Archiv der Kategorie: Medien

Erlebnisse aus dem MA-Medien-Studium, Medienereignisse, Kommentare und Reportagen und dergleichen, Übungen, Texte, und so weiter und so fort.

Twitter’esk und ohne #, No.05

Sprach ich im letzten Beitrag davon, wovor man sich besonders hüten sollte, und zwar in die DMs gewisser Accounts zu „sliden“, ist das oftmals die einzige Möglichkeit mit gewissen Accounts oder Personen in näheren Kontakt zu treten, genauer gesagt: dem Twitter-Crush.

Das Phänomen ist nicht neu und existiert, seit es Brieffreundschaften gibt. Dieses dezente Interesse an dieser gänzlich fremden Person, die man lediglich als Autor/in origineller Buchstaben-Kombinationen kennt. Man weiß weder deren tatsächliches Alter (lässt sich aber durchaus erraten) noch deren Geschlecht (nicht immer ganz offensichtlich, wird aber auch irgendwann klar). Man hat keinen blassen Schimmer wie diese aussehen, da meist auch der Klarname verborgen ist und ordentliche Recherche somit vereitelt wird. Und trotzdem entlockt die Antwort, der Fav oder gar die private Nachricht etwas Freude, wenn nicht sogar eine Veränderung des Pulses oder Schweißausbrüche oder alles zusammen. Und wenn er/sie dann 12 Antworten gefaved hat, kann man bereits die Hochzeitsglocken aus der Ferne vernehmen. Oh mein Gott, hast du eben „wir“ gesagt? Ich finde Kopernikus für einen Buben einen hervorragenden Namen! Nein? Nun gut, Cäsar tut es auch.

Üblicherweise beginnen Menschen sich erst im privaten, ungesehenen Gespräch besser zu verstehen, bei einer E-Mail, einem privaten Chat oder eben einem Brief. Bei Twitter beginnt das ganze nicht in den DMs (wenn, dann endet es dort), sondern bei öffentlichen Tweets – und Antworten auf Tweets:

Ein User entspricht durch besonders interessante, originelle, provokative und intellektuelle Tweets gewisser Idealvorstellungen, oder Vorstellungen, von denen man gar keine Ahnung hatte, dass man sie mag – und macht somit auf sich aufmerksam. Unfreiwillig. Man beginnt zu folgen, zu antworten, tritt öffentlich in Kontakt und da es die Öffentlichkeit ist, ist es gleich; man kann sich spielend unterhalten. Ich rate nicht zum Flirt. Das ist creepy. Ich finds creepy.

Ein Twitter-Crush ist harmlos. Man zielt nicht darauf ab, die Person jemals im realen Leben zu treffen – außer natürlich es beruht auf Gegenseitigkeit und die Schwelle zur Realität wurde in den DMs schon weitgehend überschritten – und selbst dann zögert man, weil es ist immer noch Twitter. Aber keine Sorge, generell ist ein Twitter-Crush in den meisten Fällen harmlos und keine Gefahr für reale Liebschaften. Man schwärmt eben a bissl von XY, wie man von Schauspieler XY begeistert ist. Das geht vorbei. Und wenn nicht: Go for it! You got nothing to lose.

Die DMs

Gut, nehmen wir an, du, lieber Leser hast einen Twittercrush und hast dich tatsächlich dazu entschlossen, dich in die DMs zu sliden. Erstens: Gratulation zur Courage; zweitens: Warum hast du das getan? Bist du komplett wahnsinnig? Als ich sagte „Go for it“ meinte ich… genau das. Okay, du hast recht. Warum ewig aus der Ferne leiden, wenn das Objekt der Begierde doch so nah ist. Nun denn, dann machs aber richtig.

Zuvor aber noch; es gibt eine Möglichkeit sich in die DMs zu sliden, ohne aufdringlich zu wirken: Wenn etwas in einer bereits weit zurückreichenden Konversation (aka Thread) zu privat ist/wird, als dass es öffentlich gesagt werden kann, kann man in diesem Fall und zwar nur in diesem Fall, einen Tweet mit Inhalt „DM“ schreiben – und somit das Gespräch hinter verschlossene Türen führen. Wobei es sich dabei nicht zwangsläufig um einen Crush handeln muss. Das kann auch so sein. Und dann sieht man ja was passiert.

Aber jemanden anzuschreiben mit: „Hey, finde deinen Twitterstil cool ;-) Bist volle süß!“ Geht. Gar. Nicht. Absolut. Nicht. Never. Ever. Wirklich. Lass das. Wirklich.

Bitte lies das

Nun gut, es ist passiert. Dazu einige Anmerkungen (die eigentlich generell auf eine Chat-Konversation anzuwenden sind):

1. Verwende unter gar keinen Umständen diesen Smiley: ;-)

Auch :-) Ist creepy. Wirklich. Lass es mit den Smileys. Wirklich. Lerne, ohne Smileys zu kommunizieren.

Er wirkt creepy. Ist so. In ganz, ganz wenigen Fällen hat er seine Berechtigung, aber in den meisten Fällen ist er creepy. Wenn man sich bereits kennt, sicherlich, oder wenn eine Situation danach verlangt, aber „Hallo wie gehts ;-)“ ist creepy. Vergleichbar mit dem lästigen, creepy Typen, der dich an der Bar anspricht, dir einen Drink zahlen und dafür deine ungeteilte Aufmerksamkeit möchte – den gesamten Abend lang und trotzig wird, wenn du dich abwendest. Das männliche Ego ist so fragil, es erstaunt mich immer wieder.

Also nein, nochmal für Dudes, hier scheint mir der Aufklärungsbedarf notwendiger: Sei nicht der creepy Dude, der Frauen an der Bar belästigt, die eh schon zu verstehen geben, dass sie nicht an dir interessiert sind. Respektiere Frauen! Respektiere das Nein. Wenn sie deinen Drink nimmt ist das trotzdem keine Einladung für ein Gespräch. Erwarte kein Gespräch! Nein, auch keine Dick-Pics, niemand will deinen Schwanz sehen. Wirklich, niemand. Und schickte mir jemand ein Dick-Pic, mache ich dessen Mutter ausfindig und leite ihr die Nachricht weiter. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wirklich, das gehört sich nicht. Welcher Typ bitte denkt, dass ein Dick-Pic in welcher Situation auch immer gerechtfertigt und eine gute Idee ist? Wie kam dieses Denken zustande? Ich verstehe es nicht.

2. Versuche nicht, deine Schwärmerei auf die Realität zu übertragen.

Die DMs sind das endgültige Ziel, dass du erreichen kannst. Du kannst dich dort unterhalten, aber die Chance, dass es zu einem realen Treffen kommt, sollte in deiner Erwartungshaltung bei Null liegen. Denn einerseits wirst du fix enttäuscht werden (und es muss nicht einmal das Aussehen sein, da gibt es genug anderes) und wer möchte diesen leichten, unbeschwerten Crush schon mit der Härte und Schwere der Realität bürden? Eben, niemand. Und andererseits gehst du dieser von dir auserwählte Person mächtig auf den Geist damit – was das ganze wieder zerstört. Also im besten Falle lässt du es mit den DMs. Erfreue dich an Tweets, Favs und Antworten.

3. Flirte um Himmels Willen nicht.

Wirklich nicht. Lass es. Es nervt. Wenn eine Chance besteht, dass dein Crush vielleicht doch noch ein Interesse an dir entwickelt, dann dadurch, dass du nicht flirtest. Behandle das Gegenüber mit Respekt. Du kannst dann flirten, wenn du weißt, dass das Gegenüber genau so interessiert ist, aber dann bitte nicht mit der Keule, sondern subtiler. Wobei, eigentlich hab ich keine Ahnung. Mach wie du denkst.

4. Erwarte nicht, dass dein Twitter-Crush dir seine oder ihre Liebe offenbart, weil ihr euch ja so gut versteht. Das wird nicht passieren. Erneut: Es ist Twitter und nicht Tinder. Du darfst die sphärische Dialektik des Textes nicht durch sowas beeinträchtigen! Herrschaftszeiten! Führ dich auf!

5. Schreibe respektvoll.

Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Sei höflich und nett, mach keine sexuellen Anspielungen und mach um Himmels Willen kein Tam Tam wenn er/sie sich mal nicht meldet. Ja hast du immer Lust und Zeit zu antworten? Nein. Und will das die Person auf Twitter? Eben.

Wie gesagt, in den meisten Fällen ist dieses Schwärmen einseitig; dein Twittercrush wird dein Interesse zwar bemerkt haben, und sich vielleicht etwas geehrt fühlen oder auch genervt sein und sich abwenden. So oder so, sieh es als das an, was es ist: Die Liebelei in einer angenehmen Sommernacht, die endet, sobald der Morgen graut.

Werbeanzeigen

8 Kommentare

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien

Revenge of the 5th!

Quelle: Unbekannt

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien, Popkultur 'n Geek-ish

May the 4th be with you!

Quelle: Griz and Norm auf Instagram.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien, Popkultur 'n Geek-ish

Twitter’esk und ohne #, No.04

Ich schrieb im letzten Twitter-Beitrag: Wenn ihr euch wirklich unbeobachtet fühlen wollt: twittert.

Solltet ihr nur ein 200-Follower Account sein, interessiert sich niemand für eure Meinung, außer vielleicht die anderen 100-200-Follower Accounts (die sich gegenseitig folgen), für die sich aber auch wieder niemand interessiert und schlussendlich alles im großen, weiten Pool genannt „Uninteressant, Irrelevant und Unwichtig“ landet. Zusammengefasst unter UIU. Vor UIU-Accounts gilt es sich zu hüten, will man bei neuen, potentiellen Followern (die, die 1k überschritten haben) nicht als UIU-Account gelten. Ja, ich hab mir das eben ausgedacht, toll nicht?

Und sicherlich, jeder hat mal klein angefangen – vor zehn Jahren, als alle klein angefangen haben. Heute schaffen es nur mehr die in die Liga der Top 4000k-Accounts, die tatsächlich was drauf haben und zwar richtig – und von den richtigen Leuten retweetet werden und gefollowed und so. Ihr seht, die Sache ist wahnsinnig kompliziert; und wenn man keine Freunde hat, tja dann, wirds schwierig.

Es wundert mich immer wieder selbst, warum ich twittere. Und wer mir antwortet. Und wie. Und wenn auf die guten Tweets keine Antworten kommen, dann frägt man sich: „Was mache ich falsch?“ Und dann bekommen nichtige Retweets und einfache Mitteilungen größte Aufmerksamkeit. Es ist und bleibt ein Mysterium.

Twittern ist öffentlich

Alles ist öffentlich und für andere einsehbar. Eine private Unterhaltung auf Twitter ist keine private Unterhaltung, sondern wie das Gespräch des Nachbartisches, dem man interessiert aber möglichst unauffällig zuhört. Und manchmal beginnt man auch von dem einen oder der anderen und dessen beziehungsweise deren originellen Antworten zu schwärmen. Das Phänomen des Twitter-Crushs werden wir uns im nächsten Beitrag annehmen.

Manchmal aber passiert es doch, dass ein Fav entkommt, was dann die Gabel ist, die auf den Schuh des Nachbarn fällt. Dessen Tweet man beim scrollen aus Versehen geliked hat. Man klaubt sie dann nichtssagend auf und isst weiter. Oder es war ein „Hey, guter Einwurf!“ welchen man mit vollen Mund dem anderen Tisch zu wirft.

Besonders peinlich, wenn es sich um schon fast geheime Gespräche mit 3000 Antworten unter „Tweets und Antworten“ handelt, die man versucht, höchst unauffällig nach zu lesen, immer von der Angst begleitet (und Neugierde) ja nirgends drauf zu kommen. Im Idealfall bemerkt der- oder diejenige das gar nicht, weil sowieso zu viel passiert. Aber diese 5 Sekunden Adrenalinschub und einem Puls von 180 sind nicht zu verachten.

Möchte man aber tatsächlich ein Fav zum Ausdruck der Anerkennung und Gefallens bringen, wird es schwieriger. Entweder man klingt sich in das Gespräch ein, oder faved alle möglichen Aussagen des Gesprächs durch. Bestenfalls folgen sich die User alle gegenseitig und es sind ja eh schon Bekannte, die halt am Nachbartisch sitzen und plaudern und manchmal wirft man einen Gesprächsfetzen dazu. Dann kann es natürlich aber auch passieren, dass das Gespräch verstirbt, denn bei manchen Threads möchte man doch lieber unter sich bleiben. Deswegen gilt es zu überlegen, lausche ich weiter geheim oder trage ich etwas dazu bei?

Twitter ist, was das betrifft einzigartig. Zwar gibt es bei Facebook ebenfalls öffentliche Beiträge und Kommentare, die für jedermann einsehbar – und kommentierbar sind, wenn auch die privat-gefühlte Komponente fehlt, schon alleine durch die Übersichtlichkeit und Reihungen. Denn wer schon mal versucht hat, aus 250 000 Tweets eine spezielle Antwort wieder zu finden, der weiß, dass man zwar gesehen wird, aber in der Masse untergeht – zumal, sollte man nicht berühmt, berüchtigt, kontrovers, interessant, provokativ oder kreativ sein – schlicht und einfach nicht beachtet wird.

Nichts desto trotz ist es öffentlich.

Die DMs

An dieser Stelle möchte ich ein fettes „Warning“ und „Danger!“ sowie ein „Do not enter!“ Schild vor die Augen des Lesers halten.

Diese Direct Messages alias Privat Nachrichten sind gefährlich. Sind sie zwar privat und zugehörig zu jeder öffentlichen Plattform, können sie aber schnell zu privat sein, sprich, zu real. Twitter ist ein surreales und abstruses Phänomen. Es gibt zwar kurze Profile, aber bei vielen Usern ist nicht erkenntlich, wer oder was sie sind. Anders als bei Facebook, wo es zwar auch möglich ist, Fake-Accounts sich zu beschaffen, aber damit wohl eher selten Freunde, Verwandte, Schulkameraden und dergleichen hinzufügt, um in Kontakt zu bleiben. Facebook ist realer. Twitter bleibt in der sphärischen Dialektik des Textes (welcher in heutigen Zeiten im Internet sowieso als seltsam geahndet wird).

Personen beziehungsweise Accounts, die häufig miteinander auf Twitter verkehren, und in dieser abstrusen und surrealen Welt gerne Ansichten und Favs teilen, möchten dies nicht unbedingt an die Schwelle zur Realität tragen. Private Nachrichten, so wissen wir, sind oft ernster, realer und eben privater, als irgendwelche übertriebenen und histrionischen Tweets. Sie kratzen an der Schale zum Real Life. Sie haben den Fuß bereits im Türrahmen. Denn wie weit ist ein „Ach, gib mir doch deinen Facebook-Account!“ oder gar ein „Treffen wir uns mal?“ entfernt? Eben, nicht weit. Und das will der gemeine Twitter-User nicht.

Und das, liebe Freunde, denen euch Twitter ein gar seltsames Phänomen erscheint, interessiert die Twitter-User oftmals nicht, oder es bereitet ihnen Angst. Who knows. Vielleicht täusche ich mich aber auch nur und Twitter ist eine weitere Dating-Plattform für Leute, die des Lesens mächtig sind. Who knows? Ich mutmaße hier nur rum.

Man darf sich in Erinnerung behalten: DMs könnten das empfindliche Twitter-Paradoxon, öffentlich aber doch ungesehen sein können, in Mitleidenschaft ziehen. Und so sollte man sich gut überlegen, in welche DMs man „sliden“ möchte und welche man besser in Ruhe lässt.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life, Kulturelles, Medien

Happy Zombie Jesus Day!

Happy Zombie Jesus Day!


Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Just about Life, Medien, Popkultur 'n Geek-ish

Notre Dame, das Internet, und alles andere

Wenn mich etwas immer wieder erheitert, dann ist es die menschliche Dummheit. Nicht unbedingt die des einzelnen, wobei die Entscheidung die der einzelne trifft, natürlich zu solch verzwickten Situationen führen kann, mehr jedoch die kollektive Gesinnung: Schützen wir Künstler! Ja! Reformieren wir das Urheberrecht! Ja! Installieren wir Uploadfilter! Ja! … Wait, What? Exakt. You get the point.

For Example:

Tja, das passiert eben, wenn alte Dudes Sachverhalte entscheiden dürfen, von denen sie keine Ahnung haben. Und nein, dies wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern.

Ihr wisst ja auch, wenn man „Google“ bei Google eingibt, kann es das Internet zerstören. Fast kommt es einer griechischen Tragikomödie gleich, wenn die Verantwortlichen durch Artikel 13 und Co. tatsächlich das Internet „löschen“ wie es einst war. Die sich darauf beziehenden Memes sind berechtigt und zeichnen sich durch einen zynischen und frisch aus der Realität importierten Nebengeschmack aus. Sicherlich, die glorreichen Zeiten von Napster und Co. sind lange Geschichte, und wie das mit den Uploadfiltern dann tatsächlich aussieht, kann keiner sagen, denn Zitate, Satire und Memes fallen unter Zensur (wie soll der Filter wissen was Original Content und was ein Zitat ist?). Vermutlich wird sich jedes Land seine eigene Auslegung zurecht stutzen, und somit wird sich (vermutlich) im großen und ganzen nichts ändern oder aber das Internet bricht zusammen: alle Server explodieren zeitgleich, ganze Städte werden im Feuer untergehen und alles was wir je online hochgeladen haben, wird für immer verschollen sein. Die Leute müssen wieder anfangen, sich im Real Life zu verabreden und die Menschheit stirbt aus. Hmm..

Auch gehe ich davon aus, dass emsige Anwälte des freien Internets bereits jetzt schon den Fall für den europäischen Gerichtshof (EuGH) vorbereiten, der auch die Vorratsdatenspeicherung wieder aufgehoben hatte.

Aber bleiben wir bei Notre Dame. Denn darum ranken sich bereits jetzt Mythen und Legenden, wie es denn zum Brand kam und manche sind der Meinung, Daenerys Targayren habe was damit zu tun. Wenn überhaupt, dann der Night King oder Cersei Lannister, aber nicht Daenerys.

Es gibt mittlerweile so viele Meinungen und Aussagen rund um den Vorfall, dass es besonders in diesem Falle ist, die Realität von Fake News unterscheiden zu können. Ein Scroll durch Twitter reicht aus, um zu wissen was ich meine.

Auch interessant (und sehr sehr cool), dass Ubisoft bis zum 25. April Assassins Creed Unity gratis(!) hergibt: Die Reihe spielt in Paris und ein jeder solle in den Genuss Notre Dames kommen, welches für die nächsten 5 bis 6 Jahre verschlossen bleiben soll. Da Notre Dame für das Spiel sehr umfangreich katalogisiert wurde, wird dieses auch beim Wiederaufbau behilflich sein können. In your Face, Game-Bashers!

Bereits 850(!) Millionen Spendengelder haben sich gefunden – und man frägt zurecht, wie schnell das Übel der Welt beseitigt werden könnte, wenn sich ALLE reichen Menschen zusammen tun und spenden würden. Wird wohl auf ewig ein theoretisches, experimentales Gedankenspiel bleiben und statt etwas mehr Geld für Arme und Bedürftige klar zu machen, wird ihnen einfach a bissl mehr weg genommen, gell Österreich? Shame on you.

Und zu guter Letzt: Eine Aufnahme vom Gratis-Orgelkonzert von vor zwei Jahren in Notre Dame.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Just about Life, Kulturelles, Medien, Wtf Politik?

Twitter’esk und ohne #, No.03

Ein weiteres Merkmal von Twitter scheint das Thema „Free-Tv“ zu sein. Viele Twitter-User finden sich wöchentlich zusammen, um quasi gemeinsam eine Sendung im Free-Tv anzusehen. Dabei interagieren sie oft nur via Likes und Retweets, selten aber, dass sich eine Diskussion über das Gesehene in den Kommentaren ergibt – wie auch, immerhin läuft die Sendung derweil weiter, und es gelingt höchstens, dass man am zweiten Bildschirm etwas twittert. Es bleibt keine Zeit, sich auch noch darüber zu unterhalten. Sind Tweets die Selfies von Twitter?

Sie schauen 3Sat, ORF und arte; manchmal auch Pro 7 oder finden sich zu einer bestimmten Sendung zusammen. Darin besteht für manche übrigens auch der Reiz von Free-Tv-Sendungen. So meinte jemand: „Ich würde so doofe Serien niemals streamen (sprich: aktiv abrufen), sie müssen mich verführen, indem sie einfach gesendet werden – das ist der Reiz des klassischen Fernsehens.“ Es ist übrigens fast unmöglich, auf Twitter etwas wieder zu finden, wenn man nicht bereit ist, mindestens 15 Minuten seiner Zeit mit scrollen zu verbringen..

Ein interessanter Ansatz also: Verführung via Passivität. In einer Zeit des Überangebotes mit Streaming-Diensten, die allzeit bereit und immer verfügbar sind (solange im Angebot, aber für den Moment scheinen sie, als sei es für immer), ist es offenbar tatsächlich der Reiz des Vergänglichen (die Sendung wird zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Sender ausgestrahlt), wenn nicht auch gewisse Erinnerungen an die bittersüße Vergangenheit – an eine Zeit, in der man noch nicht so viele Entscheidungen selbst treffen musste. Lethargie vor Autonomie?

Zurück zum eigentlichen: Twitter und Free-Tv. Ich stelle mir dann abwechselnd zwei Szenen vor:

Einerseits Menschen, die daheim auf ihrer Couch sitzen, das Telefon in der Hand haben und über das gesehene twittern. Mit dem Telefon! Wie solle er denn die Tweet-Frequenz aufrecht erhalten, wenn er am Telefon tippte – meinte einst jemand auf meine Frage. Nein, diesen Tweet finde ich nicht mehr.. es würde mich wohl Stunden kosten, so lange ist das her.

Meist ist es, in meiner Vorstellung eine tolle Wohnung, geschmackvoll eingerichtet, eine angenehme Couch steht neben der Heizung und ich stelle mir vor, man finde sich dort ein (Free-Tv ’n Chill) und die Person sagt: „Wart kurz, ich muss das schnell twittern.“ Es drängt sich die Frage in den Raum, was diese Person noch alles twittern würde – folgend würde ich das Profil stalken und vielleicht ebenfalls anfangen zu twittern. Und dann säßen wir beide da, das Telefon in der Hand habend und über das gesehene und gelesene twittern, sich gegenseitig antworten, und nichts mehr von dem mitbekommen, was im Free-Tv läuft. Twitter ’n Chill?

Und andererseits stelle ich mir alle Twitter-User, die über ein bestimmtes Tv-Thema twittern, in einem großen Raum vor, auf einer Couch sitzend, die ab und an auf den Bildschirm schauen und derweil ihre Eindrücke ins Telefon tippen. Viele Gesichter, die abwechselnd vom Schein des Telefons oder des Fernsehers bestrahlt werden. Manchmal weicht die Vorstellung ab und sie sprechen auch miteinander, aber nicht viel. Es sind dann ganz unterschiedliche Personen, die ganz anders aussehen, als wie man sie sich vorstellt. Aber generell twittern sie.

Und ich wundere mich immer: Wie zum Teufel machen die das? Schon wenn ich Notizen bei Serien mache, muss ich aufpassen, dass ich nichts verpasse. Und bei Twitter muss der Spruch sitzen, die Rechtschreibung (sollte) korrekt (sein) und das ganze sehr schnell passieren. Binnen in Sekunden, sonst geht der Witz verloren. Und dann ist da der Zuschauer, der binnen dieser Sekunde seinen Browser aktualisieren muss, um den Witz zu sehen und zu verstehen, und überhaupt! Wie machen das die Leute? Und andererseits, warum? Wobei, letzteres lässt sich einfach beantworten: Twitter ist eine Social-Media Plattform, eine weitere Möglichkeit der Selbstdarstellung und wer zu hässlich oder eitel für Selfies auf Instagram ist, der twittert. Oder so.

Das letzte mal als ich einer Free-Tv Sendung beiwohnte, war es The Bachelorette mit Madame (8) und es war einmal. Und es war schrecklich. Und ich tweetete darüber. Und niemanden hats interessiert. Niemanden! Viel spannender als die Sendung an sich, fand ich die Werbeeinschaltungen. Wer denkt sich sowas aus? Und wie viel verdienen die Leute dabei? Und warum sind sie so dumm? Und warum hat die Werbestrategie oft nichts mit dem Produkt zu tun? Haben die alle kein Marketing studiert? Sogar ich weiß mehr als mancher dieser Werbefutzi scheint mir.

Doch, einen Retweet gab es. Von einem Account, der wahllos Tweets retweetet. Meine lieben Leser, wenn ihr euch wirklich unbeachtet fühlen wollt.. twittert.

Kurz um und zusammenfassend: Free-Tv ist ein wesentlicher Bestandteil von Twitter. Und es macht Sinn: Müsste man sich zum streamen verabreden, was via Tweets sehr mühsam ist (denn ein „slide“ in die „Dms“ (direct messages) wäre quasi die Second Base und so weit will man ja wirklich nicht gehen..), käme man nicht voran. Einfacher (und verlockender) ist es, sich gemeinsam und doch unabhängig eine Free-Tv Sendung anzusehen und wenn man Glück hat, sich sogar danach noch darüber unterhalten – bis vier Uhr morgens. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Thread irgendwann stirbt, oder, noch wahrscheinlicher, dass man gänzlich unbeobachtet bleibt..

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kulturelles, Medien

Dietrich von Freiberg und der Regenbogen

Dietrich wurde 1240/45 in Freiberg bei Sachsen geboren. Er erhielt eine Grammatikausbildung und war Haustheologe. Neben Albertus Magnus und den arabischen Gelehrten war er einer der führenden Köpfe auf dem Gebiet der Naturforschung. Urkundlich findet man ihn 1277 in Paris, 1293 erhält er dort den Magister und wird 1310 mit der Leitung einer deutschen Ordensprovinz betreut.

Dietrich ist der Wissenschaftsgeschichte besonders durch seine Arbeiten zur Optik bekannt.

Der Regenbogen

Mit genauester Sorgfalt untersuchte er u.a. die Erscheinung des Regenbogens und gab die richtige Erklärung dazu. Seine Verfahrensweise gründete sich unter anderem auf die Unterscheidung zweier Wissensformen: Einerseits wird das Wesen einer Sache erfasst, wobei die Terminologie von Aristoteles (384-322BC) geliehen wird, andererseits werden die Gründe der charakteristischen Eigenschaft einer Sache ermittelt. Das Wesen des Regenbogens erforscht die „Physik“ bzw. Naturphilosophie, den Grund erfasst die Optik (=Perspectiva).

1304 erschien De iride („Vom Regenbogen“), das umfangreichste und wohl bekannteste Werk. Es enthält nebenbei Abhandlungen über die chemischen Verbindungen von Farbe und Licht

In seiner Theorie, so schrieb er, entsteht ein Regenbogen durch die Brechung und Reflexion von Sonnenstrahlen innerhalb einzelner Tröpfchen.

Seine Quellen

Die von ihm benutzen Quellen gehen zurück auf Aristoteles, sowie auf die Werke der arabischen Gelehrten Avicenna (980-1037) und Averroes (1126-1198). Nach eigenen Angaben hatte er Einsicht auf die Bücher Alhazens (965-1039/40). Aus Vergleichen geht hervor, dass von Freiberg die Kommentare von Kamal al Din, einem arabischen Wissenschaftler, nicht gekannt hatte, da Kamal eine Reihe von Fehlern, welche sich bei Dietrich und früheren Gelehrten fanden, vermieden hatte. Es ist interessant zu beobachten, dass gleichzeitig zwei voneinander unabhängige Werke sich mit der Entstehung des Regenbogens beschäftigten.

Weitere Schriften

Seine Schriften verfasste Dietrich zwischen 1285 und 1311.

De Origines war die erste die im Zusammenhang mit seiner Lehrtätigkeit in Paris entstand. De tribus difficilibus quaestionibus folgte rund 10 Jahre später und behandelt drei schwierige Probleme. Wegen Verwaltungsaufgaben und dem Widerstand seiner Gegner ließ die Schrift auf sich warten. Dietrich versuchte in dieser Schrift Thomas von Aquin (1225-1274) zu übergehen und meinte, Aquin argumentiere nicht sachlich. Die folgenden Schriften De quiditatibus entium und De ente et essentia legten sich erneut mit demselben an.

Quelle: Wikipedia Commons

Anmerkung: ich beschäftigte mich mal in einer Proseminar-Arbeit vor x Jahren mit dem Thema und kürzte das ganze für eine Artikel-Seite zusammen. Als ich eben meine Entwürfe durchforstete, entdeckte ich dieses kleine Essay und dachte mir, was solls, raus damit.

Quellen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Berichte, Essays, und so, Kulturelles, Medien

Mensch 2.0. – Mind-Uploading & die Gier nach der Unsterblichkeit

In Westworld versuchen Menschen ihre Vergänglichkeit mittels Mind-Uploading zu überwinden. Dass Mind-Uploading dabei immer nur eine Kopie der jeweiligen Persönlichkeit erstellt, wird gerne übersehen. Black Mirror greift das Thema in der 4. Season jedoch sehr interessant und korrekt auf. So lassen sich digitale Klone verwenden, um Geständnisse zu entlocken, indem eine künstliche Umgebung sie zum Wahnsinn treibt oder auch als persönlicher Sklave, der die Eigenschaften des Hauses regelt.

Transhumanismus und Unsterblichkeit

Transhumanismus beschäftigt sich mit den Grenzen menschlicher Möglichkeiten, die sich, sei es intellektuell, physisch oder psychisch durch technologische Verfahren und Mittel, erweitern lassen können.

Der Gedanke und Wunsch nach Unsterblichkeit findet sich bereits 2000 v. Chr. Das Gilgamesch-Epos thematisiert die Suche nach der Unsterblichkeit folgendermaßen: Gilgamesch, zu einem Drittel Mensch und zwei Dritteln göttlich, bemerkt gegen Ende, dass er sich nur durch große Werke als guter König Unsterblichkeit in Form eines Rufes erwerben kann. Daran knüpfen die homerischen Epen an: Unsterblichkeit kann nur via Nachruhm und nicht tatsächlich, als bewusste oder physische Unsterblichkeit erlangt werden.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ca. 4000 Jahre später, kristallisieren sich die ersten Projekte: das Startup Nectome plant das Gehirn in eine Cloud laden und nähme dafür den Tod in Kauf. Die Firma, die bereits Investoren gefunden hat, konzentriert sich aktuell auf todkranke Patienten, welche mittels ärztlicher Unterstützung aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen. Elon Musk unterstützt ein ähnliches Unterfangen mit seiner Firma Neuralink, wo versucht werden will, das Gehirn mit Computern zu verbinden um dem Menschen im Wettbewerb mit der künstlichen Intelligenz kompatibel zu machen. Wait, what?

Nehmen wir an, der Upload funktioniere tatsächlich, müsste man aber auch die biologischen Gegebenheiten bereit stellen, beziehungsweise diese simuliert werden. Im Idealfall wäre die Simulation so gut, dass der Geist sie nicht als solche bemerkt und sogar Naturgesetze verändern könnte, ohne dass uns etwas seltsam vorkäme. Vielleicht haben auch all jene, die Wahnsinnig sind, den Umstand bereits erkannt.

Sicherlich unwahrscheinlich, aber was, wenn der Programmierer, der uns alle in einer Simulation gefangen hält und auswertet, uns die Möglichkeit gibt, Grenzen des Unfassbaren auszutesten. Uns so zusagen für unsere Gedankengänge und Ideen belohnt oder auch bestraft, in dem er uns, wieder mal, ins Leere laufen lässt. Oder, meine Lieblingstheorie: Die Menschheit ist ein gescheitertes Schulprojekt eines Alienkindes in der 3. Klasse Grundschule, die nun im Keller vor sich hin staubt und sich allmählich, ohne kindliche und neugierige Führung, nach und nach selbst zerstört.

Auch stellt sich die Frage nach der Haltbarkeit, da digitale Speichermedien nicht gerade für ihre Langlebigkeit bekannt sind. Sprich, man lädt sein Bewusstsein (beziehungsweise eine Kopie davon) in die unendlichen Weiten der digitalen Welt und sieht sich in 30 Jahren doch wieder mit der Auslöschung konfrontiert, wenn der Server, auf dem man ruht, eingestampft – oder von einem wütenden Kind zerstört wird, da Papa ihm nicht erlaubt hatte, mit den anderen Kindern nach Sieben zu spielen. Vielleicht ist also doch der Nachruhm, dem homerische Helden entgegen eifern, die beste Möglichkeit Unsterblichkeit zu erlangen.

Die verlockende Idee nach Unsterblichkeit bringt auch Überlegungen mit sich, wie „Wenn ich und mein Körper unsterblich sind (durch Adaption in maschineller Form oder metaphysisch), was passiert, wenn die Erde in 7 Millionen Jahren von der Sonne verschluckt wird? Fliege ich dann im Weltraum herum? Für immer? Billionen von Jahren, bis es zu einem neuen Big Bang kommt, und dann?“

Unsterblichkeit ist, wenn man es genau nimmt, für die Ewigkeit und wer danach dürstet, die Zerstörung oder Entwicklung der nächsten 300 Jahre zu beobachten, muss sich auch darauf einstellen, dass er mitunter auch 300 Jahre erlebt, am eigenen Leib erfährt – sofern seine Unsterblichkeit nicht nur metaphysisch, sondern auch physisch passiert. Er muss sich auch darauf einstellen, dass er nicht nur 300 Jahre erlebt, sondern 3000 oder auch 30 000 und 300 000. Und will man das wirklich? Will man das?

Filme und Serien, die Mind-Uploading thematisieren

Neben Westworld und Black Mirror wären da noch:

Avatar (2009) dient als Beispiel für „Romantisierung der Natur“ und Naturalisierung der transhumanistischen Idee des Uploading durch neuronale Schnittstellen. Die Naturalisierung des Technologischen umfasst in Avatar auch die Idee des Uploadings, die Idee den menschlichen Geist vom Körper zu trennen und auf eine andere Hardware zu transferieren.

Surrogates (2009) nähert sich der Thematik kritisch und stellt die Abhängigkeit von Technologien in Frage. Die Einwohner liegen in ihren Betten, während der „Surry“ mit dem sie mental verknüpft sind, ein Roboter, für sie agiert.

Transcendence (2014) stellt die Darstellung des (falsch) verstandenen Mind-Uploadings am bildlichsten dar: Ein Todkranker und größenwahnsinniger Johnny Depp lädt sich selbst in eine Maschine und droht mit Zerstörung.

Zusammenfassung

Die Idee, als unsterbliches Bewusstsein durch die Weiten des Interwebs zu streifen und instant an jedem Ort sein zu können, jede Information binnen Sekunden abzurufen, via Kameras der Vernichtung der Welt beizuwohnen, mit zu erleben, wie sie sich verändert (und sich mit zig anderen im Clinch zu stehen, wie die Welt der noch physischen Menschen weiter manipuliert werden könnte..) und für immer zu leben, lässt eine, wenn auch, skurrile Romantik entstehen. Ein Geist, verbunden mit der gesamten Welt, immer und überall zugleich, befreit von den Lastern des physischen und – auch des emotionalen.

Trotzdem muss das menschliche Bewusstsein eine Stufe unter diesem Traum verharren, denn diese Entwicklung bleibt aktuell nur künstlich Erschaffenem vorbehalten – die das menschliche Bewusstsein zwar im Stande ist zu kreieren, aber sich für sie selbst die Möglichkeiten nicht in Anspruch nehmen kann.

Es ist und bleibt eine griechische Tragödie.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Berichte, Essays, und so, Just about Life, Kulturelles, Medien, Science-Fiction

Trust me, I’m an engineer!

Dank dem Twitter-Account Only in Russia, may I present you (dank gilt auch dem Twitter-User, der mich darauf aufmerksam machte), eine Perle des Internets, die mir bisher verborgen geblieben ist. Ich glaube, das ist mein neues Lieblingsvideo.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Medien