart kommt, mütterlich wie freundschaftlich zur Seite. Im Gegensatz zu ihrer eigenen Mutter, die nur an den Thronfolger denkt. Aber Mary lässt sich das nicht länger gefallen:

„I am more than a marker to hold an alliance, or a breeder for the next generation or the next. I am my own person. A woman grown, and tonight I realize that I am utterly and completely alone. But when I look at you, I feel I am better for it.“ – Mary, Queen of Scots

Catherine di Medici ist teils villain, teils anti hero; und hat ihre richtig guten Momente, die die Serie richtig gut machen, und nicht nur ihres Trash- oder Eyecandy-Faktors wegen. Nein, sie ist neben Mary der Hauptgrund, die Serie zu schauen. Außerdem spielt Megan Follows sie hervorragend.

Intrigen, Krieg und Religion

Die Pest hält Einzug am Hof und es ist alles abgeriegelt. Ganz viele Cast Members werden gehen müssen. Der Demon-Mensch mit den spitzen Zähnen hat die Pest übrigens auch voraus gesehen, und, in dem er kleine Kinder isst und Menschen opfert, versucht zu vermeiden. Alsbald er tot ist, fallen die Sterne vom Himmel und verkünden das Unheil.

Noch über 22 Folgen! Und sobald die Pest überstanden war, prügeln sich Protestanten mit Katholiken und Francis unterschreibt auf Druck von Lord Narcisse (der laut einem geheimen Journal richtig gut im Bett sein soll) ein Edikt, welches besagt, dass Katholiken jetzt Protestanten abschlachten dürfen. Mary ist davon gar nicht begeistert. Die Queen-Mum rät ihr, ihre romantischen Vorstellungen endgültig zu begraben, dass sei nicht das, was Ehe ist. Es gehe auch schließlich um das Wohl der Länder!

Seit der hübsche Bastard nicht mehr love interest ist, hat er kaum mehr ordentliche Screentime. Und es gibt Geister! Die suchen übrigens auch Catherine heim, zeigen ihr ihre toten Kinder, die ermordet wurden. Von ihrer eigenen Tochter. Nein, die Nanny hat das Fenster offen gelassen, als der König sie in sein Bett lockte. Moment, die lassen sich aber nur von Händchen öffnen. Wait a Second, wars doch die eifersüchtige Mätresse? Und wait, ist das Catherine mit einem Hau-drauf-Gegenstand? Egal. Drama, Baby!

Soap Opera continues

In gefühlt fast jeder Folge verspricht sich das Hauptliebespaar, sich nie mehr zu belügen und immer ehrlich zu sein und keine Geheimnisse mehr voreinander zu haben. Und was ist? In der nächsten Folge wird wieder belogen und betrogen was das Zeug hält.

Die Beziehung zwischen Mary und Francis ist knapp an der Grenze zum Schmerzhaften. Immerhin haben sie auf die verkitschte Romantisierung von arrangierten Ehen diesen Brocken fallen lassen. Immerhin etwas. Denn sie alle wissen, in Vernunft, und das wird oft und kühl betont, dass Ehen unter Edelleut nur dazu da sind arrangiert zu werden und man eben das beste daraus machen soll und natürlich lieben sich dann all die Paare und alles ist super und clean.

Greer, die eigentlich in den Küchenjungen verliebt ist, heiratet den etwas älteren, reichen (aber gütigen und guten) Lord Peppercorn, ein Händler der mit Gewürzen handelt, weil er ihr Sicherheit bieten kann und ihre Schwestern großzügig ausstattet und ihr Mitsprache in seine Geschäfte gibt. Da er aber Protestant ist, muss er das Land verlassen und nachdem seine Gelder, die er zum Bau einer protestantischen Schule gespendet hatte, hinter seinem Rücken dazu verwendet wurden, ein Attentat auf den König zu verüben, verliert auch Greer alles. Meine Güte, Leute, redet halt miteinander! Greer muss gehen. Und sie wird zur Madame, die ihre Mädels aufmotzt und auf teure Parties bringt. Lord Peppercorn sitzt im Gefängnis und sie fängt wieder was mit Leith, dem Küchenjungen, an, der jetzt Standes-technisch über ihr ist.

Und auch Keena, die ehemalige Mätresse des Königs, die in dessen Wahnsinn mit Bash, dem feschen Bastard, verheiratet wurde; beginnt eine intime Beziehung, auch wenn Bash nur mehr die dreckige Arbeit seines Halbbruders verrichtet, Leute mordet und hier und da mal auftaucht. Allerdings hält die Ehe nicht. Er geht in den Norden (Bastarde werden immer in den Norden geschickt), aber sie soll seinen Namen behalten, bis ein reicher (und guter!) Mann sie ehelichen will, der Bourbonen-König jedenfalls wollte das nicht.

Interessanter ist jedoch Lady Lola, die durch ihre direkte Art jeden Mann um den Verstand bringt: wie Lord Narcisse, der den König blackmailen wollte – und sie erst dann will, wenn sie nicht Betrunken oder auf Drogen ist. Der böse Gegenspieler und aktuell demütiger Untertan, der im Hintergrund lauert, ist ein Frauenversteher, da schau an.

Und dann ist da dieser attraktive dunkle Protestantenprinz Condé, dessen Bruder ein kleines Königreich zur spanischen Grenze besitzt und die es einst, als Francis jung und krank war, auf den Thron abgesehen habe. Nein, ihr glaubt doch nicht was ich glaube oder?

Ich dachte ja, der ist nach ein zwei Folgen wieder weg, aber nein: er verliebt sich in Mary (no na nit) und da auch er Protestant ist und fliehen muss, haut Mary mit ihm durchs Fenster ab und fährt zu seinem Bruder. Kann Mary nicht mit dem durchbrennen? Er steht eh auf verheiratete Frauen. Und natürlich läuft was! Und Mary findet es höchst unfair, dass Francis Mätressen halten kann und sie nicht; ist ihre Ehe gerade nur ein einziges Chaos. Francis gibt ihr, nach a bissl Mimimi (Sie darf kein Kind von ihm haben, denn der Thron wäre in Gefahr! Aber er darf 100 Bastarde zeugen wie es ihm beliebt. Beschissene Regelung btw.), die Freiheiten, die auch er besitzt und wird er ihre Affäre sogar beschützen! Wenn es ihr gut tut – dazu gibt es übrigens eine Vorgeschichte, denn Mary findet zu dieser Zeit, nur beim Prinzen Schutz und Francis gewährt es ihr. Nett von ihm.

Dumm nur, dass dieser ein Angebot von Queen Elizabeth I. bekommt, dieses aber ausschlägt. Dumm nur, dass er es über Wochen in Erwägung gezogen hatte (immerhin ist Mary verheiratet und er wäre immer nur Lover im Geheimen und nie König) und Mary sauer auf ihn ist und ihn nie wieder sehen will. Dumm nur, dass er Elizabeth quasi doch heiratet und dumm nur, dass alles bei einem Feuer vernichtet wurde und dumm auch, dass alles inszeniert wurde und ja, ihr seht das Drama.

Aber immerhin gesteht Francis ihr nach der ersten Hälfte der Season alles – warum er sich so arschig verhält und wirklich ein Pain in the Ass ist beziehungsweise war. Aber jetzt muss er ein König sein, der Angst und Schrecken verbreitet! Irgendwie sind die Blonden in Serien immer etwas mad. King Aerys, Daenerys und Cersei; the Man in Black (Westworld), jetzt dieser Kollege hier. Mir fallen sicher noch weitere ein, während die dunklen gut sind.

Thema: Vergewaltigung

In einer Folge verbrennt Mary ihren Vergewaltiger. Davor hat sie ihm die Kniekehle durch geschnitten. Die anderen zwei Attentäter sind auch tot, gemeinsam mit dem protestantischen Prinz rächt sie sich.

Alles, was um diese Szene und das Ereignis aufgebaut ist, ist kontrovers. Es ist immer die Frage, wie eine Vergewaltigung eingesetzt wird: Ist es der Push, der die Frau „stärker“ macht und ihre Geschichte voran treibt – dann ist es ungerechtfertigt. Dann ist sie lediglich Mittel zum Zweck und soll zurecht kritisiert werden. Nicht durch männliches Zutun soll die Geschichte einer Frau entwickelt werden, sondern durch sie selbst heraus.

Passiert sie, weil sie zig Frauen passiert? Dann ist es okay – denn es passiert. Leider, und darf nicht durch „ignorieren, weils schlimm ist“, tabuisiert werden. Nein, Vergewaltigungen und wie Frauen damit umgehen, dürfen gezeigt werden.

Adelaide Kane spielt die Szenen, die sich über Folgen hinweg ziehen, in der sie kein Mann, nicht mal Francis berühren darf, sehr sensibel. Sie spielt sie stark, und gleichzeitig verletzlich. Sie tut, was von ihr als Königin gefordert wird. Catherine, die sie unmittelbar nach dem Vorfall aufklaubt, sagt zu ihr: Sie muss stark sein. Die anderen entscheiden ob sie als Opfer oder Unberührt aus dem Unglück heraus und in die Geschichte eingeht. Sie muss zeigen, dass sie unberührt ist. Mary schluckt die Tränen runter und stellt sich dem Volk: Gar nichts ist passiert. Dass es ihr nach ihrer Rache nicht besser geht, ist auch klar.

“We’re going to change your clothes, fix your hair. We’re going to erase any mark of their hands on you. We are. We are going to do this for you, and for Francis, and for Scotland and for France. They tried to diminish a king tonight by degrading a queen and they will not succeed. Cause the world will never know what they did to you … These next moments of your life will either define you as a victim or a powerful queen untouched by a failed assassination attempt. They will define who you are perceived to be, your place in history. Do not let them win. Trust me. Trust me and let me help you. Trust that I can get you through this because I swear to you that I can.” – Catherine di Medici

In diesem Falle war Mary davor bereits stark und ihre Geschichte von Umständen und Intrigen der Politik getrieben – aber auch von ihren eigenen Handlungen, und nicht nur, weil Männer sie dahin drängen.

Das Leben ist generell von Männer bestimmt, und Frauen akzeptieren das. Dieser Umstand wird, wie bereits erwähnt sehr nüchtern reflektiert – und trotzdem trifft Mary viele eigene Entscheidungen und neben dem ganzen Trash-Faktor, punktet die Serie dahin gehend. Sie zeigen, den Umständen entsprechend, eine starke Frau. Die Serie nimmt sich Zeit, sehr viel Zeit, dass Mary ihr Erlebnis verarbeiten kann. Sie zeigt, dass es okay ist, nicht okay-zu-sein und sich Zeit zu nehmen – und dabei trotzdem stark sein kann.

Die Kritik, dass Catherines Akt in Richtung Stillschweigen von Sexual Assault Survivors geht, ist berechtigt – und man darf sich auch nicht auf historische Authentizität hinaus reden, darauf hat diese Show keinen Anspruch. Aber die Art wie Mary damit umgeht und die Zeit die man ihr gibt, und dadurch auch auf die Nachwirkungen aufmerksam macht, dass es okay ist, nicht okay zu sein und sich Zeit zu nehmen, behandelt die Serie sehr gut. Es wird nicht nur geredet, dass es okay, sondern auch gezeigt, über die Dauer der Folgen hinweg.

Zusammenfassung

Natürlich sind die erzkatholischen Kirchenmänner des Papstes schwul. Es wird aber auch nichts ausgelassen. Sobald bekannt wird, dass der König nach einer Mätresse sucht, bringen die Edelleut ihre Töchter zur Vorstellung. So sehr mich Francis nervt, muss man ihm diese Entscheidung, ihr ihre Affäre zu belassen und diese zu beschützen anrechnen. Immerhin liebt er Mary, und will nur ihr bestes, aber sicherlich auch, weil er sich schuldig fühlt. Wir erinnern uns auch an die Prophezeiung, ihm geht es mittlerweile doch etwas schlecht gegen Ende der zweiten Season, immerhin verlässt er die Serie in der dritten. Aber nachdem Bash die Erstgeborene, das Schlossgepenst, das Mary öfters ihr Leben gerettet hatte, tötet, geht es ihm wieder besser.

„Today I am King. I will punish those who defy me. Remember your son. Do not test my power, and do not tempt my fury.“ – Mary, Queen of Scots

Mary muss sich kontinuierlich entscheiden: Will sie noch mehr Geliebte verlieren oder ihren Thron beschützen oder ihren Gefühlen zu folgen. Es endet meist damit, dass sie geht. Dann gibt es noch Unruhen in Schottland und sie muss in Frankreich bleiben, weil sonst der König geschwächt wäre und geh bitte, was ist das für eine fragile Herrschaftsform?

Mary muss erkennen, dass ihr Status immer Gift für Liebschaften sein wird, die ihr emotional wichtig sind. Nur ein König kann an ihrer Seite sein, alle anderen reißt sie ungewollt mit in die Tiefe von Hofintrigen und dem Gerangel um Macht. Arme Mary. Was das betrifft ist die Serie gut. Durch die Liebschaften zeigt sich ganz genau, was Mary haben darf, was nicht, wie sie damit umzugehen hat und was ihr bleibt. Adelaide Kane spielt die gebrochene und wieder zusammen geflickte Königin perfekt.

Greer, eine Edeldame, eröffnet ein Brothel und sieht damit alles erfüllt, was sie je wollte: Sicherheit. Und diese findet sie in ihrer finanziellen Unabhängigkeit. Ist das nicht eine nette, feministische Botschaft? Und natürlich einen Mann, den sie liebt (der ehemalige Küchenjunge, der ihre Ehe mit Lord Peppercorn annullieren lassen will) und von dem sie nicht abhängig ist.

Catherine ist eine eifersüchtige Frau. Ich verzeihe ihr viele Morde und Intrigen, aber dass sie das Lieblingspferd ihres Geliebten alias Lord Narcisse schlachten und ihm zum Mahl servieren lassen hatte, ging um einiges zu weit. Aber: Wir haben hier eine Frau Ende 40 und man gesteht ihr ein Sexleben zu. Das ist selten! HBO, geh scheißen! Reign schafft, was viele sich so ernannten Serien mit starken Frauenrollen nur mäßig auf den Schirm bringen mit Leichtigkeit. Catherine hat Sex. Oft. Ja. Ältere Frauen haben Sex. Aber vielleicht, weil sie Macht hat? Nein: In einer Szene, weiß ihr Lover nicht mal wer sie ist. Sie hat Sex mit jüngeren und gleichalterigen Männern und das gehört viel öfter auf den Schirm.

Sonstiges

Leider denke ich mir bei historischen (Sex-)Szenen oft, dass die Leute einfach ewig lang weder geduscht noch gebadet haben (und die meisten keine Zähne mehr hatten).

Ich frage mich auch, ob die Pferdefarben-Wahl in Filmen und Serien was aussagt? Meistens haben die Frauen das weiße Pferd, der Mann die Schwarzen. Der Gute den Schimmel und der Böse prescht mit Black Beauty davon. Diesmal reiten sie beide braune Pferde.

Etwas was ich wirklich nicht packe ist, wenn Leute an den Zügeln rumreißen. Sieht das keiner vom Filmset, dass das Tier sich unwohl fühlt? Gibt es keinen Reitlehrer, der sagt: Dude, halt deine Hände ruhig, gib ihm Zügel! Und vielleicht ein angenehmeres Gebiss? Und wie sich manche Leute in den Sattel schmeißen! Man steigt sachte auf und ruhig und lässt sich nicht, besonders kein 90kg Typ, in dessen Rücken fallen. Denken die Leut nit mit? Ich glaube, wie sich jemand in den Sattel setzt, ob er plumst oder sich galant setzt, sagt viel über dessen Charakter aus. Zumindest aber, über dessen Körperbeherrschung.

Zu guter Letzt: Hat Mary eben einen „Jon Snow“ abgezogen und ihren Geliebten, den Prinzen, der nach dem französischen Thron greifen wollte, für the greater good geopfert! She did it first! Mary did it first!

Season 3, here we come.

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„Reign“, Season 1

Reign ist eine Serie, die man der unendlich hübschen Hauptdarstellerin wegen schaut, und hofft, je länger man dabei bleibt (die Serie ist eigentlich richtig schrecklich), man etwas von dieser Schönheit abbekommt. Nur etwas. Ein kleines Stück.

Es ist ein Mittelalter-Popsong mit einem Soundtrack, der etwas an die Buffy-Indie-Ära erinnert – jene Musik, die Tweens (das Zielpublikum) auf chilligen Unikonzerten hört. Der historische Anspruch liegt bei 0,1; selbiges gilt für die Kostüme, die von einer Taylor Swift pre-1989-Tour stammen könnten. Aber das ist egal: Denn darum geht es nicht.

Die Serie ist Drama und Trash und erfüllt alles, wonach Guilty Pleasure verlangt. Und es gibt Eyecandy, viel Eyecandy, abgesehen von Mary Stuart und ihren vier Ladies.

Source: CW.

Worum geht es?

Die Serie erzählt das Leben von Mary Stuart, Queen of Scots und ihr Leben am französischen Court, ihre Liebschaften und Intrigen. Sie nimmt sich dabei viele historische Freiheiten und das ist vollkommen in Ordnung. Sie erhebt auch gar keinen Anspruch auf historische Korrektheit. Wikipedia sagt: „In interviews preceding the premiere, showrunner McCarthy described the show as deliberately taking liberties with history, and that it’s more „entertainment“ than history while actress Anna Popplewell referred to the show as „fantasy history“, exploring the characters in hypothetical situations.“

In Season 4 stirbt sie. Ihre Cousine und Königin von England, Elizabeth I. lässt sie enthaupten. Aber bis dahin, Drama, Baby, Drama!

Es heißt durchhalten: Season 1 hat 22 Folgen; und hatte mich das zu Beginn noch abgeschreckt, freue ich mich jetzt, dass Season 2 ebenfalls mit 22 Folgen ausgestattet ist, auch wenn Francis, Frankreichs Thronfolger und Iron-Fist-Like Charakter, gänzlich unsympathisch ist und erst in Sesason 3 sterben soll. Soll sie doch mit Nostradamus die Ehe eingehen (der den Tod Francis‘ nach ihrer Ehe voraus sieht und Catherine di Medici, die Frau des französischen Königs Henry alles tut, um diese Ehe zu vereiteln. /Bitch-mode on, get ready), oder mit dem feschen Bastard (der frei dazu erfunden wurde und auf keiner historisch bekannten Persönlichkeit beruht). Aber nein, der lernt dann irgendwann, für eine Folge, eine Art Ygritte mit Bogen kennen, im Winter, im Schnee. Come on, seriously? Season 3 hat nur mehr 18 und Season 4 16 Folgen.

Francis, so wissen wir aus der Geschichte, soviel bleibt akkurat, stirbt kurz nach Vollzug der Ehe (was übrigens korrekt dargestellt wird, mit all den Leuten, die den ersten Akt bezeugen – was aber nicht überall in Europa gängig war) mit jungen Jahren; er war ein Schwächling und sie waren nur zwei Jahre verheiratet. Dazwischen hegt sie eine Liebschaft mit Bash, dem Bastard des Königs, dessen Mutter einst Heidin und Mätresse des Königs war und ihn auf den Thron setzen will. Natürlich ist es ein Spoiler, aber come on; wenn der Charakter schon extra in die Serie geschrieben wurde, ja wozu wohl?

S01E14

Anhand von Episode 14 der ersten Season möchte ich darstellen, wie eine übliche Folge in etwa abläuft:

Der Mann der Prophezeiungen hat, glaubt nicht an das Böse, das im Wald lebt. Nur Menschen sind böse, aber nicht die Natur. Na eh, er hat ja eh recht. Er sagt übrigens auch, dass es nur Wissenschaft und keine Magie gibt. Er ist also der Haus- und Hof-Wissenschaftler, Seher und Arzt. Allerdings trägt Olivia (die Ex von Francis), die nach ihrem unerklärten Verschwinden wieder auftaucht, Bisswunden! Bisswunden! Auch wird ein Zahn in ihrem Rücken gefunden. Der König, der mit einer, von einem Land mit dem sie im Krieg stehen, vögeln wollte, hat sie aus Versehen ausm Fenster geschubst und somit getötet. Da war zufällig das Fenster und sie ist gefallen. Sowas passiert halt.

Aber es wird noch besser: Eine der Hofdamen und Freundinnen von Mary ist schwanger. Und jetzt ratet von wem. Von Francis natürlich! Denn als der zuvor ihre Ehre (aka Jungfräulichkeit) in einem Pariser Bordell beschützte (don’t ask), nimmt er sie quasi selbst. Aber mit ihrem Einverständnis. Sie mögen sich halt. Es passiert halt. Meine Güte. Francis aber ist mittlerweile mit Mary verheiratet. Die aber davor eine Liebschaft mit Bash hatte, dem Bastard, als die Möglichkeit, tatsächlich Anspruch auf den Thron zu haben, in Aussicht stand. Sie waren soviel besser zusammen.

In derselben Folge wird das Thema Abtreibung behandelt: Hätte sie doch bloß keinen Sex gehabt! Natürlich, die Frau ist wieder Schuld. Eh klar. Aber die eine kennt da wen, die jemand kennt, die wieder wen kennt. Die Abtreibungs-Szene zeigt, warum es wichtig ist pro choice zu sein und für sichere Abtreibungsmöglichkeiten zu sorgen. Ohne Stigmata und Druck und sonstige Hindernisse. Grausige Gerätschaften liegen auf dem Tisch, Fischerhaken und Messer, und alles ist dreckig.

Olivia liegt derweil im Krankenbett und es schüttelt sie gar schrecklich. I dismiss the Demons! Sagt der Pfarrer und sie ersticht ihn mit seinem eigenen Kreuz! Und es ist gefährlich. Es ist immer gefährlich. So gefährlich, das alle immer ohne Begleitung rum laufen können, ausser das Budget reichte für demotivierte Statisten; die stehen dann im Hintergrund wo rum und versuchen wichtig auszuschauen.

Catherine di Medici schreibt einen Suizid-Brief (sie will ihrem Gatten (der sie eine Folge davor noch umbringen wollte) helfen). Das fliegt aber auf, weil die Tote gar nicht schreiben konnte. Aber es gibt ja einen Zeugen: ihren Lover. Dummerweise ist der aber schon tot. Und hier kommt der ermorderte Pfarrer ins Spiel. What? Sie haben den Pfarrer während der Folter zum Geständnis umgebracht?! Dafuck you weird French people! Und sie hat sich umgebracht, weil sie die Scham nicht ertragen konnte!? Na, don’t believe it.. Sie einigen sich darauf, dass sie ertrunken ist.

Ich denke mir dann: Wenn es Serien wie diese gibt, gibt es auch einen Buchmarkt für eben jene Konsumenten, und ich weiß leider, dass Trash-History-Romance-Novels wirklich gut ankommen. Soll ich meine Seele verkaufen und sowas schreiben? Aber, ganz ehrlich. Ich bezweifle wirklich, dass ich sowas großartiges zustande bringen kann. Aber wenn… dann könnte ich Milliardärin sein!

Historische Authenzität – 404 not Found

Je unwichtiger der Charakter, desto historischer’isher ist die Kleidung, die er tragen muss und je wichtiger (und hübscher) desto moderner und schöner die Gala- und Ballrobe. Mary und ihre Ladys kleiden sich ausschließlich in glitzernde haute couture und tragen ihre Haare mit wilden Zöpfen und hübschen Diademen.

Frock Flicks, die beste Seite, wenns um historische Akkuraität von Mode in Filmen geht, liefert einige gute Memes. Bitte besuchen. Ebenfalls lesenswert ist dieser Artikel, der sich leidend mit den Kostümen beschäftigt. Aber wie bereits erwähnt, historische Autzentzität ist letztranging, schließlich geht es um Entertaintment!

Zusammenfassung und Kritik

Lustig ist auch, dass über Folgen hinweg niemand frägt, wo eigentlich Character X ist? Und plötzlich taucht dieser auf. Einfach so. Wie ich mich auch schon bei Game of Thrones fragte: Gibt es keinen Korrekturleser, der sagt: „Ähm, sorry, aber des macht kan Sinn.“ Nicht? Nein? Ok..

„I don’t want it!“ ist wohl der meist genutzte Satz in britischen Kostümdramen. Niemand will den Thron aber alle bekommen ihn. Welch schweres, schweres Schicksal. Nein wirklich! All diese Intrigen und stetige Unsicherheit und Gefahr. Ich stelle mir das höchst schrecklich vor. Dazu noch arrangierte Ehen, und wie vernünftig alle sind.

Dennoch gibt es ausreichend Gründe die Serie zu schauen:

  1. Die Kostüme – sie sind wirklich großartig, und die Frisuren.
  2. Es ist eine großartige Soap Opera
  3. Catherine di Medici ist eine „mad psycho bitch“ – aber unfassbar großartig.
  4. und Mary Stuart eine Art Goth

Frock Flicks führt weiter aus:

„OK, I’m outing myself here. This is the real reason I keep watching. Mary Queen of Scots, as depicted in Reign, is a goth girl in looks and deed. She has long almost-black hair (not red as in history), and she wears a lot of black or other dark colors, especially when she needs to look strong. Black and red seem to be her “power” colors. Or she wears white (or even silver-grey) when she’s feeling melancholy. That hints at her romantic-fatalistic worldview, which makes me think she secretly listens to the Cure and the Smiths in a little room in the castle somewhere. She probably has pointy boots under those long black skirts too. She’s just like me! I’d wear a good 75% of what she wears, if, y’know, my days were filled with strolling around a candlelit castle and fretting about the state of my affairs. See? Just her job description is that of a goth. Naturally, I love this show, no matter how much it goes against the history I’ve been studying for the past 20-some-odd years. This is me, livin’ the dream.“

Source: Fock Flicks

Plus, Nostradamus is hot.

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„Ascension“, Mini-Serie

Nach Salvation (Einträge folgen), die nächste SF-Trash Serie, die auf Netflix mit ihren Reizen lockte. Ascension ist eine US-kanadische Miniserie mit nur 6 Folgen und wurde 2014 das erste mal ausgestrahlt.

Achtung, diese Besprechung beinhaltet massive Spoiler. Wer die Serie noch sehen mag, ohne dass Überraschungsmomente genommen werde, sollte nach der kurzen Inhaltsangabe, aufhören zu lesen.

Kurzes Fazit: Sehenswert. Es sind nur 6 Folgen.

Worum gehts?

1963 startete ein Generationenschiff zu einer 100jährigen Reise nach Proxima Centauri, einem Stern, der unserer Sonne am nächsten ist, um dort einen habitablen Planeten zu bevölkern und das Überleben der menschlichen Rasse zu sichern. Nach exakt 50 Jahren geschieht ein Mord.

Spoiler

Eindrücke während der Serie, Inhaltsbezogen

Das Generationenschiff ist riesig. Es gibt auch eine Art Strand. Sie besitzen zwar alte Gerätschaften aus den 60ern, konnten sich aber mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln so weit entwickeln, dass kleine Laptops entworfen werden konnten.

Etwas seltsam ist, dass die Upper Deck Leute nie die Lower Decks besuchen, und sich somit dort nicht auskennen. Das Schiff ist zwar riesig, aber nicht soooo groß, dass man über 50 Jahre nicht von A nach B geht, beziehungsweise, dass die Lower Decks nicht einmal aufbegehren und hier und da mal die Kontrolle übernehmen – dürften die Arbeiter doch an Masse und Zahl überlegen sein.

Trotz dessen, dass das Schiff riesig ist, und neben Massentierhaltung auch anderen Fabriken beherbergt, zieht sich eine Spur des Zweifels am Rande entlang, wenn 600 Menschen dort Platz haben sollen und die Räumlichkeiten der Upper Decks teils sehr großzügig ausgestattet sind. Außerdem: Woher kommen die Waren? Sie haben immer wieder neue Waren – nach 50 Jahren und bei 600 Menschen, müssen diese doch irgendwann aufgebraucht sein – außer sie fabrizieren sie selbst, was aber mehr als 600 Menschen für eine Produktion erfordern müsste – und noch mehr Platz für Anbau und dergleichen. Aber ganz gleich, es ist ein interessantes Gedankenspiel.

Seltsam wird es, als man bemerkt, dass die Kameras, die überall installiert sind, und die Bilder nach außen transportieren, von niemanden entdeckt werden. Nach 50 Jahren wird man doch das eine oder andere auseinander genommen oder umgeräumt haben oder alte Dinge zerlegen.

Dann gibt es eine Birth-List: Was bedeutet, dass nur bestimmte Paare sich fortpflanzen dürfen, und ihr Implantat entfernen lassen können. Auch gibt es gematchte Paare: Wenn der PC, alias der mathematische Algorithmus, empfindet, dass diese und jene Gen-Kombination sinnvoll für das Überleben (die Weiterentwicklung) der menschlichen Rasse ist, werden diese zwei Menschen gepaart. Und es ist okay. Die Leute akzeptieren das. Fast.

Daneben gibt es die Stewardessen „Guardians of the Birth List, Body and Soul calling – wife, mother, caregiver to all.“ (Wait, WTF? Handmaidstale auf Glamours 60s?) und die Frau des Captains ist Bordelldame höchsten Grades. Sie wählt die hübschesten und perfektesten Mädels selbst aus, welche dann auf exklusiven Partys die ranghohen Militärs bedienen und für die eine oder andere Seite spionieren.

Eindrücke über die Serie (massive Spoiler!)

Mir ist bewusst, dass eine Serie über ein Generationenschiff einiges an Kreativität und Suspension of Disbelief abverlangt und vieles an Spielraum offen lässt beziehungsweise ließe, um vorhandene Gesellschaftssysteme zu kritisieren oder einen gänzlich neuen Gesellschaftsentwurf zu entwickeln – in diesem Falle aber konzentrierte sich die Handlung auf die äußeren Umstände und die Tatsache, dass das Schiff als quasi Petrischale für genetische Evolutionsexperimente dient. Die Genetik wurde erst 10 Jahre vor „Start“ des Schiffes entdeckt, also warum nicht gleich testen?

Natürlich überlegt man sich, wie man seit den 60ern das ganze geheim halten konnte, vor inneren und äußeren Blicken, von der Logistik ganz abgesehen – aber, darum geht es nicht.

Aber! Gegen Ende reist ein Crewmitglied tatsächlich auf den Planeten, der von drei Sonnen umgeben ist. Wie? Indem, dass nur die besten Eigenschaften weiter vererbt werden, entwickeln/erreichen manche Crewmitglieder die nächste Evolutionsstufe, können elektromagnetische Impulse senden und schlussendlich auch teleportieren. Richtig gelesen, das ist die Auflösung. Jap. Sorry to say, aber das ist das Ende.

Aber schaut euch die 6 Folgen trotzdem an. Die Frage natürlich, wie dieser eine Mensch auf dem fremden Planeten überlebt, oder ob er damit in den sicheren Tod geschickt wurde – lässt sich an dieser Stelle nicht beantworten.

Dass auch die Verschwörungswebsite, auf welche die Menschen gelangen, wenn sie sich über die näheren Umstände informieren möchten, ein Teil des ganzen ist – und Kritiker, die zu nah an der Wahrheit graben, um das Experiment zu gefährden, einfach getötet werden, muss natürlich ebenfalls angesprochen werden und vermittelt: Trust no one.

Kritik (Spoiler)

Schade finde ich, dass das Gefühlsleben der Passagiere nicht näher betrachtet wird. Zwar gibt es Kritik an der „Hineingeworfenheit“, denn man sei schon allen Personen, die man je kennenlernen würde, begegnet – aber eine wirkliche Tiefe bleibt aus. Was vielleicht in dem Fall ganz gut ist.

Auch gibt es nach wie vor Klassenunterschiede. Wenn die 1960er Star Trek und eine fiktive klassenlose, utopische Gesellschaft hervorgebracht haben, dann hätte dies ebenfalls ins Experiment mit einbezogen werden können, wie sich soziale Strukturen entwickeln. Stattdessen aber scheint es von vornherein die Upper und Lower Decks zu geben, die (natürlich) miteinander im Konflikt stehen. Nach oben zu kommen ist schwer, nach unten zu fallen einfach. Warum nicht jeder ein gleichwertiger Teil der Gesellschaft sein kann… ist fraglich.

Anyway: Für einen verregneten Samstag-Nachmittag eine passable Unterhaltung mit Potential zu mehr.

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