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R.I.P Samsung Galaxy S5 (2015-2017)

Für manche ist es ein lebloses Gerät, ein Gebrauchsgegenstand, ein Objekt. Ein Handy oder Smartphone. Etwas, dass man kaputt machen oder umtauschen kann. Etwas, dass am Hintern klebt und das Leben bestimmt.

Aber für mich war mein Telefon mein Begleiter, ein Freund und Kumpane. Mein Fotograph und Musikant. Mein Spielgefährte! Auf Reisen begleitete es mich, machte die schönsten Fotos und spielte Musik. Es mühte sich ab, sodass ich mich an Ingress und Pokémon erfreuen und ärgern konnte. Ich brachte es unzählige Male in Gefahr oder anders gesagt: Wir erlebten die tollsten Abenteuer zusammen: Bei Sonnenuntergang im Wasser, im Schnee und Regen und in der Sonne. Es überlebte die Hitze am Strand und die Kälte in den Bergen. Und wie viele Male fiel es mir zu Boden und wie viele Male hatte es einen Kratzer oder Sprung im Display? Oft und niemals! Ein treuer Freund. Bis es starb. Vor wenigen Tagen. Es rührte sich nicht mehr. Kein Trick half. Und so begrabe ich es für immer. Mein Telefon.

Noch bin ich nicht bereit es in die Kiste, oder besser gesagt, in sein Massengrab zu verfrachten wo es Seite an Seite mit ausgedienten Telefonen und MP3-Playern liegen kann. Ja, ich habe sie fast alle noch, bis auf die ersten zwei, glaube ich.

Welches sein Nachfolger sein wird, steht noch offen. Ein Samsung? Ein HTC? Sony? LG? Eines ist klar, es wird kein IPhone werden. Wichtig sind Kamera- und Musikfunktion, sowie Pokémon und Ingress. Aber besonders die Kamera ist wichtig.

Derweil bin ich abgeschnitten von der digitalen Welt. Verlasse ich den PC, kann mich niemand mehr erreichen und das Gefühl ist wirklich großartig. Ich vermisse mein Telefon (und die Kamerafunktion), aber keinesfalls vermisse ich die ständige Verfüg- und Erreichbarkeit, auch wenn Ton und Vibration, sowie sonstige Benachrichtigungsmodi immer ausgeschaltet und/oder deaktiviert waren. Ich entscheide, ob ich kommunizieren möchte oder nicht. Nicht der Anrufer (bei Unbekannter Nummer nehme ich generell nicht ab, wer weiß wer da dran sein könnte..), nicht das Piepsen einer SMS oder das Aufblinken am Display, dass jeden in den Wahnsinn treibt. Mich zumindest haben diese Geräusche immer so sehr verschreckt, dass ich sie – primär also nicht der Verfügbarkeit wegen ausgeschaltet habe, sondern weil mich aus dem Nichts auftauchende Geräusche komplett aus der Ruhe gerissen haben. Es gibt nur ein Geräusch, dass ich bedingungslos akzeptiere: Die Ankunft der TARDIS.

Und ja natürlich blickt man ab und an, manchmal mehr, manchmal weniger drauf, ob sich nicht doch jemand gemeldet hat, ob nicht doch ein Bild auf Instagram oder ein Blogbeitrag geliked wurde, aber diese vollkommene Abwesenheit jeglicher digitaler Knechtschaft hat befreiendes. Ich verlasse meinen PC und habe weder Uhrzeit noch Informationen über die Welt. Ich bewege mich quasi zu 100% analog, ohne einer digitalen Schnittstelle. Ich überlege, ob ich tatsächlich all die kommunikativen und sozialen Apps beim nächsten sofort gleich deaktivieren soll.

Und doch leidet Social-Media darunter. Wenn ich abends im Bett, auf der Toilette oder während der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln WordPress-Blogs überflogen und Beiträge geliked oder Instagram durchforstet habe, mich über 9Gag amüsierte und über Facebook ärgerte, bleibt das mittlerweile fast auf der Strecke.

Und durch die aktuelle Unmöglichkeit, Geschehnisse sofort zu teilen – denn sie sind erst mit Heimkommen und via Sitz an den Rechner für andere verfügbar – entsteht etwas, dass man fast vergessen hat: Diese Momente gehören nur einem selbst. Das schwimmen bei Regen oder die Babyluchse im Alpenzoo. Kein Telefon, dass davon ablenkt und sogleich in die Welt hinaus verfrachtet, nein, die Momente gehören einem ganz allein.

Und trotzdem werde ich mir ein neues Telefon anschaffen und vermutlich dem alten Wahn verfallen, viel zu oft drauf blicken, sinnlos Apps hin und her wischen und zig Tausende Fotos machen. Oder auch nicht, wer weiß?

PS: Sobald ich den alten Zettel mit der Garantie finde, werde ich den Leser wissen lassen, wie viele Tage mir „geschenkt“ wurden. Ich habe die paranoide Ahnung, dass es zeitlich mit Ablauf der Garantie zusammen fallen könnte..

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Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #50

Goranas heutige Aufgabe feiert den 50. Beitrag der 5 Besten am Donnerstag und fordert uns auf, unsere besten Einträge zu nennen.

Meine 5 besten/liebsten Blogbeiträge

Ich sehe schon, die ersten Beiträge die mir in den Sinn kommen, haben wenig mit Film oder Medien zu tun. Es ist eben die neugierige Katze, die ihre Nase in allerhand Dinge steckt und sich nicht auf einen Bereich fokussieren mag. Film- und TV-Kritiken, weil ich es gerne tue – besonders bei Gotham, und den Rest, weil es gefällt, und zugegeben leicht von der Hand geht.

1. „Killer Cookies from Outer Space!“ – Eine Weihnachtsgeschichte! Eine meiner Lieblingsgeschichten. Ich las sie tatsächlich zum letztjährigen Weihnachtsfest vor.

2. „3 Shows – Eine Timeline“ – Hier wird Science-Fiction Geschichte anhand der Zeitlinien dreier Serien miteinander verglichen: The Expanse, Doctor Who und Star Trek.

3. „Zum Kugelfisch – Relax and Spa“ ***** – Derzeit sind alle Zimmer belegt, ich bitte Interessenten sich in zwei Monaten wieder zu melden.

4. „Ein Kommentar zur gegenwärtigen Debatte um die Verschleierung“ – Anbei muss ich auf meinen ersten, feministischen Text verweisen: „Ein Sammelsurium an (feministischen) Gedanken im Jahr 2016“. Auch lesenswert meiner Meinung nach: „Politik könnte so einfach sein.. (?)“.

5. Und weil wir alle über Medien, Filme und Spiele zusammen kommen: Die Reviews zu „“Stranger Things“, Season 1″ und „“Humans“, Season 1 und 2″ erinnern mich, dass es doch funktionieren kann, mehr oder weniger gehaltvolle Film- und Serien-Kritiken zu verfassen.

In Ordnung, das waren jetzt weit aus mehr als 5 Einträge..

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Turbo Deep Art

Wer heute Nacht noch nichts zu tun hat, oder morgen früh sich die Zeit anstatt durch Arbeit und Studium mit anderen Dinge vertreiben will, der schaue doch hier vorbei:

Turbo.Deepart.Io

Eine Art künstliche Intelligenz, die aus Fotos wahre Kunst werden lässt. Zur Hölle mit Kunstakademien und Kunststudien, wenn man dafür eine künstliche Intelligenz haben kann, die mal hübscher, mal ästhetischer und manchmal gar grausliche Werke fabriziert! Ich mag so Spielereien. Es erinnert an Google Dream Art. Oder an Affinelayer.

Zig Filter, zig Möglichkeiten. Meine Güte, ich bin fasziniert und wollte eigentlich vor einer Stunde ins Bett.. Ich mag den Wellen-Filter und den Filter bei der ersten Collage rechts oben. Wobei man bei der letzten Collage sagen muss, dass ein paar wirklich gute dabei sind.. und das in wenigen Sekunden.

In diesem Sinne gute Nacht, oder guten Morgen und Have Fun! Achtung, es besteht Suchtgefahr.

Edit:

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Reality-TV?

„Alles Wirkliche wird phantomhaft, alles Fiktive wirklich“ – Günter Anders über das Fernsehen

Sibirische Hunger Games

pp-winter-game-2„Winter: Game 2“ nennt sich die geplante Reality-TV-Show, die ab 1. Juli 2017 24/4 die Medien interessierten könnte. 30 Teilnehmer, entweder via Online Voting auserkoren oder durch 155 000€ in die Show gekauft, sollen 9 Monate auf 900 Hektar ums blanke Überleben kämpfen. Um eine Idee zu haben wie groß 900 Hektar sind: Die selbe Größe hat die griechische Insel Schinoussa mit ihren ca. 200 Einwohnern in der südlichen Ägäis. Der Gewinn in „Winter: Game 2“ beträgt 1,65 Millionen Euro. Auch wenn mit Mord, Vergewaltigung, Rauchen und Alkohol geworben werden, wird von vornherein klar gemacht, dass die Macher keine Haftung übernehmen und die Teilnehmer sich jedoch an das Gesetz der russischen Föderation halten sollten, was von Polizisten kontrolliert wird.

Auf das Überleben vorbereitet werden die Teilnehmer durch Soldaten. Im Juli beträgt die Tagestemperatur noch 22°, in der Nacht 10°, kann jedoch während den Wintermonaten ganz schnell unter -40° sinken. Ein Messer ist erlaubt, Pistolen nicht. Der Erfinder Pyatkovsky weiß auch schon, wer sich von diesem Konzept angesprochen fühlen wird: „Reiche und risikofreudige Leute, die die ultimative Herausforderung suchen.“

Satire?

Willkommen in der absurden Welt des Reality-TV!

Reality-TV ist uns bestens bekannt aus den The Hunger Games (2012), Battle Royale (2000), The Truman Show (1998), Running Man (1987) aber auch aus banaleren Formaten, die die meisten von uns nur vom Hören-Sagen kennen.

Die Anfänge liegen in den US-amerikanischen 1940er begraben. Die Sendung Candid Camera filmte die Reaktion von Passanten auf Witze. In den 1950ern kletterten zahlreiche Spiel- und Wettbewerbshows aus den finsteren Höhlen des Markes (Miss America), bis in den 1970ern in An American Family eine Familie während der Scheidung von Kameras begleitet wurde. Ende der 1980er wurden Formate erfunden, die noch heute die Reality-Show Landschaft prägen. Auf dem europäischen Festland etablierte sich das Format ab den 1990ern. Voyeurismus und Überlegenheitsgefühl lockt zig Tausende, nach wie vor, vor den Bildschirm.

Den Anfang machte die schwedische TV-Show Nummer 28, die sieben Fremde in ein Studentenheim in Amsterdam setzte und deren Leben über Monate hinweg verfolgte. Noch ohne jeglichen Wettbewerbsaspekt und ohne von der Außenwelt abgeschottet zu sein, standen jedem Teilnehmer 20 Minuten pro Woche zu, die Erlebnisse während des Aufenthaltes zu reflektieren. 1992 griff MTV’s The Real World das Konzept auf und erlangte mit Big Brother 1999 seinen wahnwitzigen Höhepunkt.

Und man frägt sich: Wer sieht sich sowas an? Und warum? Neugier? Schaulust und Schadenfreude? Langeweile? Oder weil es sich zum einfachen Abschalten anbietet? Überlegenheitsgefühle wie „Denen gehts noch schlechter wie mir“? Während man früher Enthauptungen beiwohnte oder dem Gladiator zujubelte, sind es heute wohl die inszenierten Klischees des Reality-TVs.

Folgend wird eine Realität konstruiert, die keine Realität ist, aber als solche wahrgenommen und reflektiert wird. Man frägt sich, welche Auswirkungen diese Formate auf die Gesellschaft haben? Und wenn man weiter gehen möchte, lässt sich dieses Prinzip ganz einfach auf die Film- und TV Landschaft ausweiten, bei welcher man zwar weiß, dass es nur Film, somit lediglich eine Geschichte ist, diese aber dennoch Flächendeckend den Zuschauer beeinflusst und formt. Man geht davon aus, je häufiger und intensiver, desto einprägsamer. Aber gehen wir noch einen Schritt zurück: Wenn zu Anbeginn der Literatur der Liebesroman mit (idealistischen) Romanzen befüllt wurde, so entsprach auch das nicht der Realität, wollte jedoch als Realität praktiziert werden. Das gelebte und gewollte Sein gründet auf Schein während der Schein aus der Wunschvorstellung einiger weniger entsprang.

Meta-Reality-TV

DieZEIT sagte im Bezug auf die TV-Serie Unreal, die von der Produktion einer fiktiven Reality-TV handelt, angelehnt an The Bachelor: „Die Serie handelt von der Produktion einer Serie, die ihrerseits so tut, als würde sie Realität abbilden, während sie in Wahrheit diese Realität erst herstellt. Das ist das Betriebsgeheimnis jeder Reality-TV-Sendung; aber indem es in dem Rahmen einer fiktiven Serie enttarnt wird, wird auch diese Enttarnung schon wieder fiktiv. Was ist überhaupt noch wirklich?“ Die Produzentin der Serie Sarah Gertrud Shapiro, Feministin und selbst lange Zeit einst durch Knebelvertrag verpflichtet worden The Bachelor zu produzieren, weiß was sie produziert und wovon sie erzählt. Nacht Sicht einiger Folgen bleibt zu hoffen, dass ein Drittel erfunden und das zweite überspitzt dargestellt wurde. Anzunehmen ist jedoch, dass das letzte Drittel (womöglich auch mehr) vermutlich wirklich auf realen Ereignissen beruht. Der Serie liegt der Kurzfilm Sequin Raze zugrunde.

Scripted Reality

Ausgehend von dieser Fragestellung, wirft man einen kritischen Blick in Richtung Scripted Reality, wie Jan Böhmermann diese bereits scharf und polemisch kritisiert hatte. Es stellt sich die weitere Frage, was es mit der Realität der Rezipienten anstellt, wenn eine Realität vorgespielt, die aber als Wirklichkeit gesehen wird? Vielleicht gar nichts, wenn das Verfahren seit Jahrhunderten nach den gleichen Mustern abläuft. Vielleicht aber gerade durch die Vernetzbarkeit des Internets und der Allgegenwärtigen Verfügbarkeit, doch mehr als wir erahnen wollen oder gar können? Ich enthalte mich derweil einem Urteil. Man könnte die Diskussion über Realität und Wirklichkeit auch via Fakenews und Pornographie weiter führen. In beiden Kriterien werden Dinge als real dargestellt, die nicht der Realität entsprechen, wobei ersteres einem gewissen Ziel folgt, den Konsumenten zu manipulieren, während zweiteres zur Unterhaltung dient.

Und doch leidet das Format ein Personalproblem: Immer weniger Menschen sind bereit, sich für Formate wie Bauer sucht Frau oder Frauentausch oder Entmülle deine Wohnung und so weiter, herzugeben. Zwar präsentiert man sich im Internet freizügig und ohne Scham, doch die Gesellschaft scheint etwas klüger geworden zu sein, und zu verstehen, dass vor allem auch die Postproduktion eine große Rolle bei Verfälschung spielt. Folgend werden sich Geschichten ausgedacht und mit Laiendarstellern gefilmt. Am Ende eine kurze Notiz: Alles nur erfunden.

Gleichsam bei der Fotografie, die ebenfalls seit Anbeginn unter Manipulation leidet. Soldaten im ersten Weltkrieg stellten sich in heroische Posen und zeigten eine glorreiche Welt von Sieg und Heldentum. Bildausschnitte werden zurecht gerückt, Gegenstände und Figuren entfernt. Der Rest ist Mediengeschichte, weist aber eine unberechenbare Konstruktion der Wirklichkeit hin. So wie Reality-TV, um den Kreis zu schließen.

Und die Rezipienten?

Durch eine Einverständniserklärung sichern sich Sender ab. Problematischer aber vielleicht als der rechtliche Einspruch, ist der Einfluss der den Zuschauern suggeriert: „Auch DU kannst zum Star werden!“ und diese oftmals übersehen, dass sie lediglich Produkt in einer großen Maschinerie sind – und somit nicht anders behandelt werden. Es wird verdeutlicht, dass man ohne eine gewisse Leistung, Erfolg haben kann – wenn Erfolg sich über Popularität misst und nicht mehr über klassische Kriterien wie berufliche, wissenschaftliche, sportliche oder kulturelle Leistungen definiert. Der Erfolg des Konzeptes geht einher mit einer Veränderung der Wahrnehmung aller Beteiligten, seien es Zuschauer, Produzenten oder Mitwirkende. Sucht man nach Erfahrungsberichte, stößt man auf das eine oder andere zerstörte Leben.

Epilog

Zu guter Letzt möchte ich auf ein Beispiel aus den 1950ern hinweisen: Herbert Stempel. Ein intelligenter Mann, der das Pech hatte bei einer Quizsendung Twenty One mit zu machen. Nach Komplikationen und Umwegen, veröffentlichte 1958 das „Journal American“ seine Geschichte, die erzählte, dass die Gewinner bereits vor der Show feststanden und die Fragen mit den Kandidaten geübt wurden.

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„Westworld“ – Was wir bis jetzt wissen und Theorien

Westworld tut auf einer Meta-Ebene das, was Westworld als Park macht: Den Zuschauer quasi dazu auffordern ein Narrativ zu entwickeln, zu erkennen und den Hinweisen zur Mitte des „Maze“ folgen. Hat das Internet Westworld vorhergesagt? Es trug sicherlich dazu bei, dass auf manche Details besonders acht gegeben oder gar dahin verführt wurde. Ich weigerte mich lange zu glauben, dass William der Gunslinger sein könnte, und selbst jetzt empfände ich es als ein „meh“-Ende, wenn dem tatsächlich so sein sollte. Aber vermutlich, weil es zu einfach gewesen wäre, zu offensichtlich? Und vielleicht bemerkte, der eine oder andere, dass man doch vom philosophischen Ursprungsthema abwichen war – Oder zumindest von dem, was wir glaubten, was es sein sollte aber vielleicht sogar niemals gewesen ist? TheVerge.com übt eben genau diese Kritik und liegt dabei nicht so falsch: Westworld’s biggest twist came with a nasty side effect.

Es folgt eine Zusammenfassung (in erster Linie für mich selbst) vor dem Seasonfinale. Folgen 1-5 wurden bisher nochmal durchgesehen.

Wie oft machte Dolores die Reise?

Das erste mal befindet sie sich vor 35 Jahren im blauen Kleid, während des Beta-Tests, in der Kirche. Irgendwo hier spricht bzw. sprach sie mit dem Menschen Arnold, tötet ihn und richtet vielleicht sogar auch das Massaker an, vermutlich den „Incident“, von dem Logan sprach. Die erste physische längere Reise ist nach Öffnung des Parks zusammen mit William, vor ca. 30 Jahren. Sie erinnert sich an die Beta-Phase, und nach und nach was damals passierte. Nach der zweiten Reise in der Gegenwart, trifft sie den MiB. In dieser Timeline begegnet sie davor auch Maeve, der sie Shakespeare zitiert: „Violent delights have violent ends“ und anfängt (vermutlich durch das Reverie-Update) (erneut) zu „glitchen“. Auch Clementine und Teddy befinden sich dort. In dieser Zeitlinie findet auch ihr Vater das Foto. Sie unternimmt die Reise also alleine.

Die Kirche

ist in der Gegenwart verschüttet, wird aber von Ford für die Storyline mit Wyatt wieder ausgegraben. Sie war einst vor 35 Jahren der Zufluchtsort für Hosts, die vor ihren Stimmen im Kopf flüchteten. Diese Stimmen seien der Blacklash des Bewusstseins. Darunter liegt der Raum, in dem der menschliche Arnold mit Dolores spricht (Ep.3) und sie auf den Weg ins Maze setzt. Dieser Raum ist nicht jener, in der Ford seine Hosts macht, dieser liegt unter dem Haus seiner Eltern. Während der Beta-Phase trug sich der Vorfall zu, sodass die Kirche mitsamt dem Raum überschüttet wurde.
→ Wenn also Ford diese Kirche für eine Storyline wieder ausgraben und aufbauen möchte, könnte das ebenfalls einen ziemlichen Backlash nach sich ziehen, was vermutlich aber sogar von ihm initiiert wird um den Park vollständig unter seine Kontrolle zu bringen, und um weiterhin Geschichten erzählen zu können.

Bernard – die Host-Version von Arnold

Bernard ist ein Host auf Vorlage von Arnold, der dritte Mitspieler auf dem Photo, den Bernard nicht sehen konnte, so wie die Tür oder die Pläne: „Doesn’t look like anything to me.“ Bernard war auch schon das Anagramm von Arnold: Bernard Lowe – Arnold Weber. Ford und Bernard wollten die Hosts mehr „Life-Like“ machen – daher die ständigen Updates. Aber ein Update sorgt für Schwierigkeiten: Reveries. Absicht?

Abernathy und das Foto

Charlotte will den Professor aka Dolores Vater mit 34 Jahre alter Daten aus dem Park schaffen. In der ersten Folge sagte Abernathy jedoch, er möchte seinem Schöpfer begegnen und sich an beiden rächen. Vermutlich an Arnold und Ford. Er zitiert Shakespeare. Sein Core wird gelöscht, Bernard flüstert ihm etwas zu und eine Träne läuft ihm runter. Wir sahen sicherlich nicht das letzte von ihm.

In Folge 9 hält Logan William das Foto der Schwester hin, die er wohl bald heiraten solle. Es ist die gleiche Frau. Eine Antwort für dieses Rätsel blieb mir bisher noch verwehrt.

Technische Fragen:

Wenn wir heute jedes Jahr unser Telefon wechseln, den Prozessor alle fünf Jahre, wäre es dann, auch in näherer Zukunft, da elektronische Geräte sicherlich nicht haltbarer fabriziert werden, nicht fahrlässig 30 Jahre alte Hosts im Park wandern zu lassen? Selbst wenn sie modifiziert werden?
→ Die einfachste Antwort hierzu wäre es: Weil es Fords (und Arnolds) Kreationen sind, die er nicht als „Junk“ bezeichnet. Er hat sie unter Kontrolle und es ist sein Park. Ende der Diskussion.

Wenn man in so einem Park wäre, wären die Sicherheitsvorkehrungen um einiges höher, als wie sie es offenbar sind. Oder aber, Ford weiß natürlich über alles Bescheid. Stichwort: Maeve und Dolores. Die Tätigkeiten der einsamen „Butcher“ tief Nachts müssten eigentlich ziemlich schnell auffliegen – wie auch Elsie bemerkte. Warum also werden diese Vorfälle nicht gemeldet?

Wenn Arnold getötet wurde – Warum bemerkt es niemand der anderen? Sind alle Hosts? Sicherlich gibt es Internet und Informationen verbreiten sich und Informationen zu löschen gestaltet sich als schwierig. Außer vielleicht man bekleidet eine entsprechende Position oder wir befinden uns in einer gänzlich anderen Zeit. In was für einer Welt befindet man sich also? Menschen können mit einem Wischen aus Fotos entfernt werden. Logan erzählte, dass man bei der Recherche nichts fand.

Theorien, Fragen und weitere Überlegungen

Zugegeben, wenn ich ohne Zusammenhang über folgende Theorien und Überlegungen schweife (selbiges gilt für die entsprechenden Social Media Gruppen, denen Ideen (wie auch Bilder) auch teilweise gestohlen wurden), macht vieles hier keinen Sinn. Wenn es also für den Leser unschlüssig klingt, ist das vollkommen okay. Nerdist unterhält derweil mit drei Theorien über das Maze.

Let’s fez.

→ Elsie wurde von Bernard getötet, also von Ford, weil sie zu nah an den Informationen war, richtig? Die Übertragung erreichte nur alte Hosts (Maeve, Dolores, Angela – all jene, die wir in der Beta-Phase gesehen haben), da diese noch mechanisch gebaut sind, mit Empfänger – um sie aus ihrem Loop zu holen, richtig? Um sie dann vielleicht für seine neue Geschichte zu verwenden? Denn die neue Geschichte, dass sagte er auch, wird anders sein, mehr hin zu den Ursprüngen.
→ Bedeutet dies, dass Ford die Übertragungen installierte? Und wenn ja, warum? Und wenn nicht, möchte er lediglich wissen, wer was aus dem Park stiehlt? Nach dem Prinzip, kenne deine Freunde, aber deine Feinde noch viel mehr? Nein, Ford weiß alles. Vielleicht wurde Elsie auch nur deswegen getötet, weil Ford nicht will, dass zu viele seiner Geheimnisse bekannt werden?

→ Was für Logan=MiB spräche, wäre, dass MiB Lawrence gegenüber sagte, er habe einst einen aufgeschnitten und er war mechanisch – Logan schnitt Dolores vor William auf. Möglicherweise spielt dann hier Rache mit ein, wenn MiB sich Dolores gegenüber gewalttätig verhält?
→ Was allerdings für W=MiB spräche, wäre die Tatsache, dass er kurz vor ihrer Flucht aus dem Lager sagte, er würde sie finden und dann bei der Kirche wieder auftaucht. Aber wir wissen noch nichts genaueres. MiB könnte auch wer ganz anderer sein.

→ Was oder wer ist Lawrence Tochter? Sie ist diejenige die zu Dolores spricht. Vermutlich übersehe ich etwas.

→ Es muss nicht sein, dass alles in Dolores Zeitlinien real ist. Denkt darüber nach.

→ Ford sagte: „The piano doesn’t kill the player because it doesn’t like the music“ – in einer Episode davor klappt Maeve das Piano nach ihrer morgendlichen Routine zu. Wird sie dasselbe mit Ford machen?
→ Erneut, Ford kontrolliert alles: Könnte man aber davon ausgehen, dass sie auch ihre „Hintertür“ entfernte, sodass Ford keinen Zugriff mehr hat? Oder agiert sie bewusst nach Fords Wunsch?
→ Wir wissen jedoch, dass Ford über Bernard Bescheid wusste und machen ließ, so auch Maeve um höhere Ziele zu erreichen?
→ Ford hat immer wieder bewiesen, dass er immer einen Schritt voraus ist. Was Delos betrifft, was die Hosts betrifft und es ist nicht das erste mal dass die Hosts in Richtung Freiheit drängen. Es ist ein Kreislauf. Das spräche wieder dafür, dass Ford alles weiß. Er wusste von der Affäre und wo Theresa als kleines Mädchen saß. Er sagte ihr gegenüber, er weiß auch alles über die Gäste und die Mitarbeiter. Und wie MiB sagte, nichts passiert „einfach so“ in Westworld.

→ Vermutlich wird Logan sterben, William heiratet seine Schwester und übernimmt große Teile der Company. Nun versucht Ford die Vorgänge von vor 35 Jahren zu wiederholen, um somit das aktuelle Board zu entfernen?

→ Ford erzählte, dass Arnold versuchte ihn aufzuhalten. Hat Ford also Arnold und alle Mitarbeiter (von Hosts) töten lassen? Womit wir da wären wo Dolores Arnold getötet hat und das Massaker anrichtete. Dolores könnte Wyatt sein.

→ Neue (alte) Theorie: Ford ist ein Host – von Arnold gemacht, der ihn glauben machte, Ford sei ein Mensch. Erweitert: Arnold ist eine allwissende KI und spielt mit den Menschen, wie sie glauben, dass sie mit den Hosts spielen. KI Arnold aber dreht das Spiel um.
→ „There is no Westworld“: Ford ist Gott und Westworld ist die Hölle; um in den Himmel zu kommen, muss man leiden und sich dessen bewusst werden. Nur dann ist man frei. Und da Gott das Ebenbild der Menschen ist, ist er grausam und nicht vertrauenswürdig. Wie eine Katze liebt er es, mit seinen Opfern zu spielen und befreit sie vermutlich nie. Ende.

→ Ford hat das Maze nie zerstört, weil Arnold es unmöglich machte, es zu finden. Darum verhindert er die Reise von MiB oder Dolores nicht, da er einen Weg dorthin braucht. Er lässt sie aus ihrem Loop und erlaubt ihr zu schießen.
→ Erneut könnte man sagen, dass MiB das Maze finden möchte um reale Gefühle in den Hosts zu erzeugen -> Seine große Liebe ist Dolores. Bei Maeve sah er was passierte, und auch dass er sie verletzt und traumatisiert könnte man dort hin leiten, dass er sie zu Bewusstsein rütteln will.
→ Mehrfach wurde wiederholt, dass das Maze nichts für MiB ist. So muss das Maze also für die Hosts sein um Bewusstsein zu erlangen. Und damit können sie die Besucher töten?

→ Wenn Dolores dann das Rätsel löst und MiB tötet – würde Ford dann 90% des Parks bekommen, wenn er danach Dolores zerstört? Da wäre aber noch Maeve. Ist das sein Plan? Es scheint mir, es dreht sich nur darum, was Ford möchte, könnte oder wollte.

→ Denn da gibt es eine Theorie, die besagt, dass Felix „the Butcher“, der Schlüssel zu gewissen Ereignissen ist. Man halte sich auch diese, wenn auch eher unwahrscheinliche, Option offen.

→ Wird Fords letzte Geschichte sein eigenes Schicksal besiegeln? Wird es unter der Kontrolle von Maeve einen Aufstand der Robots geben? Army of Maeve’ness! Wird MiB Ford töten, wenn er heraus findet, dass Ford was mit Arnolds tot zu tun hatte?

→ Ist Dolores gefährlich?

→ Das Bewusstsein der Hosts: Traumata gelten als Ursprung von Erinnerungen – Seltsame Stimmen bestimmen die Richtung, mehr als wie das Selbst sie bestimmt. Dolores Bewusstsein resultiert aus traumatischen Erinnerungen, wie bei allen anderen Hosts. In der Gegenwart wurde dies durch die Reviers getriggert und angestoßen. Das bedeutet nun was?

→ Wer aufmerksam war, wird auch bemerkt haben, dass bereits die Frau mit dem Schlangentattoo auf die Männer mit den teuflischen Hörnern hingewiesen hatte, als sie MiB ihre Geschichte erzählte. Damals jedoch konnte man noch nichts damit anfangen (Ep. 4). MiB sagte auch, er sei ihr noch nie begegnet und dabei ist sie auch eine der älteren. Warum?

→ Interessant ist auch, dass Clementine Maeve auf die Fährte mit Hector setzt, der draußen mit den „Savages“ lebt, nachdem sie die Holzfigur des Kindes sah und bemerkte, dass dies die Männer in der „Hölle“ sind. Das bedeutet, dass nicht zwangsläufig Menschen für die Geschichten verantwortlich sind, die entstehen, sondern auch die Hosts selbst, die die Geschichten selbst weiter spinnen. Hector erzählt ihr, dass die Natives diese als Götter betrachten, als Schatten, die zwischen den Welten wandeln, aus der Hölle und hier her. Und als er sie aufstechen soll, warnt er, dass die „Dreamwalker“ sie sehen könnten. So ist es nur logisch, dass die Hosts die Stimmen in ihren Köpfen als Stimmen von Gott wahrnehmen.

Zeitlinien

Für zwei Zeitlinien sprechen, dass die Hosts einst mechanisch, und nun organisch sind. Wie MiB erklärte, allerdings nur deswegen, weil es billiger ist. Dies wird von Felix bestätigt. Aber natürlich: Was ist real und was nicht? Was sind gepflanzte Erinnerungen und was nicht?

Um es dem verwirrten Zuschauer einfacher zu machen, zeichnete Reddit User draupp die Begebenheiten im Park chronologisch nach. Eine kommentierte Fassung (engl.) findet sich auf Moviepilot. Und vor dem Seasonfinale vielleicht nochmal zur Erinnerung:

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Einige abschließende Bemerkungen..

Philosophy 101

Ich köderte Madame (8) – die sich Serien gerne verweigert – damit, dass Westworld philosophisch sei und die ersten Folgen enttäuschten auch nicht: Es stellte sich die Frage nach dem Bewusstsein, was Bewusstsein ausmacht und wo zwischen Roboter und Mensch unterschieden werden kann. Roboter folgen Storylines, aber auch Menschen sind durch den sie umgebenden Diskurs ebenso eingeschränkt, was ihr Handeln und Denken betrifft. Folgend stellt auch die Frage nach der Willensfreiheit: Macht es einen Unterschied, ob der Charakter über Gene oder einem Programmierer bestimmt wurden? Während Gene fixe Vorgaben liefern, kann der Programmierer hinter her jedoch noch Dinge ändern (siehe Maeve).

Die ersten Folgen (und leider kam man dann davon ab) warfen Fragen über die Identität auf und ethisch betrachtet könnte man sich fragen, was es bedeutet, künstliches Bewusstsein zu generieren. Ab wann kann man sagen, es wäre erreicht? Ich erinnere an Asimovs Robotergesetze, denen dann natürlich Roboter unterliegen sollten, sollte man eine Art Bewusstsein erschaffen (können).

Eine weitere Frage wäre: Wenn Roboter nicht vergänglich sind und 1000 Tode sterben können, was macht sie dann frei? Sind es wirklich, wie in Westworld Leid und Schmerz? Bedeutet Tod gleich Freiheit? Wenn man 1000 Tode stirbt aber keine Konsequenzen entstehen, wird der Tod bedeutungslos. Und so wäre es auch nahe liegend, dass nach nicht all zu langer Zeit, wir selbst zum MiB werden. Interessant ist auch das Unbewusste: Man lässt die Hosts vergessen – Menschen filtern die Realität. Täten sie das nicht, wären sie schizophren. Das also, was im Grunde mit den Hosts passiert, die sich erinnern und wahnsinnig werden.

PS: Aus einer Social Media Gruppe gestohlen, dass wiederum aus einer anderen Gruppe gestohlen wurde:

hannibal

Ein Kommentar

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„Black Mirror“, S03E01

Achtung, es folgt ein (etwas polemisches) Kommentar zum Medienwahnsinn, Social Media und ein paar Sätze zur eigentlichen Folge.

Sollte sich Black Mirror nicht mit (nahen) dystopischen Zukunftsvisionen beschäftigen? Sicherlich, wir bewerten heute (noch) nicht alle Menschen mit fünf Sternen aufgrund ihrer (kalklulierten) Freundlichkeit, aus Freundlichkeit um wiederum dank deren Freundlichkeit mit fünf Sternen bewertet zu werden, allerdings sind wir dieser Version doch schon gefährlich nahe – auch wenn die Berichte über Arbeitgeber, die ihre Bewerber im Interwebs und auf Social Media auspionieren an Brisanz verloren haben, nachdem klar wurde, dass Sauforgien nun mal ganz normal und deren digitale Abzüge davon, Alltag geworden sind. Nichts besonderes also mehr. Noch werden Hasspostings und rassistische Äußerungen etwas kritisch beäugt, dies dürfte sich aber vermutlich in den nächsten Jahren auch noch legen. Trotzdem spioniert der Arbeitgeber und zieht gegebenenfalls seine Schlüsse daraus. Und Facebook entwickelte sich ja aus der Idee heraus, potentielle Beziehungspartner auszuspionieren. Insofern..

Und nehmen wir Instagram: Man präsentiert (s)ein tolles Leben, man propagiert vielleicht einen gesunden Lebensstil, postet regelmäßig und siehe da, die Mühe beschert gute 200o oder gar 4000 Follower. Und das gefällt. Dass all diese Follower selbst wieder 3000 anderen Menschen folgen, um verfolgt zu werden, das kümmert nicht. Ein Follower ist ein Follower, ein Like ein Like. Likes sprechen für Popularität und damit lässt sich Geld machen. Also warum nicht?

Auf FB spielt es sich ähnlich ab: Man bekommt Likes für tolle Sachen und Kommentare für diverse Beiträge. Wir wissen auch, dass Kommentare und das Teilen von Beiträgen, je nach dem, mehr wiegen als wie Likes. Das mag zwar ausschlaggebend sein für den intelligenten Algorithmus dahinter, der uns immer mehr auf eine kleine Nische an Beiträgen beschränkt, aber das kümmert uns ja nicht.

Wir sehen die Likes. Man heiratet. Alle liken. Man schließt sein Studium ab. Sie liken. Wir fahren in den Urlaub. Manche liken. Wir wurden verlassen. Irgendwer reagiert mit dem traurigen Smiley, ein anderer kommentiert: „Wtf? Warum postest du sowas?“ Das Fratzenbuch weiß also nicht nur, wann uns etwas gefällt, sondern was wir wann traurig oder toll finden. Facebook und Google wissen alles über uns! Aber egal. Wir posten Fotos, Statusupdates und kommentieren, nicht ausschließlich, aber oftmals nur um geliked zu werden. Je mehr likes, desto toller findet wer unseren Gedankengang oder das was wir tun, desto toller fühlen wir uns selbst. Andere entscheiden somit über unser Wohlbefinden. Und das tolle ist? Ein jeder kommt zum Zug: Der, der nach Aufmerksamkeit giert, der Troll und vor allem der Hassposter – dieser fühlt sich in seiner kleinen Welt bestätigt, und hetzt weiter. Ein jeder profitiert: Die Nutzer, die Anbieter, die Wirtschaft, die Politik, der Kapitalismus. Eigentlich ein tolles System, nicht?

Und es betrifft nicht nur uns, sondern zeigt bereits Auswirkungen auf die gesamte Medienlandschaft: Nicht, dass was „wahr“ ist, wird verbreitet – auch Falschmeldungen, wenn auch nur zur Aufklärung geteilt werden, werden gewichtet und somit weiter geleitet und nach vorne verlagert. Und wer beschließt dann, was wahr und was falsch ist? Wo beginnt Objektivität und wo Zensur? Der Kampf gegen Falschmeldungen läuft jedoch bereits.

Und nicht dass, was wahr ist, wird verbreitet, sondern oftmals dass, was am meisten Likes hat. 10 000 Menschen können nicht irren, oder? Eigentlich ist es erschreckend. Und dies erinnert mich an jene Folge „The Entire History of You“ (S01E03): Denn diese Folge zeigt so deutlich und so erschreckend authentisch und zugleich ironisch auf, was passiert, werfe man solch eine spezielle Technologie in die Bevölkerung. Zur Erinnerung: Alles was getan wird, wird aufgezeichnet. Bei Argumenten sicherlich von Vorteil, aber wir sahen wie es enden kann und(!) würde.

Sicherlich, in „Nosedive“ wird das Bild komplett überzeichnet und die Farben sind ausschließlich in Pastell gehalten. Nettigkeit wird propagiert und man ist freundlich, schließlich hängen der soziale Status, die Wohnsituation und dergleichen davon ab. Der, der über 4,5 von 5 Sternen ist, darf in der hypertollen Residenz wohnen, während Leute mit 1,4 gar nicht erst angeschaut werden. Unsere Protagonistin sinkt von einer 4,2 auf eine 0. Das Ende ist ein freundliches. Eingeblendet werden diese Daten übrigens via Linse. Google Glas lässt grüßen. Sonst ist alles beim alten, Newsfeed, Postings und so weiter und so fort.

Aber um nochmal an vorher anzuknüpfen. Gesteht liebe Blogger und liebe Leser: Es fühlt sich nett an, wenn jemand eure Beiträge liked oder euch sogar abonniert. Ich freue mich über jeden einzelnen Like. Wirklich. Sicherlich, was ist der Unterschied zu einem Lächeln im Bus? Oder einem Kompliment von nahen Bekannten? Wir befinden uns in einer Art Gemeinschaft, und immerhin hängt nicht ein gewisser sozialer Status von den anderen ab oder gar eine Wohnsituation oder was auch immer. Zumindest nicht in der Form, wie „Nosedive“ es uns durchspielt, und dass andere einen ganz schnell mal nach unten bringen können. Oder aber, wir befinden uns in den „falschen“ Kreisen und dümpeln alle bei 2-3 herum, denn die 4er und 5er gäben sich erst gar nicht mit uns ab. Wer weiß?

Was ich damit sagen will: Diese Realität ist nicht so weit weg, wie manche der bisher vorgestellten Alternativen in Black Mirror. Wir sind gesellschaftlich nicht abhängig von Likes und können uns diesem System noch freiwillig entziehen. Wir entscheiden uns jeden Tag dafür, ob wir beim Surren des Telefons sofort nachschauen ob und wer uns geherzelt hat, sei es der eigenen Aufmerksamkeit wegen oder aus ehrlichem Gefallen. Mein Telefon ist auf lautlos, keine Vibration. Ich stelle es mir mühsam vor, wenn plötzlich aus dem Nichts irgendwas aufblinkt.

Fazit: Die Folge mag zwar nicht eine der Besten gewesen sein, aber zumindest wird der Dialog, die Diskussion um Social Media, um den Einfluss und Konsequenzen wieder einmal mehr ins Licht gerückt. Und wir sollten diesen Diskurs noch viel viel öfter führen.

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Ein Kommentar zur gegenwärtigen Debatte um die Verschleierung

Oftmals irritieren mich die Dinge im weiten Web mehr, als wie sie mich schockieren. Das Internet ist ein seltsamer Ort mit noch viel seltsameren Gestalten und man sollte sich nicht, insbesondere auf Social Media Portalen, über gewisse Meldungen wundern.

Denn nehmen wir die (erneut oder immer noch) aktuelle Diskussion um das Verbot der Burka in Deutschland her, oder nennen wir sie, um eine Definitionsschlacht zu vermeiden, Diskussion um die Voll-Verschleierung.

Neben den Dingen über die ich mich wundere, irritierte mich schlicht und einfach die Blindheit und die Art und Weise der Argumentation vieler Leute. Manche Kommentatoren zogen beispielsweise den fehlenden Integrationswillen heran, wenn sich eine Frau komplett bedecke, worüber man durchaus streiten kann; manche andere argumentierten damit, man solle den Frauen doch ihren Willen lassen und eine Kleiderordnung führe zurück ins Mittelalter. Oder seien es Religion oder Politik, die heran gezogen werden, denn die Burka bedeute Abgrenzung zu westlichen Werten. Sicherlich, wenn in Aleppo die vom IS befreiten Frauen ihre Gesichtsschleier wegwerfen oder sie gar verbrennen und die Männer sich ihre Bärte stutzen, kann/mag man eine gewisse Nähe darin sehen. Und wenn konservative Gruppierungen sich plötzlich Gedanken zum Burka-Verbot machen, also zur „Selbstbestimmung der Frau“ kann man es den Gegenstreitern nicht verübeln, wenn diese von einer „Scheindebatte“ sprechen, denn Politik ist nun mal Politik und hat selten was mit den Rechten der Frauen an sich zu tun.

Worum geht es denn bei einer Voll-Verschleierung im Sinne einer Burka oder einem Niqab? Um ein Mittel, die Frau als Frau verschwinden zu lassen, kurz: Um die Unterdrückung der Frauen an sich. Oder treffender, wie von der Seite Terre des Femmes formuliert: „Alle Formen des Körperschleiers und des Gesichtsschleiers, sind Ausdruck religiösen Fundamentalismus, der Missachtung und Erniedrigung der Frau und ihrer Degradierung zu einem Objekt.“

Das Kopftuch selbst lasse ich mir vielleicht noch einreden, sei es als dass sie es als religiöse Pflicht wahrnehmen; dann allerdings müsste auf Verhübschung zwecks Make-up oder Mode gänzlich verzichtet werden, wie mir eine muslimische Arbeitskollegin erzählte. Aber genau so wenig, wie ein ordentlich gläubiger Christ jeden Sonntag zur Messe eilt, verzichtet die gläubige Muslima auf Make-up. Oder sei es tatsächlich, dass ihnen die Blicke der Männer unangenehm sind. Dann wiederum leuchtete mir die Kombination mit engen Leggings nicht ein.

Aber eine Voll-Verschleierung? Wieviele Männer oder Familienclans stehen dahinter und zwingen mehr oder weniger die Frauen diese zu tragen? „Ja, fragt doch mal die Frauen selbst, was sie wollen?“Und wieviele Frauen werden sich trauen die Wahrheit sagen? „Dann sollen sich die Frauen doch weigern!“ Um dann ausgestoßen und verfolgt zu werden? Im schlimmsten Falle ermordet? Und wenn die Leute dann von „Selbstbestimmung“ sprechen, wie weit hat eine Frau in dieser Kultur wirklich selbstbestimmt Möglichkeiten bzw. Möglichkeiten zur Selbstbestimmung? Diesen Punkt scheinen alle, die behaupten, man solle nicht über die Selbstbestimmung von Frauen richten, irgendwie zu übersehen und nehmen offensichtlich unreflektiert an, in deren Kultur hätten Frauen tatsächlich ein Mitspracherecht.

Wäre ein Verbot richtig? Ja! Denn man würde ein Zeichen setzen, dass dies in Europa nicht erwünscht ist. Verbiete man es nicht, wird eine Propaganda ermöglicht, wie Frauen zu sein hätten. Verbiete man es nicht, beginnt man Intoleranz zu tolerieren. Würde das Verbot etwas nützen? Vielleicht! Sieht man sich die Situation in Tessin (CH) an, wo die Frauen dann ihre Schleier abnehmen und sich den Gesetzen fügen, scheint dies funktioniert zu haben. Es kommt mir allerdings so vor, als leide der Deutschsprachige Raum immer noch unter den Nachwehen des zweiten Weltkrieges: jede Kritik an fremdländischen Gedanken wird sogleich als Rechtsextrem und Islamophob gewertet, als hetzender Nazi vom Dienst schlecht hin. Selbst liberale Islamgelehrte weisen auf einen ordentlichen Diskurs hin, und sprechen davon, dass der Niqab dem Islam schaden würde.

Erneut, würde das Verbot etwas nützen? Ich fürchte kaum. Es beschränkte sich dann vermutlich auf die Zahlung einer Bußsumme. Aber immerhin setzte es ein Zeichen. Der Zwang sich zu entkleiden jedoch, lädt die Diskussion emotional auf und wenn Bilder, wie aus Frankreich in der Burkini-Debatte (wenn auch nicht ganz vergleichbar), die Rundreise machen, so tut einem vor allem die Frau leid, die sich vor drei Männern ausziehen musste. Fiel jemanden schon mal auf, dass es immer Männer sind, die bestimmen was Sache ist?

Und alsbald man sich in die Debatte einklinkt, folgt die nächste Absurdität, deswegen ein kleiner Exkurs dahin:

„Aber Highheels sind doch genau so unterdrückend. Die Frau fügt sich den wollenden Blick der Männer!“ Richtig. Aber rate, mein lieber Leser, wer gab denn dem Minirock, der Seidenstrumpfhose und den Highheels den erotischen „Code“? Männer! Nicht Frauen müssen sich anders kleiden, der Mann muss aufhören Frauen zu objektifizieren, ganz gleich ob ihr Ausschnitt tief und der Rock kurz ist.

Und ziehen wir zum Vergleich die Parallele zum Thema „Vergewaltigung“ heran, denn oft heißt es: „Frauen, geht nicht nach 10 Uhr Nachts auf die Straße, sonst könntet ihr vergewaltigt werden. Zieht euch nicht sexy an!“ Wtf? Seriously? Die Frau ist also Schuld, wenn sie vergewaltigt wird? Genau das, wird mit dieser Aussage behauptet. Warum heißt es nicht: „Männer, sauft nicht und geht nach 10 Uhr nicht auf die Straße, die Chance, dass eine Frau vergewaltigt wird, sinkt dadurch.“

Es gibt derzeit eine Aktion von Männern, die das Kopftuch für ein Foto tragen, während die Frauen daneben sitzen, mit sichtbarem Haar. Das ist an sich eine lobenswerte Aktion, aber die Unterdrückung durch den gesellschaftlichen Zwang werden die Männer kaum spüren. Und natürlich dankt der Kapitalismus und hievt das Kopftuch zum Fashion Accessoire empor und alles mündet in der Diskussion: Will man Frauen vorschreiben was sie zu tragen haben? Es schließt sich der Teufelskreis.

Interessant ist auch Verbindung zum Alltagssexismus. Ich sah auf Facebook erst kürzlich eine Grafik die sinngemäß sowas sagte wie: „Wann wird über die mangelnden Rechte von Frauen diskutiert: Bei geschlechtsspezifischen Lohnunterschied, bei Alltagssexismus, bei Chancenungleichheit und: Wenn eine Frau ein Kopftuch trägt“ – letzter Teil der Grafik nahm 3/4 ein. No na nit. Während das Kopftuch als sichtbares Zeichen der Unterdrückung gewertet wird – oder eben nicht – so trifft das auf den Alltagssexismus nicht zu, aus dem einfachen Grund, weil man ihn nicht physisch sieht.

Alltagssexismus nehmen viele nicht wahr und/oder registrieren diesen nicht mal, denn ein misogyner Witz „war ja eh nur Spaß“. Chancenungleichheit nehmen ebenso wenig Leute wahr und geschlechtsspezifischer Lohnunterschied resultiert genau daraus und die Leute argumentieren auch noch absurderweise damit. Ja natürlich bekommt die Frau weniger Lohn, wenn sie von vornherein weniger Chancen hatte. Wtf world, are you mad?

Das Kopftuch aber, um in dieser Diskussion den Kreis zu schließen, die Burka sowie der Niqab, sind sichtbar und fremd und fügen sich durch den bedeckenden Aspekt nicht der westlichen patriarchalen Struktur, dass die Frau für den Mann verfügbar sein soll, jedoch aber jenem Aspekt des Patriarchalismus, dass der Mann der Frau vorschreibt was sie zu tragen habe, sei es der Blicke anderer wegen, und/oder weil er sie für sich besitzen möchte; und/oder sie es tragen „will“, eben der männlichen Blicke wegen.

Warum reißt nicht einfach mal der Mann sich am Riemen und achtet auf „seine“ Verhaltensweisen, anstatt dass (oftmals) Männer über das Wohl von Frauen diskutieren?

Und wenn die Süddeutsche Zeitung im Forum frägt ob Westliche Werte und Burka vereinbar sind, so haben es auch diese wirklich nicht verstanden, erneut:

Es geht hier insbesondere nicht einmal nur um die westlichen Werte, sondern um die Werte der Frauen die via Voll-Verschleierung begraben werden. Selbst der Westen hat diesbezüglich noch was zu lernen, was es bedeutet Frauen die exakt selben Rechte zuzugestehen wie den Männern. Es ist immer noch die Frau die Karriere zwecks Kind zurück stellt. Niemand verlangt dies beispielsweise vom Mann, zugegeben in sicher Hinsicht sind auch seine Möglichkeiten begrenzter. Es ist immer noch die Frau, die daheim beim Kind bleibt, wenn es krank ist und die Frau, die nun alles tun soll. Von Haushalt, bis Kind, bis Job und im folgenden diskriminiert wird, wenn sie nur eines der Dinge tun möchte. Möglichkeiten, Herrschaften, es geht hier besonders auch um Möglichkeiten!

Kann ein reformierter Islam helfen? Wenn der Islam – der um ca. 650 Jahre jünger ist als das Christentum und nie eine Aufklärung durchlaufen hat, und somit in vielen Dingen als rückständig gesehen wird – diese althergebrachte Haltung ablegt, so kann er das tatsächlich, sofern er sich der gleichen Aufgabe annimmt, derer man auch in Europa langsam Gewicht einräumt.

Muss man eine Kultur akzeptieren, die anderen Menschen Autonomie nimmt? Nein! Man muss und darf und soll dies nicht. Weiße privilegierte Europäer glauben, man müsse nach jahrelangem Missionieren und der damit oft einhergehenden Auslöschung des einen oder anderen Volkes, alles tolerieren nur weil es von einer anderen Kultur kommt, sei es aus Schuldgefühl oder, dass Multikulti im Neoliberalismus kapitalistisch vermarktbar wird, weil Diversität und so. Warum nimmt man nicht Leute aus dieser betroffenen Kultur und gibt ihnen mehr Sprachraum? Warum glaubt der Europäer er wisse alles besser? Der Aufklärung wegen? Man klagt den Islam der Frauenfeindlichkeit wegen an, aber reißt selbst sexistische Witze. What the hell, world?

Und ja, ich biete eine Lösung: Einzig allein Bildung, Aufklärung und vor allem die Möglichkeit(!) für betroffene Frauen ernsthafte Hilfe und Schutz in Anspruch nehmen zu können, würde vielleicht ein Umdenken bringen. Wenn diese Frauen informiert und sich dessen bewusst wären, dass es eine Möglichkeit gäbe sich aus dem System aus zu klinken ohne sich in Gefahr zu bringen, dann, so denke ich mir, könnte man vielleicht etwas erreichen. Dann könnte ein Bewusstsein geschaffen werden, ein Selbstbewusstsein, dass sie doch mehr sind als wie nur Mutter oder Ehefrau. Mehr als nur ein hübsches Gesicht unter Make-up. Dass sie aus diesem System ausbrechen dürfen, können und sogar sollen.

Und wenn mir einer sagt „Sie können ja!“ Dann wundere ich ernsthaft mich über dessen Geisteszustand: Warum gibt es nicht mehr Berichte von muslimischen Frauen aus islamischen Staaten? Warum lesen wir nicht ständig Reportagen oder Kommentare oder Interviews? Weil diese Frauen in Angst leben. Man braucht nur die simple Biographie von Sabatina James lesen um das Ausmaß zu erahnen. Vielleicht haben wir uns aber nur daran gewöhnt, wie an die verhungernden afrikanischen Kinder. Ja, es gibt sie immer noch! Kümmert es irgendwen? Nein, es betrifft uns ja nicht. Verdammte Wohlfühlgesellschaft.

Es muss sich also etwas in der Grundhaltung gegenüber Frauen ändern. Generell. Solange sie entweder als Objekt zur Unterdrückung, als Eigentum oder als Objekt zur Sexualisierung gesehen werden, wird sich nichts ändern. Da ändert kein Gesetz der Welt etwas dagegen. Und dieser Appell richtet sich an Frauen, wie an Männer gleichzeitig.

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