Ein Generation XYZ-Beitrag, again

Ich finde „Generation“-basierte Artikel immer lustig und spannend. In gewisser Weise triggern sie mich.

Hier nochmal die grobe Einteilung:

Lost Generation: geb. 1883 – 1900, Greatest Generation: geb. 1901 – 1927, Silent Generation: geb. 1928 to 1945 (die ganz alten), Baby Boomers: geb. 1946-1964 (55-73), Generation X: geb. 1965-1980 (39-54), Millennials/Gen Y: Born 1981-1996 (23-38), Generation Z: geb. 1997-2012 (7-22). Und es gibt dann noch die Generation Alpha, jene, die wirklich und vollends im 21. Jahrhundert geboren sind.

Die Zahlen variieren natürlich je nach Quelle ein wenig. Manche sagen, Gen Z dauert bis 2015 und die Millenials beginnen erst ab 1985 und zwischen späten 70ern und Mitte 80er gibts in gewisser Weise ein Loch, die die Xennials füllen. Aber ja, Haarspalterei.

Anyway

Dachte ich mit 18 auch, dass ich und meine Generation was besonderes sind, uns gänzlich von den Alten unterscheiden, bemerkt man doch mit zunehmenden Alter: Tja. Dumm gelaufen. Wir waren jung, aber nicht anders. Denn exakt selbiges Verhalten bemerke ich bei Menschen, die gut 15 Jahre jünger sind als ich. Und ja, es ist exakt. das. gleiche. Verhalten. Sorry to say.

Und dabei habe ich selbst einen Beitrag einst geschrieben, warum wir, die Gen Y anders sind – oder so ähnlich. Was uns aber differenziert ist nicht die Unlust sich nicht binden zu wollen, sondern äußere Umstände, die uns in eine Art Zwischenwelt werfen. Aber dazu gegen Ende mehr.

Ihr wollt keine „typische“ Beziehung? Niemand will das mit 18

Letzthin stolperte ich auf Facebook über einen Artikel der hieß: „Wir sind die Generation die keine Beziehung will“ und ich dachte mir, in bester (Erwachsenen) Manier:

Nein, ihr seid einfach nur jung und wollt frei sein, eben 18; verblendet von Film- und TV, und ihr wartet auf den einzig perfekten Menschen, euren Seelenverwandten – für den oder die ihr dann eure Freiheit aufgeben, nein, gemeinsam mit ihr/ihm verbringen möchtet, und wollt derweil Spaß haben, aber nur Spaß und nicht die harte Arbeit, die eine Beziehung mit sich bringt; mit Kollegen platonisch kuscheln, auf Tinder Fickdates suchen, welches euch danach nicht auf die Pelle rückt; ungebunden sein, von heute auf morgen abhauen können, weil ihr habt noch euer gesamtes Leben vor euch. Und soviele Möglichkeiten! Und eine Beziehung bindet euch, macht euch mürbe weil wozu das alles, und all der Stress! Und was wenn der richtige, die richtige, dann direkt im Zug neben euch sitzt, während ihr in dieser Beziehung mit XY seid (der bzw. die eigentlich ein super toller Mensch ist) und sich deswegen nie für euch interessieren wird? Ja was dann? Das wars dann. Pech gehabt. Ihr werdet nie wieder unter all den 8 Milliarden Menschen diese eine perfekte Person, euren Seelenverwandten finden. Jap, da saß er/sie/es. Im Zug (es passiert immer im Zug).

That’s the deal, my dear

Erstens und guess what: Wir alle waren so mit 18. Die Baby Boomers, vermutlich sogar auch die Silent’s (die ganz alten), X und Y sowieso und jetzt ihr, die Z, die „Fomo – the fear of missing out„. Ihr habt Angst was zu verpassen? Ja, hatten wir auch. Parties, Konzerte, hier und da hin fahren, diese Reise weil wer weiß wie lange noch (Politik und Kriege – und, aber daran dachte damals niemand, Seuchen), und das muss man erlebt haben aber was ist wenn! Bevor man Kinder hat, bevor das richtige, schwere und düstere von Arbeit und Versicherungen und Rechnungen bezahlen durchzogene Leben beginnt, bevor allem! Alles bereits dagewesen. Fragt die Alten und hört ihnen zu. Auch eine 70 jährige wird euch von ihren Träumen als unabhängige junge Frau berichten. Die Umstände habens halt nicht erlaubt. Sie hätte gerne als Mädchen, aber das war nicht vorgesehen.

Zweitens: „der“ oder „die“ richtige wird es nicht geben. Es gibt unterschiedliche Menschen, die zu unterschiedlichen Lebenslagen passen, oder auch nicht. Ist so. Manche Partner passen 20, 40 oder auch 60 Jahre zusammen und manche eben nur ein paar Monate. Es gibt kein richtig und kein falsch, sondern nur ein: Passt es? Und ja, eine Beziehung ist unter anderem auch Arbeit. Nicht nur an sich, sondern auch gemeinsam.

Wenn ihr jetzt keine „typische“ Beziehung (monogam, evtl mit Kind) haben oder auch nie haben wollt, dann ist das auch vollkommen legitim und in Ordnung. Niemand sagt euch (außer die Eltern eventuell und die Schulkollegen, die eben mit Mitte zwanzig das erste Kind haben), dass eine Beziehung, wie sie tradiert, vermittelt und überall repräsentiert wird (Film, TV, Medien, Freunde, Dorfsitte) die Topform einer zu erreichenden Lebensgemeinschaft ist. Vielleicht lebt ihr in 5 Jahren auch in einer 3er Gemeinschaft, wer weiß? Vielleicht fühlt ihr euch in einem Harem wohl. Oder in einer Commune. Vielleicht aber sogar als Ehemann zuhause mit Kind am Bein.

Im Endeffekt ist es egal ob ihr jetzt etwas ernstes oder eben nicht wollt.

Aber die gute Nachricht ist!

Nicht das nicht-wollen einer Beziehung macht euch zu etwas besonderem, sondern der Umstand, dass ihr die erste Generation seid, die nur ein Leben mit Internet und vermutlich keines ohne kennt – außer eure Waldorf-Schulen Eltern sagten: „Nein, das ist böse, nein, das darfst du nicht“.

Das ist etwas, was euch niemand mehr nehmen kann, bis auf eure Kinder, aber die werden wieder andere technologische Veränderungen miterleben, die ihr erst vielleicht in euren zwanzigern entdeckt. Und das ist, vielleicht sogar vergleichbar mit der Generation, die mit gedruckten Büchern aufgewachsen ist (nach dem Buchdruck um 1440), ein großer, wirklich, wirklich großer Schritt.

Denkt darüber nach, schreibt darüber Beiträge! Schreibt darüber, wie es sich anfühlt, wenn jemand von „der Zeit davor“ redet, stellt euch das Leben ohne Smartphone und Internet vor. Schreibt darüber, wie es für euch ist. Diese Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit. Macht es euch Angst (mir macht es nach wie vor Angst), erkennt ihr, dass alles Fake ist und versucht man trotzdem Intagram-Starlet zu sein oder TikTok-Promi? I don’t know. Tell me! Und berichtet jetzt davon, jetzt wo es passiert und Erinnerungen daran noch nicht alles verklärt haben.

Ich verbrachte meine Kindheit noch Offline, ihr habt vermutlich bereits „Tablet-Zeit“ von euren Eltern bekommen (der Gen X) und wart vermutlich mit elf das erste mal auf PornHub als wir verstohlen die Nackten in der Bravo unter der Bettdecke angeschaut oder ein Erotik-Magazin vom Kiosk geklaut haben. Vermutlich aber verbrachten wir ähnlich viel Zeit vor dem Fernseher, Bildschirm, nur dass meine Cartoons viel besser waren als eure (das muss ich sagen, weil früher war alles besser). Und vermutlich sind unsere Leben gar nicht so unterschiedlich, wenn viele von euch ein Fabel für die 90er entwickeln und immer mehr Independent-Film-Produktionen auf Smartphone und dergleichen verzichten.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Kulturelles

3 Antworten zu “Ein Generation XYZ-Beitrag, again

  1. Sybille Lengauer

    Uns Jugendliche nannte man damals in den 90ern die „No Future“ Generation. Seitdem ist ganz schön viel Zukunft passiert.

  2. Generation X…. ich wusste gar nicht, dass so alte UHus wie ich damit gemeint sind.

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