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Eine Fremde in der eigenen Stadt oder doch nur das Schulprojekt eines 8jährigen Aliens?

Man merkt, dass man nicht ausgeht, wenn folgendes passiert:

Ich: „Ich las letzthin wieder von einem Event im Moustache. Wo war das gleich nochmal? Ich weiß es nicht mehr. Liegt das im Bergdorf?“
Madame (8): „Das ist gegenüber vom Copa, dort wo du Jahrelang Karaoke gesungen hast.“
Ich: „Ahhhhhhh…. wtf?“

Vielleicht werde ich auch dement – oder, um an die Gedanken des letzten Beitrages anzuknüpfen: Vielleicht schüttelte das Alien, dessen Schulprojekt mit der Note 3- wir sind, die Glaskugel und sämtliche Erinnerungen aller Menschen fangen an sich zu verselbstständigen, sich zu verformen und auszutauschen oder ganz einfach, zu verschwinden. Vielleicht verbessert das Alien gerade seine Schularbeit.

„Mama, was kann ich tun, damit ich eine 2 bekomme?“
„Haben deine Kreaturen ein Bewusstsein?“
„Ich dachte, das macht sie spannender. Sie können sich selbstständig entwickeln.“
„Und du dachtest, das macht es einfacher?“
„Ja…“
Die Alienmutter schüttelt einen der drei Köpfe.
„So wird das nichts, Liebes. Magst du nicht von neuem beginnen?“
„Ok….“

Oder so.

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Bienen im Bus – Ein Erfahrungsbericht

Öffentliche Verkehrsmittel im Sommer sind eine Qual. Hunderte von schwitzenden Leuten müssen sich in ein stickiges Fahrzeug zwängen, womöglich unangenehm riechen und deren nasse Haut an der feuchten Haut anderer Leute reiben. Bisher hatte ich Glück, aber Bienen oft weniger. Davon möchte ich kurz berichten:

Ich schicke voraus, das ich keine Angst vor Bienen und Wespen und Hornissen und Hummeln habe, davon abgesehen, dass ich sie nicht auseinander halten kann, außer Hummeln, die sind fett und flauschig. Ich habe Respekt, ja, aber keine Angst. Ich gerate nicht Panik, sondern begutachte sie interessiert. Das einzige mal, dass mich eine Biene gestochen hatte, war im Schwimmbad. Ich war noch ein Kind und hatte in der Schule gelernt, dass sie ihren Stachel verlieren und somit sterben. Instinktiv empfand ich Mitleid mit der armen Biene, die durch mein unachtsames Treten sterben musste. Den Schmerz im Fuß akzeptierte ich als berechtigte Strafe. Sicherlich, andere haben weniger Glück: Wenn man allergisch ist oder in ein Wespennest tritt und von Hunderten Wespen gestochen wird. Ich kann es also irgendwo nachvollziehen, warum man panisch wird und wild mit den Armen fuchtelt (und dabei das Tier verschreckt). Manche Leute haben auch Angst vor Spinnen: Die werden von mir ebenfalls gerettet und in Sicherheit gebracht. Kurz bevor ich staubsauge, klopfe ich an die entsprechenden Stellen, sodass die Tiere Zeit haben zu verschwinden – und manchmal warte ich auch, oder trage sie wohin. Und ja, ich traue mir zu einen friedlichen Weberknecht von einer Kreuzspinne unterscheiden zu können und dementsprechend zu handeln.

So kam es also, dass sich eine Biene in den Bus verirrt hatte – was im Sommer häufiger passiert. Ich hatte mir vorgenommen, sie mit hinaus zu nehmen, dass heißt, auf meinen Finger krabbeln zu lassen und sie in die Freiheit zu befördern, sobald der Bus stehen bleibt und ich aussteige. Eine alte, osteuropäisch aussehende Frau kam mir jedoch zuvor. Die Biene flog in ihre Richtung, sie zückte ein weißes Spitzentaschentuch und zerquetschte sie. Aber ich konnte mein Verfehlen wieder gut machen. Erst gestern entdeckte ich wieder eine verloren gegangene Biene im Bus, hielt ihr meinen Finger hin und für ein paar Haltestellen war sie damit beschäftigt, jeden Finger und jede Seite abzutasten. Als sie damit fertig war und bemerkt hatte, dass da nichts zu holen ist, flog sie wieder zum Fenster. Als ich sie erneut nehmen wollte, surrte sie. Ich hielt ihr mein Buch hin und sie krabbelte darauf. Auch das Buch wurde erkundet. Rechtzeitig hatte mein Bus die Haltestelle erreicht und ich konnte sie in die Freiheit entlassen. Ich hatte währenddessen leise mit ihr gesprochen und der eine oder andere Mitfahrer musste mich wohl entgeistert angesehen haben. Crazy Bee Lady.

Eine andere Biene hatte ich einst beim Gardasee gerettet. Soweit ich weiß, gehen Bienen irgendwann unter. Sie kühlen sich zwar gerne ihre Füße im Wasser, aber schwimmen können sie – glaube ich? – nicht. Dankbar kletterte sie ohne zu zögern auf meinen Finger und ich paddelte einarmig mit meiner Luftmatratze zurück ans Ufer. Dort setzte ich sie im Schatten auf einem Pfosten ab. Erst später fiel mir ein, dass ich sie eigentlich zum Zelt hätte bringen (Campingplätze direkt am See oder besser, am Meer, sind großartig) und ihr Zuckerwasser geben können. Aber sie hatte es auch so überlebt. Das nächste mal.

Ich schätze, dass mein „Bienen- und Spinnen-Karma-Konto“ sehr hoch ist. Sollte es also sowas wie einen Himmel oder eine Hölle geben, ein Nirvana oder Wallhalla – wovon ich nicht ausgehe – werden (vermutlich) alle Spinnen und Bienen für mich aussagen. Dagegen aber hält sich eine gute Anzahl an Mücken und Zecken, die ich bereits getötet habe. Hm. Andererseits, was ist mit jenen Mücken, die von mir gekostet haben und dadurch überlebten? Übrigens ist die Käferwelt eine gefährliche. Ein Käfer hatte sich am Strand auf ein Buch verirrt, ich hatte eine Weile mit ihm gespielt – Crazy Bug Lady – oder getratzt, je nach dem man es sehen möchte und ihn dann zurück ins Gebüsch gebracht. Allerdings sah ich dann, dass sich wenige Zentimeter weiter, einige Ameisen befanden, und auf der anderen Seite ein Spinnennetz war. Ich dachte mir: Plus oder Minus? Brachte ich den Käfer in Gefahr oder rettete ich ihn?

Ein Tipp für alle, die Angst vor Bienen haben: Erstens, sie wollen nichts böses. Zweitens, sie haben mehr Angst vor euch als ihr vor ihnen, und drittens: Ruhig verhalten. Ich verspreche euch, sie tun euch nichts, wenn ihr ruhig seid. Und es ist wirklich, wirklich nett, wenn man sie beobachtet, wie sie am Finger herum klettern.

To do:

[ ] Bienendokus anschauen.

Ich bin während des Verfassens des Beitrages drauf gekommen, dass ich zwar verhältnismäßig viel über Tauben, aber nur ganz wenig über Bienen weiß. Wobei ich erinnere mich, dass man Bienen per Post verschicken kann. Irgendwann war da mal etwas. Es hatte auch mit Bienensterben zu tun.

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Woche #1406

Folgende Absätze beziehen sich nicht aufeinander, und können unabhängig voneinander gelesen werden.

Heute ist der 165. Tag des gregorianischen Kalenders, somit bleiben noch 200 Tage bis zum Jahresende. Es bleibt noch ausreichend Zeit für großartige Taten! 1962 wurde an diesem Tag  in Paris die Europäische Weltraumforschungsorganisation (ESRO) gegründet, die ausschließlich friedlichen Zwecken dienen soll. 1965 machte sich die NASA-Raumsonde Mariner 5  auf den Weg zur Venus. 1975 präsentierte die australische Regierung die Idee, Eisberge aus der Antarktis zur Bewässerung der australischen Wüsten zu nutzen. Im gleichen Jahr startete die Sonde Venera Mission der Sowjetunion Venera 10 und erreichte am 25. Oktober 1975 die Venus. Der Lander arbeitete sogar 63 Minuten lang auf der Planetenoberfläche. Danke, Wikipedia.

Ich entschuldige mich, dass Film- und Serienkritiken derweil nur so spärlich eintreffen, der Juni entwickelt sich zu einem Magengeschwür. Nun, nicht der Juni selbst, der gnädig und warm zu mir ist und mir die Möglichkeit einräumt, mich im örtlichen Baggersee und dem (noch) kühlen Nass treiben zu lassen. Aber all jenes, was anfällt und an meiner Unachtsamkeit lag, mich früher darum zu kümmern, weil: Man hat ja noch Zeit. Oder: Was soll denn dazwischen kommen? Und schlussendlich häuft sich der Berg an To Do’s und Abgabe-/ und anderen Terminen und Deadlines und so weiter. Von anderen lästigen Dingen ganz abgesehen.

Ich frage mich, wie man sich als LV-Leiter fühlen muss, die (vermutlich) laut Lehrplan gewünschten Referate und Präsentationen halten lassen zu müssen (in diesem Falle geblockt) und dabei festzustellen, dass fast alle der Anwesenden in ihre Laptops, Telefone und Unterlagen starren und sich nur ganz wenige auf das eigentliche Thema konzentrieren. Zur Verteidigung mancher anderer, sie arbeiten fleißig an anderen universitären Dingen. Warum arbeite ich nicht an meiner MA-Arbeit und bereite das Referat für nächste Woche vor? Zu viele Stimmen, zu wenig Konzentration – plus neige ich dazu während der Recherche Geräusche von mir zu geben, wie Fauch- oder Knurrgeräusche, rhetorische Fragen an mich selbst gerichtet oder tatsächliche Fragen und Aussagen, ebenfalls an mich selbst gerichtet. Manchmal sing-summe ich Taylor Swift dabei oder meine Mimik nimmt Überhand, gefolgt einem „Wtf?“ oder „Ohja!“ und die sofortige Infragestellung meines eben gefassten Gedankens. Und so weiter. Aber ich lausche und notiere was der Herr LV-Leiter sagt.

Und weil mich mein Email-Account gerade benachrichtigt: Die Petition, dass Nygmobblepot in Season 4 Kanon werden soll, erreichte 1000 Unterschriften. Nett. Nein, ich rief sie nicht ins Leben, aber ich setzte meine Unterschrift darunter. Aber wäre es dann noch Gotham, wenn manche der Protagonisten tatsächlich Liebe und Zuneigung fänden, ohne dass sogleich Chaos und Ungunst über sie herein bräche? Nicht mal in Orange is the new Black ist es ihnen vergönnt auf Dauer glücklich zu sein. Ich mag den Konjunktiv II.

Nachdem ich 2-3 Wochen versuchte allen Wonder Woman Spoilern aus dem Weg zu gehen, wird es heute Abend endlich soweit sein. Trotzdem fürchte ich fast, dass meine dank dem Hype gepushte Erwartungshaltung, vielleicht doch nicht ganz erfüllt werden wird? Wer denkt sich so unterschiedliche Startzeiten aus? Social Media, Leute! Und dann wundert man sich, warum Onlinegut geraubt wird. Und ich sah eben nach: Das Kino ist fast voll. Immerhin ist die zweite Sicht bereits geplant und reserviert.

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„Killer Cookies from Outer Space“ – eine Weihnachtsgeschichte

Vorsicht: Kann Spuren von Splatter enthalten.

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Sibirien. Sibirischer Winter. Um Mitternacht. Tante Olga hatte wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit Kekse gebacken. Wenn auch mit wenig Zucker versehen, waren sie köstlich geworden. Nach und nach, ganz behutsam, gab sie die unterschiedlichen Sorten in die geerbten Dosen. Der garstige Geist der Urgroßmutter Natascha klebte daran und ließ sie jedes Jahr aufs neue wissen, wie unzureichend die Kekse, und ganz besonders die ihren, doch waren. „Nastrovje!“ sagte Tante Olga und toastete der gerahmten Fotografie der Urgroßmutter, die grimmig über die Küche wachte, zu.

Der Wind zischte um das alte Haus und mit ihm schlüpfte ein Killer Cookie nach dem anderen in den angenehm warmen Wohnraum. Tante Olga hatte eben die letzten Kekse eingepackt, da entdeckte sie noch weitere. Sie waren weiß, wie die Unschuld selbst und ihr flockiger Körper erinnerte an einen Südseetraum, weit weg von der unfreundlichen und kalten Eiswüste. Fern von Väterchen Frost.

„Na sowas, wo kommt ihr denn her?“ fragte sie belustigt und klaubte eines nach dem anderen auf. Sie hatte sie bereits alle in ihrer großen Hand, da öffnete sich ein Loch in der Mitte eines jeden Keks und entblößte sich als roter Schlund. Die Kekse kreischten. Tante Olga war entsetzt. Was ist das? Sie hüpften auf ihren Arm, hoch zum Gesicht und fraßen sich in die Wangen, durch den Mund hinab in den Körper bis die arme Frau tot um fiel.

Wohl genährt, aber nicht satt zogen sie ihren Weg fort. Strategisch gut positioniert platzierten sie sich auf einem Teller im Wohnraum. Sohn Dimitri kam sogleich und griff nach den Keksen. Er war ein hungriger Bub. Die Kekse sprangen auf ihn und fraßen ihm die Augen aus den Höhlen bis sie sich am Gehirn labten. Er fiel tot um.

Onkel Pavlov trat ins Haus. Als gleich er seine Frau und den Sohn, tot und angenagt daliegen sah, nahm er Axt und Beil. Wo war der Mörder? Er suchte und durchforstete jeden Raum. Das Schloss an der Tür war nicht gebrochen, die Fenster fest verschlossen. Hinter der Couch lauerten sie. Sie lachten und kicherten. Der Angriff formierte sich. Der Onkel horchte auf. Langsam ging er in die Nähe aus der das Lachen kam. Da läutete das Telefon. Die Vibration deutete eine Nachricht an. Doch er ignorierte die Information.

Ein kleiner Keks lag auf dem Tisch. Verlassen und einsam, unschuldig und köstlich. Der Onkel richtete sich auf und steckte ihn ohne zu zögern in den bärtigen Mund. Sogleich verzerrte er das Gesicht vor Schmerzen. Blut quoll aus dem Mund heraus. Der Killer Cookie hatte ihm die Zunge aufgefressen und biss sich durch die Wange in die Freiheit. Weitere Kekse stürmten heraus. Sie schrien und jubelten. Er schwang das Beil. Er schwang die Axt, doch verfehlte er die lieblich, weißen Kekse jedes mal. Sie hüpften. Eines biss ihm sein Ohr ab. Andere machten sich an den Beinen zu schaffen. Bis auch er tot um fiel. Sie hatten gesiegt.

Stille herrschte. Nach und nach kamen mehr Kekse in den Wohnraum, verängstigt und unsicher. Kleine Kekskinder setzten sich zitternd vor den Baum, der bereits herrlich dekoriert war. Sie blickten mit ihren großen, schneeflockigen Augen auf und fragten was denn nun passieren würde? Bekäme man das Raumschiff wieder in Gang? Ein großer Killer Cookie bejahte und tätschelte das Kind. Er wusste nicht, wie lange sie wohl auf diesem Planeten sein würden. Aus der Küche kamen Geräusche.

Einige der anderen kamen mit verpackten Geschenken wieder. Es waren Finger, Ohren, Nasen und Zehen, eingewickelt in hübschem weihnachtlichen Geschenkspapier. Die Kinder hatten eine Freude mit dem menschlichen Fleisch und nagten genüsslich daran. Hier und da schlürften sie etwas Blut. Ein kleiner Keks rülpste, kicherte und schlief zufrieden ein. Weihnachten war für Familie Kokosbusserl noch einmal gerettet.

Doch wie sieht wohl die Zukunft aus? Werden sie auf der Erde überleben können? Und was sind das für leblose Körper in den Dosen? Welch schrecklicher Ort. All dies und noch viel mehr in Kürze.

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„Outlander“, Season 1 und 2

Die gute Nachricht: Season 3 ist gerade JETZT in Produktion.
Die schlechte Nachricht: Der Sendetermin ist bis dato noch unbekannt.
Aber: Es gibt 8 Bücher!

Ich glaube das Review ist sogut wie Spoiler-frei.

Während das Tech-Magazin Wired die Serie lobt und auch das Netz sich dem Lob anschließt, so frägt man nach Sicht der ersten Episode: „Ja, warum denn eigentlich?“ Und polemisierend möchte man hinzufügen: „Verklärte Groschen-Roman Romantik, deren Szenerie zwischen Highlander und Game of Thrones angesiedelt ist, mit etwas Torture-Porn unterfüttert.“ Mark me, diese Einstellung wird sich noch ändern.

Kaum nieder gesessen, gerät man in eine harte und patriarchale, von Männern dominierte Welt nachdem die Protagonistin, Claire, ihre Hände auf heidnische Steine gelegt hatte. Von 1945 nach 1743. 200 Jahre in die Vergangenheit. Zeitreisen!

Schon in der ersten Folge erfährt man, dass ihre Lebenslinie „getrennt“ sei und Sex eigentlich das einzige ist, was sie mit ihrem Mann Frank Randall, einem Historiker, noch verbindet. Zu Claires Unglück wird sie beim Eintreffen in die Vergangenheit von dessen Vorfahr, Jonathan ‚Black Jack‘ Randall (gleicher Schauspieler), fast vergewaltigt, bevor bärtige Schotten ihr zu Hilfe eilen. Zur Sicherheit, sie könne ein englischer Spion sein, wird sie mitgenommen und die Geschichte beginnt.

Die Serie entstammt der Buchvorlage der amerikanischen Autorin Diana Gabaldon, deren erster Band 1995 publiziert wurde. Laut Frock Flicks, der wohl besten Anlaufstelle für Akkurarität was historische Kostüme in Film und TV angeht, solle die Serie recht nah der Buchvorlage folgen und sich, gemäß den Geschichten im Buch, angemessen Zeit lassen. Einzig wird der eingebüßte Sarkasmus Claires bedauert, der in den Büchern viel deutlicher zu tragen käme, sowie das Fehlen des „dicken Hinterns“ – laut diversen Foren.

Neben dem schottischen Dialekt, erfolgen auch viele Gespräche ohne Untertitel auf Gälisch und man fühlt sich etwas verloren. Gälisch wird heute von ca. 1% der schottischen Bevölkerung noch gesprochen, besonders aktiv auf den äußeren Hebriden (die kleine längliche Inselgruppe im Norden). Man erfährt, neben britischer wie schottischer Geschichte auch alltägliche Dinge – von der Toilette – Claire rechtfertigt ihren BH damit, dass er aus Frankreich stamme – bis hin zur normalen (oft gewaltvollen) Handhabung gegenüber Frauen und Kindern sowie den schottischen Alltag, der aus saufen, raufen und Clan-Mentalität besteht.

Und dann gibt es Momente, bei denen man sich immer wieder aufs neue denkt: „Nein, das werden sie jetzt aber nicht machen…“ – Doch. Sie machen es. Und lassen nichts aus. Während Wechselbälger zum sterben in den Wald gebracht werden und andere aus Not verhungern, werden Frauen vergewaltigt oder von ihren Männern mit dem Gürtel gezüchtigt, wenn diese der Meinung sind, die Frau tat Unrecht. Hexenverbrennungen sind noch immer Gang und Gäbe. Es fließen Blut wie Gedärme, richtige Fleischfetzen hängen den ausgepeitschten Personen vom Rücken, sodass man sich wundert, ob die Narben am Rücken nicht schlimmer aussähen müssten? Und ja, es gibt viel Sex – zumindest in den ersten Folgen, es mäßigt sich dann. Dieser wirkt jedoch selten deplatziert, noch bleibt der Eindruck, dass er lediglich zur Effekthascherei dienen soll. Es sind emotionale Bilder auf die sich der Seher einlassen muss, die in mitten karger, schottischer Landschaft und mystischer Ästhetik eingebettet werden.

Und wenn Claire, die aus dem 20. Jahrhundert kommt, die barbarischen Zustände nicht wahrhaben möchte und sich dagegen weigert und fast einen Krieg auslöst, so zieht sich ihre sture Haltung ebenso durch die Geschichte wie ihr Idealismus. Teilweise greift man sich verzweifelt an den Kopf und frägt sich: „Warum? Das war doch offensichtlich, dass es schief gehen wird.“ Aber es sei der Story wegen gerechtfertigt. Und für diese nimmt man sich ausreichend Zeit sie zu erzählen ohne Langatmig zu werden.

Beim genaueren Hinblick mag man auch den einen oder anderen feministischen Aspekt erkennen – wenn man davon ausgeht, dass Feminismus die „Befreiung aus patriarchalen Strukturen“ bedeutet. Denn so ist es der Mann, der jungfräulich in die Ehe geht und bei ihrer Rückkehr Tränen vergießt und Weiche zeigt, Verständnis und Vertrauen, in einer Welt wo Stärke und Härte regieren. Und dann sind es die Frauen, die selbstständig handeln, reiten und schießen, sich gegen Männer wehren und deren Geschichten aus ihrer Sicht erzählt werden.

Interessant ist auch der Aspekt wie Zeitreisen thematisiert werden. Je nach dem, von welchem Standpunkt aus man die Geschichte betrachtet: So passiert alles, weil sie handeln (daher: weil es eben passieren muss), oder eben, es passiert wenig, obwohl sie ständig handeln. Outlander vermittelt den Eindruck des letzteren: Der einzelne allein kann wenig ausrichten, besonders wenn man eine Frau ist. Weiß man zu viel oder verhält sich anders als wie die Norm gelegt ist, besteht die Gefahr verdächtigt und mit Jubel der Meute in den Kerker geworfen zu werden. Man könnte sagen: „Töte Hitler“ – aber komm erst in seine Nähe ohne negativ aufzufallen. Und selbst wenn man an der Quelle sitzt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Zukunft einfach zu ändern ist.

Das Zeitreiseelement wird bisher sehr sanft durch die historische Realität relativiert und es entsteht der Eindruck als habe man oft in diversen Filmen der Auswirkung des Einzelnen zu viel Raum gegeben. Sicherlich, der Mensch stellt sich und seine Handlungen gern in den Mittelpunkt und ja, ich kenne das Prinzip des Butterfly-Effects. Outlander entkräftet diese Vorstellung jedoch.

Fazit: Die Slow-Motion-Kaminfeuer-Sex-Szenen zu Beginn mögen zwar abschreckend wirken, aber die Geschichte dahinter verdient doch einen genaueren Blick. Jedoch seid gewarnt und erinnert euch an meine Worte: Sie lassen wahrlich nichts aus.

Bemerkung: Man könnte natürlich über einiges diskutieren. Alles was ich ausließ und Erwähnung finden sollte, findet sich in einem Überblick auf TheGuardian und 172 Gedanken, die ein Mann hatte, während der die Serie sah. Des weiteren lesenswert:

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