„The Hateful 8“

Erster Eindruck und Review – nach einem Glas Wasser mit müden Augen verfasst. Etwas Spoiler!

Der 8. Film von Quentin Tarantino. The Hateful 8. Der 8. Film. The Hateful 8. Der..

Lag es an der Uhrzeit – der Film startete um 22:00 und mir war die sagenhafte Länge von 2 Stunden und 40 Minuten bewusst – oder lag es am Film selbst? Dass einerseits meine Begleitung zu der Rechten öfters einnickte und ich beim mir unbekannten Mitte 40-Italiener zu meiner Linken, hin und wieder ein kleines Nickerchen wahrnahm. Ist es die Jugend der 90’er doch mittlerweile gewohnt, sich zu dieser noch seligen Stunde bereits an Morpheus‘ behaarte Brust zu kuscheln.

Die Antwort auf meine Frage, wie denn der Film so sei, meinte man: „Ein Tarantino eben“. Und ich dachte mir: In Ordnung, genial-witzig originelle, aber doch dem Alltag gestohlene Dialoge, eine gute Portion detaillierte Gewalt, mit etwas Splatter versüßt. Hm. Ja. Okay. Ja, doch. Schon etwas. Eigentlich ja.

Aber Herrschaften! Wir befinden uns im Wilden Westen, und wenn einer noch Erinnerungen an die in Kindheitstagen ausgestrahlten Indianer-Filme besitzt, die man gespannt unter dem Couch-Zelt verfolgte, dann wird man eine gewisse Ähnlichkeit feststellen können. Same same bei unseren geliebten Italo-Western Helden. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, trifft Tarantino natürlich genau ins Schwarze. Er beherrscht sein Handwerk wie die Dialektik und besitzt das notwendige Feingefühl, diese (die Dialektik) gekonnt abzubilden. Wobei der Stil des typischen Western-Genres in Django Unchaind besser eingefangen wurde. mMn.

Allerdings scheint mir, dass diese „würzige“ Tarantino Mischung über die Jahre hinweg dezent an Aroma verlor. Was in den 90ern „cool“ war und ein fast jeder diverse Dialoge auswendig zitieren konnte (Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Four Rooms und/oder Jackie Brown), kam zur Jahrtausendwende etwas an „Drive“ abhanden, oder zitiert heute jemand aus Inglourious Bastards oder Django Unchained (eher, aber doch eher weniger..)?

Vermutlich liegt es auch am aktuellen Überangebot, welches bis in die Poren kriecht und erfolgreich verhindert, einen aktuellen Film 2x oder 7x oder 13x anzusehen, geschweige davon Zeit, Motivation und Energie aufbringen könnte, belanglose Dialoge durch zuhören und immer wieder schauen, auswendig zu lernen.. Aber fragt mich nicht warum. Ich könnte spekulieren und vergleichen und erneut spekulieren und analysieren, aber hier spricht lediglich mein Gefühl.

Etwas zum Film selbst: Ich mag Mr. Orange. Ich fand ihn immer irgendwie nett und auch attraktiv, wobei mein Teenage-Crush dann doch Mr. Pink war. Atombomben Nein! Atombomben Nein! Mr. Blonde war ebenfalls mit von der Partie. Nett. Tarantino behält sich wie Tim Burton seine wiederkehrenden Darsteller. Nett. Ich mag es, alte Freunde im neuen Gewand wieder zu sehen. Nett. Kurz: Am Cast kann man nichts aussetzen. Ein paar Natur-Aufnahmen schafften es in den Film. Ich fror. Es war kalt. Die war Geschichte breit gezogen und in einer halben Stunde erzählt. Doch die amüsante, britische Darstellung eines sichtlich gealterten Mr. Orange lockerten auf. Vergnügt folgte ich seiner Darstellung. Gern hätte ich mehr davon gesehen. Warum schaffte er es nie auf die A-List?

Erneut: Die Szenen waren lang. Aber spricht man von Tarantino stehen ausgefeilte Dialoge; einzelne, perfekte Szenen und die Hommage an das jeweilige Genre im Vordergrund; und nicht zwangsläufig eine sich an Handlungen orientierende Story. Werte Leserschaft, wir haben es hier mit einem Herren zu tun, der sich der Schnelllebigkeit entgegen stellt und sich Zeit lässt. Vielleicht etwas zu viel. Aber das ist Tarantino.

Also hätte die Überlänge sein müssen? Hätte sie? Zugegeben, da ich davon wusste, nahm ich die „Überlänge“ nicht so deutlich wahr. Kurz vor Ende dachte ich mir: Gut.. nochmal eine Stunde. Aber ja, es war.. langwierig, die hasserfüllten Acht zogen ihre Geschichte in die Länge. Es war teilweise wirklich mühsam, war es der Länge oder der Uhrzeit wegen. Man sollte in diesem Sinne wohl immer unter den gleichen Bedingungen einen Film zu sich führen: Gleiches Essen davor, gleiche Uhrzeit, gleiches Getränk – eben ähnliche Bedingungen schaffen.. dann könnte man in der Tat vergleichen und wahrhaftig in bester Manier abschätzen.

Die Frauen wie immer in der Minderzahl und dem Tode geweiht. Was wäre ich vor Freude in die Luft gesprungen, hätte Frau Zahnlos und mit Channing Tatums Hirn am Kopf doch noch den lebendigen Sieg davon getragen. Zugegeben, ich kenne den Herrn dessen Hirn an Frau Zahnlos klebte, lediglich aus einem Pastellfarbenen Liebesfilm, sowie aus This is the End.. Und da sind sie wieder, die Bilder..

Fazit: Jo.. ein Tarantino nach der Jahrtausendwende eben, aber immerhin noch ein Tarantino. Der letzte vielleicht. Der letzte Tarantino. Vielleicht.

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Eingeordnet unter Filme!, Kritik und Rezension

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