Archiv der Kategorie: Medien

Erlebnisse aus dem MA-Medien-Studium, Medienereignisse, Kommentare und Reportagen und dergleichen, Übungen, Texte, und so weiter und so fort.

Über den fehlenden Respekt unter Frauen und was Frauenmagazine damit zu tun haben

Ausschlaggebend für diesen Beitrag waren zwei Artikel – und leider wird das Thema nicht alt. Beitrag aus 2017, 2018 und auch 2019 noch aktuell.

Einmal geht es darum, wie Feminismus auch Männern hilfreich sein kann (editionf.com) – den ich allen ans Herz lege. Ein anderer Artikel kritisiert (pinkstinks.de) einen Artikel im Magazins „Inside“ der VisionMedia GmbH Gruppe. Auch diesen empfehle ich hiermit weiter. Beide Artikel wurden übrigens von Männern verfasst.

Worum geht es?

Wir alle wissen, dass viele dieser „Frauenzeitschriften“ oft Frauen- und Menschenverachtend sind. Das Magazin „Inside“, und wer auch immer für den Inhalt verantwortlich ist, liebäugelt gar sehr mit der Misogynie, wenn natürliche Orangenhaut und Falten als „Schwabbelschenkel“ und „Wabbelfalte“ oder ähnlich abwertend bezeichnet und damit quasi geworben wird.

Ja, ich verstehe den Sachverhalt: Es ist ein schlechtes Boulevard-Blatt, dass im Glaube handelt, lustige und „freche und frische“ Artikel an die Menschen zu befördern. Und trotzdem fasziniert mich die Tatsache, wie Frauen so über Frauen schreiben können. Und ja, ich verstehe, dass das Leben am Markt hart ist, die Konkurrenz böse und das Magazin nichts dafür kann, es möchte ja nur Kapital schlagen und im Rennen bleiben, und wofür werden die Stars denn so gut bezahlt, als dass man sich nicht über sie lustig machen kann? Natürlich, das Magazin „Inside“ kann per se sicherlich nichts dafür, dass es derartig Frauenverachtendende Themen publiziert.

Jetzt mag manch einer sagen: „Übertreib‘ doch mal nich“ oder „Ja nee, is ja Boulevard, was erwartest?“ Und „Wissen wir ja eh alle, is halt so. Nimmt ja eh keiner ernst.“

Lieber Leser und liebe Leserin, lasst mich eines sagen:

Das Problem, dass dadurch mitgetragen wird, wirkt viel weiter: Die Respektlosigkeit, die unter Frauen herrscht und (auch) durch solche Magazine forciert wird (Stichworte: Neid und Hohn), webt sich in den allgemeinen Kanon beziehungsweise in kollektives Bewusstsein ein, wie eine Frau zu sein hat und nährt Stereotype. Zu guter Letzt profitiert das patriarchale System davon, folgend der Kapitalismus, die Wirtschaft und sowieso wir alle (Achtung Ironie!). Eh klar, ein alter Hut. Aber das liegt am Magazin? Nein, aber es (stellvertretend für all die anderen Magazine) trägt dazu bei.

Diese Magazine vermitteln: „Du bist nicht gut genug“ weil: „Schau mal, Tyra Banks hat das auch und boah, ist die ein hässlicher Wabbel! Wie du!“

Ergo wird eine natürliche Veranlagung, die man hat oder auch nicht, beziehungsweise eine Entwicklung, die früher oder später ausnahmslos jeden treffen wird, der ein entsprechendes Alter erreicht, schlecht geredet – was dazu führt, dass entsprechende Personen sich 1) so oder so schlecht fühlen und sich 2) via Amüsement über andere Frauen in ein „besseres“ Licht zu rücken versuchen, um die männliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und weg, von der anderen.

Und dieser ganze Blödsinn mündet schlussendlich einem hoffnungslosen Neid und Konkurrenz-Gezeter, dass sich von angelerntem Verhalten und kapitalistischer Verkaufsstrategie speist. Es gilt nach wie vor: „Sei hübscher als die andere, angle dir den Mann, der dich dann umsorgt, weil dir ist es verboten Geld zu verdienen/weil ohne Mann bist du nichts Wert und eine Schande/Bürde für deine Familie, Frauen sind Feinde.“

Wo kämen wir hin, wenn keine Frau mehr Make-up und „verschönernde“ Maßnahmen verwenden wollen würde? Wo kämen wir hin, wenn alle nur mehr friedlich und freundlich miteinander umgingen und der Mann nicht mehr im Zentrum aller Überlegungen stünde? Das müsste doch seine Macht schmälern, nicht? Schon bei den minimalsten Veränderungen protestieren Männerrechtler, dass es keine „Gleichberechtigung“ sei, sondern das „Stück vom Kuchen“ einem Verlust von Privilegien nahe kommt, die bislang nur für sie gültig waren.

Das Argument, sich im eigenen Körper wohler zu fühlen, wenn man sich ungeschönte und authentische Bilder von sonst perfekt inszenierten Celebrities ansieht, lasse ich nur insofern gelten, sodass einem bewusst wird, dass diese Leute ebenfalls nur normale Menschen sind – und im Gegensatz zu Hochglanz-Photoshop Cover etwas Realismus in die ganze Sache einfließen lassen. Aber hier beißt das „Wie“ wild um sich und giert nach Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen. Sinnvoller wäre es, weniger Photoshop und Damen aller Körpergrößen zu zeigen, ohne Kommentar. Ohne extra darauf hin zuweisen. Ohne es auf einer Meta-Ebene noch einmal zu diskutieren.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, spitzfindig gesagt: Dem jeweiligen Schönheitsideal, am Winkel, der jeweiligen Bildauflösung und Inszenierung, am Licht und der Position selbst. Also ja, man vergleicht seine wabbligen Schenkel mit denen von Schauspielerinnen oder der Frau vom Nachbarn, kaschiert jede Falte und leugnet das Alter.

Fazit

Das „Ungenügen der eigenen Person“ und die Jagd nach dem „Mann“ stützt die patriarchale Idee und wird durch Kauf diverser Produkte gestärkt. Über Photoshop Cover und explizites Casting schöner Frauen in Film und Fernsehen bis hin zum Hashtag #nomakeup, aber mit zig Filter, schmeichelnder Position und entsprechendem Lichteinfall ist alles mit dabei.

Es gilt daher, den ersten Gedanken zu akzeptieren, wenn wir neidisch sind auf die tolleren Brüste oder den hübscheren Hintern und den zweiten zu lenken, zu hinterfragen – und sich bewusst zu werden, woher dieser kommt und vielleicht sogar, wenn möglich, sich mit der eigenen Imperfektion anzufreunden.

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Dinge, die im Mai’18 von Interesse waren: Rauchverbot und Chinas Punktesystem

Spannend! Was man alles findet, wenn man anfängt auszumisten.


Weil es wie die Faust aufs Auge passt:

In Österreich macht sich die Gesundheitsministerin Sorgen um das Wohl der Wirte, denn Österreich sei ein Gastfreundliches Land, mit einer langen touristischen Tradition. Nehme man die Gastfreundschaft (Anm: das Rauchen in geschlossenen Räumen) den Wirten weg, dann stehe übles bevor. Ahja. Ok.

[Tja, Bitch! Mittlerweile ist seit dem 1. November Rauchverbot und das bedeutet, dass jetzt sämtliche Lokale Konkurs anmelden müssen, weil natürlich niemand mehr wohin gehen mag, wenn er nicht rauchen darf. Insofern wird sich die gesamte kleinbürgerliche Spießkultur in die eigenen vier Wände verlagern. Ich finde wir versäumen dadurch nichts.]

Aber fast genialer finde ich folgenden Artikel, erschienen heute bei heise.de mit dem Titel: „China schafft digitales Punktesystem für den „besseren“ Menschen“ und wenn man diesen liest, so bemerkt man, dass die Idee 1:1 von Black Mirror, Season 3, Episode 1 geklaut ist. Sicherlich ist es schon etwas länger bekannt, zumindest ein Gemurmel darüber, aber all die Informationen in konzentrierter und kompetent niedergeschriebener Form zu lesen: Holla!

Früher sagte man noch „Da gibts eine Simpsons/South Park-Folge dazu!“ Heute sagt man: „Da gibts eine Black Mirror-Folge dazu!“ Ich weiß nicht, ob mich diese Entwicklung amüsieren oder verunsichern soll.

Aus dem Artikel:

„Der Zentralcomputer sammelt Daten von 50 Behörden. Er vergibt Pluspunkte für gewolltes Verhalten. Und er zieht Punkte ab, wenn Menschen irgendwie abweichen und gegen Regeln verstoßen.“

Genauer:

„1000 Punkte. Stufe A. Das bedeutet: Er ist ein „guter Bürger“, hat sich nichts zuschulden kommen lassen.“

Und:

„Yu Ganqing hat nicht gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Er zahlt seine Rechnungen. Politisch ist er nicht aufgefallen. So muss er auch nicht fürchten, im Punktesystem nach unten zu rutschen.“

Eine sehr kluge Entwicklung, nachdem in China eine lebenslange Diktatur angestrebt wird. Jegliches Verhalten eines jeden Bürgers wird aufgezeichnet!

Natürlich würde ich, regierte ich diktatorisch über ein so großes Land, politischen Störenfriede gleich ausschalten, und nicht einmal mit Gefängnis, nein. Nimm ihnen einfach alle Punkte! Denn wer im Punktesystem fällt, kann beruflich nicht aufsteigen, zahlt mehr Miete und Heizkosten und wird von allen gemieden und stirbt an durchdringender Einsamkeit. Ist das nicht großartig!? Wozu Gefängnisse, wenn Punkte auf einem Papier und des Menschen abgründiger Hass anderen Gegenüber dies übernehmen können?

Aber die Idee und Umsetzung findet in China Anklang, da die Leute ermutigt werden, „Gutes“ zu tun. Die Eltern regelmäßig zu besuchen, deren Arztrechnungen zu übernehmen oder einfach bei einem Zebrastreifen anzuhalten.

“ „Wer betrunken Auto fährt, fällt direkt auf Stufe C“, sagt Direktor He. Das sind 600 bis 859 Punkte. Darunter gibt es nur noch Stufe D. So jemand findet schwerer Jobs und wird nicht befördert.“

Nur der, der tugendhaft ist, soll ein gutes Leben führen. Sprich der, der seine Rechnungen bezahlt und sich politisch nicht äußert. Na eh. So gesehen habens die in China sogar besser; denn in Österreich wird trotz aller Gutheit und Güte dem Bürger das Mindestes nach und nach gekürzt. Dort kann man sich zumindest anstrengen und wird dafür honoriert! Was passiert, wenn man sich in Österreich anstrengt? Die die arbeiten, dürften ja nicht die Dummen sein! Sinds halt doch, nur anders verpackt: Ihr seids eh dumm, aber die anderen, die halt bis 12 Schlafen und deren Kinder sich selbst das Brot schmieren müssen, na eh, blöd seids, dass ihr aufsteht in der Früh, weil haben tuts ihr davon nix.

I mag nimma da wohnen.

Irgendwie erinnert mich die Situation an das Armen/Geflüchteten-Bashing, dass sich in Österreich abspielt. Generell sind alle Armen und jene ohne Erwerbstätigkeit Sozialschmarotzer und wollen sich „durchschummeln“. Dass dieses Verhalten sich im Gesundheitssystem nieder schlägt, ist vorprogrammiert. Kein Wunder, dass die Kassen zusammen gelegt werden wollen und Leistungen gekürzt werden.

Immerhin haben wir bald tolle Polizeipferde!

[Anmerkung: Die es gerade mal ein Jahr gegeben hatte und Millionen von Euros gefressen haben. Haha!]

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Buffy Reboot (Jap, da war mal was)

Mein erster Gedanke nach Verarbeitung der Information war: But, why?

Der Beitrag stammt von Juli 2018 und bisher (Dezember 2019) habe ich nichts mehr von einem Reboot vernommen. Trotzdem einige Worte dazu.

Mit Meinungen verhält es sich gefährlich: Man kann eine haben und stößt auf Widerstand, oder man bewegt sich irgendwo dazwischen und versinkt im Sumpf unterschiedlicher Argumente. Meine Meinung ist: Ich bin eigentlich gegen einen Reboot und finde die Idee sinnlos.

Ich fände es sinnvoll, wenn der Reboot kein Reboot, sondern ein Revival wäre mit gänzlich neuen Charakteren und natürlich, Gastauftritte alter Charaktere. Dann denke ich, könnten auch jüngeren Generationen angesprochen werden ohne die älteren komplett zu verstimmen. Denn Fandoms und Fans insbesondere sind wie Minenfelder: Erlaube dir was im Kontext zu unkonventionelles und der wütende Mob bejammert den Verlust „seiner“ Serie! SEINER!

Vorwort und wichtiges

Buffy, einst bei 20th Century Fox unter Vertrag, gehört mittlerweile Disney. Wenn Buffy also gerebootet wird (und es soll hoch divers sein), dann wird Buffy mit Sicherheit auf Disney+ zu sehen sein. Übrigens gehört auch Hulu mittlerweile Disney und wäre wohl geeigneter, weil erwachsenere Inhalte.

Was wir wissen

Geplant ist (bzw. war) ein Reboot der Serie, die auf die bekannte Mythologie zurückgreift, aber an die aktuelle Zeit adjustiert werden soll. Die Rolle der Buffy ist noch nicht gecastet, aber die Produzenten sind sich sicher: Sie muss schwarz sein. Mit dabei ist auch Joss Whedon, allerdings nur als Executive Produzent. Showrunner wird Monica Owusu-Breen sein, die bereits auch schon Backlash ihrer Wahl einer schwarzen Buffy bekam.

But don’t worry: Es gibt noch immer kein Script und niemand sehnt sich ernstlich danach.

Pro Revival

Warum kein Revival? Anknüpfend an die siebte Season, den Weg einer Jägerin beiwohnen, ganz gleich wo und die ehemaligen Stars in Gastauftritte verpacken. Auch wenn Sarah Michelle Gellar meinte, sie werde nie, nie, nie wieder in die Rolle der Buffy treten, so bin ich fest davon überzeugt, hätte es ein Revival gegeben, und keinen Reboot, hätte man sie für ein, zwei Folgen sicherlich überreden können. Immerhin weist sie auf Instagram immer wieder mal auf ihre Buffy-Vergangenheit hin, und das nicht peinlich berührt, sondern durchaus anerkennend. Und natürlich versteht man, dass man nicht für einen Charakter bekannt sein will; aber tja, sie ist Buffy. So wie Lucy Lawless Xena ist und Linda Hamilton Sarah Connor und Sigourney Weaver Ellen Ripley. Und ich finde das nicht verwerflich. Im Gegenteil.

Vs Reboot

Warum aber denkt man, dass ein Reboot eine gute Idee ist; in dem eine ikonische und gesamte Generation prägende Geschichte genommen und angepasst werden muss? Dieselbe Diskussion gibt es übrigens in allen Fandoms. Warum muss Spiderman schwarz sein? Warum X und warum Y, warum nichts neues? Kurz: Inklusion. Dass Medien, Filme und TV lange Zeit weiß geprägt waren (und sinn) ist keine Neuigkeit und dass via Internet Diversität und Sichtbarkeit in den Vordergrund rücken und gewisse Adaptionen verlangt werden, ist ebenfalls verständlich und auch vollkommen in Ordnung und auch notwendig (Stichwort: Sichtbarkeit). Und es ist ja nicht Peter Parker, sondern Miles Morales! Es gibt Lösungen und Wege.

Zusammenfassend

Die Marke „Buffy“ verkauft sich gut und da Diversität ankommt  – käme es perfekt gelegen, ein Reboot einer einst, damals(!) bahnbrechenden Serie zu machen, die Hautfarben austauschen und das ganze als Modern zu verkaufen. Nein, es wird so nicht (mehr) funktionieren.

Übrigens gibt es bereits ein Reboot von Charmed, Xena ist ein Planung (wovon ich auch nie wieder was gehört habe) und soll sich auf die lesbische Beziehung zwischen Gabrielle und Xena konzentrieren. Es gibt ausreichend Heldinnen in der griechischen Mythologie. Warum nicht eine Serie über Kassandra oder eine Amazonen-Serie?

Man kann es auch richtig machen: Die Serie Timeless zum Beispiel. Zwar kein Reboot, aber Minderheiten werden einem nicht ins Gesicht geklatscht wie „Schaut her, wir haben Minderheiten! Wir sind so super!“, sondern erzählt, ohne diese in ein besonderes Licht zu rücken (und darauf hinzuweisen), thematisiert aber gewisse Geschichten und Zusammenhänge. Hier allerdings wird von vorn herein erwähnt, dass Buffy schwarz sein soll. Bam! Schaut her! Gut und toll, wenn Minderheiten öfters in den Medien zu finden sind – aber vielleicht ohne Beigeschmack des Quoten-Fishings.

Ein Kommentar

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/fem-mode on: Fragen an die Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Ist es nicht verantwortungslos, dass eine Brustabtastung 20€ und eine Ultraschalluntersuchung 40€ kostet (Recherche), Globuli aber von der Krankenkasse übernommen werden?

Und ist es nicht auch irgendwo unfair, dass Menstruationsartikel mit einer Luxussteuer belegt werden, als ob man es sich aussuchen könnte? Sicherlich gibt es Kosten- und Umweltfreundlichere Alternativen als wie Binden und Tampons, trotzdem geht es ums Prinzip.

Warum spricht niemand (oder wenn nur selten) über #RegrettingMotherhood? Es ist nicht selbstverständlich, dass jede Frau, die sich für ein Kind entscheidet, hinter her in Glück zerfließt. Selbst über Postpartale Depressionen wird häufig geschwiegen und betroffene Frauen stigmatisiert.

Warum müssen alte, weiße Männer über Frauengesundheit, Frauenrechte und deren Bedürfnisse entscheiden? Warum kann ein solches Komitee nicht aus 100% Frauen bestehen? Wie wäre es, wenn ein Kabinett über Männergesundheit sich nur aus Frauen zusammen setzen würde? Lächerlich, oder?

Warum wird im Jahr 2017 eine Frau angeklagt, weil sie öffentlich über den Schwangerschaftsabbruch informiert (im Klartext: Ein Kontaktformular anbietet für weitere Informationen) und warum kommt die Diskussion nicht ohne Worte wie „Kindsmord“ aus? Warum kann über ein Thema, dass so wichtig ist und alle mögliche Aufklärung und Nüchternheit benötigt, nur emotional sprechen? Wer hat etwas davon, wenn er über den weiblichen Körper fremdbestimmt?

Warum also spricht man über Frauen als seien sie Menschen zweiter Klasse? „Aber die Frauen! Die müssen ja auch erhört werden! Geh hört, die Frauen! Die armen Frauen!“ Zugegeben, das Thema ist schwierig, aber wer sich etwas mehr damit beschäftigt, wird den einen oder anderen Gedanken schon mal gehabt haben.

Warum werden Männer aus der Verantwortung genommen, wenn sich eine Frau leicht bekleidet zeigt und stattdessen sie zur Keuschheit ermahnt? Spricht, warum ist es die Schuld der Frau, wenn sie belästigt wird? „Hatte zu wenig an“ oder „Der Ausschnitt war zu tief“ sind keine Rechtfertigung. Ist es das Ziel der Männerschaft als triebgesteuerte Versager wahrgenommen zu werden, die ihr Genital beim Anblick bloßer Brüste nicht unter Kontrolle halten können?

Warum müssen Brüste noch immer sexualisiert werden? Warum können Männer problemlos oben ohne spazieren gehen, wenn an vielen Stränden es Frauen sogar verboten ist, oben ohne zu liegen?

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Österreichs Wahlkabarett: Das „Sicherheitspaket“

Ein politischer Beitrag aus dem Jahr 2017:

In Österreich findet bald wieder ein ganz interessantes Ereignis statt: Die Wahl. Diesmal wird der Nationalrat gewählt und die Parteien versuchen erneut mit den skurrilsten Ideen Wählerschaft zu gewinnen. Heute auf dem Programm: Die ÖVP und das „Sicherheitspaket“.

Die Idee der heimlichen Überwachung heißt nicht „Bundestrojaner“ wie in Deutschland, sondern „Sicherheitspaket“. Neusprech lässt grüßen. „Der Computer wird nicht gehackt, er wird polizeilich ferngewartet“ schreibt ein User im Forum. Ein anderer frägt, ob man im Zuge dessen nicht alles mögliche auf das Telefon spielen könnte?

In Deutschland befindet sich seit diesem Jahr die TKÜ – die „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ Software im Einsatz, welche aber (aktuell) nicht auf Smartphones funktioniert. Im Jahr 2011 hatte der Chaos Computer Club (CCC) die Quellensoftware eines Trojaners durchsucht, und fand heraus, dass das Programm nicht nur umfassenden Zugriff auf die Festplatte erlaubte, sondern auch die Fernsteuerung des Computers. Danach wurde ein neues Programm entwickelt, eine Software, die lediglich den Kommunikationskanal überwachen sollte.

Im Bezug auf Österreich sagt der Chaos Computer Club Wien: „Mit der Forderung nach weiterer Handy-Überwachung durch IMSI-Catcher, Ausbau der Videoüberwachung und Einführung einer Kennzeichenerfassung können lückenlose Bewegungsprofile aller Bürgerinnen und Bürger angelegt werden. Die Relevanz dieser allumfassenden Überwachung in der Prävention von Verbrechen konnte bis jetzt keine Befürworterin der Generalüberwachung erbringen.“

Aber kein Grund zur Sorge: „Der Zugriff von der Staatsanwaltschaft angeordnet, bedarf der gerichtlichen Bewilligung und unterliegt der begleitenden Kontrolle des Rechtsschutzbeauftragten und der nachprüfenden Kontrolle des Gerichts“ heißt es. In Ordnung, aber wer sagt mir, dass Richter und Co über die technische Expertise verfügen, um die Reichweite dieser Software adäquat einschätzen zu können? Um überhaupt zu verstehen, was das bedeutet? Und wir wissen, das tun sie nicht.

Die Software, die es ermöglicht Daten eines jeden Smartphones abzulesen, soll ab August 2019 einsatzbereit sein. Bis zum 21. August hatten Bürgerinitiativen, Organisationen und Interessenvertreter Zeit, sich dieses genauer anzusehen. Die Resultate und verärgerten E-Mails wurden vom Bundesministerium jedoch blockiert. Wtf? Die Antwort: Aus Kapazitätsgründen könne man die E-Mails nicht beantworten. Ahja.

Seriously?

In Österreich ist man einerseits per Gesetz dazu verpflichtet, für Sicherheit zu sorgen – Türen verschließen und so, und nun soll dem Dieb Tür und Tor geöffnet werden? Mit anderen Worten: Man kauft sich eine Sicherheitslücke (von wem auch immer, und wer auch immer diese an wen auch immer sonst noch verkauft), bewahrt sich eine Sicherheitslücke im Betriebssystem (weder Hersteller noch Nutzer werden gewarnt) – denn diese ist für das aufspielen des Trojaners notwendig und nennt das dann „Sicherheit“? Dies muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Nun kauft sich der Staat seine Lücke, um bei Verdacht, den jeweiligen Verdächtigen ausspionieren zu können. Aufgepasst, bei „Verdacht“ und gefährdet damit Millionen andere. Hallo? Sinn und Vernunft? Liegen die Jahrhunderte der Rationalität und Verstand soweit zurück? Kant dreht sich kreischend im Grabe um. Und während der nächtlichen Recherche hatte ich das Gefühl eine „Dystopie Wolke“ hänge über uns, die an manchen Stellen undicht ist und immer wieder kleine Tropfen Dystopische-Zukunftsvision auf uns herab träufelt. Bis wir eines Tages aufwachen und uns tatsächlich in „1984“ befinden und uns fragen: Wie war das möglich?

Technisch scheint das ganze etwas schwierig zu werden – denn es sollten ja nicht nur Android-Systeme überwacht werden, sondern auch Apple, Windows Phone, Windows selbst und Linux mit seinen unzähligen Distributionen, die fast mit täglichen Updates ihre User peinigen. Für all diese Systeme wird eine entsprechende Software benötigt, regelmäßige Updates und vielleicht dieses oder jenes Feature, dass die eine oder andere Verschlüsselung außer Kraft setzt. Ich wage mir gar nicht auszudenken, was das an Steuergelder verschlingen wird. Und, technische Möglichkeiten, die unser guter Staat, und ich wette zu 100% nicht in der Lage ist zu durchschauen und/oder gewährleisten.

Was sind die Alternativen? Wir alle wissen: Je mehr Dinge, desto unübersichtlicher. Was bedeutet das richterliche Bescheide aus „Joa, wird scho passen“ bestehen und im Worst-Case jeden Bürger zum Verdächtigen macht. Was also tun? Ich stelle die Frage bewusst, ohne eine Antwort darauf zu haben – hätte aber gerne eine.

Aber! Vor der Wahl wird es nichts mehr.

Quellen:

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Von der Illusion etwas gut zu können und dieses nutzen zu müssen

„Jeder kann etwas gut! Auch du!“ Geh schleich di.

„Du kannst das so gut. Mach was draus!“ Seriously, get the f*ck off my business.

Ihr kennt diesen Spruch, oder? Leute, die meinen, dass wenn man sich nur ganz fest mit etwas beschäftigt, man es auch richtig und besonders gut könne. Du musst dich nur damit befassen! Ein wenig Talent gehört natürlich dazu, und ein Vermögen, und gewisse Fähigkeiten, und Veranlagungen und so,- aber jeder, der es wolle, schaffe es auch und sowieso, ist jeder in etwas gut!

Nein.

Schlimmer noch, Leute, die erkannt haben oder glauben zu erkennen, dass man etwas wirklich gut könne und dazu raten, doch etwas damit machen zu müssen, weil es wäre ja vergeudet und verschwendet, nicht zu Nutzen was einem gegeben wurde!

Dafuck? Nein.

Über Talente und Fähigkeiten

Da gibt es die, die besonders gut zeichnen und malen können, andere schreiben super, wiederum andere haben das Talent, ihren Körper mit Takt zu bewegen und andere singen wie Germany’s Future Dschungelcamp-Kandidat. Und sicherlich, zu einem gewissen Grad ist alles erlernbar, was es zumindest, „gut“ in den Augen anderer macht, die das eben gar nicht können – und das ist ja okay. Aber nur, weil man etwas „gut“ in den Augen derer kann, die es gar nicht können, bedeutet das nicht, dass man tatsächlich „gut“ darin ist und auch damit etwas machen kann. Kann man nicht. Nicht immer.

Sicherlich, man kann es erlernen: Wie das schreiben. Wir sollen aktive Verben und keine passive verwenden, wenige Adjektive und beschreibend schreiben, nicht erzählend. Eh klar. Und dann gibt es die Leute, die nicht lernen müssen, wie man fesselnd schreibt, die, die wissen, wie man eine Geschichte richtig gut zu Papier bringt. Und natürlich kann ich Tanzschritte und Bewegungen lernen – werde aber nur Mittelmaß sein, weil mir das Talent fehlt. Und das ist okay!

Das Mittelmaß ist okay!

Wisst ihr was? Es ist vollkommen in Ordnung! Man darf auch Mittelmaß sein. Auch wenn man etwas „besser“ kann als manche andere und trotzdem weiß, dass man nicht „gut“ ist, auch wenn die Aussagen anderer was anderes sagen, dann bedeutet das nicht, dass man damit was machen muss! Als Hobby ist es auch vollkommen okay und man kann sich viel leichter daran erfreuen? Denn wie heißt es: Mach nie zu deinem Beruf, was du liebst. Ich liebte Geschichte und Philosophie. Nach dem Studium. Not so much anymore. True Story.

Ich sage immer: Es muss auch Menschen der Mittelklasse geben, der Mittelmäßigkeit, die, die halt nicht auffallen, die, die gewisse Dinge können, aber eben nicht ausreichend um richtig „gut“ darin zu sein, oder es gar für Ruhm und Reichtum verwerten zu können. Und das ist okay!

„Nur der Fleiß machts!“

Oh, fuck off you stupid little c*nt! (Frei nach Sandor Cleagane)

Man kann sich auch fragen: Was ist denn „gut“ und an und mit welchem Maßstab messen wir „gut“?

Dann wird ein anderer sagen: Aber mit Fleiß kann man gut werden! Ja, einer aus einer Million vielleicht. Diese Leistungs- und Fleißgesellschaft geht mir so dermaßen auf die Eierstöcke; wer Menschen nur anhand ihres Fleißes misst, misst mit dem Maße des Kapitalismus – wollen wir das? Willst du das? Deine Talente mit kapitalistischen Farben anstreichen, nur damit wer anderer das große Stück des Kuchens bekommt? Willst du das? Eben, nein, das willst du nicht! The cake is a lie!

Lass es liegen!

Und selbst wenn wir in etwas „nur“ gut sind, selbst wenn wir tatsächlich etwas können, also so richtig, bedeutet das nicht, dass wir es Nutzen müssen. Wir können und dürfen unser Talent auch liegen lassen, wenn uns nicht der Sinn danach steht. Sicherlich ists schade, sagen manche. Mach was daraus! Die anderen. Aber ganz im ernst, why? Wir könnens auch als Hobby behalten. Is eh viel g’scheiter.

Dieses dahin pushen, dass jeder in etwas „gut“ sei, und selbst wenn dem dann so ist – dazu nötigen, es bitte auch anständig zu verwerten und was daraus zu machen; dieses vehemente Nahelegen, mit etwas Übung und Fleiß und Disziplin könne man Großes erreichen! Echt nit.

Ich hasse es, wenn Leute das tun.

Ich weiß, ihr meint es gut

Ja, sie meinen es gut. Ja, sie wollen mir Komplimente machen, und ja, ich singe vielleicht „besser“ als der durchschnittliche Karaoke-Sänger, und zeichne vielleicht besser als jemand, der nur Strichmandeln kann, und schreibe vielleicht auch ganz adäquat, aber lasst mich damit in Ruhe, dass ich das alles Nutzen sollen und was daraus machen. Es nervt!

Zu sagen, ich soll dies und jenes nutzen, erlegt mir die Mühseligkeit auf, mich um noch mehr in meinem Leben kümmern zu müssen. Ihr steht nicht da und sagt, „Du, I hilf da, gib mir X und Y“, nein ihr meint es nett und gut und nehmt mir vielleicht sogar einen Teil der Arbeit ab, wie Korrektur lesen oder applaudieren, aber mehr kommt da nicht, weil wozu? Ihr bekommt ja auch nichts dafür raus. Seht ihr. Ich verstehe euer Anliegen, wirklich! Und ich danke für die Komplimente, und trotzdem…

Wir, die in euren Augen ja etwas „gut“ können, sollen uns darum kümmern. So funktioniert das nicht. Nicht bei allen.

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Schwarzer Humor in der Werbung?

„Späße sollten ein Greuel für jeden Werbefachmann sein, der genau weiß, daß sich ein dauerhafter Erolg kaum auf Frivolitäten aufbauen läßt und daß niemand von einem Clown kauft.“ – David Ogilvy

Was darf Humor? Oder anders gefragt: was darf schwarzer Humor? Wie weit darf Humor in der Werbung gehen und wie sehen die Grenzen dabei bei schwarzem Humor aus? Nehmen wir Produkte ernst, wenn der Tod für sie wirbt beziehungsweise, wenn der Tod eine tragende Rolle spielt?

Zum Humor allgemein

Humor ist ein Kulturspezifisches Phänomen. Den deutschen Humor erkannt man daran, dass es ihn nicht gibt und wohl bekannt ist auch der trockene britische Humor, der nicht jedem zugänglich sein mag. Abhängig von Kultur, Moral und Religion werden gewisse Themen tabuisiert oder darüber gelacht. Auffallend aber, je autonomer die Kultur und je selbstironischer das Selbstverständnis ist, desto eher ist man auch dem Humor zugänglich.

In der Werbung wird Humor oft mit Witz, Wortspiel, Ironie, Übertreibung oder Überraschung assoziiert. Die Grenze zwischen Originalität und kognitiver Aktivität und affektiver Reaktion sind dabei fließend. Während kognitive Aktivität eine gewisse Intelligenz voraussetzt, reduzieren sich Werbungen, die auf affektive Reaktionen abzielen auf aggressive oder sexuelle Themen.

Humor in der Werbung

Wendet man sich genervt ab und identifiziert das Produkt aufgrund der inzwischen ausgeschlachteten Witze, spricht man vom Wear-Out Effekt: Was einst originell war, kann bei inflationärer Verwendung ins Gegenteil umschlagen. Besonders Werbung, die häufig im TV oder Radio gespielt wird, unterliegt dieser Gefahr. Der Wear-Out-Effekt beschreibt somit die Abnutzungserscheinungen von Werbewiederholungen

Werbung kann zwar die Sympathie für das Produkt und die Marke steigern, dennoch besteht die Gefahr, dass kreative Werbung zu sehr ablenkt. Je kreativer die Werbung, desto größer die Distanz zum Produkt. Nimmt der Witz der Werbung mehr Aufmerksamkeit in Anspruch, als das beworbene Produkt, spricht man vom Vampireffekt.

In allen Fällen ist wichtig, dass Werbung so gestaltet wird, dass sie sich aufgrund des Überangebotes von den anderen abhebt.

Für den Werbenden ist wichtig, eine positive Stimmung zu erzeugen und die Quelle der Botschaft aufzuwerten. Das „mögen“ des Witzes überträgt sich auf das „mögen“ des Produktes und/oder den Hersteller. Aber Vorsicht: Die Glaubwürdigkeit kann dadurch auch beeinträchtigt werden. Glaubwürdigkeit ist u.a. auch ein Resultat von Sympathie, aber: Wer kauft schon gerne von einem Clown.

High-Risk und Low-Risk Produkte

Es gibt Produkte, deren Ideal, deren Vorstellung und Message, die sie transportieren möchten, täte Humor nicht gut

high-risk Produkte sind hochwertige Produkte, deren Anschaffung sehr kostenintensiv sind. low-risk Produkte werden für den alltäglichen Gebrauch gekauft und sind mit niedrigen Kosten verbunden. Diese werden erneut unterschieden zwischen expressiven Produkten, welche ein hoher emotionaler Wert beiliegt, sowie funktionale Produkte die mit Nutzen verbunden sind.

So wären in diesem Fall Versicherungen, Computer und Kühlschränke, in diesem Fall funktionale und high-risk Produkte und bspw. Designer-Kleidung wie Prestige-Objekte expressive und high-risk Produkte, also mit Emotion verbunden. Grundnahrungsmittel und Körperprodukte fielen in die low-risk Sparte mit funktionalem Gebrauch. Genussmittel wie Wein, Zigaretten oder Süßwaren wären expressiv in ihrer Funktion und von geringem Risiko.

Schwarzer Humor und der Tod

Der Begriff „schwarzer Humor“ wurde 1940 vom französischen Surrealisten André Breton via der Anthologie „De L’humor noir“ in den Sprachgebrauch eingeführt. 1971 schrieb der Essayist Francois Bondy, der „schwarze“ Humor sei nicht zu verwechseln mit dem aus den Staaten stammende „sick jokes“, dem „kranken Humor“. Dies käme einer Abwertung gleich. Dennoch ist der Begriff schwierig zu definieren, da nach dem 2. Weltkrieg viele Kunstformen damit tituliert wurden. Oftmals jedoch assoziierte man die Farbe „schwarz“ und deren Anhänger wurden wie Aussätziger behandelt. Lexikalisch gilt diese Art der Humorform als zynisch und makaber.

Mit Humor betrachtet der Mensch auf eine ihm angenehme Weise die Welt. Dieser Humor ist freundlichen Umganges. Mit schwarzem Humor präsentiert sich die Wesensart einer Minderheit. Das wichtigste Merkmal ist die Fähigkeit, unter vielfach schwierigen Bedingungen eine von der Normalität abseits liegende Perspektive anzunehmen. Er führt also die „abseitige“ Welt vor Augen.

Er hat demzufolge nichts mit negativer Weltsicht oder Misanthropie zu tun, sondern mit der Frage nach Schein und Sein. Es wird die Echtheit der Erscheinung geprüft. Schwarzer Humor greift Vertrautes und Verlässliches wie unter Tabu stehende Themen. Schwarzer Humor übernimmt eine gewisse Aufgabe, die das wichtige und wirkliche Sichtbar macht.

Wenn es also beispielsweise in einer Automobil-Werbung darum geht den Tod auszutricksen, wird der Sicherheitsaspekt des Produktes potenziert. In diesem Falle ist eine gewisse Intelligenz von Nöten um den schwarzen Humor zu erkennen und seine Anliegen zu verstehen. Er agiert als kritische Instanz und nimmt der Darstellung den Ernst und beseitigt die Gefahr.

Folgt man dieser Interpretationsweise, so ist die Verwendung der Farbe „schwarz“ (in westlich geprägten Ländern) adäquat was den von ihm thematisierten Inhalt betrifft. Dieser Art Humor und der Kritik kommt es darauf an, die im Dunklen gelegenen Phänomene ans Licht zu zerren. Mit Umweg über negative Sichtweisen, wird versucht das wesentliche zu erreichen. Schwarzer Humor ist also weder zynisch, noch sarkastisch, sondern besitzt eher apologetischen Charakter

Inwieweit darf provoziert werden?

Was nun die Provokation betrifft, ist folgendes zu sagen, dass auch hier unterschieden werden muss und sollte zwischen „Provokation“ und lediglich „geschmacksloser“ Inszenierung. Sicherlich, beides beschafft Aufmerksamkeit, wobei erstere sich an die Intelligenz wendet, an die wie bereits erwähnte kognitive Aktivität, und sich nicht an die affektive Reaktion richtet, der mit geschmacklosen Inszenierungen eher gedient wäre.

Der Tod

Medien und Tod gehen Hand in Hand. Keine Nachrichtensendung und Zeitung kommt ohne Berichte über den Tod oder lebensbedrohliche Situationen aus. Ethische und fiktionale Darstellungen in der Popkultur thematisieren Sterblichkeit in unterschiedlicher Weise. In den Massenmedien dient der Tod als Spektakel und führt zur Millionenauflage.

Auch in der Werbung findet man den Tod häufiger als gedacht: So beschäftigten sich besonders Automobil-Werbungen, Versicherungen, Bier, Telefongesellschaften und Bestattungsinstitute. Die Verwendung des Todes in der Werbung ist Kultur unabhängig, was auch mit dem Trend zur Globalisierung zu tun hat.Internationale agierende Unternehmen haben einen Wettbewerbsvorteile, als jene die nur national agieren. Folgend wirkt sich dies auf eine Standardisierung der Werbung aus. Die Unterschiede zwischen den Kulturen werden durch Kenntnis anderer Kulturen ausgeglichen, woraus sich eine Homogenisierung ergibt.

Auto-Werbungen und der Tod

Gerade bei Autowerbungen müsste man meinen, stehe das Leben und die Sicherheit an erster Stelle. Der Hersteller möchte mit seinem Produkt zur Lebenssteigerung beitragen und nicht zu dessen Beendigung.

Automobil-Werbungen zählen zu den high-risk und expressiven Produkten. Demzufolge sollte Humor dezent verwendet werden. Man konsumiert diese als Statussymbol und Prestige. Je nach Kultur jedoch dient das Automobil als Luxusobjekt, wie in Japan oder als Gebrauchsgut wie in den USA.

Die südkoreanische Automobil Firma Hyundai fiel in den letzten Jahren mit zwei Clips auf. Zum einen mit „Death“ und zum anderen mit „Pipe Job“, einem Suizid-Spot.

„Pipe Job“ wurde für den britischen Markt entworfen und zeigt einen Mann, der versucht via CO2 in seiner Garage zu suizidieren. Dieser jedoch schlägt fehl, da der neue „ix35“ über eine 100% Wasseremission verfügt.

Die Reaktionen waren überwiegend negativ. Eine Bloggerin, deren Vater sich mit dieser Methode das Leben nahm, veröffentlichte seinen Abschiedsbrief und prangerte die Werbung an. Hyundai entschuldigte sich daraufhin und versprach die Werbung vom Netz zu nehmen bzw. in keinem bezahlten Medium mehr zu präsentieren#

Auch wenige Jahre zuvor hatte Hyundai kein Glück und „Death“ wurde in Holland verboten.

Der Ein Mann fährt ein Mädchen nach Hause, der Tod lauert in Gestalt des Grim Reapers bereits auf sie. In der ersten Sequenz wird sie überfahren, da sie auf Straßen-befahrener Seite aussteigt. In der zweiten Sequenz, diesmal mit dem promoteten Modell, steigt sie sicher auf der Seite des Gehsteiges aus, da auf der anderen Seite keine Tür ist. Der Tod wurde ausgetrickst.

Im Vergleich dazu der Spot „Sorry“ von Mercendes-Benz der ein Jahr davor lief. Ein Mann fährt in der Winterlandschaft, der Tod sitzt in Gestalt plötzlich neben ihm. Der Fahrer starrt den Tod unfassbar einige Sekunden an. Plötzlich sagt dieser: „Sorry“. Knapp vor den Bäumen, die auf der Straße liegen, stoppt der Fahrer und sagt ebenfalls: „Sorry“. Der Clip endet. Erneut wird der Tod ausgetrickst. Worauf sich hier allerdings die User fragen ist: ist die Ähnlichkeit des Todes mit Ferdinand Karl Piëch, der österreichische Manager und Großsanktionär von Porsche gewollt? Der Tod selbst geht bei dem „Augenzwinkern“ unter, der Spot erfuhr großteils positive Kritiken. Als Tod wird diese Figur nicht mehr wahrgenommen, da sie ein bekanntes Gesicht trägt, dass in bestimmter Beziehung zum Werbenden steht.

Ein weiteres, wenn auch inoffizielles Beispiel ist das Ergebnis des Nachwuchsfilmpreises First Steps der unter anderem von Mercedes gesponsert ist. In diesem umstrittenen Kurzfilm wird Hitler bereits als kleines Kind in seinem Dorf überfahren. Dass es sich dabei um Hitler selbst handelt, ist zum einen Interpretationsfrage, denn die Mutter ruft: „Adolf!“ der Fahrer verlässt Braunau am Inn. Als Schlusssatz dient: „Erkennt gefahren, bevor sie entstehen.“ Eindeutig zweideutig. Zum anderen lebte Hitler lediglich bis zu seinem 3. Lebensjahr in Braunau laut der offiziellen Seite der Stadt Braunau. Der überfahrene Bub muss mindestens fünf gewesen sein.Der Hersteller selbst war jedoch nicht sonderlich über den Film erfreut und bestand auf eine deutliche Kennzeichnung, dass dieser Spot nicht mit Mercedes selbst in Verbindung stehe. Dieses Beispiel könnte auch dezent als Vampir-Effekt dienen, da ein jeder diesen Spot zwar kennt, aber niemand die Marke damit in Verbindung bringen kann.Zur Analyse: Der Tod in Gestalt des Grim Reapers wird auf der einen Seite positiv aufgenommen, wobei das Augenmerkmal hier auf den Darsteller des Todes fällt und ein Augenzwinkern mit einfließt, dass dem ganzen die Spannung nimmt. Hyundai steht demgegenüber in Kritik. In beiden Clips jedoch wird der Tod ausgetrickst. Während es sich in „Pipe Job“ um Suizid handelt, geht es im Kunstprojekt wohl eher um Mord.

Lebensmittel und der Tod?

Es ist Heiligabend. Ein alter Mann diniert alleine. Die Familie schafft es wieder nicht, den Vater zu besuchen, aber nächstes Jahr bestimmt. Er beschließt seinen Tod vorzutäuschen. Nachdem die Familienmitglieder die Mitteilung erhalten haben, tauchen sie bei der Beerdigung auf und er sagt: „Wie hätt ich euch denn sonst alle zusammen bringen sollen?“ Sie speisen in voller Freude und der Clip endet.

Nur wenige Tage nach Ausstrahlung wurde „Heimkommen“ heftig diskutiert, pietätlos und auch die Manipulation des Großvaters wird kritisiert. Andere Leute fühlen sich schuldig, besonders auch weil Weihnachten im Bewusstsein der Menschen von „Zusammengehörigkeit“ geprägt ist.Sähe man diesen Clip nun als „schwarzen Humor“ oder als Provokation? Der zweite Clip der Firma Edeka, „Sensenmann“, um eine Minute kürzer, die üblichen 30 Sekunden inszeniert den Tod als Sensenmann, als Grim Reaper: Der Sensenmann erkundigt sich bei einem Mitarbeiter nach bewusste und ausgewogene Ernährung. Dieser zeigt ihm darauf alles und endet mit: „Damit bleibt man bis ins hohe Alter Gesund und fit“ und der Sensenmann frägt: „Und was soll ich dann machen?“ Der Mitarbeiter antwortet: „Umschulen?“

Sähe man diesen Clip nun als „schwarzen Humor“ oder als Provokation?

Was aber, wenn bereits tote Menschen für ein Produkt werben?

Wenige Wochen vor seinem Tod drehte der Sänger und Whiskey-Liebhaber der Band Motörhead noch einen Werbespot für Milch. Die finnische Molkerei Valio hatte den Briten engagiert; die Agentur veröffentlichte nun 40 Sekunden daraus als eine Art posthumane Ehrung. Sähe man dies als „schwarzen Humor“ oder als Provokation?

Deutlich ist, dass alle drei Clips von der Ausgangslage nichts mit dem des anderen zu tun haben.

Zielt ersterer auf Gemeinsamkeit ab, gesponsert von Edeka – trickst der zweite den Tod aus und stellt sich ihm keck in den Weg. Der dritte dient als posthumane Ehrung.Allen gemeinsam ist, dass sie sich a) um low risk Produkte handeln, in ersterem Fall einer Firma die funktionale und expressive Produkte anbietet, im dritten lediglich funktional und b) den Tod in irgendeiner Weise thematisieren.

Abschließend

Darf man mit dem Tod werben? Ja. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Ich fand die Clips lustig, amüsant und unterhaltend. Sie regen zum Nachdenken an und provozieren. Gleichzeitig vermitteln sie, besonders bei Autowerbungen – wie nah der Tod eigentlich tatsächlich ist. Wir bewegen uns 160km/h in einer Blechbüchse entlang und glauben, komplett sicher zu sein? Es darf auch nicht die Meta-Ebene vergessen werden, die besonders hinter den Auto-Spots steht.

Quellen

  • Wolf-Bertram von Bismarck / Stefan Baumann: Markenmythos, Verkörperung eines attraktiven Wertesystems IN: [Hrsg] Peter Lang: Europäische Hochschulschriften, Reihe V, Volks- und Betriebswirtschaft, Bd./Vol. 1791, Frankfurt am Main 1995.
  • André Breton: Anthologie des schwarzen Humors („Anthologie de l’humour noir“). Rogner und Bernhard, München 1979.
  • Harald Erbeldinger, Christoph Kochhan: Humor in der Werbung. Chancen und Risiken IN: Michael Jäckel [Hrsg.]: Umworbene Gesellschaft. Analysen zur Entwicklung der Werbekommunikation, o. A.
  • Klaus Feldmann: Tod und Gesellschaft: Sozialwissenschaftliche Thanatologie im Überblick, o.A.
  • Michael Hellenthal: Schwarzer Humor. Theorie und Definition, Essen 1989.
  • C. Hoffstadt, F. Peschke, M. Nagenborg, S. Müller, M.Möller [Hrsg.]: Der Tod in Kultur und Medizin IN: Aspekte der Medizinphilosophie, Bd. 14, Bochum/Freiburg 2014.
  • Klaus Moser: Markt und Werbepsychologie, Hogrefe 2002.
  • Wendelin G. Müller: Interkulturelle Werbung, Heidelberg 1997.
  • Volker Nickel: Schläge mit dem Werbehammer. Über die neu Qualität des Prinzips Provokation, Vortrag gehalten in Düsseldorf 1998.

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Eltern und deren Kinder im Jahre 2019

Auf Elterntwitter gibt es immer wieder die Diskussion bezüglich begrenzter Tablet-Zeit und welche Serien Kinder anschauen dürfen und dass die Inhalte hinter her mit den Kindern diskutiert werden. Und dann hört man diese schauerlichen Geschichten, dass 2. und 3. Klässler nicht Harry Potter sehen dürfen, weil es zu brutal ist.

Und ich denke mir regelmäßig: wtf.

Gefolgt von: Wie zum Teufel kommt Elterntwitter in meine Timeline?

Dann gibt es Haufenweise Kritik, die Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen, weil es viel zu gefährlich ist. Es besteht ja sowieso Helmpflicht. Ich musste sogar alleine zum Kindergarten gehen! Meine Güte, wenn das so weiter geht, haben wir 2040 lauter fragile Psychopathen. Studiert Psychologie! Ich wittere gutes Geschäft! 70% der Einnahmen gehen an mich.

Seriously, what the actual fuck?

1. Wärs mir als Kind viel zu peinlich gewesen alles Geschaute mit meiner Mutter zu besprechen. Ja, ich war traumatisiert vom roten Stier und wollte einen gelben Stier. Ich bekam dann einen gelben Plüsch-Elefanten; der hatte die gleiche Wirkung: keine Albträume mehr. Man muss nicht alles Xmal besprechen und analysieren. Lasst eure Kinder in Ruhe!

2. Was hätte ich bitte bei der Sterbeszene von Artax viel besprechen sollen? Dass Die unendliche Geschichte ein Kinderfilm sein soll, finde ich immer noch sehr verstörend. Ich meine da stirbt ein Pferd in den Sümpfen der Traurigkeit! Da hilft Besprechen auch nix mehr. Da stirbt ein fucking Pferd! Ich meine, wtf? Ja, der Tod gehört zum Leben dazu, bla bla bla – aber nicht, wenn man 6 ist! Und nicht, wenn es ein Pferd ist!

3. Wenn sich Terence Hill und Bud Spencer verdroschen haben, fand ich das ziemlich cool (Zitat 4-jähriges Me: „Yeah! Schlägerei!“). Genau so, wenn die Bösen vom A-Team taumelig geprügelt wurden.

Zeigt man das heute Kindern noch oder ist das zu brutal?

Natürlich wusste ich, dass man in der Realität sich nicht prügelt. Trotzdem hab ich grapschenden Buben eine runter gehauen. Ich meine, dafuck Dude?

3a. Zugegeben, einmal hab ich bei Nachbarskindern das Zusammenhauen der Köpfe ausprobiert. Sie waren nicht sehr erfreut. Ich fands lustig und musste dann Betroffenheit vortäuschen. Es war mir wirklich egal; ich glaube sogar, ich belächelte deren Wehleidigkeit.

4. Irgendwann liefen zur Mittagszeit auch Serien mit Schießereien und Drogen und so aber das kapiert man mit 6 ja nicht. Oder Akte X. Oder Gremlins. Das dort der Reihe nach Leute sterben, ist mir erst viel später aufgefallen. Als Kind sind die halt plötzlich weg. Who cares?

5. Ich frage mich also, was das für (ausgewählte(!), denn das wird oft dazu gesagt; ich fürchte, die Elternbubble ist eine der Schlimmsten) Inhalte sind, die Kinder heute (unter strengster Beobachtung) konsumieren (dürfen) und bei welchen die Eltern dann das Bedürfnis verspüren, mit dem Kind drüber reden zu müssen. Was sind das für Serien? Und viel wichtiger: Was sind das für Eltern?

6. Ich würde mir ja eher Sorgen machen, dass das Kind in der Schule mit Porn in Kontakt kommt, weil Kevin, der Mann von Chantalle, es nicht als notwendig erachtet einen Filter zu setzen und Cristofer-West-Berlin-Snow Deep Throat und Anal Bleaching herum zeigt – was, wie man weiß, Kinder und junge Teens durchaus negativ beeinflusst, creepy Vorstellungen und Erwartungen erzeugt. Nochmal, mit Porn meine ich jenen, der 98% im Internet kursiert, welche Sexualität lediglich als sexistisches Verhalten propagieren und darstellen und die Frau zum gierigen, allzeitig zur Verfügung stehenden Fickstück werden lassen. Da is nix mit, die Frau darf auch mal. Aber gut, diesbezüglich fände ich hier das Gespräch durchaus angebracht. Aber erneut: Welches Kind/welcher Teen redet mit seinen Eltern über seine Sexualität?

7. Sowas finde ich eher bzw. höchst bedenklich, und nicht ob K1 (Kind Eins) jetzt 5 Stunden vor dem Tablet verbringt oder K3 (Kind Drei) eine, von Elterntwitter „mit zweifelhaften Inhalten“ bewertete Serie schaut. Wie Harry Potter zum Beispiel. Was sind das für Leute, die Harry Potter als zweifelhaft einstufen? Stuft Die unendliche Geschichte als zweifelhaft ein! Oder Das letzte Einhorn, aber Harry Potter? What the fuck is wrong with you people!?

8. Und im übrigen belasteten mich als Kind die dünnen, hungernden Kinder in Afrika eher, als irgendwelche Geschehnisse in Filmen. Ausser wenn Tiere dabei waren. Aber das belastet mich auch heute noch und ich schaue mir solche Inhalte, wo Tiere sterben könnten oder gequält werden, nicht an, sei es fiktional und schon gar nicht real.

Anyway, darüber redete ich von mir aus mit meiner Mutter, und ich erinnere mich noch gut an das Gespräch.

9. Ich war ca. 6 und zweifelte die Existenz Gottes an, denn der „liebe Gott“ würde sowas nicht zulassen. Warum sollte er? Er war ja lieb. Ergo konnte es keinen Gott geben. Macht Sinn, oder?

10. Was lernen wir daraus? Die unendliche Geschichte ist kein Kinderfilm, Gott gibt es nicht und die Elternbubble ist die schlimmste von allen. Aber der Kater schläft.

Ich frage mich was schlimmer ist: Heute ein Elternteil sein zu müssen und dieser ganzen toxischen „Wir wissen es besser“-Bubble ausgesetzt sein, oder das Kind dieser Eltern, welches vermutlich kaum mehr irgendwelche Freiheiten hat.

Apropos Kater: Ich bin übrigens die letzte, die sich über Helikopter-Eltern beschweren darf, denn sobald mein Kater auch nur ein Kratzerchen am Öhrchen hat, würde ich am liebsten zum Tierarzt rennen und ihn ganz fest halten! Ja, ich bin eine Helikopter-Katzenmutter. So what? Es ist mein Kater! Mein Bebi!

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Eine freundliche, aber bestimmte Bitte an männliche Autoren

Wenn ein weiblicher Charakter in eurer Geschichte nur dazu dient hübsch zu sein, dem Helden die Hand zu halten und sonst nix kann und/oder Leute nur in Gefahr bringt durch Klischeefrau-Handlungen, verzichtet drauf. Lasst sie weg. Es nervt nur. Wirklich.

Ich wünsche mir durchaus und immer wieder den Tod gewisser Charaktere in Büchern, entweder weil sie mich nur mehr nerven und ich die Seiten am liebsten rausreißen würde, die Handlung ungut bremsen, oder einfach, weil sie es verdient hätten. Aber wenn ein Charakter den Tod verdient, besser, man ihre Erlösung wünscht, weil der Autor sie als Klischeefrau wirklich schlecht, und zwar so richtig schlecht, geschrieben hat, dann ist das schon sehr bitter.

Und ja, ich traue es männlichen Autoren durchaus zu, einen weiblichen Charakter so zu schreiben, dass sie auch für Leserinnen Sinn gibt, man gerne ihre Geschichte liest und mit empfindet – und nicht nur ein Augenrollen hervor ruft. Ich möchte auf Neil Gaiman, Terry Pratchett und das Autorengespann James S. Corey hinweisen, die allesamt Männer sind, und es allesamt schaffen, gute weibliche Charaktere zu schreiben, ohne dass ihnen ihr Schwanz dazwischen funkt.

Und verzichtet auf ausläufige Beschreibungen ihres Aussehens; niemanden interessiert es wie wohl geformt der Leib ist, oder wie die Laken sich geschmeidig um die Kurven schmiegen. Niemanden. Lasst weibliche Charaktere durch kluge Handlungen und Äußerungen hervor treten. Ohne, dass sie einem Mann dabei dienen, oder dass diese Handlung nur durch einen Mann ermöglicht wird, weil er so gnädig ist und ihr die Chance dazu gibt. God dammit!

Und verzichtet darauf, die so heroische Handlung in einer Erwähnung abzuspeisen, schreibt sie! Bringt sie in die Geschichte ein! Das kann nicht so schwer sein, und wenn doch, dann mach ichs euch einfach; da ich nämlich, behaupte ich, die Lösung zu jedem Problem parat habe:

Schreibt einen richtig coolen Charakter – und gebt diesem erst gegen Ende ein Geschlecht, via Würfel. Zufallsgenerator. Einer Dartscheibe. Was auch immer. Und nein, ihr fügt hinter her nicht noch die passenden Attribute hinzu. Das ist unnötig. Lasst das. Ich hasse sowas. Wirklich.

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Klimawandel, hell yeah!

Mit diesem Text wollte ich mich für den 1. Preis des Niederösterreichischen Journalisten Wettbewerbes bewerben. Leider hatte ich das Datum verwechselt. Es wäre der 21.5. gewesen, anstatt der 25.5.2019. Ah, das ist bitter. Ich bewerbe mich hiermit um den Publikums-Preis. Sollten Sie keinen haben, schaffen Sie einen!

Die Teilnahmebedingungen sehen voraus, dass man entweder unter 30 ist oder eine maximal 5-jährige Berufserfahrung vorweisen kann. Da ich diesen Blog, der als journalistisches Medium gilt, seit 2011 führe aber seit 2016 regelmäßig befülle (was dann 3 Jahre sind), sehe ich diese Anforderung als bestätigt.

Die Ausschreibung sieht vor, positive Aspekte des Klimawandels zu nennen:

Monatelange Dürre, Schädlinge befallen die Wälder, dann gehen wieder Teile des Landes in Schneemassen unter und Unwetter richten Schäden an – der Klimawandel wird auch in Niederösterreich immer spürbarer. Klimawandel, das heißt aber auch: Zitronen und Melonen wachsen bei uns, neue Weinsorten werden gebraucht und im Energiebereich werden alternative Wege gesucht. Der Tourismus sieht neue Chancen und viele sprechen davon, dass die Zukunft „Green Jobs“ gehören wird. Ist also der Klimawandel ausschließlich Bedrohung oder entsteht dadurch auch Neues, Kreatives, Innovatives? Wir suchen Beiträge, die sich mit Beispielen dazu beschäftigen: „Klimawandel – nur zum Fürchten?“.“


Klimawandel, hell yeah!

Jeder Wandel brachte Neues hervor; und jedes Massensterben schuf Möglichkeiten für bisher unbekanntes Leben. Das Sterben der Dinosaurier machte dem Menschen Platz in der Geschichte. Und diese Geschichte ist noch nicht vorbei. Sie fängt erst an.

Die Deutschen, ein freundliches Volk

Seit 1993 stieg der Meeresspiegel weltweit um durchschnittliche drei Millimeter pro Jahr. Das bedeutet, dass er bis zum Jahre 2100 um gute 1,70 Meter steigen wird. Aber das sind nur Berechnungen, denn seien wir realistisch: Die Auswirkungen, die unseren Planeten betreffen werden, entwickeln sich drastischer als angenommen. Folgen wir dem bereits eingeschlagenen Weg wie bisher, könnte der Meeresspiegel im Jahr 2100 bis zu 60(!) Meter steigen. Die Niederlande in der Nordsee wären versunken, genauso Dänemark und große Teile Norddeutschlands.

Aber neben all den schrecklichen Szenarien vergessen wir eines: Meeresklima macht Menschen freundlich. Die salzige Luft lässt Körper und Geist gesunden, Lungenkrankheiten werden zur Legende und das Krankheitsrisiko sinkt enorm.

Schauen wir uns Italiener und Spanier an, die quasi von Meer umgeben sind. Sind das etwa keine freundlichen, offenen Leute, die das Gemeinsame und Gesellige zelebrieren? Da beschwert sich abends niemand, dass es zu laut ist, oder die Kinder noch nicht im Bett. Alles ist lockerer und leichter. Wer will das nicht?

Der schrecklichen Engstirnigkeit und dem Ordnungswahn der Deutschen, den grauen und griesgrämigen Gesichtern, wäre ein Ende gesetzt. Sie wären frohen Lebensmutes, kümmerten sich nicht darum ob die Kinder jetzt noch um 11 draußen spielen und Pünktlichkeit? Wer braucht das schon! Und man würde sagen, die Deutschen, so ein freundliches Volk!

Florierender Tourismus im eigenen Land

Berlin liegt unter Wasser. Und wer braucht schon Berlin? Dortmund entwickelt sich zur florierenden Küstenstadt und Aachen gilt als Strandparadies schlechthin. Metropolen wie London oder Venedig lägen ebenso unter Wasser wie New York, Bangladesch oder das Amazonas-Becken. Und dies hat einen gewaltigen Vorteil.

Sehen wir uns an, wohin die ganzen Fern- und Kurzreisen übers Wochenende führen. Richtig, in die großen und historisch populären Städte. Wer unternimmt nicht gerne einen Kurztrip über die Feiertage nach New York oder Berlin? Statt 12 Stunden via Zug und 300€ leichter, fliegt der Urlauber schnell in einer Stunde in die Bundeshauptstadt und das für schlappe 40€.  Lägen diese gern besuchten Städte unter Wasser und wären nicht mehr zugänglich, der Flugverkehr würde sich um mindestens die Hälfte halbieren. Der CO2 Ausstoß verringere sich und das wiederum käme der Luft zu gute.

Strandnixen und Wassermänner wären nicht mehr gezwungen ewige Reisen mit dem Auto anzutreten, das Meer liegt ja bereits vor der Haustür. Elektro- und Solarbetriebene Shuttles bringen Sonnenanbeter und Familien stündlich zum Strand.

Auch der Bergtourismus erlebt einen ungeahnten Aufschwung und jeder radelt Sonntags mit dem Ebike auf den höchsten Gipfel. Die Menschen werden durch die Gefahren, die der Klimawandel mit bringt, aufmerksamer. Sie lernen, wieder mit der Natur zu leben und werden bezüglich dem Umgang mit Tieren sensibler. Massentierhaltungen gehören bald der Vergangenheit an, sowie Stallhaltung für Weidetiere. Die Kühe auf der Alm erfreuen sich der menschlichen Gesellschaft, anstatt sie zu fürchten.

Wein aus Südengland und österreichische Bananen

Hat sich die Gesellschaft nicht mittlerweile Satt getrunken von französischen und italienischen Weinen? Jahrhunderte lang derselbe Geschmack, dieselben Marken. Öde wirds langsam, nicht? Fad sogar. Wird es nicht langsam Zeit für etwas neues? Der Klimawandel ermöglicht das. Und zwar im Süden Englands. Eisweine aus Grönland folgen.

Und wäre es nicht nett, unter Olivenhainen in Paris zu schlendern? Die anhaltende Hitze und gelegentliche Dürren ermöglichen den Anbau von Zitronen und Mandarinen in Europa; Österreich wäre nicht nur mehr auf dem Papier eine Bananenrepublik! Diese Entwicklung käme der Umwelt zu gute, verzichtet man auf Flugzeuge und Containerschiffe. Mittels weniger Schiffsverkehr lässt das Fischsterben nach, so auch die Verschmutzung der Meere. An den Polarkappen bilden sich Korallenriffe, das Meer beginnt sich zu erholen. Neue Fischarten werden entdeckt. Zu guter Letzt wird der Kapitalismus in die Knie gezwungen und eine kollektive Zufriedenheit stellt sich ein.

Green Cities und kulturelle Vielfalt

Tropische Sommer schaffen Notwendigkeit, Städte zu begrünen. Auf den Dächern sprießen Blumenbeete, unzählige Bäume werden gepflanzt und urbane Gärten sind an jeder Ecke gern gesehen. Die Fassaden sind grün und erinnern erinnern ans Paradies. Die Städter lernen, mit der Natur im Einklang zu leben und entwickeln die Fähigkeit sich auf Veränderungen positiv einzustellen und das beste daraus zu machen.

Die Begrünung der Städte bringt auch mehr Arbeit: Gärnter und Floristen werden zu den beliebtesten Jobs, die Tätigkeit im Freien, im Warmen und Grünen schürt das Glücksgefühl. Ein jedes Hochhaus besitzt seinen eigenen Garten und die Gemeinschaft wechselt sich in Nachbarschaftlicher Zusammenarbeit ab.

Und es gibt ausreichend Zeit dafür: Die durch Überflutung der Küstenländer angestoßene Flüchtlingsbewegung lassen Dörfer und Städte einerseits kulturell diverser werden (exotische Küchen werden noch beliebter!) andererseits folgt der Ruf nach Arbeit. Die Regierung entscheidet sich dafür, die Arbeitszeit zu halbieren – bei gleichem Lohn. Die Arbeitslosenrate sinkt fast auf Null. Neben ihrer eigentlichen Tätigkeit, gehen die meisten Menschen nun auch noch einer Gemeinnütziger Arbeit nach, was den Pflegebereich deutlich aufwertet und die Steuern erleichtert.

Alle leben gesünder

Nicht nur die salzige Meeresluft macht die Leute gesünder, sondern auch frische Luft und eine angenehme Beschäftigung in der reinen und guten Natur. Nicht zu vergessen, halbierte Arbeitszeiten und ein Ausbleiben kapitalistischer Zwänge, die das Genießen des eigenen Lebens erst wieder möglich machen. Die Gemütlichkeit, die mit der Wärme mitschwingt, lässt sie den einstigen, alltäglichen Stress vergessen und der Mensch besinnt sich wieder auf das, was wichtig ist: Die Zeit, die gegeben wurde, zu nutzen.

Im Jahre 2100 wird es kaum mehr Krankheitsfälle geben, außer kleinere Schnittverletzungen, die durch Unachtsamkeit beim garteln passieren. Krankenkassen, die sich lediglich um den Inhalt der Geldtasche des Kranken sorgen, werden abgeschafft. Die sanfte Hitze sorgt nicht nur für angenehme Gemüter, sondern auch für weniger Unfälle: Das Fehlen von Wintern und Schnee lässt Skiunfälle gänzlich verschwinden, sowie frostige Straßen, auf denen die Leute ausrutschen können. Es gibt keine Lawinengefahren mehr und auch keine jährlichen Überschwemmungen. Auch sinken die Heizkosten und das Wohnen wird gänzlich günstiger.

Die Menschheit wird zunehmend gesünder und der fatale Wunsch, Menschen künstlich verbessern zu wollen, gerät in den Hintergrund und schließlich in Vergessenheit. Die Wissenschaft konzentriert sich wieder auf das wirklich wichtige: Die Erkundung des Weltalls. 2032 fliegt eine bemannte Mission zum Mars, welcher 2103 kolonisiert wird.

Fazit

Mögen Klimaschützer den Teufel an die Wand malen; der Klimawandel, so schrecklich die Medien seine Fratze zeichnen, wird das Gute hervor bringen – die Natur wieder im Einklang mit ihren Kindern, den Menschen und Tieren, leben und ihnen alle Möglichkeiten schenken, die sie zu einem guten Leben brauchen.

Überstehen wir die aktuellen Katastrophen, erwartet uns eine blühende und strahlende Zukunft!

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