Archiv der Kategorie: So sei es

Wirklich? Ist es so? Ist es wirklich so? Es ist so! Eventuell..

Zwischen 5 und 9 Uhr

Manche von euch kennen es sicherlich:

Zwischen 5 Uhr früh und so ca. 9 Uhr kriecht diese hässliche Anxiety hervor. Immer zu dieser Uhrzeit. Davor schlafe ich und danach flaut es ab und rückt etwas in die Ferne und wird unwichtig. Gibt es da ein seltsames Raum-Zeit-Gefüge?

5 Uhr

Zu dieser Zeit bereitet mir alles Sorgen und ich neige ja generell dazu, die Dinge über zu bewerten, mir unnötige Sorgen zu Allerlei und Allerhand machen (Was wäre wenn!? Aber jetzt ganz ehrlich, was wäre, wenn tatsächlich wenn, und hast du dir schon Mal überlegt, dass unter diesen Voraussetzungen und sie könnten wahr sein, ich meine, da fehlt nicht viel, es könnte durchaus sein – also hast du dir überlegt, dass vielleicht tatsächlich doch? Und sieh es mal so, dass wenn du es von der Seite betrachtest, also… so gesehen), ihnen mehr Raum als notwendig zu geben und scheitere nach wie vor an der „Ah, just f*ck it“-Einstellung bzw. an dieser „Kommt Zeit, kommt Tat und Rat“-Einstellung, an dieser, sich erst dann mit einem Problem zu beschäftigen, wenn es da ist. Ich denke mir: Wenn ich jetzt alle 12 Trillionen Möglichkeiten gedanklich durchgespielt habe, habe ich, wenn eine der 12 Trillionen Möglichkeiten zur Realität wird, bereits die Lösung! Macht Sinn, oder?

Anyway.

Das Allerschlimmste wird in Dinge, Aussagen und Handlungen interpretiert, alles, was schief gehen könnte, geht gedanklich schief und alles steht am Abgrund und es gibt keine Lösung, außer den Worst Case. Es gibt nur Verbrennung, Zerstörung, Void. Es gibt kein Entrinnen, nur die Konfrontation, in der Hoffnung, es wird besser und verschwindet. Aber das tut es nicht. Auch, weil es wiederkehrend ist. Selbst wenn die Antwort gegeben wird, es wird nur temporär besser, ein, zwei Tage. Dann kommt es erneut. Don’t worry. Ich habe es aktuell durchaus im Griff.

9 Uhr

So ca. ab 9 allerdings, lässt das Gefühl nach und eine gewisse „Logik“ setzt ein:

„Es ist nicht -jetzt- ein Problem, also kümmere dich darum, wenn es soweit ist.“

„Du kannst -jetzt- sowieso nichts dagegen machen, du stresst nur andere Leute damit.“

„Selbst wenn es so wäre, was kannst du -jetzt-, um 7 Uhr in der Früh dagegen tun? Du kannst niemanden anrufen deswegen, mit niemanden reden und auch keine Entscheidungen forcieren, damit du dich besser fühlst. Denk nach! Wenn es um 12, um 1 oder 3 immer noch da ist, dann kannst du mit jemanden drüber sprechen.“

Aber warum?

Ich frage mich was es ist: Ist es eine seltsame Hormon-Kombination, die frühmorgens einsetzt und alles durcheinander bringt? Ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum? Bin ich zu früh für meine innere Uhr wach und mein Serotin kickt erst ab 9? Oder weil alles ruhig ist, haben diese Gedanken „Platz“ und können herum geistern wie sie wollen? Weil nichts da ist, kein Geräusch und man mit seinen Gedanken sich selbst überlassen ist? Und das kann durchaus gefährlich werden.

Dieser Zustand hat übrigens nichts mit dem Umzug zu tun, er trat davor schon immer wieder auf.

Zurück in die Vergangenheit

Vielleicht sind diese 10-12h Arbeitstage ja deswegen eingeführt worden*, dass die Menschen sich nicht alle suizidieren oder im Wahnsinn enden, verbringen sie zuviel Zeit mit ihren eigenen Gedanken. Sie werden gestillt und beschäftigt. Vielleicht wurde eine tägliche Beschäftigung generell deswegen eingeführt.

Vielleicht ist es sogar eine Innovation aus der Zukunft, nachdem die 20h-Woche zu, nicht wie angenommen, psychischer und gesundheitlicher Verbesserung führte (zu Beginn schon, aber dann muss es wohl umgeschlagen haben) sondern zu mehr Depression weil Weltschmerz, sterbende Delfine, hungernde Kinder, Krieg und Elend plötzlich viel präsenter werden, da man plötzlich Zeit hat zu denken und man ja eigentlich, außer den eigenen Konsum in Frage zu stellen, tätig, nicht nur theoretisch, nichts tun kann und dem Hilflos ausgeliefert ist. Und wer garantiert, dass es damit getan ist? Die Menschen wurden/werden also müde, depressiv und kraftlos. Auch 20 Stunden waren angesichts der anhaltenden Sinn- und Denkkrisen nicht mehr möglich, sie wälzten sich im Bettchen hin und her und alles war schlecht, trübe und träge. Also beschlossen Wissenschaftler aus der Zukunft, die dem Elend nicht mehr tatenlos zuschauen konnten, zurück ins 21. Jahrhundert zu reisen und den 12h-Tag einzuführen, gerade noch rechtzeitig, als die Grünen und Linken dieser Welt den 30h-Tag einbringen möchten. Knapp vor den Abstimmungen, fälschte wer die Ergebnisse, ein paar Monate später fällt die Abstimmung, dass auch 12 Stunden am Tag gearbeitet werden darf. Einige Jahre darauf, wird es verpflichtend, die Menschen 12 Stunden, 6 Tage die Woche arbeiten zu lassen. Sonntags gibt es verpflichtende Fit-Kurse zwecks Versicherung und Work-Life Balance, denn nur wer Gesund ist, kann dem Unternehmen dienlich sein.

* Ich schreibe hier aus der Perspektive einer künftigen Gegenwart beziehungsweise einer bereits geschehenen Zukunft sowie einer, wie sie sich zugetragen hat, bestehenden Vergangenheit.

Währenddessen

Anyway, ich würde es wirklich gerne verstehen. Es könnte natürlich auch mit meinem immer wiederkehrenden Eisenmangel zu tun haben (I know, Arzt anrufen.. mach du doch!).

In diesen Momenten denke ich mir: Halte durch bis ca. 9, dann wird alles besser. Es wird eh schon besser, es rückt schon etwas in die Ferne. Und wenn nicht, dann sprich später darüber. Und wenn es aktuell keine Lösung dafür gibt, dann versuch dieser hässlichen Fratze, die sich von Unsicherheit und Zweifel nährt, nicht nachzugeben. Ignoriere sie! Es gibt noch andere Menschen, auf die du aufpassen musst.

Und wenn Unsicherheiten und Zweifel gerechtfertigt waren beziehungsweise sind, tja dann… wirds Zeit was an der Gesamtsituation zu ändern (oh, es ist 9 Uhr! Hallo Logik! My dear friend! Hallo Verstand! There you are! I missed you! Hallo Klugscheisserei! Nope, I didn’t missed you..).

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And here we are..

.. schreibend aus der neuen Wohnung.

Sie misst, ich darf so offen sein, 72m², befindet sich in einem kleinen Dorf etwas außerhalb des Bergstädchens und kostet warm (also mit Heizung) ca. 890€, inklusive zwei Abstellplätzen (einen Outdoor, einen in der Tiefgarage) und einem sehr großen Kellerabteil (welches man durchaus untervermieten könnte, schließlich gibt es dort Strom). Der Preis ist okay. Man kann nicht klagen. Ein Garten wäre schön gewesen. Oder zumindest einen Balkon; aber dafür ist sie direkt am Wald gelegen (4 Gehminuten) und weniger als eine Minute zu einer großen Wiese, fern von jeglichen Straßen. Die Wohnung beherbergt zwei Zimmer, einen Wohn-Küchenbereich, und eine Abstellkammer.

Und heute Abend (also gestern) kommt Gobbolino. Von mir getragene T-Shirts und Decken sind bereits in allen Ecken verstreut, sodass er sich auch wie zuhause fühlen kann.

Aber.

Er hasst es eingesperrt zu sein.

Die nächste Woche, oder Wochen, werden wohl eine Qual für sich. Gestern (mittlerweile vorgestern) tätigten wir den letzten, langen Spaziergang durch Feld, Wald und Wiese, entdeckten einen neuen Weg (ich musste ihn dann die Hälfte der Zeit tragen, aufwärts, abwärts, durch Geholz und Gebüsch), und ließ mir Nachts eine Zecke aus dem Kopf zupfen. Wir verabschiedeten uns von der Gegend und ich hoffe, dass wir in der neuen genau so lange Spaziergänge machen können.

Es ist ungewohnt.

Es ist tatsächlich ungewohnt am Land zu leben und zehn Minuten zu gehen, bevor man die Bushaltestelle erreicht. Um zu Lancino (wir können mittlerweile mit Halsring Slalom (in allen Gangarten) und kleine Volten galoppieren) zu kommen, brauche ich jetzt allerdings eine Stunde für einen Weg. Aber dafür gibt es einen Mini-Supermarkt, wie in einem italienischen Feriendorf (nur ohne Hitze und ohne Meer) und einen Bienenzuchtverein.

Aber es ist ungewohnt.

So neu. So fremd.

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Woche #1506 – Umzug?

Ein Umzug steht bevor.

Das neue Heim sollte über Garten und/oder Balkon verfügen, mindestens drei Zimmer besitzen, direkt am Wald gelegen (vielleicht auch mit einem Feld daneben, jedenfalls fern von Städten und Straßen) und bestenfalls noch gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, die im 15-Minuten Takt fahren und über einen Nightliner verfügen; und die Kosten sollten das unrealistisch günstige Spektrum nicht überschreiten.

Und ja, natürlich wird die neue Wohnung so gewählt, dass Gobbolino sich wohl fühlt.

Wovon reden wir?

Es finden sich Objekte in Innsbruck-Stadt zwischen 40m² mit der sinnlosesten Aufteilung überhaupt (2 kleine Zimmer, große Küche oder 1 winziges Zimmer, ein größeres und ein großes Bad) um 990€ und dunkel gelegene Höhlen, die zwar kostengünstig sind, aber noch nie einen Strahl Sonnenlicht in ihrem Leben gesehen haben.

Die anderen besitzen zwar einen großen Garten, werden aber von Straßen durchflutet; andere sind räumlich gut aufgeteilt, so gut sogar, dass die freundlichen Nachbarn, rein praktisch gesehen, beim Koitus beobachten könnten, da das Haus aus mehr Glas als Haus besteht. Wiederum andere liegen direkt an einer Straße und andere so weit weg, dass man zu Fuß einen halben Berggang machen darf. Es ist schwer.

Yes it is

Innsbruck, das teuerste Pflaster von ganz Österreich, baut aber auch kräftig Wohnungen – nachdem hübsche, alte Spitzhäuser in kleinen Siedlungen abgerissen werden. Nicht aber, dass diese Wohnungen günstig und sinnvoll geplant und auch für Normal-Verdiener zu mieten wären, nein nein. Die mittlere Oberschicht mietet sich hier ein. Oder kauft. Und vermietet um nochmal höhere Preise. „Aber des is ja eh no günstig, was redst denn!“ Äh, ja, nein, okay. Never mind.

Mehr Glas als Haus, 40m² für die eben genannten 900€ und die Gärten so klein und eng beinander, als wohne man in einer WG. Ein Eigenheim, zentral, mit Garten. Ja eh. Aber halt, winzig. Eine Ein-Haushalt-Wohnung eben, für Gutverdiener. Oder deren Kinder.

Kleinere Wohnungen, so zwischen 20-und 25m² gibt es übrigens bereits ab 700€. Ja, es ist kein einfaches Ding. Die umliegenden Dörfer gelten bereits als Oasen der Reichen und sind sowieso nicht zu bezahlen, auch nicht mit harter, tüchtiger Arbeit. Da heißt es schon: erben Herrschaften, erben!! Wer zu wenig verdient, der muss halt erben! #LogikNachKurz

Keine Tierchen erwünscht

„Keine Haustiere“, eine Aussage die sich bereits in den Ausschreibungen findet und die so nicht gelten darf; da zu allgemein und man den gemeinen Haushamster nicht verbieten darf. Eigentlich.

Eher müsste es heißen: Keine Katzen, keine Hunde, keine Bartagamen, kein Aquarium, keine Mäuse, keine Schlangen, keine Enten, keine Spinnen, keine Ameisen, keine Hausschweine, usw. Allerdings, so muss bemerkt werden, dass durch weiteres nachfragen, ein kleines Katzerl nicht so das große Problem ist; Hunde aber sind nicht gern gesehen, da sie mit ihren Krallen den teuren Parkett-Boden kaputt machen könnten oder die Wände zerkratzen.

Next

Und dann, wenn eine Wohnung gefunden wurde, die Katze erlaubt ist, der Garten hübsch, die Lage adäquat und die räumliche Aufteilung durchaus Sinnvoll, bedeutet das noch lange nicht, dass die Anwärter auch genommen werden. Denn auf eine Wohnung melden sich 30, 40, 50 Leute. Bei privaten Anbietern sogar noch mehr! Und wie soll man da den besten Eindruck hinterlassen? Ja eben wie?

… to be continued.

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Happy Zombie Jesus Day!

Es ist wieder so weit!

Diesmal weniger Zombie, aber mehr Corona.

Aber das nächste Zombie-Ostern kommt bestimmt!

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I’d be a fearless leader. I’d be an alpha type

Als ich einst mit der Gitarristin meiner neu gegründeten „Taylor Swift Punkrock-Cover Band“ bezüglich kreativer Differenzen aneinander geriet, dachte ich mir: „Damn, zwei Alpha Weibchen, das kann nicht gut gehen.“ Und zu diesem Zeitpunkt scherzte ich, denn ich hatte mich bis Dato nie als „Alpha Weibchen“ gesehen. Bis jetzt. Denn offensichtlich besitze ich tatsächlich gewisse Alpha Qualitäten – und diese gilt es zu kennen und zu nutzen.

Interessant, Zufall oder auch nur sinnlos zusammengereimt: Seit dieser Überlegung und Erkenntnis kommt mein Kater, Gobbolino, öfters mit Kampfverletzung heim. Und zwar so, dass der Tierarzt aufgesucht werden muss. Er ist nicht mehr nur das scheue Kätzchen, dass sofort flüchtet (gut, tut er immer noch wenn Gina da ist.. aber Gina ist Alpha Female LvL over 9000), sondern kämpft. Ich denke mir dann, lebe ich ihm das irgendwie vor, auf welcher Ebene er das auch immer wahrnimmt, und verleite ihn dazu (was er allerdings noch kläglich meistert)? Und wenn er wirklich Alpha sein will, muss ich dann mehr Alpha sein, damit er mehr Alpha sein kann und sein Revier verteidigen? Who knows!

Jetzt muss allerdings geklärt werden, was sind Alphas tatsächlich? Wie charakterisiert sich so jemand, außer, dass man seinen eigenen Willen durchsetzen möchte, sich als perfekte Führungskraft sieht (auch wenn man ungerne am sozialen Leben teilnimmt und lieber, wie die Leitstute vom Rand aus die Herde überblickt) und mit anderen Alphas aneinander gerät?

Alpha, Beta und Omegas

Alphas zeichnen sich durch, wenn man beliebigen Internet Seiten glauben will durch folgende Eigenschaften aus:

  • Glauben, dass ihre Fähigkeiten unbegrenzt sind (bedeutet also gewisse narzisstische Tendenzen)
  • identifizieren sich selbst als Alpha
  • sind davon überzeugt, dass sie eine gute Führungskraft besitzen
  • sind sehr selbstbewusst und sich ihrer Wirkung bewusst
  • hoch ambitioniert und vor allem auch initiativ.

Auch wird Alphas nachgesagt, sie besäßen eine hohe emotionale Intelligenz, lernen gerne und bilden sich weiter, wichtig auch: lernen aus ihren Erfahrungen. Aber: Alphas werden auch von anderen in gewisse Positionen gestellt. Es obliegt also nicht nur der eigenen Einschätzung. Aber sicherlich auch zu einem großen Teil.

Betas sind das Gegenteil von Alphas. Sie sind schüchtern und introvertiert, meist aber auch Experten, und daher nicht minder notwendig, betrachtet man das ganze aus einer Team-Perspektive. Omegas sind die Gegenspieler des Alphas, sie könnten deren Position streitig machen, und dienen oftmals als Sündenbock. Ein Omega kann auch die Antithese sein und, wenn das Team harmonisch ist, derjenige sein, der Streit verursacht. Er ist sozusagen Scar (Lion King). Und dann gibt es noch die Gammas, die sich von Alphas leiten lassen, die Masse also.

Spannend, wenn man sich etwas mehr damit beschäftigt!

 

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;

Es gibt Menschen, die hassen „;“ – und ja, ich verstehe es ja eh: Diese Unfähigkeit einen Punkt zu setzen, wenn nichts weiteres zu sagen wäre (und/oder dazu zu stehen, dass man nichts weiteres mehr zu sagen hat) oder den Satz, den Inhalt oder auch die Idee gekonnt weiter zu spinnen und mit einem „,“ zu verbinden.

; ist die einfache und billige Variante zwei Dinge miteinander zu kombinieren, ohne sich ehrliche Gedanken darüber machen zu müssen, ob diese Ideen und Dinge auch verbunden gehören.

Ja, zurecht mögen viele intelligente Menschen das Semikolon nicht, und wenn es doch Verwendung finden sollte, dann für Menschen, die am Abgrund standen oder stehen und damit an die Öffentlichkeit gehen. Der Autor entscheidet einen Satz nicht zu beenden und so entscheiden diese Menschen, ihr Leben nicht zu beenden.

Trotz all dem wird ; einfach zu gerne und zu häufig verwendet.

Ich verwende es häufig und gerne und denke mir, anders als eben kritisiert, dass diese beiden Sätze ja tatsächlich noch zusammen gehören; ich erinnere mich übrigens gerade daran, dass ich schon Mal dazu geschrieben habe, aber nicht mehr wo und wann. Seht ihr, ein perfektes Beispiel wie man dieses ; gekonnt einsetzt. Findet ihr nicht?

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RL & Internet: are we all mad here?

Im Real Life bekommt man viel weniger von schlechten Nachrichten, Trauerbekundungen und Wutmeldungen mit. Da wirkt es fast so, als existiere das alles nicht. Real Life, das neue Internet? Ein Zufluchtsort für jene, denen die (Internet) Realität (im Internet) zuviel wird!

So verbrachte (und verbringe ich hoffentlich auch desweiteren) überwiegend mehrere Stunden und Tage im realen Leben. Mit realen Menschen. Mit physischem Kontakt. Mit Gesprächen und durchaus interessanten Unterhaltungen und Tätigkeiten (wie Eislaufen!). Und dabei vergisst man all die Mühseligkeiten und Erschwernisse, wie sie im Internet zu finden sind; wie Social Media sie dir an den Kopf wirft: „Schau her! So schlecht geht es XY! Tu was! Spende!“ und wo politische Beschlüsse, Meldungen und Worte bis zum umfallen analysiert und den ewig drei gleichen Accounts wiedergekaut werden.

Und wenn die Türkei 300 Werbetweets pro Tag für tollen Badeurlaub (inklusive glücklichen Menschen) schaltet, frägt man sich unweigerlich, in welcher aller skurrilen Parallelwelten man sich eben befindet, oder ob dies wirklich die Realität ist, in welcher wir zu leben haben; und man sich dann die Frage stellt: But why? Und ob man nicht doch etwas komplett irrationales tun könnte, weils eigentlich komplett egal ist. Aber ja, I know. Für die Einzelperson wird immer alles und überall Konsequenzen haben, I know. I know.

Old but ain’t good anymore?

Es gibt nichts neues mehr im Internet: Du hast deine Persönlichkeit (und wechselst binnen Sekunden zur anderen, boring), du kennst all die Katzenbilder und Gifs und Memes (nicht zwangsläufig boring, aber wann hast du wirklich ein gutes Meme gesehen, also ein richtig, richtig gutes und originelles? Fein, Katzenvideos sind immer toll) und du liest die ewig gleichen schlechten News von korrupten Politikern, dem Klimawandel und wie wir uns alle anstrengen müssen („Geh mehr zu Fuß, steh halt früher auf!111!!!“), damit sich noch etwas ändert (tut es nicht), siehst Bilder von sterbenden Koalas und bedauerst, dass, solltest du irgendwann finanziell soweit gekommen sein, um dir einen 3 Wöchigen Australien Urlaub zu leisten, Australien vermutlich komplett verbrannt ist und es dort nichts mehr zu sehen geben wird. Daneben konsumierst du die ewig gleiche Werbung; Serien und Filme ähneln sich und bleiben einander gleich, die letzte Perle ist ewig her!

Ist das Real Life das neue Internet?

Gibt im Real Life doch mehr zu entdecken? Immerhin, kauft man keine Zeitungen und schaut man nicht fern, gibt es keine schlechten Neuigkeiten, außer die, die die Studenten am Tisch nebenan diskutieren. Aber sonst. Nada. Nichts. Klingt das nicht nach Himmel und Frieden?

Im Real Life gibt es Tiere! Man kann beispielsweise morgens Tauben auf Leitungen beobachten wie sie versuchen, auf die im Morgenstress hin und her huschenden Passanten zu scheißen. Aber okay, im Internet gibt es einen Tauben-Simulator, mit dem man das ganze Szenario vermutlich (oder mit ziemlicher Sicherheit) nachspielen kann.

Es gibt auch andere Menschen (denen man via Internet zwar entfliehen möchte), und beziehungsweise aber, wenn man sich nur ein wenig die Zeit nimmt oder auch die Muse, jemand anderen kennen lernen zu wollen, stellt sich heraus, dass diese auch interessant sind; und wann hast du letztes Mal wen online kennen gelernt und dich 6 Stunden straight unterhalten? Eben! Es ist eine Illusion zu glauben, man finde die richtige Person nur im Netz und im Real Life fast nie. Okay, sowas passiert auch nicht im Real Life besonders oft. Aber es passiert. Und auch wenn man glauben möchte, durch dieses Online-Nischenverhalten an exakt die eine Person zu kommen, so lasst es mich sagen: Auch das passiert nicht häufig. Also mir zumindest nicht.

Ich mag übertreiben, aber

Das, was im Internet einst rar war, gibt es in Überfülle. Die Einzigartigkeit gewisser 1’en und 0’en ist vorbei. Hello Capitalism!

Erinnere dich an die Anonymität früherer Chatrooms, eine ICQ-Nummer, nichts weiter. Und heute präsentierst du dein Leben auf Instagram, LinkedIn, Facebook, Twitter, Snapchat und profilierst dich mit richtigem Namen. Dein perfektes Leben (weil es ja echt so ist, ist es!) und Hey, hier bin ich! Seht mich an! Folgt mir! (Btw, ihr könnt mir auch via E-Mail folgen, ihr braucht keinen WordPress-Account…).

Wollte man früher nicht gefunden werden und hatte es vermieden, Spuren zu hinterlassen, legt man es heute darauf an, sich das perfekte Leben zusammen zu schustern (welch antiker Begriff, zu „schustern“) – oder, wenn schon nicht perfekt, dann wird zumindest das inszenierte Fehlen von Perfektion (die ebenfalls Follower abgreifen kann) beworben. Es gibt für alles eine Zielgruppe und Abnehmer. Go for it!

Diese gemütliche Nische, in der man Gleichgesinnte finden konnte, die gibt es fast („fast“, weil ich mir sicher bin, dass irgendwer mir hier widersprechen wird) nicht mehr. In der man anonym sagen konnte: „Ich mag X!“ Und jemand anderer antwortet: „Ich auch!“ In welcher, anders als heute, nur Anonymität gab! Außer man gestaltete sich eine mit Gifs überfüllte, glitzernde Homepage und wies die Leute extra darauf hin.

Dieses heimelige Gefühl eines IRC-Channels, der Tag und Nacht geöffnet war und nicht diese WhatsApp Gruppen, denen du wahllos, ja fast belanglos, hinzugefügt wirst, einfach so, weil grad lustig und sich binnen Stunden niemand mehr daran erinnert, dass da was war. Ja, ihr kennt es noch: Das persönliche und ehrliche Element in eben diesen anonymen Konversationen (oder mit anonymen Accounts), welches dem Vorgaukeln persönlicher (super mega geiler) Erlebnisse mit Klarname und einer öffentlichen Liste mit 567 „Gefällt mir“ Angaben (die abschätzen lassen (und sollen), wie jemand ist und ob sich der Kontakt überhaupt lohnt) konträr gegenüber steht. Das Internet ist durchaus das neue Real Life (ein Dorf! Wir sind bei Facebook befreundet!), sowie das Real Life zum neuen Internet verkommt (Niemand kennt mich mehr! Wer bist du?).

Exakt Schön, dass wir uns verstehen.

Are we mad?

Das Internet ist das neue Real Life und das Real Life das neue Internet.

Sicherlich lässt sich im Real Life nicht einfach eine neue Identität schaffen, aber verweigerst du dich Social Media, hinterlässt es den Eindruck (zumindest für andere), als wärst du jemand komplett anderer, oder zumindest jemand, den man nicht zu glauben kennt, was meist der Fall ist, dank gewisser Angaben (und Profilierung) und dergleichen. Und sicherlich ist das Real Life nicht mit der konstruierten, geschaffenen digitalen Welt zu vergleichen. Hier gibt es lästige Verpflichtungen, die tatsächlich schwerwiegende Konsequenzen haben können. Wobei auch Verstöße im Netz ebenfalls schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Der (zumindest in unserer Erinnerung) freie und rechtlose, anarchische Raum der frühen späten 90’er und 00’er Jahre ist schon lange passé. Und natürlich wird mich gleich jemand darauf hinweisen, dass es den nie gegeben hat und wenn, in den späten 80’ern sein Ende fand und diese Person dabei war. Im DOS. Am Commodore. Okay, X-Gen, I get it.

Alles was einst Besonders war, ist Mainstream und trägt oft mehr Bedeutung (da mehr Verbreitung und Sichtbarkeit!), als manche Handlungen im Real Life es je täten oder getan hätten. Schaut euch zum Beispiel Liebesbeziehungen an: Da gibt es auf Social Media einen Eintrag von vor 3 bis 4 oder 6 Jahren und hätte man dies im Real Life wohl nie in Erfahrung gebracht, zermalmt man sich jetzt den Kopf über die Bedeutung dessen. Und dabei war das vor X Jahren! Ich meine, wie wahnsinnig ist das? Und obwohl man sich den rationalen Fakten bewusst ist, wirkt der Umstand viel gewaltiger. Ist so. Ihr habt das alle schon erlebt. Social Media is a bitch. Und weiter, warum postet sie dieses Meme in ihre Story? Will sie mir damit was sagen? Will sie auf etwas hindeuten? Warum? Und wenn das andere sehen?! Und warum liked er gerade diesen Beitrag? Was hat das zu bedeuten? Und warum? Und warum dies? Und warum jenes? Yes, we’ve all been there. Auch du, lieber Leser. Auch du. Und da wir alle um diesen Umstand wissen, macht es das zumindest ein wenig leichter. Und wem es immer noch schwer fällt: Selbstironie hilft. Wirklich.

Oder wann habt ihr das letzte Mal eure Telefonnummer zwecks einem Telefonat und nicht für WhatsApp hergegeben? Ihr seht was ich meine: Diese frankenstein’sche Symbiose zwischen Real Life und Internet ist eigentlich das schlimmste von allem und widerspricht den zwischen den Zeilen zu lesenden Thesen dieses Beitrages!

Sucht der eine Zuflucht im Netz vor der weitreichenden Tragik des Real Lifes, den ewig lästigen Verpflichtungen oder zumindest ein wenig Friede und Ruhe, wird sie ihm erschwert; denn selbst im Internet wird er mit ausreichend Facetten des Real Lifes konfrontiert die dessen Anonymität zu Nichte machen; und seien es nur zielgerichtete Werbeeinschaltungen. Und versucht sich wer komplett aus dem digitalen Wahnsinn auszuklicken, nun, für den schauts noch schlechter aus.

Ich stelle erneut die Frage, leben wir in der skurrilsten aller Welten? Und wenn ja, warum verhalten wir uns dann so? Let’s get mad!

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Me

Auf Insta gibt es sie zu hauf (diese verpönte Selfiekultur, die Welt geht zu Grunde! Eingebildete Filter-Bitches!); Twitter verschmäht sie (und die Leute entfolgen dir. Du darfst (nein sollst!) dich zwar mögen und darfst darüber twittern, wie geil du dich heute findest, aber bitte nicht sichtbar, keine Fotos, wirklich nicht); und Facebook, ja da kommentieren die ewig gleichen, mit „Oh, du alterst auch nie!“, seit Jahren.

Das Selfie

Die Kritik, man brauche 50 Versuche bis das passende dabei sei und dann entspräche es sowieso nicht dem Original-Bild und sei eine Verfälschung der Momentaufnahme und lenke den Fokus nur auf sich selbst, man vergesse alles andere, ist durchaus berechtigt (vor allem wenn sie in eine Art Druck ausarten, ein gutes Selfie posten zu müssen).

Aber nicht viel anders, läuft es bei einem klassischen Foto-Shooting ab. Mit Fotograf und so. Von 100 Fotos sind maximal 5 dabei, die sich verwenden lassen – und ja, sie sind alle gephotoshopt. Sie sind alle gestellt. Und man investiert Zeit. Viel Zeit. Und Planung. Ich weiß das, ich habe das selbst lange Hobbymäßig betrieben.

Warum wird das eine verschmäht, das andere akzeptiert? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil klassische Shootings professioneller sind?

Das Altern

Ich habe angefangen alte Shootingfotos durch zu schauen und aus den vielen, vielen Bildern, Collagen zu machen. Dabei fiel mir auf, was ich auch mit einer Shooting-Kollegin von früher erst kürzlich besprochen hatte, wie jung wir damals waren; die Jugend war uns ins Gesicht geschrieben und so glatt und so hübsch und so Faltenlos!* Makellos war ich nie, ich hatte immer schlechte Haut und je nach Essverhalten, auch heute immer wieder mal. Aber da finde ich Photoshop okay, solange man nichts permanentes weg macht oder verändert. Zu den Falten stehe ich noch in einem ambivalenten Verhältnis, da sie auch nicht immer da sind – und je nach Müdigkeits- und/oder Trockenheitszustand der Haut mal stärker zu sehen sind, und nach einer intensiven Feuchtigkeitskur und viel Schlaf weniger.

Eine Kollegin von früher will keine Fotos mehr von sich. Sie findet sich alt und hässlich. Ich darf darauf hinweisen, dass sie immer noch toll aussieht, aber eben nicht mehr wie Anfang 20. Vor einer gewissen Zeit überlegte sie auch, ob sie nicht doch 12 000€ in ein Facelifting investieren solle, der Arzt meinte, sie sähe dann wieder aus wie Anfang 20. Botox verwendet sie seit Jahren regelmäßig (und Botox finde ich soweit okay) aber die hängenden Backen, sie findet, sie gleicht bald ihrer Mutter, und nein, das will sie nicht. Sie hat es dann, vermutlich der Seltsamheit des Arztes wegen (der ihr aus Datenschutzgründen nur ein, zwei Fotos zeigen konnte), doch gelassen.

Die Selbstliebe

„Du musst zuerst dich selbst lieben, bevors andere tun können!“ ist der beschissenste Satz, den je jemand gesagt hat. Ich glaube nicht mal, dass irgendwer diesen Satz gesagt hat, ich glaube er wurde einfach von einer gelangweilten KI erfunden und in die Welt gelassen, so wie die Bonsaikatzen. Nein, du darfst dich auch selbst hassen und andere können dich trotzdem lieben. Dies wollte ich nur kurz angemerkt haben, weil ich, wenn ich diesen Satz lese, immer wieder anmaßend finde.

*Amüsanterweise muss ich anmerken, dass ich mich auf aktuellen Fotos attraktiver empfinde, als auf jenen, von vor 10 Jahren. Bedeutet das, dass ich mit dem Altern klar komme? Hell, no. Es gibt Tage, da will ich wirklich nicht. Wirklich, da möchte ich Facelifting, Botox und alles was es gibt. Einen real life Filter. Aber es gibt erstaunlich viele Tage (besonders, wenn ich meine fruchtbaren Tage habe; Körper, du Bitch), an denen ich mich ausgesprochen attraktiv finde. Und das ist okay! Nein, das ist sogar super!

Das Selfie II

Und hier komme ich wieder zurück zur Selfiekultur, die vorgibt, man liebe nur ein verzerrtes Abbild seiner Selbst.

So, what?

Selbstliebe ist Selbstliebe und ganz gleich, wie und warum und durch was, und das ist vollkommen in Ordnung – deswegen, was ich eigentlich sagen will, ist: Embrace it! Macht Selfies, wenn ihr euch danach fühlt. So, what? Zeigt der Welt, wie toll ihr euch fühlt – es ist euer gutes Recht, euch toll zu fühlen. Mit, oder ohne Filter. Das ist komplett egal – denn draußen nimmt euch sowieso jeder anders wahr. Dieses richtige, eine Selbst, gibt es nicht.

Aber dir fehlt ja was, wenn du das nötig hast!

Auch eine meiner Lieblingsreaktionen. Wer bemisst die Norm dessen, ab wann man an dem Punkt ist, an dem einem „was fehlt“ oder, umgangssprachlich gesagt, an Huscher hat? Wer? Wer entscheidet das – und nein, es ist nicht der gesunde Selbstwert, denn wer entscheidet was ein gesunder Selbstwert ist?

Aber die sind alle so Narzisstisch! So Selbstverliebt!

Und ja! Das ist gut so! Meine Güte.

Denen geht es ja nur ums Äußere, was wenn die mal alt werden, dann haben sie nix mehr!

Diese Reaktion finde ich auch toll: Nein. Ich bin eine von denen, und ja, meine Jugend verschwindet, und ja, ich finde es schade, aber.. I care less. Irgendwann kümmert man sich weniger darum, und sicherlich sehe ich junge Frauen neidisch an, der Hintern, jop, den hätte ich gerne, aber, in 5 Jahren steht der auch nicht mehr. So what? Was ist das bitte für eine abscheuliche Neidkultur? Darf man der Jugend ihre Schönheit bitte lassen? Sie vergeht eh so schnell.

Aber beruhigt euch; solange Kapitalismus und Patriarchat, Markt, Kultur und Entertainment bestimmen, wird es ausreichend Frauen geben, die unzufrieden mit sich sind, und ich wage zu behaupten, es sind sogar 99,999999989%. Aber wir sind auf einem guten Weg, dieses Denken aus den Köpfen der Menschen zu verbannen. Ein paar 100 Jahre noch. Ich bin zuversichtlich.

Ich

Und hier nur ein Bruchteil der Selfies, die ich am Meer aufgenommen habe:

Italien, 2019

 

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Über den fehlenden Respekt unter Frauen und was Frauenmagazine damit zu tun haben

Ausschlaggebend für diesen Beitrag waren zwei Artikel – und leider wird das Thema nicht alt. Beitrag aus 2017, 2018 und auch 2019 noch aktuell.

Einmal geht es darum, wie Feminismus auch Männern hilfreich sein kann (editionf.com) – den ich allen ans Herz lege. Ein anderer Artikel kritisiert (pinkstinks.de) einen Artikel im Magazins „Inside“ der VisionMedia GmbH Gruppe. Auch diesen empfehle ich hiermit weiter. Beide Artikel wurden übrigens von Männern verfasst.

Worum geht es?

Wir alle wissen, dass viele dieser „Frauenzeitschriften“ oft Frauen- und Menschenverachtend sind. Das Magazin „Inside“, und wer auch immer für den Inhalt verantwortlich ist, liebäugelt gar sehr mit der Misogynie, wenn natürliche Orangenhaut und Falten als „Schwabbelschenkel“ und „Wabbelfalte“ oder ähnlich abwertend bezeichnet und damit quasi geworben wird.

Ja, ich verstehe den Sachverhalt: Es ist ein schlechtes Boulevard-Blatt, dass im Glaube handelt, lustige und „freche und frische“ Artikel an die Menschen zu befördern. Und trotzdem fasziniert mich die Tatsache, wie Frauen so über Frauen schreiben können. Und ja, ich verstehe, dass das Leben am Markt hart ist, die Konkurrenz böse und das Magazin nichts dafür kann, es möchte ja nur Kapital schlagen und im Rennen bleiben, und wofür werden die Stars denn so gut bezahlt, als dass man sich nicht über sie lustig machen kann? Natürlich, das Magazin „Inside“ kann per se sicherlich nichts dafür, dass es derartig Frauenverachtendende Themen publiziert.

Jetzt mag manch einer sagen: „Übertreib‘ doch mal nich“ oder „Ja nee, is ja Boulevard, was erwartest?“ Und „Wissen wir ja eh alle, is halt so. Nimmt ja eh keiner ernst.“

Lieber Leser und liebe Leserin, lasst mich eines sagen:

Das Problem, dass dadurch mitgetragen wird, wirkt viel weiter: Die Respektlosigkeit, die unter Frauen herrscht und (auch) durch solche Magazine forciert wird (Stichworte: Neid und Hohn), webt sich in den allgemeinen Kanon beziehungsweise in kollektives Bewusstsein ein, wie eine Frau zu sein hat und nährt Stereotype. Zu guter Letzt profitiert das patriarchale System davon, folgend der Kapitalismus, die Wirtschaft und sowieso wir alle (Achtung Ironie!). Eh klar, ein alter Hut. Aber das liegt am Magazin? Nein, aber es (stellvertretend für all die anderen Magazine) trägt dazu bei.

Diese Magazine vermitteln: „Du bist nicht gut genug“ weil: „Schau mal, Tyra Banks hat das auch und boah, ist die ein hässlicher Wabbel! Wie du!“

Ergo wird eine natürliche Veranlagung, die man hat oder auch nicht, beziehungsweise eine Entwicklung, die früher oder später ausnahmslos jeden treffen wird, der ein entsprechendes Alter erreicht, schlecht geredet – was dazu führt, dass entsprechende Personen sich 1) so oder so schlecht fühlen und sich 2) via Amüsement über andere Frauen in ein „besseres“ Licht zu rücken versuchen, um die männliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und weg, von der anderen.

Und dieser ganze Blödsinn mündet schlussendlich einem hoffnungslosen Neid und Konkurrenz-Gezeter, dass sich von angelerntem Verhalten und kapitalistischer Verkaufsstrategie speist. Es gilt nach wie vor: „Sei hübscher als die andere, angle dir den Mann, der dich dann umsorgt, weil dir ist es verboten Geld zu verdienen/weil ohne Mann bist du nichts Wert und eine Schande/Bürde für deine Familie, Frauen sind Feinde.“

Wo kämen wir hin, wenn keine Frau mehr Make-up und „verschönernde“ Maßnahmen verwenden wollen würde? Wo kämen wir hin, wenn alle nur mehr friedlich und freundlich miteinander umgingen und der Mann nicht mehr im Zentrum aller Überlegungen stünde? Das müsste doch seine Macht schmälern, nicht? Schon bei den minimalsten Veränderungen protestieren Männerrechtler, dass es keine „Gleichberechtigung“ sei, sondern das „Stück vom Kuchen“ einem Verlust von Privilegien nahe kommt, die bislang nur für sie gültig waren.

Das Argument, sich im eigenen Körper wohler zu fühlen, wenn man sich ungeschönte und authentische Bilder von sonst perfekt inszenierten Celebrities ansieht, lasse ich nur insofern gelten, sodass einem bewusst wird, dass diese Leute ebenfalls nur normale Menschen sind – und im Gegensatz zu Hochglanz-Photoshop Cover etwas Realismus in die ganze Sache einfließen lassen. Aber hier beißt das „Wie“ wild um sich und giert nach Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen. Sinnvoller wäre es, weniger Photoshop und Damen aller Körpergrößen zu zeigen, ohne Kommentar. Ohne extra darauf hin zuweisen. Ohne es auf einer Meta-Ebene noch einmal zu diskutieren.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, spitzfindig gesagt: Dem jeweiligen Schönheitsideal, am Winkel, der jeweiligen Bildauflösung und Inszenierung, am Licht und der Position selbst. Also ja, man vergleicht seine wabbligen Schenkel mit denen von Schauspielerinnen oder der Frau vom Nachbarn, kaschiert jede Falte und leugnet das Alter.

Fazit

Das „Ungenügen der eigenen Person“ und die Jagd nach dem „Mann“ stützt die patriarchale Idee und wird durch Kauf diverser Produkte gestärkt. Über Photoshop Cover und explizites Casting schöner Frauen in Film und Fernsehen bis hin zum Hashtag #nomakeup, aber mit zig Filter, schmeichelnder Position und entsprechendem Lichteinfall ist alles mit dabei.

Es gilt daher, den ersten Gedanken zu akzeptieren, wenn wir neidisch sind auf die tolleren Brüste oder den hübscheren Hintern und den zweiten zu lenken, zu hinterfragen – und sich bewusst zu werden, woher dieser kommt und vielleicht sogar, wenn möglich, sich mit der eigenen Imperfektion anzufreunden.

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Von der Illusion etwas gut zu können und dieses nutzen zu müssen

„Jeder kann etwas gut! Auch du!“ Geh schleich di.

„Du kannst das so gut. Mach was draus!“ Seriously, get the f*ck off my business.

Ihr kennt diesen Spruch, oder? Leute, die meinen, dass wenn man sich nur ganz fest mit etwas beschäftigt, man es auch richtig und besonders gut könne. Du musst dich nur damit befassen! Ein wenig Talent gehört natürlich dazu, und ein Vermögen, und gewisse Fähigkeiten, und Veranlagungen und so,- aber jeder, der es wolle, schaffe es auch und sowieso, ist jeder in etwas gut!

Nein.

Schlimmer noch, Leute, die erkannt haben oder glauben zu erkennen, dass man etwas wirklich gut könne und dazu raten, doch etwas damit machen zu müssen, weil es wäre ja vergeudet und verschwendet, nicht zu Nutzen was einem gegeben wurde!

Dafuck? Nein.

Über Talente und Fähigkeiten

Da gibt es die, die besonders gut zeichnen und malen können, andere schreiben super, wiederum andere haben das Talent, ihren Körper mit Takt zu bewegen und andere singen wie Germany’s Future Dschungelcamp-Kandidat. Und sicherlich, zu einem gewissen Grad ist alles erlernbar, was es zumindest, „gut“ in den Augen anderer macht, die das eben gar nicht können – und das ist ja okay. Aber nur, weil man etwas „gut“ in den Augen derer kann, die es gar nicht können, bedeutet das nicht, dass man tatsächlich „gut“ darin ist und auch damit etwas machen kann. Kann man nicht. Nicht immer.

Sicherlich, man kann es erlernen: Wie das schreiben. Wir sollen aktive Verben und keine passive verwenden, wenige Adjektive und beschreibend schreiben, nicht erzählend. Eh klar. Und dann gibt es die Leute, die nicht lernen müssen, wie man fesselnd schreibt, die, die wissen, wie man eine Geschichte richtig gut zu Papier bringt. Und natürlich kann ich Tanzschritte und Bewegungen lernen – werde aber nur Mittelmaß sein, weil mir das Talent fehlt. Und das ist okay!

Das Mittelmaß ist okay!

Wisst ihr was? Es ist vollkommen in Ordnung! Man darf auch Mittelmaß sein. Auch wenn man etwas „besser“ kann als manche andere und trotzdem weiß, dass man nicht „gut“ ist, auch wenn die Aussagen anderer was anderes sagen, dann bedeutet das nicht, dass man damit was machen muss! Als Hobby ist es auch vollkommen okay und man kann sich viel leichter daran erfreuen? Denn wie heißt es: Mach nie zu deinem Beruf, was du liebst. Ich liebte Geschichte und Philosophie. Nach dem Studium. Not so much anymore. True Story.

Ich sage immer: Es muss auch Menschen der Mittelklasse geben, der Mittelmäßigkeit, die, die halt nicht auffallen, die, die gewisse Dinge können, aber eben nicht ausreichend um richtig „gut“ darin zu sein, oder es gar für Ruhm und Reichtum verwerten zu können. Und das ist okay!

„Nur der Fleiß machts!“

Oh, fuck off you stupid little c*nt! (Frei nach Sandor Cleagane)

Man kann sich auch fragen: Was ist denn „gut“ und an und mit welchem Maßstab messen wir „gut“?

Dann wird ein anderer sagen: Aber mit Fleiß kann man gut werden! Ja, einer aus einer Million vielleicht. Diese Leistungs- und Fleißgesellschaft geht mir so dermaßen auf die Eierstöcke; wer Menschen nur anhand ihres Fleißes misst, misst mit dem Maße des Kapitalismus – wollen wir das? Willst du das? Deine Talente mit kapitalistischen Farben anstreichen, nur damit wer anderer das große Stück des Kuchens bekommt? Willst du das? Eben, nein, das willst du nicht! The cake is a lie!

Lass es liegen!

Und selbst wenn wir in etwas „nur“ gut sind, selbst wenn wir tatsächlich etwas können, also so richtig, bedeutet das nicht, dass wir es Nutzen müssen. Wir können und dürfen unser Talent auch liegen lassen, wenn uns nicht der Sinn danach steht. Sicherlich ists schade, sagen manche. Mach was daraus! Die anderen. Aber ganz im ernst, why? Wir könnens auch als Hobby behalten. Is eh viel g’scheiter.

Dieses dahin pushen, dass jeder in etwas „gut“ sei, und selbst wenn dem dann so ist – dazu nötigen, es bitte auch anständig zu verwerten und was daraus zu machen; dieses vehemente Nahelegen, mit etwas Übung und Fleiß und Disziplin könne man Großes erreichen! Echt nit.

Ich hasse es, wenn Leute das tun.

Ich weiß, ihr meint es gut

Ja, sie meinen es gut. Ja, sie wollen mir Komplimente machen, und ja, ich singe vielleicht „besser“ als der durchschnittliche Karaoke-Sänger, und zeichne vielleicht besser als jemand, der nur Strichmandeln kann, und schreibe vielleicht auch ganz adäquat, aber lasst mich damit in Ruhe, dass ich das alles Nutzen sollen und was daraus machen. Es nervt!

Zu sagen, ich soll dies und jenes nutzen, erlegt mir die Mühseligkeit auf, mich um noch mehr in meinem Leben kümmern zu müssen. Ihr steht nicht da und sagt, „Du, I hilf da, gib mir X und Y“, nein ihr meint es nett und gut und nehmt mir vielleicht sogar einen Teil der Arbeit ab, wie Korrektur lesen oder applaudieren, aber mehr kommt da nicht, weil wozu? Ihr bekommt ja auch nichts dafür raus. Seht ihr. Ich verstehe euer Anliegen, wirklich! Und ich danke für die Komplimente, und trotzdem…

Wir, die in euren Augen ja etwas „gut“ können, sollen uns darum kümmern. So funktioniert das nicht. Nicht bei allen.

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