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Schwarzer Humor in der Werbung?

„Späße sollten ein Greuel für jeden Werbefachmann sein, der genau weiß, daß sich ein dauerhafter Erolg kaum auf Frivolitäten aufbauen läßt und daß niemand von einem Clown kauft.“ – David Ogilvy

Was darf Humor? Oder anders gefragt: was darf schwarzer Humor? Wie weit darf Humor in der Werbung gehen und wie sehen die Grenzen dabei bei schwarzem Humor aus? Nehmen wir Produkte ernst, wenn der Tod für sie wirbt beziehungsweise, wenn der Tod eine tragende Rolle spielt?

Zum Humor allgemein

Humor ist ein Kulturspezifisches Phänomen. Den deutschen Humor erkannt man daran, dass es ihn nicht gibt und wohl bekannt ist auch der trockene britische Humor, der nicht jedem zugänglich sein mag. Abhängig von Kultur, Moral und Religion werden gewisse Themen tabuisiert oder darüber gelacht. Auffallend aber, je autonomer die Kultur und je selbstironischer das Selbstverständnis ist, desto eher ist man auch dem Humor zugänglich.

In der Werbung wird Humor oft mit Witz, Wortspiel, Ironie, Übertreibung oder Überraschung assoziiert. Die Grenze zwischen Originalität und kognitiver Aktivität und affektiver Reaktion sind dabei fließend. Während kognitive Aktivität eine gewisse Intelligenz voraussetzt, reduzieren sich Werbungen, die auf affektive Reaktionen abzielen auf aggressive oder sexuelle Themen.

Humor in der Werbung

Wendet man sich genervt ab und identifiziert das Produkt aufgrund der inzwischen ausgeschlachteten Witze, spricht man vom Wear-Out Effekt: Was einst originell war, kann bei inflationärer Verwendung ins Gegenteil umschlagen. Besonders Werbung, die häufig im TV oder Radio gespielt wird, unterliegt dieser Gefahr. Der Wear-Out-Effekt beschreibt somit die Abnutzungserscheinungen von Werbewiederholungen

Werbung kann zwar die Sympathie für das Produkt und die Marke steigern, dennoch besteht die Gefahr, dass kreative Werbung zu sehr ablenkt. Je kreativer die Werbung, desto größer die Distanz zum Produkt. Nimmt der Witz der Werbung mehr Aufmerksamkeit in Anspruch, als das beworbene Produkt, spricht man vom Vampireffekt.

In allen Fällen ist wichtig, dass Werbung so gestaltet wird, dass sie sich aufgrund des Überangebotes von den anderen abhebt.

Für den Werbenden ist wichtig, eine positive Stimmung zu erzeugen und die Quelle der Botschaft aufzuwerten. Das „mögen“ des Witzes überträgt sich auf das „mögen“ des Produktes und/oder den Hersteller. Aber Vorsicht: Die Glaubwürdigkeit kann dadurch auch beeinträchtigt werden. Glaubwürdigkeit ist u.a. auch ein Resultat von Sympathie, aber: Wer kauft schon gerne von einem Clown.

High-Risk und Low-Risk Produkte

Es gibt Produkte, deren Ideal, deren Vorstellung und Message, die sie transportieren möchten, täte Humor nicht gut

high-risk Produkte sind hochwertige Produkte, deren Anschaffung sehr kostenintensiv sind. low-risk Produkte werden für den alltäglichen Gebrauch gekauft und sind mit niedrigen Kosten verbunden. Diese werden erneut unterschieden zwischen expressiven Produkten, welche ein hoher emotionaler Wert beiliegt, sowie funktionale Produkte die mit Nutzen verbunden sind.

So wären in diesem Fall Versicherungen, Computer und Kühlschränke, in diesem Fall funktionale und high-risk Produkte und bspw. Designer-Kleidung wie Prestige-Objekte expressive und high-risk Produkte, also mit Emotion verbunden. Grundnahrungsmittel und Körperprodukte fielen in die low-risk Sparte mit funktionalem Gebrauch. Genussmittel wie Wein, Zigaretten oder Süßwaren wären expressiv in ihrer Funktion und von geringem Risiko.

Schwarzer Humor und der Tod

Der Begriff „schwarzer Humor“ wurde 1940 vom französischen Surrealisten André Breton via der Anthologie „De L’humor noir“ in den Sprachgebrauch eingeführt. 1971 schrieb der Essayist Francois Bondy, der „schwarze“ Humor sei nicht zu verwechseln mit dem aus den Staaten stammende „sick jokes“, dem „kranken Humor“. Dies käme einer Abwertung gleich. Dennoch ist der Begriff schwierig zu definieren, da nach dem 2. Weltkrieg viele Kunstformen damit tituliert wurden. Oftmals jedoch assoziierte man die Farbe „schwarz“ und deren Anhänger wurden wie Aussätziger behandelt. Lexikalisch gilt diese Art der Humorform als zynisch und makaber.

Mit Humor betrachtet der Mensch auf eine ihm angenehme Weise die Welt. Dieser Humor ist freundlichen Umganges. Mit schwarzem Humor präsentiert sich die Wesensart einer Minderheit. Das wichtigste Merkmal ist die Fähigkeit, unter vielfach schwierigen Bedingungen eine von der Normalität abseits liegende Perspektive anzunehmen. Er führt also die „abseitige“ Welt vor Augen.

Er hat demzufolge nichts mit negativer Weltsicht oder Misanthropie zu tun, sondern mit der Frage nach Schein und Sein. Es wird die Echtheit der Erscheinung geprüft. Schwarzer Humor greift Vertrautes und Verlässliches wie unter Tabu stehende Themen. Schwarzer Humor übernimmt eine gewisse Aufgabe, die das wichtige und wirkliche Sichtbar macht.

Wenn es also beispielsweise in einer Automobil-Werbung darum geht den Tod auszutricksen, wird der Sicherheitsaspekt des Produktes potenziert. In diesem Falle ist eine gewisse Intelligenz von Nöten um den schwarzen Humor zu erkennen und seine Anliegen zu verstehen. Er agiert als kritische Instanz und nimmt der Darstellung den Ernst und beseitigt die Gefahr.

Folgt man dieser Interpretationsweise, so ist die Verwendung der Farbe „schwarz“ (in westlich geprägten Ländern) adäquat was den von ihm thematisierten Inhalt betrifft. Dieser Art Humor und der Kritik kommt es darauf an, die im Dunklen gelegenen Phänomene ans Licht zu zerren. Mit Umweg über negative Sichtweisen, wird versucht das wesentliche zu erreichen. Schwarzer Humor ist also weder zynisch, noch sarkastisch, sondern besitzt eher apologetischen Charakter

Inwieweit darf provoziert werden?

Was nun die Provokation betrifft, ist folgendes zu sagen, dass auch hier unterschieden werden muss und sollte zwischen „Provokation“ und lediglich „geschmacksloser“ Inszenierung. Sicherlich, beides beschafft Aufmerksamkeit, wobei erstere sich an die Intelligenz wendet, an die wie bereits erwähnte kognitive Aktivität, und sich nicht an die affektive Reaktion richtet, der mit geschmacklosen Inszenierungen eher gedient wäre.

Der Tod

Medien und Tod gehen Hand in Hand. Keine Nachrichtensendung und Zeitung kommt ohne Berichte über den Tod oder lebensbedrohliche Situationen aus. Ethische und fiktionale Darstellungen in der Popkultur thematisieren Sterblichkeit in unterschiedlicher Weise. In den Massenmedien dient der Tod als Spektakel und führt zur Millionenauflage.

Auch in der Werbung findet man den Tod häufiger als gedacht: So beschäftigten sich besonders Automobil-Werbungen, Versicherungen, Bier, Telefongesellschaften und Bestattungsinstitute. Die Verwendung des Todes in der Werbung ist Kultur unabhängig, was auch mit dem Trend zur Globalisierung zu tun hat.Internationale agierende Unternehmen haben einen Wettbewerbsvorteile, als jene die nur national agieren. Folgend wirkt sich dies auf eine Standardisierung der Werbung aus. Die Unterschiede zwischen den Kulturen werden durch Kenntnis anderer Kulturen ausgeglichen, woraus sich eine Homogenisierung ergibt.

Auto-Werbungen und der Tod

Gerade bei Autowerbungen müsste man meinen, stehe das Leben und die Sicherheit an erster Stelle. Der Hersteller möchte mit seinem Produkt zur Lebenssteigerung beitragen und nicht zu dessen Beendigung.

Automobil-Werbungen zählen zu den high-risk und expressiven Produkten. Demzufolge sollte Humor dezent verwendet werden. Man konsumiert diese als Statussymbol und Prestige. Je nach Kultur jedoch dient das Automobil als Luxusobjekt, wie in Japan oder als Gebrauchsgut wie in den USA.

Die südkoreanische Automobil Firma Hyundai fiel in den letzten Jahren mit zwei Clips auf. Zum einen mit „Death“ und zum anderen mit „Pipe Job“, einem Suizid-Spot.

„Pipe Job“ wurde für den britischen Markt entworfen und zeigt einen Mann, der versucht via CO2 in seiner Garage zu suizidieren. Dieser jedoch schlägt fehl, da der neue „ix35“ über eine 100% Wasseremission verfügt.

Die Reaktionen waren überwiegend negativ. Eine Bloggerin, deren Vater sich mit dieser Methode das Leben nahm, veröffentlichte seinen Abschiedsbrief und prangerte die Werbung an. Hyundai entschuldigte sich daraufhin und versprach die Werbung vom Netz zu nehmen bzw. in keinem bezahlten Medium mehr zu präsentieren#

Auch wenige Jahre zuvor hatte Hyundai kein Glück und „Death“ wurde in Holland verboten.

Der Ein Mann fährt ein Mädchen nach Hause, der Tod lauert in Gestalt des Grim Reapers bereits auf sie. In der ersten Sequenz wird sie überfahren, da sie auf Straßen-befahrener Seite aussteigt. In der zweiten Sequenz, diesmal mit dem promoteten Modell, steigt sie sicher auf der Seite des Gehsteiges aus, da auf der anderen Seite keine Tür ist. Der Tod wurde ausgetrickst.

Im Vergleich dazu der Spot „Sorry“ von Mercendes-Benz der ein Jahr davor lief. Ein Mann fährt in der Winterlandschaft, der Tod sitzt in Gestalt plötzlich neben ihm. Der Fahrer starrt den Tod unfassbar einige Sekunden an. Plötzlich sagt dieser: „Sorry“. Knapp vor den Bäumen, die auf der Straße liegen, stoppt der Fahrer und sagt ebenfalls: „Sorry“. Der Clip endet. Erneut wird der Tod ausgetrickst. Worauf sich hier allerdings die User fragen ist: ist die Ähnlichkeit des Todes mit Ferdinand Karl Piëch, der österreichische Manager und Großsanktionär von Porsche gewollt? Der Tod selbst geht bei dem „Augenzwinkern“ unter, der Spot erfuhr großteils positive Kritiken. Als Tod wird diese Figur nicht mehr wahrgenommen, da sie ein bekanntes Gesicht trägt, dass in bestimmter Beziehung zum Werbenden steht.

Ein weiteres, wenn auch inoffizielles Beispiel ist das Ergebnis des Nachwuchsfilmpreises First Steps der unter anderem von Mercedes gesponsert ist. In diesem umstrittenen Kurzfilm wird Hitler bereits als kleines Kind in seinem Dorf überfahren. Dass es sich dabei um Hitler selbst handelt, ist zum einen Interpretationsfrage, denn die Mutter ruft: „Adolf!“ der Fahrer verlässt Braunau am Inn. Als Schlusssatz dient: „Erkennt gefahren, bevor sie entstehen.“ Eindeutig zweideutig. Zum anderen lebte Hitler lediglich bis zu seinem 3. Lebensjahr in Braunau laut der offiziellen Seite der Stadt Braunau. Der überfahrene Bub muss mindestens fünf gewesen sein.Der Hersteller selbst war jedoch nicht sonderlich über den Film erfreut und bestand auf eine deutliche Kennzeichnung, dass dieser Spot nicht mit Mercedes selbst in Verbindung stehe. Dieses Beispiel könnte auch dezent als Vampir-Effekt dienen, da ein jeder diesen Spot zwar kennt, aber niemand die Marke damit in Verbindung bringen kann.Zur Analyse: Der Tod in Gestalt des Grim Reapers wird auf der einen Seite positiv aufgenommen, wobei das Augenmerkmal hier auf den Darsteller des Todes fällt und ein Augenzwinkern mit einfließt, dass dem ganzen die Spannung nimmt. Hyundai steht demgegenüber in Kritik. In beiden Clips jedoch wird der Tod ausgetrickst. Während es sich in „Pipe Job“ um Suizid handelt, geht es im Kunstprojekt wohl eher um Mord.

Lebensmittel und der Tod?

Es ist Heiligabend. Ein alter Mann diniert alleine. Die Familie schafft es wieder nicht, den Vater zu besuchen, aber nächstes Jahr bestimmt. Er beschließt seinen Tod vorzutäuschen. Nachdem die Familienmitglieder die Mitteilung erhalten haben, tauchen sie bei der Beerdigung auf und er sagt: „Wie hätt ich euch denn sonst alle zusammen bringen sollen?“ Sie speisen in voller Freude und der Clip endet.

Nur wenige Tage nach Ausstrahlung wurde „Heimkommen“ heftig diskutiert, pietätlos und auch die Manipulation des Großvaters wird kritisiert. Andere Leute fühlen sich schuldig, besonders auch weil Weihnachten im Bewusstsein der Menschen von „Zusammengehörigkeit“ geprägt ist.Sähe man diesen Clip nun als „schwarzen Humor“ oder als Provokation? Der zweite Clip der Firma Edeka, „Sensenmann“, um eine Minute kürzer, die üblichen 30 Sekunden inszeniert den Tod als Sensenmann, als Grim Reaper: Der Sensenmann erkundigt sich bei einem Mitarbeiter nach bewusste und ausgewogene Ernährung. Dieser zeigt ihm darauf alles und endet mit: „Damit bleibt man bis ins hohe Alter Gesund und fit“ und der Sensenmann frägt: „Und was soll ich dann machen?“ Der Mitarbeiter antwortet: „Umschulen?“

Sähe man diesen Clip nun als „schwarzen Humor“ oder als Provokation?

Was aber, wenn bereits tote Menschen für ein Produkt werben?

Wenige Wochen vor seinem Tod drehte der Sänger und Whiskey-Liebhaber der Band Motörhead noch einen Werbespot für Milch. Die finnische Molkerei Valio hatte den Briten engagiert; die Agentur veröffentlichte nun 40 Sekunden daraus als eine Art posthumane Ehrung. Sähe man dies als „schwarzen Humor“ oder als Provokation?

Deutlich ist, dass alle drei Clips von der Ausgangslage nichts mit dem des anderen zu tun haben.

Zielt ersterer auf Gemeinsamkeit ab, gesponsert von Edeka – trickst der zweite den Tod aus und stellt sich ihm keck in den Weg. Der dritte dient als posthumane Ehrung.Allen gemeinsam ist, dass sie sich a) um low risk Produkte handeln, in ersterem Fall einer Firma die funktionale und expressive Produkte anbietet, im dritten lediglich funktional und b) den Tod in irgendeiner Weise thematisieren.

Abschließend

Darf man mit dem Tod werben? Ja. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Ich fand die Clips lustig, amüsant und unterhaltend. Sie regen zum Nachdenken an und provozieren. Gleichzeitig vermitteln sie, besonders bei Autowerbungen – wie nah der Tod eigentlich tatsächlich ist. Wir bewegen uns 160km/h in einer Blechbüchse entlang und glauben, komplett sicher zu sein? Es darf auch nicht die Meta-Ebene vergessen werden, die besonders hinter den Auto-Spots steht.

Quellen

  • Wolf-Bertram von Bismarck / Stefan Baumann: Markenmythos, Verkörperung eines attraktiven Wertesystems IN: [Hrsg] Peter Lang: Europäische Hochschulschriften, Reihe V, Volks- und Betriebswirtschaft, Bd./Vol. 1791, Frankfurt am Main 1995.
  • André Breton: Anthologie des schwarzen Humors („Anthologie de l’humour noir“). Rogner und Bernhard, München 1979.
  • Harald Erbeldinger, Christoph Kochhan: Humor in der Werbung. Chancen und Risiken IN: Michael Jäckel [Hrsg.]: Umworbene Gesellschaft. Analysen zur Entwicklung der Werbekommunikation, o. A.
  • Klaus Feldmann: Tod und Gesellschaft: Sozialwissenschaftliche Thanatologie im Überblick, o.A.
  • Michael Hellenthal: Schwarzer Humor. Theorie und Definition, Essen 1989.
  • C. Hoffstadt, F. Peschke, M. Nagenborg, S. Müller, M.Möller [Hrsg.]: Der Tod in Kultur und Medizin IN: Aspekte der Medizinphilosophie, Bd. 14, Bochum/Freiburg 2014.
  • Klaus Moser: Markt und Werbepsychologie, Hogrefe 2002.
  • Wendelin G. Müller: Interkulturelle Werbung, Heidelberg 1997.
  • Volker Nickel: Schläge mit dem Werbehammer. Über die neu Qualität des Prinzips Provokation, Vortrag gehalten in Düsseldorf 1998.

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Notre Dame, das Internet, und alles andere

Wenn mich etwas immer wieder erheitert, dann ist es die menschliche Dummheit. Nicht unbedingt die des einzelnen, wobei die Entscheidung die der einzelne trifft, natürlich zu solch verzwickten Situationen führen kann, mehr jedoch die kollektive Gesinnung: Schützen wir Künstler! Ja! Reformieren wir das Urheberrecht! Ja! Installieren wir Uploadfilter! Ja! … Wait, What? Exakt. You get the point.

For Example:

Tja, das passiert eben, wenn alte Dudes Sachverhalte entscheiden dürfen, von denen sie keine Ahnung haben. Und nein, dies wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern.

Ihr wisst ja auch, wenn man „Google“ bei Google eingibt, kann es das Internet zerstören. Fast kommt es einer griechischen Tragikomödie gleich, wenn die Verantwortlichen durch Artikel 13 und Co. tatsächlich das Internet „löschen“ wie es einst war. Die sich darauf beziehenden Memes sind berechtigt und zeichnen sich durch einen zynischen und frisch aus der Realität importierten Nebengeschmack aus. Sicherlich, die glorreichen Zeiten von Napster und Co. sind lange Geschichte, und wie das mit den Uploadfiltern dann tatsächlich aussieht, kann keiner sagen, denn Zitate, Satire und Memes fallen unter Zensur (wie soll der Filter wissen was Original Content und was ein Zitat ist?). Vermutlich wird sich jedes Land seine eigene Auslegung zurecht stutzen, und somit wird sich (vermutlich) im großen und ganzen nichts ändern oder aber das Internet bricht zusammen: alle Server explodieren zeitgleich, ganze Städte werden im Feuer untergehen und alles was wir je online hochgeladen haben, wird für immer verschollen sein. Die Leute müssen wieder anfangen, sich im Real Life zu verabreden und die Menschheit stirbt aus. Hmm..

Auch gehe ich davon aus, dass emsige Anwälte des freien Internets bereits jetzt schon den Fall für den europäischen Gerichtshof (EuGH) vorbereiten, der auch die Vorratsdatenspeicherung wieder aufgehoben hatte.

Aber bleiben wir bei Notre Dame. Denn darum ranken sich bereits jetzt Mythen und Legenden, wie es denn zum Brand kam und manche sind der Meinung, Daenerys Targayren habe was damit zu tun. Wenn überhaupt, dann der Night King oder Cersei Lannister, aber nicht Daenerys.

Es gibt mittlerweile so viele Meinungen und Aussagen rund um den Vorfall, dass es besonders in diesem Falle ist, die Realität von Fake News unterscheiden zu können. Ein Scroll durch Twitter reicht aus, um zu wissen was ich meine.

Auch interessant (und sehr sehr cool), dass Ubisoft bis zum 25. April Assassins Creed Unity gratis(!) hergibt: Die Reihe spielt in Paris und ein jeder solle in den Genuss Notre Dames kommen, welches für die nächsten 5 bis 6 Jahre verschlossen bleiben soll. Da Notre Dame für das Spiel sehr umfangreich katalogisiert wurde, wird dieses auch beim Wiederaufbau behilflich sein können. In your Face, Game-Bashers!

Bereits 850(!) Millionen Spendengelder haben sich gefunden – und man frägt zurecht, wie schnell das Übel der Welt beseitigt werden könnte, wenn sich ALLE reichen Menschen zusammen tun und spenden würden. Wird wohl auf ewig ein theoretisches, experimentales Gedankenspiel bleiben und statt etwas mehr Geld für Arme und Bedürftige klar zu machen, wird ihnen einfach a bissl mehr weg genommen, gell Österreich? Shame on you.

Und zu guter Letzt: Eine Aufnahme vom Gratis-Orgelkonzert von vor zwei Jahren in Notre Dame.

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Fragen ohne Antwort #212

Schau! Ein Lückenfüller! Thx Passion of Arts. Die Fragen stammen diesmal von FUJAY.

1. Wonach hast Du Dich als Kind immer gesehnt, durftest oder konntest es aber erst als Erwachsene(r)?
Das ist eine gute und schwere und interessante Frage. Hmm.. Es ist eine verdammt schwere Frage. Ich gestehe, ich habe keine Ahnung! Ich hatte als Kind recht viele Freiheiten und wenig Verpflichtungen.

2. Aus welchen Filmen hast Du Weisheiten für das Leben abgeleitet?
Pump up the Volume, Heathers, Reality Bites, … (wenn mir im Laufe der nächsten Tage noch welche einfallen, werde ich sie nachtragen – aber es gibt sicherlich noch viele weitere).

3. Welche Filme haben Dich nachhaltig beeinflusst?
Siehe Frage 2.

4. Warum schaust Du Filme?
Langeweile, Interesse, weil sie sich anbieten. Warum tut man überhaupt Dinge? Gibt es immer einen Grund, warum man Dinge tut? Manchmal tut man einfach Dinge weil man sie tut, nicht? Muss alles mit einem Grund versehen sein? Ich meine, ja, eh, aber nein.

5. Was muss ein Film haben, damit er eine gute Bewertung von Dir bekommt?
Creature-Feature. Putzige Roboter. Leider oft ausreichend, um meine Bewertung um mindestens zwei Punkte zu verbessern. Eine Hauptdarstellerin, deren Charakterentwicklung nicht durch einen männlichen Protagonisten bedingt ist, gewinnt auch viel. Sowie hübsche Raumschiffe. Sicherlich, wenn der Film mich emotional berührt oder besonders gut inszeniert ist, gefällt er auch. Oder wenn das Haustier überlebt. Ein Filme bekäme eine so unendlich schlechte Wertung, ließe er das Haustier sterben.

6. Wie wichtig ist Filmmusik für Dich auf einer Skala von 1-10 und warum?
Ein guter Soundtrack ist definitiv wichtig. Den Soundtrack von The Umbrella Academy befindet sich auf meiner Frühlings-Playlist und wird rauf und runter gehört. Run boy run, this world is not meant for you … One is the loneliest number.. Never, ever tear us apart. I, I was standing..

7. Nach welchen Kriterien entscheidest Du, ob Du Dir einen Film ansiehst oder nicht?
Ich schaue vieles. Also kann auch der Zufall entscheiden, die Langeweile, meine persönliche Stimmung, schlechte Nachrede oder Empfehlung. Auch schlechte Filme sind ein Erlebnis für sich und können für einen Blogbeitrag verwertet werden. Im Kino sitze ich die Stunden ab, auch wenn der Film langweilig ist – Zuhause wird er pausiert und nicht mehr weiter geschaut. Ich überlege, ob ich für all die angefangenen Kritiken und Einträge eine extra Kategorie einführen soll, wäre doch schade, wenn die Arbeit gänzlich sinnlos gewesen wäre…

8. Über welche Medien schaust Du Filme? Bluray/DVD, Kino, Streaming, TV? Welches Medium nutzt Du davon am häufigsten?
Streaming, Kino. Ich mag Kino.

9. Gab es schon einmal einen Film, bei dem Du Dir nach Betrachtung die Frage gestellt hast, ob die Macher des Filmes verrückt sind?
Gab es sicherlich, nur fällt mir aktuell keiner ein.. Anders gefragt: Sind nicht alle Filmschaffenden irgendwo verrückt?

10. Kannst Du Dich an Deinen ersten Kinobesuch erinnern? Wenn ja, welcher Film war es und wie alt warst Du da?
Ja, kann ich. Ich erinnere mich besonders an einen Pastellfarbenen Plastik-Vorhang auf der Seite, und dass wir recht weit vorne saßen, aber seitlich, was mich damals schon gestört hatte. Und nein, ich werde nicht sagen, welcher Film es war – man könnte auf mein Alter schließen und das muss unter allen Umständen geheim bleiben. Das Überleben des gesamten Universums hängt davon ab!

11. Wenn Du die finanziellen Mittel dafür hättest und sogar die passende Immobilie, würdest Du ein Kino eröffnen? Egal ob ja oder nein, warum?
Hmm…  Nein, ich würde die finanziellen Mittel in ein Pferd und Stall investieren oder in Reisen.

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Twitter’esk und ohne #, No.03

Ein weiteres Merkmal von Twitter scheint das Thema „Free-Tv“ zu sein. Viele Twitter-User finden sich wöchentlich zusammen, um quasi gemeinsam eine Sendung im Free-Tv anzusehen. Dabei interagieren sie oft nur via Likes und Retweets, selten aber, dass sich eine Diskussion über das Gesehene in den Kommentaren ergibt – wie auch, immerhin läuft die Sendung derweil weiter, und es gelingt höchstens, dass man am zweiten Bildschirm etwas twittert. Es bleibt keine Zeit, sich auch noch darüber zu unterhalten. Sind Tweets die Selfies von Twitter?

Sie schauen 3Sat, ORF und arte; manchmal auch Pro 7 oder finden sich zu einer bestimmten Sendung zusammen. Darin besteht für manche übrigens auch der Reiz von Free-Tv-Sendungen. So meinte jemand: „Ich würde so doofe Serien niemals streamen (sprich: aktiv abrufen), sie müssen mich verführen, indem sie einfach gesendet werden – das ist der Reiz des klassischen Fernsehens.“ Es ist übrigens fast unmöglich, auf Twitter etwas wieder zu finden, wenn man nicht bereit ist, mindestens 15 Minuten seiner Zeit mit scrollen zu verbringen..

Ein interessanter Ansatz also: Verführung via Passivität. In einer Zeit des Überangebotes mit Streaming-Diensten, die allzeit bereit und immer verfügbar sind (solange im Angebot, aber für den Moment scheinen sie, als sei es für immer), ist es offenbar tatsächlich der Reiz des Vergänglichen (die Sendung wird zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Sender ausgestrahlt), wenn nicht auch gewisse Erinnerungen an die bittersüße Vergangenheit – an eine Zeit, in der man noch nicht so viele Entscheidungen selbst treffen musste. Lethargie vor Autonomie?

Zurück zum eigentlichen: Twitter und Free-Tv. Ich stelle mir dann abwechselnd zwei Szenen vor:

Einerseits Menschen, die daheim auf ihrer Couch sitzen, das Telefon in der Hand haben und über das gesehene twittern. Mit dem Telefon! Wie solle er denn die Tweet-Frequenz aufrecht erhalten, wenn er am Telefon tippte – meinte einst jemand auf meine Frage. Nein, diesen Tweet finde ich nicht mehr.. es würde mich wohl Stunden kosten, so lange ist das her.

Meist ist es, in meiner Vorstellung eine tolle Wohnung, geschmackvoll eingerichtet, eine angenehme Couch steht neben der Heizung und ich stelle mir vor, man finde sich dort ein (Free-Tv ’n Chill) und die Person sagt: „Wart kurz, ich muss das schnell twittern.“ Es drängt sich die Frage in den Raum, was diese Person noch alles twittern würde – folgend würde ich das Profil stalken und vielleicht ebenfalls anfangen zu twittern. Und dann säßen wir beide da, das Telefon in der Hand habend und über das gesehene und gelesene twittern, sich gegenseitig antworten, und nichts mehr von dem mitbekommen, was im Free-Tv läuft. Twitter ’n Chill?

Und andererseits stelle ich mir alle Twitter-User, die über ein bestimmtes Tv-Thema twittern, in einem großen Raum vor, auf einer Couch sitzend, die ab und an auf den Bildschirm schauen und derweil ihre Eindrücke ins Telefon tippen. Viele Gesichter, die abwechselnd vom Schein des Telefons oder des Fernsehers bestrahlt werden. Manchmal weicht die Vorstellung ab und sie sprechen auch miteinander, aber nicht viel. Es sind dann ganz unterschiedliche Personen, die ganz anders aussehen, als wie man sie sich vorstellt. Aber generell twittern sie.

Und ich wundere mich immer: Wie zum Teufel machen die das? Schon wenn ich Notizen bei Serien mache, muss ich aufpassen, dass ich nichts verpasse. Und bei Twitter muss der Spruch sitzen, die Rechtschreibung (sollte) korrekt (sein) und das ganze sehr schnell passieren. Binnen in Sekunden, sonst geht der Witz verloren. Und dann ist da der Zuschauer, der binnen dieser Sekunde seinen Browser aktualisieren muss, um den Witz zu sehen und zu verstehen, und überhaupt! Wie machen das die Leute? Und andererseits, warum? Wobei, letzteres lässt sich einfach beantworten: Twitter ist eine Social-Media Plattform, eine weitere Möglichkeit der Selbstdarstellung und wer zu hässlich oder eitel für Selfies auf Instagram ist, der twittert. Oder so.

Das letzte mal als ich einer Free-Tv Sendung beiwohnte, war es The Bachelorette mit Madame (8) und es war einmal. Und es war schrecklich. Und ich tweetete darüber. Und niemanden hats interessiert. Niemanden! Viel spannender als die Sendung an sich, fand ich die Werbeeinschaltungen. Wer denkt sich sowas aus? Und wie viel verdienen die Leute dabei? Und warum sind sie so dumm? Und warum hat die Werbestrategie oft nichts mit dem Produkt zu tun? Haben die alle kein Marketing studiert? Sogar ich weiß mehr als mancher dieser Werbefutzi scheint mir.

Doch, einen Retweet gab es. Von einem Account, der wahllos Tweets retweetet. Meine lieben Leser, wenn ihr euch wirklich unbeachtet fühlen wollt.. twittert.

Kurz um und zusammenfassend: Free-Tv ist ein wesentlicher Bestandteil von Twitter. Und es macht Sinn: Müsste man sich zum streamen verabreden, was via Tweets sehr mühsam ist (denn ein „slide“ in die „Dms“ (direct messages) wäre quasi die Second Base und so weit will man ja wirklich nicht gehen..), käme man nicht voran. Einfacher (und verlockender) ist es, sich gemeinsam und doch unabhängig eine Free-Tv Sendung anzusehen und wenn man Glück hat, sich sogar danach noch darüber unterhalten – bis vier Uhr morgens. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Thread irgendwann stirbt, oder, noch wahrscheinlicher, dass man gänzlich unbeobachtet bleibt..

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Woche #1904 – Newsfrei

Der Wochen- beziehungsweise Tagesbeitrag hatte sich in der Vergangenheit unter anderem auch Politik-Bashing beschäftigt. Warum? Weil die aktuelle Lage einfach zum Haare raufen ist. Nicht nur im Alpenreich, sondern überhaupt.

Irgendwann war es mir zu mühsam – generell. Ich hatte angefangen, die Gesichter von diversen Politikern via Plugin durch Katzenbilder ersetzen zu lassen und nach langen Wochenenden, die ich ausschließlich draußen verbrachte, habe immer wieder bemerkt, dass meine Gesamtstimmung einfach besser ist. Und dies ist nicht nur der frischen Luft, den Tieren oder der Sonne zuzuschreiben. Sondern auch der kurzweiligen Abstinenz von Social Media und dem Internet sowieso.

Immer dann, wenn sich Vormittags die Möglichkeit ergab zu scrollen, keimte der Menschenhass, die Abneigung gegen die eigene Spezies und generelles Unwohlsein. Kurzum: Mein Befinden war schlecht, und ein gewisser Teil Energie dahin.

It’s a mad world

Jeden Tag mit schlechten oder irrwitzigen Nachrichten zugemüllt werden – und sicherlich, als erwachsener Mensch sollte man ausreichend Abstand nehmen können und sich denken: „Jo, mei.. is halt so“ – war mir zuviel. Wenn ich schon bei der täglichen Kommunikation entscheide, ob und wann ich diese führen will (alles ist auf Lautlos, keine Vibration, keine Benachrichtigung durch Blinken oder Anzeige), dann auch, wenn ich mich schlecht fühlen oder über den Irrsinn der Menschen wundern will. Ich entscheide.

Lustig, aber eigentlich auch nachvollziehbar, dass dieses Bedürfnis zu einer Zeit entsteht, in der uns Technik alle Entscheidungen abnehmen möchte. Du weißt nicht, wen du daten sollst? Gib deine Informationen ein und wir sagen es dir! Du weißt nicht, was du kaufen sollst? Aufgrund dieser oder jener Angabe, halten wir Produkt X für das für dich geeignetste!

Die Lösung?

Sämtliche Newsportale und auch feministische Seiten wurden ent-abboniert, sowie Menschen, die überwiegend schlechte Nachrichten verbreiten. Lediglich die ZEIT Online darf bleiben, sowie Katzen-, ein-zwei Pferde- und Geekgruppen. Gruppen, in denen wenig Neid gesät und wenig Hass geerntet wird. Alles andere wurde aus meinem Feed verbannt. Alles. Auch Gruppen, deren Mitglieder mich eigentlich nervten, aber ich mir anfangs erhofft hatte, sie könnten irgendwie sinnvoll sein. Alles, was mich dazu brachte den Kopf zu schütteln oder aus dem Fenster zu springen. Alles, was mich „Meine Güte!“ ausrufen ließ. Everything.

Und das Resultat?

Ich bekomme zwar nur mehr am Rande etwas von Trump, Kurz und Strache mit – aber mein Gemüt und Befinden sind eindeutig besser. Kein Kopfschütteln mehr beim scrollen, keine Wtf-Momente – oder zumindest viel, viel seltener. Im Idealfall erhalte ich nur mehr Katzenbilder, den einen oder anderen Trailer, die eine oder andere Diskussion und nur mehr ganz selten, einen Bericht die Zustände da draußen.

Sicherlich sollte man wissen, was in der Welt abgeht – und zu einer anderen Zeit hätte ich gesagt: Ja, auf jeden Fall. Doch aktuell ist es immer das gleiche: Sozialabbau, Menschenverachtung, Hetze, Idiotie, Hass und weiß der Teufel was noch alles.

Muss man?

Ich stelle die durchaus berechtigte Frage: Muss man sich das geben? Muss man wissen, was in der Welt abgeht, wenn man es eigentlich eh schon weiß und sich nur mehr Details, Umstände und Land ändern? Muss ich jeden Tag damit konfrontiert werden, dass Mädchen (auch in Österreich) beschnitten werden? Muss ich jeden Tag lesen, dass Arme mit Füßen getreten werden, von Menschen, die sich nie zwischen dem einen oder anderen entscheiden mussten, weil sie nie in der Situation waren? Muss ich mir die trottligen Aussagen von Strache und Trump geben? Den manchmal ermüdenden Disput unter Feministinnen, den Hass und Neid unter Tierfreunden, das Mimimi aller anderen Gruppen? Muss ich mir das geben? Nein, muss ich nicht. Ergo bleibe ich für die nächste Zeit Newsfrei.

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Sport und Sexismus

Ich bin kein Sportfan.

Als kleines Mädchen übte ich Karate. Das war okay. Ich siegte bei einem Turnier 5:0 gegen meine garstige Cousine, die bereits ein erprobter Gelbgurt war, während ich noch den läppischen Weißen trug. Einst bekam ich Eislaufunterricht, voltigierte und nahm später Reitstunden, eh klar. Ich versuchte mich in Taekwondo, bis der Trainer sagte: „Geh Mädel, des heat koan Sinn, mach Ballett“ – und er sollte Recht behalten. Mit 19 begann ich und tanzte fortan jeden Abend die Woche mehrere Stunden, inklusive Auftritte. Ja, man kann mit 19 noch mit Ballett anfangen. Als ich in eine Stadt zog, in der die einzelne Tanzstunde 10€ pro Einheit sprich 45 Minuten kostete, wars vorbei. Ich spaziere seitdem, quäle mich ab und an Berge hoch und schwimme in öligen Gruben. Einige Jahre betätigte ich mich noch bei einem mittelalterlichen Show-Schwertkampfverein, verließ diesen dann jedoch wieder. Aktuell reite ich. Immerhin etwas.

So manche (leider nicht jede) universitäre LV-Einheit birgt wahrlich interessante Themen und Diskussionen. Eine Stunde im Kurs „Medienrealität“ befasste sich mit Sport. Ich war angewidert und gelangweilt. Doch die Referentinnen legten Wert auf die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern. Es war interessant. Daraus entstand folgender Beitrag.

Sexismus

Sport und Sexismus gehen Hand in Hand. In der Antike wurden Frauen von sportlichen Veranstaltungen ausgeschlossen – was in manchen Ländern immer noch so ist. In bestimmten Sportarten gibt es Kleidervorschriften für Frauen, vermutlich damit die Herren sich ein wenig dafür begeistern können und wenn es sich um eine traditionelle Männersportart handelt, wie Fußball, dann heißt das weibliche Pendant „Frauenfußball“. Knappe Höschen, nicht mehr als 10cm beim Beachvolleyball, Röcklein oder Kleidchen bei der Badmintonspielerin, und so weiter und so fort. So zumindest die westliche Norm.

Schnell bildeten sich Stereotype heraus: Frauen wurden hauptsächlich in ästhetischen Sportarten wie Rhythmische Sportgymnastik, Tennis oder Schwimmen medial vermittelt, in Sportarten in denen kein direkter Körperkontakt stattfindet, während Männer, die Aggressiven sind und mit Boxen, Motorradrennen oder Fußball vermarktet werden. Der Mann wird als Held stilisiert, die Frau als galant und zierlich, beweglich und feminin. Der Mann in Bewegung und bei Ausübung seiner Tätigkeit, die Frau stillstehend, oftmals nicht erkennbar wofür sie jetzt die Medaille gewonnen hat, solange sie hübsch aussieht und lächelt. Während bei Siegesehrungen Frauen devot in die Kamera blinzeln, vermittelt das emotionalen Aufbegehren der Männer ein leistungsorientiertes Bild. Beim Sport dürfen Männer Gefühle zeigen, Frauen offensichtlich nicht.

Wie in der Realität, so auch beim Sport: Hübschere Sportlerinnen sitzen am längeren Hebel – nicht jedoch ohne Kehrseite. Anna Kurnikowa brachte „Frauentennis“ zu den vordersten Fronten der Wohnzimmer. Die Surferin Silvana Lima hingegen wurde als zu „hässlich“ befunden, sodass Sponsoren sich für sie interessieren könnten, ganz gleich ihrer sportlichen Leistung.

Sexualisierung

Wenn sich attraktive Frauen, neben ihren sportlichen Errungenschaften, auch optisch verkaufen, sei es via Shootings für eine gewisse Marke oder mit sexualisierten Inhalten mehr Gewinn abschlagen, so folgt oft die böse Nachrede wie „Selbst schuld, wenn sie sich so präsentiert, dass sie nicht mehr ernst genommen wird“ oder „Die kann ja sonst nichts“ – ganz gleich ob die sportliche Leistung Top ist oder nicht. Bei Sportlerinnen steht oftmals das Privatleben im Vordergrund, oder das Kleid das sie eben trägt, die Frisur, der Körper an sich und wie sie sich fit hält. Männer werden hauptsächlich zu ihrer Leistung und dem Training befragt. Ein Leid, dass auch Schauspielerinnen zu tragen haben.

Und sicherlich – warum in aller Namen sollte man, wenn man gewisse Kleidungsvorschriften erlässt um Männer für Frauensport zu begeistern, sich hinter her beschweren, wenn Frauen die Möglichkeit ergreifen und daraus Gewinn schlagen? Sei es Modelvertrag, Werbeclip oder was auch immer hat nichts, aber auch gar nichts mit den sportlichen Leistungen zu tun. Es ist ein Zusatzverdienst.

„Aber dann soll sie sich nicht ausziehen, wenn sie ernst genommen werden will“ – dieser Meinung bin ich als Feministin nicht, sofern man nicht annimmt, sich auszuziehen wäre eine Stärke. Doch die Gesellschaft funktioniert anders und alles Weibliche, das sich plakativ präsentiert, verliert an Gesamtwert. Seriously, wtf? Hauptsache irgendwer schreibt vor, wie sich Frauen zu verhalten haben.

Inszenierung, I

Gut. Lassen wir die Damen die „sich selbst reinreiten“-„Argumentation“ beiseite und schauen wir uns die Tatsache aus anderer Perspektive an. Wie vermarktet man, beispielsweise, Frauenfußball?

In dem man sie auf ein Feld setzt, ein paar Turnübungen absolvieren lässt und in Slow Motion die tägliche Schminkroutine zeigt, die sagen soll: Wir können beides: Hübsch sein UND Fußball spielen. Mit Augenzwinkern. Denn in einer aufgeklärten Gesellschaft gibt es Sexismus doch gar nicht mehr und „a bissl Spaß derf scho sein“.

Im Vergleich dazu die Männer, ein Spot von 2010. Heroisch, stark und unabhängig.

Inszenierung, II

Und da war noch dieses Video:

Viele Menschen finden nichts verwerfliches daran: Man erkenne ja keine Frau und es sei ja nur eine Waschmaschine, sie verstünden nicht, was jetzt so verwerflich daran sein soll. Jeder muss waschen. Und Trotzdem: Es wird vermittelt, dass es den Frauen zwar erlaubt wird zu spielen, aber dann bitte sollen sie sich wieder auf ihre traditionellen und weiblichen Fertigkeiten fokussieren. Es folgte ein Shitstorm und eine dezent veränderte Version des Videos, die den Herren beim Bügeln zeigte. Und erneut: Dadurch, dass der Mann, die oft immer noch als „Frauenarbeit“ verstandene Tätigkeit macht, wird es nicht besser.

Folgend die Neufassung:

Trotzdem: Deswegen ist Feminismus wichtig.

Nicht nur um mit gewissen Strukturen zu brechen, sondern auch um Missstände aufzuzeigen und sei es „nur“ der Inszenierung wegen, die ein weiteres traditionelles Bild der Frau im Sport zeigt und vielleicht dazu beiträgt, dass „Frauensport“ nicht ernst genommen wird, ja ihn gerade als lächerlich macht. Oder an den Seitenrand stellt und eben als „Frauensport“ bezeichnet und somit abgesondert wird, als ob es etwas spezielles ist und etwas, dass man besonders bezeichnen müsste. Als ob man nicht einfach „Fußball“ sagen könnte, und dann: „Wer spielt?“ – „Damen“ oder statt nur „Fußball“ auch ein „Herren“ oder „Damen“ davor setzen.

Sicherlich könnte man das alles mit einem „Ist ja nicht so schlimm“-Augenzwinkern abtun, als Humor und Satire, doch dabei sollte nicht vergessen werden, dass Sexismus existiert. Existierte er nicht, wäre es vollkommen in Ordnung traditionelle Muster via Satire zur verharmlosen, aber das ist nicht der Fall.

Achtet darauf, wie Frauen im Sportfernsehen, bei Veranstaltungen und in der Berichterstattung inszeniert werden und vergleicht sie mit der Berichterstattung über Männer.

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Was tun, wenn man zu viel tun möchte?

Sich zu entscheiden, womit man sich gerade beschäftigen möchte ist schwierig. Vor allem wenn es so viele Dinge sind, die man tun möchte. So fing ich vor einigen Tagen mit „No Man’s Sky“ an, weiß aber, dass wenn ich zu viel Zeit ins spielen investiere, ich nicht zum Schreiben komme – was ich seit geraumer Zeit mit viel Investition und Fleiß verfolge. Von anderen Dingen wie Taylor Swift Songs auf der Gitarre lernen oder Karikaturen für mein Kinderbuch zu malen (denn freundliche Bilder funktionieren bei diesen Geschichten nicht) ganz abgesehen..

Es sind hauptsächlich Kurzgeschichten und zwei Romane. Es stellt sich dann natürlich auch die Frage: Wie damit weiter verfahren? Interessiert sich jemand für Fortsetzungsgeschichten auf einem Blog? Oder Kurzgeschichten generell? Und wie veröffentlicht man Kurzgeschichten? Als Sammlung? Liest das wer? Kann man sich via Patreon finanzieren lassen? Und wenn ja, wie? Einen Verlag zu finden, daran mag ich aktuell noch gar nicht denken. Und es scheint mir, dass viele Autoren davon absehen, ihre Kurzgeschichten auf einem Blog zu verwerten, während viele auch der Meinung sind, dass Kurzgeschichten sowieso Schwachsinn sind und Potential verschleudere. Manche andere allerdings schaffen auch so den Sprung, was aber Werbung und Geschick erfordert und vor allem Glück. Wie also vorgehen? Selfpublishing ist zwar eine interessante Idee, benötigt aber für Lektor, Korrektorat, Cover und Umsetzung mindestens 3000€ wenn nicht mehr. Und woher nehmen, wenn nicht stehlen? Und wo gute Lektoren finden? Fragen über Fragen.

Wie dem auch sei, die Frage, um die es eigentlich geht, ist:

Spielen oder schreiben? Es wäre nicht so, dass ich an Schreibblockaden leiden würde und mich deswegen anderweitig beschäftigen sollte/wollte – vor allem da ich der Meinung bin, dass es keine Schreibblockaden gibt und der zugehörige Beitrag ist quasi schon geschrieben – aber es ist die Zeit, die nur begrenzt verfügbar ist. Die Qual der Wahl und zwar wirklich.

Die Idee „Zwei Stunden schreiben und zwei Stunden spielen“ ist lächerlich. Als Discovery-Schreiberling (wir planen nicht und unsere Geschichten entstehen im „Flow“ und nicht einmal wir wissen, wie sie enden) setzt man sich nicht einfach zwei Stunden davor. Oft sitzt man drei, vier, sechs oder acht Stunden und tippt sich die Finger wund. Und man setzt sich nicht einfach zwei Stunden vor ein Spiel wie „No Man’s Sky“ und loggt sich zwei Stunden danach wieder aus. Sowas passiert nicht. Nicht in der Realität. Das Problem ist ein reales!

Was also tun? Immerhin lässt mir die Arbeit aktuell etwas Zeit, mich um meinen Blog zu kümmern und längst vergessene Beiträge raus schmeißen, deren Relevanz schon lange kaum mehr gegeben ist. Was aber tun? Mag ich spielen? Ja! Mag ich schreiben? Ja! Was mag ich lieber? Ich weiß es nicht.

„Kümmere dich weniger um deinen Blog und schreib!“ wäre eine Idee, aber ausgeschlossen. Auch die neugierige Katze und ihre Leser verdienen Aufmerksamkeit. Außerdem sitze ich in einem öffentlichen Raum. Hinter mir könnten Menschen stehen. Und beobachten was ich schreibe. Nicht jetzt, aber sonst. Oder gelegentlich. Außerdem fehlt die Ruhe.

Ich verbleibe unschlüssig.

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Österreichs Wahlkabarett: Pensionen? Altersarmut? Anyone?

Yay, Wahlen! Wieder mal! Gefühlte 23x pro Jahr. Verzeiht mir meinen Sarkasmus, wir und besonders ich als Frau sollte(n) dankbar sein, wählen zu dürfen. Denn bis 1918 war es Frauen in Österreich untersagt, die Schweiz brauchte bis 1970, 1984 Lichtenstein und 2015 erhielten sogar Frauen in Saudi Arabien ein Wahlrecht, aber nur mit Pass – und den besitzen die wenigsten.

Anyway.

Als Sozialstaat hat Österreich, neben der Migration, die für alles Schlechte verantwortlich ist (Sarkasmus, verdammt nochmal), ein anderes wichtiges Thema: Pensionen. Genauer: Anhebung des Pensions-Alters. Dass dies in anderen Ländern Gang und gäbe ist, bedeutet jedoch nicht, dass man unreflektiert deren Strategie übernehmen muss und kann. Sowieso gibt es wichtigeres.

Denn bei dieser Diskussion wird gerne vergessen, sich Gedanken über fortschreitende Automatisierung und künstliche Intelligenz zu machen. In diesem Falle könnte man bei einer Maschinensteuer anfangen und sich entsprechende Konzepte zur Umschulung ausdenken. Fail. Sinnvoller ist es offenbar, die Arbeitslosen-Zahl anzuheben indem alte Menschen noch länger arbeiten sollen. In Österreichs Parlamenten scheint die Devise „Mehr Arbeitslose und weniger Jobs“ eine Win Win Situation zu sein. Ich verstehe das Konzept, wirklich: Mehr Arbeit, mehr Steuern, Pensionen für alle, yay! Aber die Realität wird dabei hervorragend ausgeblendet: Wer will alte Menschen im Betrieb? Niemand. Betriebe wollen junge, flexible, dynamische und verwertbare Arbeitskräfte. Aber Prinzipiell ganz gleich: Seien es 500€ Arbeitslosen oder 500€ Pension. Aber haltet ein! Wer eingezahlt hat, soll auch viel heraus bekommen. Und wer ist in diesem Falle von der Altersarmut am meisten betroffen?

Altersarmut

Frauen. Und schon kriecht die Fraktion „Aber Frauen arbeiten weniger“ oder „Sie müssen ja nicht schwanger werden“ aus ihren Höhlen. Mein Favorit bis jetzt: „Sie hätten es sich ja anders aussuchen können. Hätten sie halt die Kinderpflege aufgeteilt“. Bis in die 1960er war es Frauen kaum möglich selbst zu entscheiden. Waren sie verheiratet, hatten sie eines zu tun: Den Haushalt führen und Kinder zu gebären. Bis in die 1970er stand es einem Mann frei, den Job seiner Frau zu kündigen, wenn diese der Arbeit wegen den Haushalt vernachlässigte. 1970er!

Des weiteren war es gesellschaftliche Norm, dass die Frau daheim beim Kind und der Mann das täglich Brot verdiente (1980er) und schon posaunt der nächste: „Dann darf sich die Frau aber nicht wundern, wenn sie nichts verdient, sie hat sich ja persönlich dafür entschieden.“ Sicherlich hätte eine Frau damals – als es Norm war, beim Ehepartner mitversichert zu sein, und man davon ausging, dass der heilige Bund der Ehe ewig hält und der Mann für das finanzielle Wohl der Frau Sorge trägt – für ihr Leben selbst aufkommen können. Und manche Frauen taten das. Und wie? Schlechter bezahlt. Und selbst wenn Ehen halten, spielt sich dieser Gedanke nicht mehr. Kein Mann kann heute, wenn er nicht gerade zum oberen Prozent gehört seine Frau und Kinder ernähren. It’s too late baby, now it’s too late. Zu sagen, die Schuld läge bei den Frauen selbst, wenn diese nur Teilzeit annähmen oder beim Kind sein wollen, ist so unglaublich anmaßend, dass ich drauf und dran bin, entsprechende Beiträge zu kommentieren.

Lösungen

Aber, ich habe Lösungen: Neben einem Solidaritätsbeitrag der Reichen, die ein wenig mehr in die Kasse einzahlen und etwas weniger heraus holen, sodass Altersarmut weniger Thema ist. Des weiteren sollte man Frauen und(!) Männer, die sich Kind und Haushalt zum Beruf machen (wollen, mit einer Karenzzeit von einem Jahr für beide Elternteile), mit einem Mindestgehalt entlohnen und diese Jahre als vollwertige Pensionsjahre anrechnen. Und ja, das ist mein ernst.

Denn ob man es glaubt oder nicht, es gibt tatsächlich Menschen, die gerne Eltern wären (mich ausgeschlossen, außer mein Kind hat vier Pfoten oder sechs beziehungsweise acht Beine), dies aber aufgrund aktuellen wirtschaftlichen Lage nur schwer sein können. Und niemand spricht davon, dass die Leute 10 Jahre Zuhause bleiben sollen, aber ein-zwei-drei Jahre sollten möglich sein. So oder so, als Frau verliert man oft: Eine Frau sollte nicht übermäßig viel arbeiten („Rabenmutter“), darf aber auch nicht Zuhause bleiben („Verhätschelt das Kind“), und sie darf auch nicht gar kein Kind wollen („Egoistische Hedonistin!“). Nebenbei wäre es auch geschickt, Kinderkrippen und Betreuungsmöglichkeiten zu verdoppeln und verdreifachen, dass jene Eltern, die sich im Job verwirklichen möchten, dies auch tun können.

Konklusio

Natürlich landen (vermehrt) Frauen in Altersarmut, wenn es
a) bis vor kurzem gar nicht möglich/gern gesehen war, dass Frauen sich einer Arbeit annahmen,
b) Betreuungsplätze einerseits genauso stigmatisiert sind („Rabenmutter“) und zweitens erst gar nicht zur Verfügung stehen und
c) alte Menschen sowieso keinen Job mehr finden. Wer will eine 55jährige einstellen, die womöglich schon diverse Gebrechen hat?

Und dann glaubt man allen ernstes, eine Arbeitszeitverlängerung(!) sei zielführend. Damit alte Arbeitslose also noch länger „arbeitslos“ sind? Aber ganz gleich, ob Pension oder Mindestsicherung oder vermutlich in naher Zukunft HarzIV, sofern Betriebe, Firmen und Wirtschaft florieren ist alles in Ordnung.

Vielleicht sollte man sich vom Gedanken des Sozialstaates verabschieden oder adäquate Lösungen suchen. Habe ich welche? Hell yeah! Bedingungsloses Grundeinkommen, eins. Wie bezahlen? Den einen oder anderen politischen Klogriff unterlassen und Bildung fördern, damit auch damit umgegangen werden kann, zweitens. Drittens, Politikern eine umfassende Ausbildung in Geschichte, Philosophie, Wirtschaft, Umwelt, Geographie, Informatik (!) und Sozialwesen absolvieren zu lassen, dazu mindestens drei Praktika in verschiedenen Berufen wie Pflegeberufe oder Gesundheitswesen. Wie bezahlen? Gar nicht. Es ist eine Voraussetzung um überhaupt in der Politik tätig sein zu dürfen.

Quellen und Links:

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The 13th Doctor

Zeit wurde es. In allerlei Hinsicht.

Welcome Jodie Whittaker!

Schon zu Beginn war klar: Der- oder Diejenige, welche/r den Doctor die folgenden 1-2 Seasons darstellen soll, wird die nächsten Jahre in Cardiff verbringen und dem großen Filmgeschäft eher wenig zur Verfügung stehen; es war also ableitbar, dass es kein aller Welt bekannter Name sein wird. Zudem wird man einer ganzen Reihe (kritischen) Fans ausgesetzt sein, popkulturelle Geschichte schreiben und jede Menge Fanservice leisten (müssen). Wem der Trouble von Conventions und das ganze nicht so wohl bekommt, der wäre wohl auch nicht gut mit der Rolle des Doctors beraten. Kurz: Der- oder in diesem Falle Diejenige, die den Doctor darstellen darf, muss wissen, worauf sie sich einlässt.

Dass es lediglich ein paar Crybabies sind, für die ein paar Genitalien ausschlaggebend sind – in einer Serie die vom Wandel lebt, einem Alien handelt, das durch ständige Regenerationen die Idee des Neuen immer mit sich getragen hat – ist überschaubar. Jodie Whittaker als Doctor zu casten war ein mutiger Schritt in die richtige Richtung. Die Fans werden bleiben. Und wenn nicht, dann muss das Drehbuch und die Geschichte dafür verantwortlich gemacht werden. Sicherlich, wenn man den Schauspieler nicht mag, tut man sich generell schwer – was dann aber nicht am Geschlecht liegt. Ich tippe darauf, dass die „I hate the Show, they  ruined my childhood!-But I stay in all groups to rant“ die Minderheit ist, die ihrem Zorn gern via Internet Ausdruck verleihen und dass es meisten regelrecht egal sein wird.

Missy: “Is the future all girl?”
The Doctor: “One can only hope.“

Dass der 13. Doctor nun weiblich ist finde ich großartig – einzig allein die Tatsache, dass es nicht Katherine Parkinson geworden ist stimmt mich dezent traurig. Ob sie jemand gefragt hat? Ob sie gewollt hätte? Ich hätte sie gerne als neuen Doctor gesehen. Ich finde, sie wäre perfekt gewesen.

Jodie Whittaker hingegen ist mir gänzlich unbekannt. Ich finde es positiv, dass es eine Frau Mitte 30 ist, hätte aber – bis zur Verkündung – auch nichts dagegen gehabt, erneut einen Mann als Doctor zu sehen. Mittlerweile bin ich jedoch sehr froh und erleichtert darüber, dass der 13. Doctor von einer Frau gespielt wird. Warum? Weil es wichtig ist. Als Companion hoffe ich doch sehr auf Nardole. Ich mag ihn. Vermutlich bin ich die einzige, aber ich mag den kleinen Briten. Oder Captain Jack Harkness, allerdings ohne Romanze.

Es liegt jetzt natürlich an der Geschichte und dem Storywriting selbst, wie man den weiblichen Doctor einsetzt. Man kann die Chancen nutzen oder sie komplett versemmeln.

Die (schreckliche) Fanbase

Fans, so weiß man, sind das schrecklichste. Festgefahren in ihren Schienen, muss und soll alles so laufen, wie sie es gerne hätten und wie sie die Show einst gekannt haben und seien es bloß verklärte Erinnerungen aus der Kindheit. Und jeder hat eigene Vorstellungen von „seiner“ Serie, die die Produzenten und Schreiberlinge auch zu erfüllen haben. Dass, ganz gleich bei welcher Serie und welcher Besetzung, gemotzt wird ist klar, denn wir Leben im Zeitalter des Internets. Das Internet besteht aus Shitstorm, Porn und Katzenvideos. Mein Lieblingsvergleich: „Fans“, die das zu signierende Game of Thrones-Poster Lena Heady unter den Fingern weg reißen, weil sie Cersei spielt (und das grandios!). Das Aufbegehren der „Fans“, kann getrost übersehen werden.

Das mag jetzt so „gelassen“ klingen, aber als ich die ersten misogynen und frauenfeindlichen Kommentare las, musste ich mir immer wieder an den Kopf greifen, den Kopf schütteln und wäre es nicht so traurig, könnte man sogar darüber lachen. Natürlich war ich wütend, aber das beste Mittel dagegen ist, wie Laurie Penny einst sagte: „Don’t read the comments.“

Dass es vielfach Frauen sind die negativ kommentieren, liegt wohl einerseits an den „heterosexuellen Fangirls“, denen nun ein weiterer „Traummann“ abgeht, und vielleicht an einer generellen Unsympathie für die Schauspielerin selbst. Ich wurde nie mit River Song warm, liebte aber Clara (und ich fand es großartig, dass sie dem Doctor ebenbürtig war). Ich fand Amy schrecklich, aber Rose toll und Doctor Donna sowieso. Martha Jones war in Ordnung.

Dass jetzt „Fans“ durchdrehen und die Serie für sie „gestorben“ ist, weil der Doctor eine Frau ist, kann und darf und sollte und mit etwas Abstand betrachtet, wirklich nur ein kopfschüttelndes, Augenverdrehendes Lächeln hervorrufen. Wer dahinter PC und eine ideologische Frauen-Unterwanderung sehen will, dem sei so. Und selbst wenn, dann ist es trotzdem nicht falsch eine Frau in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Kommentar war: „Mit wem sollen sich die kleinen Jungen jetzt am Spielplatz identifizieren?“ Guess what, kleine Jungen identifizieren sich auch mit Wonder Woman. Kleine Jungen werden zu starken Frauen wie Rey, Wonder Woman und dem/der neuen Doctor(in?) aufschauen, und sich vermutlich ebenso jemanden an ihrer Seite wünschen. Es bringt nur Vorteile!

Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf das Weihnachtsspecial, die kommende Season und werde mir Broadchurch bis dahin ansehen.

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R.I.P Samsung Galaxy S5 (2015-2017)

Für manche ist es ein lebloses Gerät, ein Gebrauchsgegenstand, ein Objekt. Ein Handy oder Smartphone. Etwas, dass man kaputt machen oder umtauschen kann. Etwas, dass am Hintern klebt und das Leben bestimmt.

Aber für mich war mein Telefon mein Begleiter, ein Freund und Kumpane. Mein Fotograph und Musikant. Mein Spielgefährte! Auf Reisen begleitete es mich, machte die schönsten Fotos und spielte Musik. Es mühte sich ab, sodass ich mich an Ingress und Pokémon erfreuen und ärgern konnte. Ich brachte es unzählige Male in Gefahr oder anders gesagt: Wir erlebten die tollsten Abenteuer zusammen: Bei Sonnenuntergang im Wasser, im Schnee und Regen und in der Sonne. Es überlebte die Hitze am Strand und die Kälte in den Bergen. Und wie viele Male fiel es mir zu Boden und wie viele Male hatte es einen Kratzer oder Sprung im Display? Oft und niemals! Ein treuer Freund. Bis es starb. Vor wenigen Tagen. Es rührte sich nicht mehr. Kein Trick half. Und so begrabe ich es für immer. Mein Telefon.

Noch bin ich nicht bereit es in die Kiste, oder besser gesagt, in sein Massengrab zu verfrachten wo es Seite an Seite mit ausgedienten Telefonen und MP3-Playern liegen kann. Ja, ich habe sie fast alle noch, bis auf die ersten zwei, glaube ich.

Welches sein Nachfolger sein wird, steht noch offen. Ein Samsung? Ein HTC? Sony? LG? Eines ist klar, es wird kein IPhone werden. Wichtig sind Kamera- und Musikfunktion, sowie Pokémon und Ingress. Aber besonders die Kamera ist wichtig.

Derweil bin ich abgeschnitten von der digitalen Welt. Verlasse ich den PC, kann mich niemand mehr erreichen und das Gefühl ist wirklich großartig. Ich vermisse mein Telefon (und die Kamerafunktion), aber keinesfalls vermisse ich die ständige Verfüg- und Erreichbarkeit, auch wenn Ton und Vibration, sowie sonstige Benachrichtigungsmodi immer ausgeschaltet und/oder deaktiviert waren. Ich entscheide, ob ich kommunizieren möchte oder nicht. Nicht der Anrufer (bei Unbekannter Nummer nehme ich generell nicht ab, wer weiß wer da dran sein könnte..), nicht das Piepsen einer SMS oder das Aufblinken am Display, dass jeden in den Wahnsinn treibt. Mich zumindest haben diese Geräusche immer so sehr verschreckt, dass ich sie – primär also nicht der Verfügbarkeit wegen ausgeschaltet habe, sondern weil mich aus dem Nichts auftauchende Geräusche komplett aus der Ruhe gerissen haben. Es gibt nur ein Geräusch, dass ich bedingungslos akzeptiere: Die Ankunft der TARDIS.

Und ja natürlich blickt man ab und an, manchmal mehr, manchmal weniger drauf, ob sich nicht doch jemand gemeldet hat, ob nicht doch ein Bild auf Instagram oder ein Blogbeitrag geliked wurde, aber diese vollkommene Abwesenheit jeglicher digitaler Knechtschaft hat befreiendes. Ich verlasse meinen PC und habe weder Uhrzeit noch Informationen über die Welt. Ich bewege mich quasi zu 100% analog, ohne einer digitalen Schnittstelle. Ich überlege, ob ich tatsächlich all die kommunikativen und sozialen Apps beim nächsten sofort gleich deaktivieren soll.

Und doch leidet Social-Media darunter. Wenn ich abends im Bett, auf der Toilette oder während der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln WordPress-Blogs überflogen und Beiträge geliked oder Instagram durchforstet habe, mich über 9Gag amüsierte und über Facebook ärgerte, bleibt das mittlerweile fast auf der Strecke.

Und durch die aktuelle Unmöglichkeit, Geschehnisse sofort zu teilen – denn sie sind erst mit Heimkommen und via Sitz an den Rechner für andere verfügbar – entsteht etwas, dass man fast vergessen hat: Diese Momente gehören nur einem selbst. Das schwimmen bei Regen oder die Babyluchse im Alpenzoo. Kein Telefon, dass davon ablenkt und sogleich in die Welt hinaus verfrachtet, nein, die Momente gehören einem ganz allein.

Und trotzdem werde ich mir ein neues Telefon anschaffen und vermutlich dem alten Wahn verfallen, viel zu oft drauf blicken, sinnlos Apps hin und her wischen und zig Tausende Fotos machen. Oder auch nicht, wer weiß?

PS: Sobald ich den alten Zettel mit der Garantie finde, werde ich den Leser wissen lassen, wie viele Tage mir „geschenkt“ wurden. Ich habe die paranoide Ahnung, dass es zeitlich mit Ablauf der Garantie zusammen fallen könnte..

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