„Eddie the Eagle“, Sneak Preview

Die erste Regel des Sneak Preview: Niemand verlässt den Raum, egal wie schlecht der Film ist.
Die zweite Regel des Sneak Preview: Niemand verlässt den Raum, egal wie schlecht der Film ist.

Ich bin kein Winter-Fan. Ich hasse die Kälte. Auch an Sport-Events bin deutlich desinteressiert. Am ehesten noch Tanz und Kampfsport. Kein Fußball, kein Tennis, kein Basketball, kein American Football. Als ich 6 war glaubte meine Mutter, dass es sicherer sei auf einem Pferd zu turnen als es selbst zu reiten, weil es ist ja angeleint, da kann ja nichts passieren. Ich voltigierte bis ich 10 war, dann bekam ich normale Reitstunden. Als ich 12 war spielte ich Volleyball in der Schülerliga („Mila, kann lachen…“) und übte Karate aus. Einer meiner tollsten Triumphe war, als ich meine garstige Cousine, die bereits Gelb trug als ich immer noch ein jämmerlicher Weißgurt war, bei einem Turnier 5:0 besiegte. Nimm das, B*tch! Als ich 17 war wechselte ich zu Taekwondo. Der Meister riet mir: „Moatle, gang Ballett tanza, des hoat koan Sinn“ und er hatte recht. Kurz darauf begann ich mit Ballett, Jazz-Dance, Modern-Dance, Hiphop, Bauchtanz und dergleichen…

Anyway. Ich kann und konnte mir nichts langweiligeres vorstellen, als wie einen Film über Wintersport anzusehen. Wobei ich einst einen Bergsteiger-Film über die Eiger Nordwand sah und die Dramaturgie höchst spannend fand, besonders als einer der Protagonisten gegen Ende am Seil den Kältetod erlitt.. 5 Meter vor seiner Rettung in Gestalt eines hübschen Mädchens entfernt, dass es so in der richtigen Geschichte nie gegeben hatte. Ja, ich recherchierte sogar.

Anyway.

Es war britischer Film. Der Junge wollte unbedingt bei den olympischen Spielen mitmachen und versuchte sich an jeder noch so erdenklichen Sportart. Du meine Güte, ein Sportfilm. Der Vater war dagegen, die Mutter gütig und unterstützend. Seine Beine waren nicht ganz so toll und er wirkte etwas schusselig. Dann begann er mit Wintersport. Ach herrje. Er gewann Medaillen und Pokale mit Skifahren und schlussendlich: Ski-Springen – nachdem man ihm die Reise zu den olympischen Spielen via Skifahren verwehrte. Oder so. Meine Stimmung befand sich auf dem Kälteniveau von Schnee. Aber gut dachte ich mir, gib dem Film eine Chance. Es geht um einen jungen Mann, der seinen Traum verwirklichen will! Und es ist ein britischer Film. Der Darsteller ist sympathisch. Und Wolverine als Klischee-Ami ist dabei.

Also schaffte der schusselige Brite es nach Garmisch zum Ski-Springen um sich für Olympia zu qualifizieren. 15 Meter, kein Problem. Auf zu den 40, und der Fall kommt stets nach dem  Mut. Eine gut gealterte Iris Berben warf sich dem jungen Mann binnen Sekunden an den Hals. Sie muss ein verruchtes Mädel zu ihrer Zeit gewesen sein. Wolverine als ehemaliger Weltklasse Ski-Springer mit Erz-Engel Gabriel bzw. dem kopflosen Hessen als Trainer weigerte sich zunächst Eddie zu trainieren, tut es dann aber doch. Klassiker. Dirty Dancing! Ja, ich habe von Ski-Sprung-Training keine Ahnung. Laut meiner Begleitung, trainiert man jedoch so. Wie in Dirty Dancing also? Wolverines beste Szene war wohl eindeutig jene, in welcher er in super-cooler Ami-Manier mit Zigarette und Flachmann, nur in Jeans und Hemd gekleidet die 90 bei Nacht springt, begleitet von 80er Jahre Musik. Pathetisch, großartig. Ja, man musste lächeln. Man könnte es belächeln. Aber es ist Wolverine, er darf das. Und der Film spielt in den 80ern, da ist es ebenfalls okay.

Die Songs des Soundtracks wurden von Musikern, die u.a. ihren Höhepunkt in den 80ern hatten, und Gary Barlow (Take That) im Stil der 80er neu produziert. Man merkt die Differenz.

Ich ertappte mich dabei, wie ich mir wünschte mehr Filme aus diesem Jahrzehnt zu sehen, die Musik war und ist der Inbegriff von Guilty Pleasure! Zu Schade, dass nur wenige Filme 80er-Jahre Themen aufgreifen. Ich fand auch den Soundtrack von Guardians of the Galaxy großartig.

Meine Begleitung kannte Eddie und erklärte mir, dass das V-Springen erst in modernen Zeiten, nach den 80ern entstanden sei. Aber offensichtlich haben sie keinen mehr gefunden der parallel springen kann. Michael Edwards sei als einer der schlechtesten Ski-Springer der Welt als „heroic failure“ bekannt geworden – auch wenn er einen britischen Rekord von 61 Metern aufstellte. Und wie er sich freute. Wie er tanzte und die Menge jubelte und freute sich mit ihm. Mein Herz sprang mit. Nein, es war sehr nett. Es war wirklich sympathisch. Es gibt demzufolge auch die „Eagle-Rule„, dass bei den olympischen Spielen härter geprüft wird und eine gewisse Leistung erbracht werden muss.

Fein, gut. Ich gab dem Film eine Chance und fieberte in der Geschichte um einen jungen Mann mit, der etwas erreichen wollte, koste es was es wolle. Ganz gleich ob jeder ihm sagte: „Das wird nichts“ oder die Presse ihn auslachte. Scheiss drauf. Er wollte bei den olympischen Spielen antreten und schaffte es auch – trotz Sabotage der eigenen Landsleute. Zwar sprang er nur 70m als er zum ersten mal die 90 sprang, aber hey: Britischer Rekord ist britischer Rekord – da Großbritannien bis 1987 noch kein britisches Ski-Springer Team hatte. Es kommt auf die Sichtweise an.

Der Film endet damit, dass er schlussendlich antritt, die 90 landet und Erzengel Gabriel ihm persönlich gratuliert und sich wieder mit Wolverine gut stellt, weil natürlich und wie denn sonst, der hochtalentierte Springer eben null Disziplin mit sich brachte und sich lieber der Flasche hingab. Du meine Güte.. selbst wenn er lächelt, wirkt Herr Walken schauerlich und creepy. Alt ist er geworden.. und laut  IMDB basieren 10% des Filmes auf wahren Begebenheiten. Dennoch wars nett.

Fazit: Ein netter Film über Wünsche die in Erfüllung gehen und in ihrem brachialen Scheitern zelebriert werden. Illusion of hope: restored.

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Eingeordnet unter Filme!, Kritik und Rezension, Sneak Preview

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